Gas

Gasspeicher-Daten überraschen nach Nord Stream 1-Reduzierung

Gazprom hat die Liefermengen an Gas über Nord Stream 1 deutlich reduziert. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher reagieren erstaunlich.

Gas-Flamme

Vor genau einer Woche hat Gazprom damit begonnen die Gaslieferungen durch die zentral wichtige Pipeline Nord Stream 1 drastisch zu reduzieren. Derzeit fließt nur noch ein Bruchteil der möglichen Mengen an Gas durch die Ostseepipeline. Letzte Woche hatten wir berichtet und spekuliert, wie stark sich diese Einschränkung auf die deutschen Gasspeicher auswirken würde. Ist dies das Ende des rasanten Anstiegs der Füllstände in den Gasspeichern? Denn noch Mitte Februar waren es 31,5 Prozent, Mitte April 30,1 Prozent, Mitte Mai 41,79 Prozent und am Dienstag den 14. Juni bereits 55,95 Prozent. Gerade in den letzten Wochen gab es einen drastischen Anstieg der Füllstände.

Füllstände der Gasspeicher steigen weiter deutlich an – trotz weniger Gas über Nord Stream 1

Also: Am 14. Juni waren die deutschen Gasspeicher zu 55,95 Prozent gefüllt, und seitdem hat Gazprom die Durchleitung über Nord Stream 1 zu großen Teilen runtergefahren. Aber in den Tagen danach bis zum Sonntag den 19. Juni (aktuellste Daten von Gas Infrastructure Europe) ist der Füllstand Tag für Tag weiter deutlich angestiegen um 0,35 Prozentpunkte, 0,39 Prozentpunkte, 0,43 Prozentpunkte, 0,55 Prozentpunkte und 0,53 Prozentpunkte. Jetzt sehen wir 58,1 Prozent Füllstand. Das mildere Wetter und die möglichst hohen Importe von Flüssiggas aus Übersee sorgen offenbar weiterhin dafür, dass die Gasspeicher sich füllen.

Unsicherheitsfaktoren Gazprom und ausgefallener LNG-Terminal in Texas

Immer noch bleiben zwei Unsicherheitsfaktoren, die die Auffüllung der Gasspeicher in den nächsten Wochen negativ beeinflussen könnten. Laut gestrigen Aussagen der Experten der Commerzbank lagen die Lieferungen von Gazprom über Nord Stream 1 zuletzt nur noch bei gut 700 GWh pro Tag und damit 50 Prozent niedriger als vor einer Woche, sowie 60 Prozent niedriger als zu Monatsbeginn. Reduziert Russland diese Lieferungen von Gas weiter, könnte die Lage ernst werden. Auch wird es spannend sein zu sehen, was Gazprom machen wird, wenn Siemens die reparierten Gasturbinen wieder zurück liefern wird. Erhöht Gazprom dann die Liefermengen wieder auf vorige hohe Niveaus? Oder bleiben die Mengen reduziert?

Dazu kommt der vor kurzem ausgefallene Verladeterminal im US-Bundesstaat Texas. Dort gab es eine Explosion und einen Brand. Diese Anlage fällt wohl zu großen Teilen bis Jahresende aus – sie stand für gut 20 Prozent der Verladekapazität der USA von Flüssiggas auf Tanker Richtung Übersee. Dieser Effekt der ausgefallenen Verladekapazität dürften die europäischen Abnehmer verständlicherweise erst mit einigen Wochen Verzögerung spüren. Denn bis Tanker in Europa ankommen, dauert es nun mal seine Zeit. Also dürften die fehlenden Tanker aus Texas erst ein einigen Wochen den europäischen Gasmarkt negativ beeinflussen.

Hoffnungsschimmer

Trotzdem kann man auf die kurze Sicht sagen: Die deutschen Gasspeicher füllen sich weiterhin deutlich von Tag zu Tag, und dass obwohl Gazprom die Kapazität über Nord Stream 1 deutlich gedrosselt hat. Das gibt Hoffnung, für den Moment. Ebenfalls positiv für die Füllstände der Gasspeicher ist vor allem die am Sonntag angekündigte Maßnahme von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu werten. Denn er hat verkündet, dass Gas als Brennstoff für die Stromerzeugung stark reduziert und durch Kohle ersetzt werden soll. Dadurch kann man mehr Gas in die Gasspeicher pumpen, und für die anstehende nächste Heizperiode ab Herbst die Bestände auffüllen. Hier nochmal auszugsweise aus der Veröffentlichung von Habecks Ministerium:

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Um den Gasverbrauch zu senken, soll weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden. Stattdessen werden Kohlekraftwerke stärker zum Einsatz kommen müssen. Das entsprechende Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz, das dies ermöglicht, ist derzeit im parlamentarischen Verfahren und soll am 8. Juli im Bundesrat behandelt werden und dann zügig in Kraft treten. Parallel dazu bereitet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) jetzt die notwendige Ministerverordnung vor, mit der die Gasersatzreserve aktiviert wird.



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9 Kommentare

  1. Verwunderlich ist die Injektionsrate bei den Speichern nicht. Norwegen liefert sich gerade dumm und dämlich. Dazu kommen die LNG´s aus Belgien, Holland und anderen Staaten. Die Europäer sparen jetzt Gas ein und versuchen zu horten, was sie in die Finger bekommen können, egal was es kostet. Würde mich nicht wundern, wenn der Gaspreis zur Rezession hin wieder fällt, dann haben wir super teures Gas in den Lagern. Ich sehe schon die Unterstützungsmilliarden rollen, wenn die Betreiber sytemrelevant gestützt werden müssen ala GaspromGermany oder UNIPER. Unten mehr dazu.
    Andererseits ist es eigentlich fast egal, was in den Lagern vorrätig ist, diese Info ist nur die Beruhigungspille oder der Aufreger/Propagandahammer für den DeutschBlödhaufen. Grund: Man sollte nicht so sehr auf die Füllstände achten, denn die Kapazitäten reichen nur zu 1/7 des Jahresverbrauchs europa- und deutschlandweit. Das heisst,wenn wir einen kalten Winter bekommen ist nach 1-2 Monaten Schicht im Schacht, wenn wir nur aus den Lagern ziehen würden. Laufende Lieferungen sind also wichtiger!
    Ich wohne in der Nähe zum UGS Bad Lauchstädt mit über 20,5 TWh, dem 2. größten Speicher in D nach Rehden, der mehr als doppelt so groß ist. Hier kommt/kam das Gas hauptsächlich aus Rußland und der ist fast voll. Ein guter Bekannter der dort regelmäßig zu tun hat, sagte mir, dass alles zu jedem Preis eingelagert wird, egal ob der Verbund miese macht oder nicht. Wobei der Russe immer seine Verträge eingehalten hat egal, wie er in letzter Zeit vom Westen behandelt wurde. Da kann der Russe klar Handel und Ideologie trennen. Doch nun ist Schluss mit lustig. Der Markt wird auf Ministerebene ausgehebelt, zahlen tut ja der Steuezahler. Er sieht dicke Wolken aufziehen.
    Kohle ist die Lösung? Lächerliche Ansage vom Hobbybauern. Vor ein paar Wochen wurde die Steinkohle aus Rußland sanktioniert und Kohle aus Übersee ist momentan auch sehr teuer. Ich denke im Energieministerium regiert z.Zt. die blanke Panik.

  2. Joa wenn Russland dann so zuverlässig liefert im winter, konnenzwir das günstige Gas in der Rezession dann Verbrauchern und das teure als Mischkalkulation mit einbringen. Von daher passt ihr zuverlässiges Russland doch wunderbar in ihr 1/7( was ja nur stimmt, wenn man kein Gas mehr erhält) wunderbar in eine gute günstige Versorgung unseres Landes.

  3. Hallo Zabbi, ihr Kommentar hätte tatsächlich den Eindruck erwecken können, dass Sie etwas vom Thema verstehen. Die eingestreute beleidigende Wortwahl weist jedoch schnell darauf hin, dass Sie es wohl nur besser wissen wollen. Eigentlich schade. Dirk Schneider

  4. Das klingt gut, doch bitte thematisiert und diskutiert darüber nicht mehr öffentlich. Ich wundere mich die ganze Zeit über die offene Darlegung aller wichtigen Parameter, die für Putins weitere Planung essentiell wichtig sind. Politik-, Wissenschaft- und Wirtschaftselite. Sie alle zusammen nutzen die Krise, um an eigener Popularität, Ansehen und Einfluss zu gewinnen. Das ist für Putin wie Paradies um weiter zu planen. Er hällt sich seine Züge bedeckt. Ich glaube alle unterschätzen hier in diesem Zusammenhang, dass sich das Putin-Regime seit vielen Jahren auf alle Varianten des Kriegsverlaufs vorbereiten konnte.
    Planen, Informationen sammeln, auswerten und vorbereiten. Wie im Schach konnten sie auf jeden unserer Züge ein Gegenzug ermitteln. Sie haben mit Sicherheit ein detaillierten Fahrplan für jede unsere Handlung. Liebe Leute ich appelliere an eure Intelligenz, bitte spricht über all diese Sachen, die für unsere Sicherheit von Bedeutung sind nicht mehr offen in allen Kanälen, die für jeden zugänglich ist. Auch, wenn sich das deutsche Volk das so wünscht. Am Ende wollen wir doch alle das ganze so gut wie möglich überleben. Unsere Arroganz und selbst Herrlichkeit hat uns schon einmal Irre geführt und in die Situation, die wir jetzt haben, blind hinein manövriert. Bitte, an jede Presse unser Union, sammelt Euren Stoff, Bilder, Daten, Videos, Belege…aber veröffentlicht erst dann, wenn es keinen Schaden mehr abrichten kann. Ihr müsst jetzt alle zusammen ein Fahrplan für Zurückhaltung vereinbaren 🙏❌⭕❌⭕

    1. @Dalia – das frage ich mich auch schon seit geraumer Zeit. Warum werden z.B. die Waffenlieferungen im Detail Herrn Putin auf dem Präsentierteller dargeboten? Bis auf die Militärs braucht das doch keiner so genau zu wissen. Für die russischen Geheimdienste wird es wohl nicht so schwer sein, dieses in Erfahrung zu bringen, aber es ihnen extra leicht zu machen, scheint mir auch nicht besonders klug zu sein…

      1. @Dalia, @Lausi

        Wer treibt denn die Regierung plötzlich werbewirksam seit Wochen vor sich her, mit utopischen Forderungen nach Waffenlieferungen, die jenseits von Gut und Böse liegen?
        Die Komplettversager, die Deutschland über Jahrzehnte in die Sackgasse manövriert haben.
        Plötzlich regt sich Widerstand gegen die eigenen Versäumnisse, ein Meister Merz wird alles richten. Was wir an Waffenlieferungen erfahren, ist das, was Merz und Putin hören sollen.
        Was wirklich geliefert wird, werden wir nie erfahren. Und das ist gut so…

  5. Putin gehört an die Wand gestellt und Merkel sollte sich auf jeden Fall beim Deutschen Volk entschuldigen! Sie war nämlich schon 2015 der Meinung, er Putin müsse nach der Anexion der Krim noch irgend einen Sieg erringen! Welch ein Schwachsinn. Kauft kein nichts mehr bei Russen, das ist für die nächsten hundert Jahre die Lösung.

    1. @Detlef Fingerling, Volle Zustimmung!

      Aber manchmal sind die Russen schon auch lustig und humorvoll:
      „Kreml stellt Bedingung für EU-Beitritt der Ukraine.“ Ich wusste gar nicht, dass die da auch mitreden dürfen.
      „Die Ukraine ist nun EU-Beitrittskandidat. Eine Aufnahme dürfe aber nicht die Beziehungen zwischen den beiden Ländern (Ukraine und Russland) verschlechtern, warnt der Kreml.“ Man bombardiert das ganze Land, Zivilisten, Infrastruktur und Kultur mit allem, was man hat. Man vergewaltigt, plündert, stiehlt alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Man zerstört Ernten und deportiert hundertausende aus der Zivilbevölkerung. Aber die Beziehungen dürfen sich nicht verschlechtern.

    2. Solche Aussagen würde ich mir, ohne dass nötige Hintergrundwissen, verkneifen. Es gibt, immer, nicht nur einen Schuldigen!!

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