Eigentlich ist der Sommer der ideale Zeitpunkt Gasspeicher wieder aufzufüllen. Die Nachfrage nach Gas ist mangels kalter Temperaturen und ausgeschalteter Heizungen sehr niedrig, von daher kann man zu günstigen Preisen einkaufen, und dann mit vollen Speichern entspannt ab Herbst in die Heizperiode starten. Aber nicht dieses Jahr?
Gasspeicher in Deutschland mit sehr niedrigem Füllstand
Aktuelle Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, dass die deutschen Gasspeicher derzeit im Schnitt zu 46,06 % gefüllt sind. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 77 %. Diese Grafik der Bundesnetzagentur zeigt den seit Monaten entstandenen Abstand zum Wert des Vorjahres. Zwar legt der Speicherstand etwas zu, aber der Abstand zum eigentlich üblichen Füllniveau der Vorjahre ist enorm. Im EU-Schnitt sind die Gasspeicher aktuell zu 54 % gefüllt, im Vorjahr waren es 73,4 %. Deutschlands größter Gasspeicher in Rehden (SEFE Storage) ist derzeit nur zu 10,45 % gefüllt, andere zu weit unter 50 %, einige aber auch zu über 80 %. Im Schnitt sind es wie gesagt derzeit 46,06 % Füllstand.
Sommer-Winter-Spread
Die „Initiative Energie Speichern“ schreibt unter anderem über Gasspeicher in Deutschland als grundsätzliche Erläuterung: „Einen Erlös erwirtschaftet der Kunde der Gasspeicher vor allem aus der Preisdifferenz zwischen Sommer- und Winterverträgen. Diese Preisdifferenz bezeichnet man als den Sommer-Winter-Spread. Der Sommer-Winter-Spread ist der wesentliche Ertragsindikator für Gasspeicher in Deutschland.“
Wenn die Gasspeicher jetzt relativ leer sind, darf man also annehmen: Die Betreiber der Speicher erwarten für den Winter keine wesentliche höheren Gaspreise als jetzt. Andernfalls würden sie jetzt – wie in den Vorjahren – viel Gas einkaufen, um es dann „hoffentlich“ im Winter teurer zu verkaufen. Aber aktuell scheint man anzunehmen, dass auch im Winter so viel Gasangebot am globalen Markt vorhanden ist, dass die Preise nicht ansteigen werden? Oder weil genug LNG aus den USA und anderen Ländern geliefert wird? Je mehr LNG aus den USA, Katar und anderen Orten zu festen Verträgen nach Europa geliefert wird, desto leerer könnten die Gasspeicher hierzulande im Sommer sein? Denn LNG wird immer nach Lieferung direkt verbraucht, und nicht gespeichert.
Jetzt mehr Gas zu kaufen, ist teurer geworden. Durch den Iran-Israel-Krieg, der seit Freitag letzter Woche läuft, stiegen die Gaspreise am Großhandelsmarkt um 13 %. Denn beispielsweise Katar ist ein gigantischer Player am internationalen Gasmarkt. Vor seiner Küste im Persischen Golf liegt ein gigantisches Gasfeld, das man anzapft. Sperrt der Iran die Straße von Hormus, kann dieses Gas per LNG-Tanker nicht auf den Weltmarkt gelangen. Aber wie der obige Chart auch zeigt: Durch den letzten kälteren Winter gab es einen höheren Gasverbrauch hierzulande, weshalb die Gasspeicher derzeit von tieferen Niveaus aus als in den Vorjahren aufgefüllt werden müssen.
Ausschreibung zur Wiederbefüllung von Speichern endete erfolglos
Letzte Woche vergab der Betreiber Uniper laut Bloomberg keine zusätzlichen Kapazitäten in seiner unterirdischen Anlage in Breitbrunn, der viertgrößten in Deutschland. Damit ist die bayerische Anlage zu zwei Dritteln leer und es besteht ein sehr hohes Risiko, dass das 80-Prozent-Ziel bis November deutlich verfehlt wird. Die Gasspeicher-Anlage ist eine von mehreren in Deutschland, die Schwierigkeiten haben, vor dem nächsten Winter einen Brennstoffpuffer aufzubauen. Während Deutschland früher den Großteil seines Gases über Pipelines aus Russland bezog, musste man aufgrund der Unterbrechung der Lieferungen vor drei Jahren verstärkt auf Reserven zurückgreifen.
Die angespannte Marktsituation hat Spekulationen ausgelöst, dass der deutsche Gasmarktmanager Trading Hub Europe GmbH möglicherweise irgendwann in den Markt eingreifen muss, um sicherzustellen, dass die Brennstoffreserven vor der Heizperiode ausreichend sind. Uniper hat bereits angekündigt, dass der Gasspeicher in Breitbrunn ihr Füllungsziel für November verfehlen wird, und hat THE um Intervention gebeten, die sich bisher jedoch zurückgehalten hat.
Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet laut einem Bericht von Bloomberg vom letzten Monat mit einer hohen Hürde für Eingriffe in die Gasspeicher in diesem Jahr. Möglicherweise muss es sich jedoch mit den allgemeineren Problemen der Speicherbetreiber befassen, die trotz ihrer wichtigen Funktion für das Energiesystem Schwierigkeiten haben, Gewinne zu erzielen. Der größte Gasspeicher des Landes in Rehden ist nach wie vor fast leer.
Für Breitbrunn hat Uniper aufgrund der schwierigen Marktbedingungen und regulatorischer Maßnahmen Pläne zur Stilllegung bis Anfang 2027 angekündigt. Dieser Schritt muss noch von der deutschen Energieregulierungsbehörde genehmigt werden, aber es ist ungewiss, ob sie zustimmen wird, da Breitbrunn sowohl für die Versorgungssicherheit in Deutschland als auch im benachbarten Österreich als wichtig gilt. Während Europa bei seinen Vorratsbemühungen insgesamt Fortschritte erzielt hat, ist Deutschland der größte Markt und verfügt über die größten Gasspeicher sowie den größten industriellen Gasbedarf. Die Marktteilnehmer beobachten daher aufmerksam, wie man hierzuland auf mögliche Engpässe reagieren wird.
FMW/Bloomberg
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Man hätte damit beginnen können in Deutschland wieder mehr Gas zu fördern, aber Habeck wusste es besser. Weil wir demnächst Wasserstoff einkaufen, brauchen wir kein Erdgas mehr. Tja, man hat Habeck machen lassen, so wie er auch 600 Mio bei Northvolt versenkt hat. Egal.
Vielleicht sollten wir wieder zurück kommen zu – wer Visionen hat soll zum Arzt gehen?
Früher brauchten wir uns darüber keine Gedanken machen. Da war Gas billig, umweltschonend und immer verfügbar. Aber, Werte sind wichtiger. Selbst im kalten Krieg hat die SU zuverlässig geliefert. Nur für die Moralapostel hier.
Das war so bevor Russland die Ukraine überfiel und -schon vergessen? – den Gasspeicher leer laufen ließ. Später stellten sie dann die Gaslieferungen ganz ein. Was ich verstehen kann, denn wir wollten Russland mit Sanktionen in die Knie zwingen. Das war zu der Zeit als wir nur 5000 Helme liefern wollten, heute finanzieren wir den Krieg der Ukraine. Ich will damit sagen, dass das Tischtuch zerschnitten ist.
Wenn ich mir die Grafik über die Speicherfüllstände ansehen, dann steigt die Kurve so wie auch in den Jahren zuvor. Ich kann nicht erkennen, dass sich etwas gegenüber den Vorjahren geändert hätte. Warum dann der Ruf nach staatlichem Geld? Habeck ließ Gas kaufen, egal was es kostet, und kurz danach fiel der Preis für Erdgas massiv und Deutschland hatte zu überhöhten Preisen gekauft gehabt. Soll das wiederholt werden? Wobei, wenn ich mir ansehe wie Merkel Geld verschwendet hat (zB Atomausstieg und Kohleaustieg mit dem Ende der energieintensiven Wirtschaft in der Folge), dann waren Habecks verschwendete Mio Peenuts.
Übrigens, Habeck hatte noch kurz vor seinem Abgang die Vorgabe für die Füllstände von 90% auf 80% gesenkt gehabt, also wieder ungefähr auf das Niveau, dass wir hatten bevor Habeck den Wert hochsetzte. Wobei die staatlichen Einkäufer die Speicher zeitweise zu 100% füllten. Kommt jetzt aber der deutsche Umstieg von Kohle auf Gas, dann dürfte Nachfrage nach Gas im Winter weiter steigen. Ich erinnere daran, dass wir keine Lieferverträge mit zB Katar haben, weil die für 20 Jahre eine gesicherte Abnahme wollten, aber wir steigen demnächst ja auf Wasserstoff um. Der muss dann allerdings subventioniert werden, weil extrem teuer in der Herstellung. Egal, die Visionen der Politik sind wichtiger als wirtschaftliche Vernunft. Zumindest wenn andere sie bezahlen. Beim eigenen Einkommen sieht das dagegen anders aus, da achtet man sehr darauf das das stimmt.
Mal die Leute fragen, die das 18. Sanktionspaket gegen Russland schnüren.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Jetzt ratet doch mal, wer sich am Ende durchsetzen wird.
Natürlich wird Europa dann das Gas von den Amis mit einem „kleinen Preisaufschlag“ kaufen können.
Die Sanktionen von Europa gegen Russland sind für die Amis bares Geld, und sollten weiter ausgebaut werden.
Wenn „zufällig“ Engpässe in der Lieferung von LNG aus den USA auftreten, wird sich alles noch beschleunigen.
…Russisches Gas für Europa: Um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 tobt ein Machtkampf zwischen EU und USA…
https://www.merkur.de/wirtschaft/russisches-gas-fuer-europa-um-nord-stream-tobt-ein-machtkampf-zr-93791727.html
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Im Augenblick kaufen wir viel Gas in Norwegen. Ich selber habe Anleihen von denen, da es etwa 4% Zinsen gibt und die NOK gegenüber dem Euro sogar leicht steigt.
Anderere mögliche Gaslieferanten findet man am Mittelmeer, selbst Israel könnte dazugehören. Vorteil ist hier, dass das Gas per Röhre geliefert werden kann. PS: Ich glaube ein neuer Gaslieferant ist aktuell Aserbaidschan. Man kann in der Presse lesen, dass man einen Vertrag für über 10 Jahre abgeschlossen hat. Es geht auch ohne Russland, wobei Putin sowie lieber an China liefert. Ich selber bin übrigens der Meinung, dass wir besser Kohle statt Gas bei einer Dunkelflaute nehmen sollten. Vorraussetzung wäre allerdings, dass die CO2-Abgabe der EU gedeckelt oder abgeschafft werden müsste.