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Gasspeicher-Reserven: 4 Jahre lang ging es gut – jetzt geht es doch noch schief?

Die deutschen Gasspeicher zeigen aktuell einen historisch niedrigem Füllstand. Die globale Gemengelage verschärft das Problem.

LNG-Tanker
LNG-Tanker. Foto: User:Wmeinhart - Wolfgang Meinhart, Hamburg. Lizenz: CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Die Gasreserven in Deutschland sind viel zu niedrig! Eigentlich müsste man jetzt im Sommer massiv die Gasspeicher auffüllen. Die letzten vier Winter seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ging das gerade noch gut. Im letzten Winter schrammte man hauchdünn an einer echten Problemlage vorbei. Auch wenn die Füllstände im Februar diesen Jahres noch bei 20 % lagen – ein gewisses Minimum ist notwendig, um einen Mindestdruck in den Lagerstätten aufrechtzuerhalten. Ganz ausspeichern ginge also sowieso nicht.

Deutsche Gasspeicher auf historisch niedrigem Füllstand

Wird es im kommenden Winter wirklich kritisch, wenn dazu noch die Wetterlage nicht mitspielt? Derzeit sind die deutschen Gasspeicher laut Bundesnetzagentur nur zu 45,5 % gefüllt. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011. Zum exakt selben Zeitpunkt im letzten Jahr, wo viele Beobachter die Lage der Gasspeicher auch schon kritisch betrachteten, waren es noch 57,4 %. Jetzt, wo nicht geheizt wird, müsste man eigentlich massiv einkaufen und auffüllen. Aber man verschärft die Lage für den kommenden Winter, weil man jetzt zu wenig tut.

Gasspeicher dramatisch tief befüllt

Gaspreis stark gestiegen

Der europäische Großhandels-Gaspreis TTF lag vor Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar 2026 noch bei 32 Euro pro Megawattstunde. Jetzt, wo der Iran-Krieg in den letzten Wochen wieder aufflammt, sehen wir neue starke Anstiege auf 62 Euro. Im April und Juni hätte man am Weltmarkt zu Preisen um die 40 Euro einkaufen können. Aber nun sehen wir diesen drastischen Anstieg.

Verband warnt

Der Branchenverband Initiative Energien Speichern (INES) schrieb bereits am 7. Juli, technisch sei eine Befüllung der deutschen Gasspeicher bis zum 1. November 2026 auf den gebuchten Stand von 76 Prozent weiterhin möglich. Ob dieses Niveau tatsächlich erreicht wird, hänge jedoch entscheidend von den Marktbedingungen ab. Die derzeitigen Preisentwicklungen setzen laut INES kaum Anreize zur Einspeicherung von Gas und gefährden damit die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter.

Schlechte Gemengelage für Europa – Asien kauft

China kauft ein und schnappt Europa Gaslieferungen vor der Nase weg. Der Gasexperte Stephen Stapczynski schrieb dazu gestern: „Die europäischen Erdgaspreise setzen ihren Aufwärtstrend fort – und befinden sich auf dem höchsten Stand seit Kriegsbeginn (auf Basis der Schlusskurse). Die Sperrung der Straße von Hormus drosselt die weltweiten LNG-Lieferungen. Und Europa verliert gegenüber Asien an Boden. Die europäischen LNG-Importe sind in den letzten 30 Tagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 % (!) zurückgegangen. China verzeichnet einen Anstieg um 8 %.“

Stephen Stapczynski am Montag: „Die Sperrung der Straße von Hormus behindert die LNG-Lieferungen nach Europa. Die europäischen Importe sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33 % zurückgegangen (auf Basis eines gleitenden 30-Tage-Durchschnitts). Grund dafür ist, dass Asien mehr US-LNG abnimmt, um die im Persischen Golf festsitzenden Lieferungen zu ersetzen. Zudem liegen die europäischen Importe auf dem niedrigsten saisonalen Niveau seit 2021.“

Blick auf Pakistan und Bangladesh

Wenn Länder in Asien aus der Not heraus bereit sind zu hohen Preisen Gas auf dem Weltmarkt einzukaufen, wird die Lage für europäische Einkäufer logischerweise schwieriger, die mit Asien um verfügbare Lieferungen konkurrieren.

Pakistan und Bangladesch waren gezwungen, einige ihrer teuersten Flüssigerdgaslieferungen seit Jahren zu kaufen, da der Konflikt im Nahen Osten die Versorgung einschränkt, die Staatsfinanzen belastet und beide Länder dazu veranlasst, ihre Abhängigkeit von dem tiefgekühlten Brennstoff zu überdenken, so Bloomberg News. Die staatliche Pakistan LNG Ltd kaufte am Montag eine Lieferung für Ende Juli zu einem Preis von etwa 21,88 US-Dollar pro Million British Thermal Units – dem höchsten Preis seit 2022, wie Händler mit Kenntnis der Angelegenheit angaben. Der staatliche Einkäufer Bangladeschs habe letzte Woche mindestens eine Lieferung für August zu einem erhöhten Preis beschafft, sagten die Händler.

Die anhaltende Störung in der Straße von Hormus – einer wichtigen Transportroute für etwa ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen – hat die Spotpreise in die Höhe getrieben und die Energiekrise in den am stärksten gefährdeten Ländern Südasiens verschärft. Pakistan und Bangladesch haben mit wiederkehrenden Stromausfällen zu kämpfen, nachdem Katar – ihr größter Lieferant – geplante Lieferungen gestrichen hatte, da es im März nach einem iranischen Angriff seine Exportanlagen geschlossen hatte.

Die Spotlieferungen kosten etwa doppelt so viel, wie die beiden Länder für eine langfristige Versorgung aus Katar gezahlt hätten. Der Produzent am Persischen Golf hat seine Pläne zur Wiederaufnahme der Produktion nach den jüngsten Spannungen rund um die Straße von Hormus verschoben.

Zwar könnten die Notkäufe kurzfristig dazu beitragen, noch gravierendere Stromengpässe abzuwenden, doch belasten die erhöhten Preise die Staatsfinanzen und erhöhen den Druck auf beide Länder, die Strom- und Gastarife anzuheben. Die Krise beschleunigt zudem die Bemühungen, die Abhängigkeit von importiertem LNG zu verringern.

Bangladesch treibt den Ausbau erneuerbarer Energien schneller voran, da politische Entscheidungsträger in der gesamten Region die Risiken einer Abhängigkeit von Energie aus dem Nahen Osten neu bewerten. Die Behörden in Dhaka haben laut PV Magazine im vergangenen Monat ein Maßnahmenpaket zur Förderung erneuerbarer Energien auf den Weg gebracht, das unter anderem Steuerbefreiungen für den Solarstromsektor bis 2035 vorsieht.

Das Land kauft bereits mehr dieser Technologie ein, wobei die Importe von Solarmodulen und -zellen aus China stetig zunehmen. Obwohl sie noch relativ gering sind, stiegen die Lieferungen des weltweit größten Herstellers im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 %.

Pakistan setzt unterdessen verstärkt auf Kernkraft, Kohle und erneuerbare Energien, um die durch LNG entstandene Lücke zu schließen. Die Stromerzeugung aus Kernkraft stieg im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30 %, während die aus Kohle um 5 % zunahm, wie aus Daten von Optimus hervorgeht.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Spanien gehört zu den größten Abnehmern von russischem Flüssigerdgas (LNG) in der EU. Nach aktuellen Daten aus Frühjahr 2026 machen die LNG-Importe aus Russland oft rund 15 bis 20 Prozent der gesamten spanischen Gasimporte aus, wobei das Volumen je nach Monat stark schwankt und teilweise Zuwächse von über 100 Prozent verzeichnet.

    Die EU wird ja dann ab Januar ganz auf russisches LNG verzichten.
    Die Asiaten werden sich freuen.
    Der optimale Zeitpunkt dafür, die Deindustrialisierung in Deutschland einen weiteren Schub zu geben.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. Sogenannte Zweistoff-Brenner ermöglichen den flexiblen Einsatz von Heizöl und Erdgas. Die im obigen Bericht genannte Situation in Sachen Gasspeicher-Reserven konterkariert zur Zeit Erdgas als Option zum Heizöl im Zusammenhang mit dem aktuellen Ölpreis.

  3. Und wir schalten wie seinerzeit von Merkel und den Ländern beschlossen die Kohlekraftwerke ab, weil jede Entscheidung von Merkel alternativlos und richtig war. PS: Natürlich auch weil die EU Trump versprochen hat US-Gas zu kaufen, aber darüber sprechen wir nicht.

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