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Aktuell entspannende Nachrichtenlage Gasspeicher immer voller – mehr Gas aus Norwegen – Gaspreis fällt

Die Gasspeicher in Europa füllen sich, es kommt mehr Gas aus Norwegen. Der Gaspreis fällt deutlich. Die Lage wirkt entspannt.

Gas-Flamme

Der Großhandels-Gaspreis in Europa (Dutch TTF-Kontrakt) fällt heute um 7 Prozent auf 172,50 Euro. Noch am 26. August sah man Kurse über 330 Euro. Die Verknappungsangst beim Thema Gas scheint derzeit immer weiter zu verfliegen, was auch daran liegt, dass sich die Gasspeicher immer weiter füllen. Im Chart, der zwölf Monate zurückreicht, sehen wir den großen Rückgang im Gaspreis seit Ende August. Dennoch ist das Preisniveau immer noch dramatisch erhöht, wenn man sieht, dass der Gaspreis vor einem Jahr unter 100 Euro lag.

Kursverlauf im Terminmarkt-Gaspreis seit September 2021

Gasspeicher füllen sich weiter

Laut Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) steigen die Füllstände der Gasspeicher in der EU auf zuletzt 87,41 Prozent. Seit dem 5. April nehmen die Füllstände in der EU damit ohne einen einzigen Tag Unterbrechung immer weiter zu. Auch in Deutschland steigen sie weiter an. Das von der Bundesregierung vorgegebene Ziel von 95 Prozent zum 1. November ist schon jetzt in greifbarer Nähe mit 91,02 Prozent am 24. September. Nachdem man die letzten Tage Anstiege der Speicher um täglich 0,12 oder 0,15 Prozentpunkte sah, sehen wir heute für den aktuellsten Statistiktag den 24. September ein Plus von 0,27 Prozentpunkten.

Rehden speichert wieder ein

Dieser nun wieder höhere Zuwachs in den Speichern wird wohl daran liegen, dass die tagelange Wartung von Deutschlands größtem Gasspeicher in Rehden beendet wurde. Wie die GIE-Daten zeigen, wird nun in Rehden nach 12 Tagen Pause wieder eingespeichert seit Samstag. Vorgestern legten die Füllstände in Rehden von 74,63 Prozent auf 74,92 Prozent Füllstand zu. Damit können die Füllständer der Gasspeicher in Deutschland im Gesamtschnitt nun auch wieder schneller ansteigen – wenn die Temperaturen in den nächsten Tagen nicht zu sehr fallen, und der Heizbedarf nicht zu schnell ansteigt. Was wohl auch entspannend auf den Gaspreis wirkt: Klaus Müller von der Bundesnetzagentur sieht nicht nur gute Erfolge beim Auffüllen der Gasspeiche, sondern auch bei weiteren Maßnahmen zum Bekämpfen der Gaskrise – man schaue dazu auf den folgenden Tweet.

Weitere Gründe für die Erholung im Gaspreis

Aber nur der Blick auf die Gasspeicher ist zu verengt. Welche Faktoren auf der Lieferantenseite gibt es, die den Rückgang im Gaspreis mit erklären könnten? Auch starke Zuflüsse von Flüssiggas (LNG) wirken laut Bloomberg den Sorgen über künftige russische Lieferungen nach Europa entgegen. Im Moment helfen die reichlichen Vorräte an Flüssiggas den Ländern ihre Vorräte schon Tage vor Beginn der Heizsaison aufzufüllen.

Die Pipeline-Lieferungen aus Norwegen erholen sich laut Bloomberg allmählich, nachdem Anfang des Monats saisonale Arbeiten an wichtigen Anlagen durchgeführt wurden, was Europa weiter helfen dürfte. Händler konzentrieren sich jetzt auf die Wettervorhersagen und die Reaktion der Energienachfrage angesichts des begrenzten Gasangebots. Die Temperaturen fallen diese Woche in Westeuropa, dürften aber Anfang Oktober über die jahreszeitlichen Normalwerte steigen.

Große Gasverbraucher bemühen sich um weitere Lieferungen von LNG, aber viele Exportanlagen sind bereits voll ausgelastet. Während seines Besuchs im Nahen Osten an diesem Wochenende sicherte sich Bundeskanzler Olaf Scholz lediglich eine einzige Lieferung des supergekühlten Brennstoffs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten für ein neues schwimmendes Terminal in Brunsbüttel bei Hamburg, das bereits im Dezember in Betrieb gehen soll. Im nächsten Jahr könnten weitere Ladungen hinzukommen, aber das ist zunächst eine unverbindliche Vereinbarung.

FMW-Anmerkung: Momentan wirkt alles recht entspannt am Terminmarkt für Gas in Europa. Der Gaspreis hat sich vom Hoch im August fast halbiert. Die Gasspeicher füllen sich weiter. Diese entspannte Gemengelage kann sich wieder ändern, wenn die Temperaturen unerwartet schnell sinken, und dadurch der Gasverbrauch fürs Heizen ansteigt. Sieht man daraufhin nicht mehr weiter steigende Füllstände der Gasspeicher, könnte es für den Terminmarkt-Gaspreis eine Trendwende geben.

FMW/Bloomberg/GIE



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8 Kommentare

  1. Mal eine Normalsituation unterstellt. Wie hoch dürfte der Gaspreis sein, wenn wir auf Dauer kein Gas mehr von den Russland bekommen und uns auf die aktuellen Lieferanten verlassen müssen aber auch können?

    Würde er sich der Preis auf das Russland-Niveau einpendeln, oder müssen wir mit einer erheblichen Verteuerung lernen umzugehen?

    1. Früher hieß es das LNG Gas wäre ungefähr doppelt so teuer wie das Pipelinegas. Dies war allerdings bevor der Gaspreis in den USA ebenfalls explodiert ist, natürlich aber noch weit unter unserem liegt.
      Erschwerend kommt hinzu, dass in den USA vielen Gasförderstätten eine Schwäche durch Erschöpfung droht. Dies geht beim Fracking meist auch deutlich schneller als bei konventionellen. Es wird mit unwesentlicher Steigerung oder sogar schon gleichbleibender bis sinkender Produktion für die nächsten Jahre gerechnet.
      Auf ein Zurückkommen des Gaspreises auf unter 0,20€/kwh hierzulande würde ich nicht wetten.
      MFH mit Gasheizung meide ich nun, außer die Mieter sind alle Hartzer, dann sind die nächsten 2 Jahre gedeckt.
      Bis dahin könnte die Politik zur Vernunft zurückgekehrt sein und versuchen russisches Gas wieder zu importieren. Ein langfristiger Gaspreis von über 0,20€ lässt sich meiner Meinung nach von der Bevölkerung und vom Land nicht verkraften. Wenn die Heizungen alle umgestellt werden würden, würden sich Knappheit und Preis zum Teil umlegen auf z.B. Holz, beim Öl könnte es anders sein, sofern die Raffenerie- und Tankerkapazitäten ausreichen.

      1. Man, in der Leitung sind bei 150 Bar Druck etwa 208 Tsd. Kubikmeter Gas.
        Die werden die Russen am Einspeisepunkt entnommen haben, und verkauft haben.
        Ganz bestimmt nicht abgefackelt haben.
        Demnächst wird das Gas verflüssigt und in die Welt verkauft.
        Für Russland wird N2 nun auch Geschichte sein.

        Nord Stream 2: Druckabfall in Gaspipeline – Marinebehörden sind informiert

        https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/unternehmen/id_100058192/nord-stream-2-druckabfall-in-gaspipeline-marinebehoerden-sind-informiert.html

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

        1. Erst gestern habe ich gelesen, russische U-Boote treiben sich vermehrt ganz in der Nähe von kritischer westlicher Infrastruktur herum (Untersee-Internetkabel, Stromkabel etc.)
          Und heute stellt man ein Leck in einer der beiden nagelneuen N2-Leitungen fest. Welch ein Zufall!!!

          1. Oh ja, das sind wieder suggestive Nachrichten. Und wo treiben sich US U-Boote überall rum, oder britische ? Darüber gibt´s keine Berichte, also verharren sie schön brav in ihren Heimathäfen, ja ?
            Haben die Verschwörungstheoretiker wieder Futter gefunden ?

        2. @Helmut

          Ihre Theorie dürfte sich nun inzwischen in Luft bzw. Methan 😉 aufgelöst haben. Das war zwar auch schon gestern offensichtlich, aber zumindest bestand ja noch die theoretische Möglichkeit.

          @ottonorma
          Schwedische und dänische Messstationen registrierten vor dem Druckabfall zwei Unterwasser-Detonationen. Sabotage wird immer wahrscheinlicher, ich würde sogar sagen, steht außer Zweifel. Verschwörungstheorien fallen somit ebenfalls weg.
          Bleibt nur noch die Frage, wer dafür verantwortlich ist.

          Russland will ohnehin nicht liefern, wie die lächerlichen vorgeschobenen technischen „Probleme“ zeigen.
          Wären diese behoben worden, müsste Russland vertragsgemäß wieder liefern.
          Die genehmen Staaten im Südosten Europas werden über andere Pipelines mit Russengas beliefert. Darüber könnten ggf. auch die Neofaschisten in Italien versorgt werden.

          Europa macht sich mit Riesenschritten unabhängig von Russland und will auch nicht mehr zurück. Nord Stream 2 wäre ohnehin nie in Betrieb gegangen.
          Der Absatz für amerikanisches LNG ist somit garantiert, was den Amis also kaum Grund liefert, die Pipelines zu sabotieren.
          Einzig Deutschland wird nächstes Jahr noch gewisse Probleme haben, die Speicher ohne Nord Stream 1 schnell wieder aufzufüllen. Daran kann die USA ebenfalls kein Interesse hegen, zumindest solange kein republikanischer Präsident erneut durch die Weltpolitik irrlichtert.

          1. Hallo Michael, ja, das war „daneben“.
            Auch nur jetzt so eine Theorie.
            Kann es sein, dass Russland das Gas für N1 und N2 schon anderweitig verkauft hat. Oder wenigstens den Rücken frei haben will. Denn wenn ich richtig informiert bin, gehört N1 nicht Russland. Und wenn sie nun beschädigt ist, wird Deutschland sie wohl kaum reparieren.
            Also müsste Deutschland sogar das nicht abgenommene Gas über viele Jahre weiter bezahlen. Es soll Verträge bis 2040 geben. Ob Putin mit der defekten Turbine als Hemmnis der Lieferung eine Weiterzahlung für das nicht abgenommene Gas hätte letztendlich begründen können, bezweifle ich.
            Aber, sonst wird es irgendwann an den Tag kommen.

            Viele Grüße aus Andalusien Helmut

      2. auch 20 ct ist sehr teuer. Zuvor war der Preis bei 6,5 ct/kwh

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