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Devisen

Gefangen im Euro

Markus Fugmann

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am

Ein Beitrag von Thorsten Polleit

 

Hinweis: der Beitrag von Thorsten Polleit erschien zuerst beim Ludwig von Mises Institut Deutschland (https://www.misesde.org/?p=22064), der führenden Seite der „Österreichischen Schule“, die das Monopol der Zentralbanken auf die Geldhschöpfung ablehnt.

Man kennt ihn aus der griechischen Mythologie: den Riesen Prokrustes, den Unhold und Wegelagerer, Sohn des Meeresgottes Poseidon. Prokrustes bot Vorbeireisenden ein Bett an, und wenn sie sich freiwillig nicht hineinlegen wollten, zwang er sie hinein in das „Prokrustes-Bett“. Waren die Reisenden zu lang für die Liegestätte, hackte er ihnen die Gliedmaßen ab, bis sie hineinpassten; waren sie zu kurz für das Bett, streckte er sie auf seinem Amboss solange, bis sie die richtige Größe hatten. Prokrustes machte also passend, was nicht passend war. Der Euro ist gewissermaßen so etwas wie ein Prokrustes-Bett.

Viele Länder liegen derzeit im Euro-Prokrustes-Bett, haben sich anfänglich mit großer Euphorie freiwillig hineingelegt, mussten nicht einmal dazu gezwungen werden. Nachdem das anfängliche Hochgefühl verflogen ist, zeigt sich, dass einige Teilnehmerländer nicht den Anforderungen, die die Teilnahme am Euroraum auferlegt, genügen können oder genügen wollen. Daran sind nicht zuletzt die Folgen des geplatzten „Euro-Booms“ schuld. Sie haben vor allem den Südländern schwere Kapitalverluste beschert. Unternehmen haben ihre Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Das Wachstum ist geschwächt. Vorbei ist vielerorts der Traum von der wohlstandsbringenden Kraft der Einheitswährung.

Bemühungen zu reformieren, wachstumsförderliche Strukturen zu schaffen – durch Steuersenkungen, Deregulierung und Staatsverkleinerung –, sind zumeist nicht zu erkennen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Man setzt allenthalben auf staatliche Lenkungswirtschaft, in der die Staaten zusehends darüber bestimmen, was wann wie und wo zu produzieren ist. Das ist kein Zufall, es kann nicht überraschen. Denn der Euro folgt einer Eigenlogik: Er kann und wird nur Bestand haben, wenn die freie Marktwirtschaft (beziehungsweise das, was noch von ihr noch übrig ist) immer weiter, Stück für Stück zurückgedrängt wird.

Denn nur so lassen sich die politisch störenden wirtschaftlichen Leistungsunterschiede, die zwischen den einzelnen Ländern bestehen, einebnen, und zwar indem die wirtschaftlich noch relativ starken Länder geschwächt werden relativ zu den wirtschaftlich weniger leistungsfähigen Ländern. Dieser Prozess ist in vollem Gange und zeigt sich in vielen Facetten. Beispiel 1: Der „Target-2-Saldo“ der Deutschen Bundesbank beläuft sich mittlerweile auf 935 Mrd. Euro; Luxemburg, die Niederlande, Irland und Finnland weisen ebenfalls beträchtliche positive Target-2-Salden gegenüber dem Eurosystem beziehungsweise den Euro-Ländern mit negativen Target-2-Salden aus.

Die Target-2-Salden bezeugen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) strauchelnden Banken in zum Beispiel Italien, Spanien und Portugal neue Euro zur Verfügung stellt. Auf diese Weise werden die Geldhäuser „gerettet“ und damit auch die Einlagen ihrer Kunden. Zu bezahlen haben das die Bürger in allen anderen Euro-Teilnehmerländern, weil durch das Geldmengenvermehren die Güterpreise höher ausfallen (im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre). Ihnen wird Wohlstand vorenthalten beziehungsweise ihr Wohlstand wird, dort wo die Güterpreise steigen, herabgesetzt.

Beispiel 2: Damit das Euro-Bankensystem vor Zahlungsausfällen bewahrt wird, soll eine Euroraum-einheitliche Einlagensicherung aus der Taufe gehoben werden. Das wird dazu führen, dass bestehende Unterschiede zwischen den Kreditqualitäten relativ schlechter Banken und vergleichsweise besseren Banken eingeebnet werden. Die staatlich vorangetriebene einheitliche Einlagensicherung schaltet so den Systemwettbewerb im Euro-Bankensystem ab – zu Gunsten der relativ schlechten Banken zu Lasten der noch relativ guten Banken. (Wie übrigens die Aktienkurse der Deutschen Bank und der Commzerbank bezeugen, stammen aus Sicht der Investoren nicht alle schlechten Banken aus Südeuropa.)

Beispiel 3: Es ist absehbar, dass Zahlungsausfälle großer, systemrelevanter Euro-Banken abgewehrt werden; man wird aus politischen Gründen nicht zulassen, dass die vom Markt aussortiert werden. Im „Notfall“ wird die Bankenrettung jedoch die betroffenen Staaten finanziell überfordern. Die EZB muss einspringen: Sie wird neu emittierte Staatsanleihen kaufen und dafür sorgen, dass die auf diesem Wege „aus dem Nichts“ geschaffenen Euro als Eigenkapital in die Geldhäuser eingezahlt werden. Die Zeche zahlen die Euro-Bürger in Form von Kaufkraftverlusten des Euro und de facto verstaatlichten Banken.

Beispiel 4: Die Vergemeinschaftung der Industriepolitik – ein nach wie vor höchst aktuelles Vorhaben, denn der Rat der EU arbeitet derzeit fleißig an einer Vorlage für eine „Strategie für die Industriepolitik der EU“ – eröffnet die Möglichkeit, wirtschaftlich leistungsfähige Länder wie zum Beispiel Deutschland zu bremsen beziehungsweise herabzusetzen. Beispielsweise indem umweltpolitische Vorgaben gesetzt werden, die Schlüsselindustrien und –techniken ihrer Wettbewerbsfähigkeit berauben. Zu nennen wäre hier beispielsweise die deutsche Automobilindustrie beziehungsweise der Dieselmotor.

Beispiel 5: Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt chronisch für Krisen; die letzten Jahre bieten dafür reichhaltiges Anschauungsmaterial. Ist eine Krise erst einmal ausgebrochen, wird es der Politik möglich, die Vergemeinschaftung voranzutreiben und zwar in einer Intensität und Reichweite, wie es in „Normalphasen“, im regulären Parlamentsbetrieb, nicht möglich wäre. Vor allem gelingt es Politikern in der Krise besonders gut, die Ursachen der Notlage den „freien Märkten“ zuzuschreiben und daraufhin markt- und freiheitsfeindliche Politiken durchzusetzen.

 

Die Alternative

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass viele Menschen aus vielen verschiedenen Regionen ein einheitliches Geld verwenden, ist ökonomisch durchaus sinnvoll. So gesehen ist durchaus etwas dran an der Idee einer Einheitswährung. Allerdings wird diese Idee zu einem gewaltigen Problem, ja zu einem Fiasko, wenn die Einheitswährung in Form eines (supra-)staatlich monopolisierten ungedeckten Geldes in die Tat umgesetzt wird – wie es beim Euro zweifelsohne der Fall ist. Wie aber sähe eine bessere Alternative zum ungedeckten Euro-Geld aus?

Die Alternative ist ein freier Markt für Geld. Den Geldnachfragern wird freigestellt, das Geld wählen zu dürfen, das ihren Wünschen und Bedürfnissen am besten entspricht; die Geldnachfrager bestimmen also, was Geld ist. Solch ein freies Marktgeld funktioniert problemlos, es stellt quasi eine „natürliche“ Geldordnung dar. Vorbei wäre es mit monetären Krisen a la Boom-und-Bust. Auch die chronische Geldentwertung, die heute unweigerliche Folge des ungedeckten Geldes ist, hätte ihr Ende. Und vor allem gäbe es keine politische Willkür in monetären Angelegenheiten mehr, die heute dafür sorgt, dass einige wenige auf Kosten vieler profitieren.

Einen freien Markt für Geld zu schaffen, ist denkbar einfach. Die Güter, die als Geld infrage kommen – Gold, Silber, aber auch Kryptoeinheiten – sind von jedweder Besteuerung freizustellen. Gleichzeitig wäre auch der „Legal Tender“-Status des Euro abzuschaffen. Fortan hätte jeder die Freiheit, sein Geld selbst zu wählen. Diejenigen, die den Euro weiterhin benutzen wollen, haben dazu die Freiheit. Diejenigen, die ihre Verträge in anderem Geld abwickeln wollen – beispielsweise in Gold, Silber oder Bitcoin –, genießen ebenfalls die Freiheit, dies zu tun.

Dass ein freies Marktgeld nicht auf der politischen Tagesordnung steht, liegt nicht etwa daran, dass es nicht durchführbar, nicht praktikabel wäre. Nein, dafür gibt es andere Gründe. So sind beispielsweise viele meinungsmachende Hauptstrom-Ökonomen keine Unterstützer eines freien Marktgeldes, sie sind meist glühende Befürworter des staatlichen Geldmonopols. Sie beraten Regierungen und Politiker. Und die wiederum haben selbst keinen Anreiz, das staatliche Geldmonopol aus der Hand zu geben – denn für sie ist es ein unverzichtbarer Machtpfeiler. Für die Bürger hingegen wäre ein freies Marktgeld ganz zweifellos ein Segen. Es wäre die logische Folge ihres Selbstbestimmungsrechtes bei der Frage der Geldwahl.

 

Passend machen

Die Anhänger des Euro – eines ungedeckten Geldes – eifern Prokrustes nach. Sie versuchen unbeirrt, das Unpassende passend zu machen, und sie gehen wie einst der mythische Prokrustes nicht zimperlich vor. Die Grundpfeiler des freien Marktsystems werden untergraben, bürgerliche und unternehmerische Freiheiten und Rechte einkassiert. Der Staat wird immer größer, immer mächtiger. Wohin das führt? Nun, der Ökonom Friedrich August von Hayek (1899–1992) schrieb 1960 dazu etwas, was auch heute seine Relevanz nicht eingebüßt hat, nämlich dass

„der Sozialismus als bewußt anzustrebendes Ziel zwar allgemein aufgegeben worden ist, es aber keineswegs sicher ist, daß wir ihn nicht doch errichten werden, wenn auch unbeabsichtigt. Die Neuerer, die sich auf die Methoden beschränken, die ihnen jeweils für ihre besonderen Zwecke am wirksamsten scheinen, und nicht auf das achten, was zur Erhaltung eines wirksamen Marktmechanismus notwendig ist, werden leicht dazu geführt, immer mehr zentrale Lenkung der wirtschaftlichen Entscheidungen auszuüben (auch wenn Privateigentum dem Namen nach erhalten bleiben mag), bis wir gerade das System der zentralen Planung bekommen, dessen Errichtung heute wenige bewußt wünschen. Außerdem finden viele der alten Sozialisten, daß wir schon so weit auf den Zuteilungsstaat zugetrieben sind, daß es jetzt viel leichter scheint, in dieser Richtung weiter zu gehen, als auf die etwa in Mißkredit geratene Verstaatlichung der Produktionsmittel zu drängen. Sie scheinen erkannt zu haben, daß sie mit einer verstärkten staatlichen Beherrschung der nominell privat gebliebenen Industrie jene Umverteilung der Einkommen, die das eigentliche Ziel der sensationelleren Enteignungspolitik gewesen war, leichter erreichen können.“

Glücklicherweise folgt die menschliche Entwicklung aber keiner Gesetzmäßigkeit (wie es Karl Marx und Friedrich Engels behaupten). Es sind vielmehr die Ideen, die Theorien, die die Menschen in ihrem Handeln leiten und „Geschichte machen“. Das ist Grund zur Zuversicht: Denn wird von den Bürgern verstanden, dass sie alle gewissermaßen im Euro gefangen gehalten werden – und sprichwörtlich passend gemacht werden für das Bett des Prokrustes –, und dass ein freier Markt für Geld einfach zu haben ist und funktionieren würde, wäre die drangsalierende und freiheitsberaubende Kraft des Euro vermutlich sehr rasch dahin.

Übrigens: Prokrustes wurde von Theseus auf seiner Wanderung nach Athen als letzter der Bösewichte am Kephisos erschlagen. Es gibt also Grund zur Hoffnung: Das Schlechte findet, so lernen wir daraus ganz offensichtlich, doch irgendwann seinen Bezwinger.

 

Von TobiToaster – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27470268

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Türkische Lira: Achtung, Inflation in der Türkei steigt kräftig an!

Redaktion

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Türkei-Flagge vor dem Bosporus

Die türkische Lira könnte vor einer weiteren Abwertung stehen. Könnte, aber nicht muss, denn da gibt es aktuell einen Hoffnungsschimmer. Aber zuerst zu den schlechten Nachrichten. Die türkische Statistikbehörde hat heute die Inflationsrate für November veröffentlicht. Von Oktober bei 11,89 Prozent springt sie hoch auf 14,03 Prozent im Jahresvergleich. Das ist eine kleine Katastrophe. Denn schaut man auf verschiedene Konsensschätzungen, dann lag die höchste Erwartung bei 12,7 Prozent. Vor allem die Lebensmittelpreise in der Türkei (+21 Prozent) und die Transportkosten (+18,7 Prozent) ziehen den Schnitt nach oben. Hier die Originalgrafik der Statistiker.

Grafik zeigt aktuelle Daten zur Inflation in der Türkei

Bemühungen der Zentralbank zur Eindämmung der Inflation

Die türkische Lira ist seit Jahren dabei gegen Euro und US-Dollar dramatisch abzuwerten. Erst am 19. November hatte die türkische Zentralbank in einem kräftigen Schritt den Leitzins von 10,25 Prozent auf 15 Prozent angehoben. Andere Zinssätze lagen vorher fast schon bei 15 Prozent, weshalb der Markt diesen optisch bedeutenden Schritt wohl nicht als wirklich sensationell einstufte. Und so notiert die türkische Lira trotz massiv gestiegenem Leitzins aktuell sogar etwas niedriger als am 19. November. Hier die Inflationsentwicklung im Chart. Ein Balken steht steht für einen Monat (Prozentveränderung im Vergleich zum Vorjahr).


source: tradingeconomics.com

Warum die türkische Lira heute einen Unterstützer hat

Man kann durchaus vermuten, dass die türkische Zentralbank eine weitere Zinserhöhung in den nächsten Tagen oder Wochen vornehmen könnte, um dem Kapitalmarkt zu signalisieren, dass man es wirklich ernst meint mit der Eindämmung der Inflation in der Türkei. Heute ist die türkische Lira nach dieser deutlich höher als gedachten Inflationsrate wieder verstärkt im Fokus der Devisenspekulanten. US-Dollar vs Lira stieg vorhin von 7,84 auf 7,92, um aktuell aber wieder auf 7,83 zu fallen.

Eine weitere Abwertung für die türkische Lira ist bei der stark gestiegenen Inflationsrate eigentlich zu erwarten. Aber halt, da gibt es einen Rettungsanker, der diese Lira-Abwertung bremsen könnte. Der US-Dollar ist seit Tagen klar am Fallen. Es ist eine eigenständige Dollar-Schwäche, die im immer weiter fallenden Dollar-Index (Währungskorb des Dollar gegen andere Währungen) gut erkennbar ist. Seit dem 23. November fällt der Dollar-Index von 92,60 auf aktuell 90,99 Indexpunkte. Auch seit Montag dieser Woche geht es immer weiter runter. Diese eigenständige Dollar-Schwäche könnte der Lira aktuell dabei helfen, gegen den Dollar nicht all zu stark abzuwerten. Aber ein gesicherter Faktor im Devisenhandel ist das nicht. USDTRY könnte auch abgekoppelt von der Dollar-Schwäche ein Eigenleben führen.

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Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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