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Devisen

Gefangen im Euro

Markus Fugmann

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am

Ein Beitrag von Thorsten Polleit

 

Hinweis: der Beitrag von Thorsten Polleit erschien zuerst beim Ludwig von Mises Institut Deutschland (https://www.misesde.org/?p=22064), der führenden Seite der „Österreichischen Schule“, die das Monopol der Zentralbanken auf die Geldhschöpfung ablehnt.

Man kennt ihn aus der griechischen Mythologie: den Riesen Prokrustes, den Unhold und Wegelagerer, Sohn des Meeresgottes Poseidon. Prokrustes bot Vorbeireisenden ein Bett an, und wenn sie sich freiwillig nicht hineinlegen wollten, zwang er sie hinein in das „Prokrustes-Bett“. Waren die Reisenden zu lang für die Liegestätte, hackte er ihnen die Gliedmaßen ab, bis sie hineinpassten; waren sie zu kurz für das Bett, streckte er sie auf seinem Amboss solange, bis sie die richtige Größe hatten. Prokrustes machte also passend, was nicht passend war. Der Euro ist gewissermaßen so etwas wie ein Prokrustes-Bett.

Viele Länder liegen derzeit im Euro-Prokrustes-Bett, haben sich anfänglich mit großer Euphorie freiwillig hineingelegt, mussten nicht einmal dazu gezwungen werden. Nachdem das anfängliche Hochgefühl verflogen ist, zeigt sich, dass einige Teilnehmerländer nicht den Anforderungen, die die Teilnahme am Euroraum auferlegt, genügen können oder genügen wollen. Daran sind nicht zuletzt die Folgen des geplatzten „Euro-Booms“ schuld. Sie haben vor allem den Südländern schwere Kapitalverluste beschert. Unternehmen haben ihre Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Das Wachstum ist geschwächt. Vorbei ist vielerorts der Traum von der wohlstandsbringenden Kraft der Einheitswährung.

Bemühungen zu reformieren, wachstumsförderliche Strukturen zu schaffen – durch Steuersenkungen, Deregulierung und Staatsverkleinerung –, sind zumeist nicht zu erkennen. Das Gegenteil ist eher der Fall. Man setzt allenthalben auf staatliche Lenkungswirtschaft, in der die Staaten zusehends darüber bestimmen, was wann wie und wo zu produzieren ist. Das ist kein Zufall, es kann nicht überraschen. Denn der Euro folgt einer Eigenlogik: Er kann und wird nur Bestand haben, wenn die freie Marktwirtschaft (beziehungsweise das, was noch von ihr noch übrig ist) immer weiter, Stück für Stück zurückgedrängt wird.

Denn nur so lassen sich die politisch störenden wirtschaftlichen Leistungsunterschiede, die zwischen den einzelnen Ländern bestehen, einebnen, und zwar indem die wirtschaftlich noch relativ starken Länder geschwächt werden relativ zu den wirtschaftlich weniger leistungsfähigen Ländern. Dieser Prozess ist in vollem Gange und zeigt sich in vielen Facetten. Beispiel 1: Der „Target-2-Saldo“ der Deutschen Bundesbank beläuft sich mittlerweile auf 935 Mrd. Euro; Luxemburg, die Niederlande, Irland und Finnland weisen ebenfalls beträchtliche positive Target-2-Salden gegenüber dem Eurosystem beziehungsweise den Euro-Ländern mit negativen Target-2-Salden aus.

Die Target-2-Salden bezeugen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) strauchelnden Banken in zum Beispiel Italien, Spanien und Portugal neue Euro zur Verfügung stellt. Auf diese Weise werden die Geldhäuser „gerettet“ und damit auch die Einlagen ihrer Kunden. Zu bezahlen haben das die Bürger in allen anderen Euro-Teilnehmerländern, weil durch das Geldmengenvermehren die Güterpreise höher ausfallen (im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre). Ihnen wird Wohlstand vorenthalten beziehungsweise ihr Wohlstand wird, dort wo die Güterpreise steigen, herabgesetzt.

Beispiel 2: Damit das Euro-Bankensystem vor Zahlungsausfällen bewahrt wird, soll eine Euroraum-einheitliche Einlagensicherung aus der Taufe gehoben werden. Das wird dazu führen, dass bestehende Unterschiede zwischen den Kreditqualitäten relativ schlechter Banken und vergleichsweise besseren Banken eingeebnet werden. Die staatlich vorangetriebene einheitliche Einlagensicherung schaltet so den Systemwettbewerb im Euro-Bankensystem ab – zu Gunsten der relativ schlechten Banken zu Lasten der noch relativ guten Banken. (Wie übrigens die Aktienkurse der Deutschen Bank und der Commzerbank bezeugen, stammen aus Sicht der Investoren nicht alle schlechten Banken aus Südeuropa.)

Beispiel 3: Es ist absehbar, dass Zahlungsausfälle großer, systemrelevanter Euro-Banken abgewehrt werden; man wird aus politischen Gründen nicht zulassen, dass die vom Markt aussortiert werden. Im „Notfall“ wird die Bankenrettung jedoch die betroffenen Staaten finanziell überfordern. Die EZB muss einspringen: Sie wird neu emittierte Staatsanleihen kaufen und dafür sorgen, dass die auf diesem Wege „aus dem Nichts“ geschaffenen Euro als Eigenkapital in die Geldhäuser eingezahlt werden. Die Zeche zahlen die Euro-Bürger in Form von Kaufkraftverlusten des Euro und de facto verstaatlichten Banken.

Beispiel 4: Die Vergemeinschaftung der Industriepolitik – ein nach wie vor höchst aktuelles Vorhaben, denn der Rat der EU arbeitet derzeit fleißig an einer Vorlage für eine „Strategie für die Industriepolitik der EU“ – eröffnet die Möglichkeit, wirtschaftlich leistungsfähige Länder wie zum Beispiel Deutschland zu bremsen beziehungsweise herabzusetzen. Beispielsweise indem umweltpolitische Vorgaben gesetzt werden, die Schlüsselindustrien und –techniken ihrer Wettbewerbsfähigkeit berauben. Zu nennen wäre hier beispielsweise die deutsche Automobilindustrie beziehungsweise der Dieselmotor.

Beispiel 5: Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt chronisch für Krisen; die letzten Jahre bieten dafür reichhaltiges Anschauungsmaterial. Ist eine Krise erst einmal ausgebrochen, wird es der Politik möglich, die Vergemeinschaftung voranzutreiben und zwar in einer Intensität und Reichweite, wie es in „Normalphasen“, im regulären Parlamentsbetrieb, nicht möglich wäre. Vor allem gelingt es Politikern in der Krise besonders gut, die Ursachen der Notlage den „freien Märkten“ zuzuschreiben und daraufhin markt- und freiheitsfeindliche Politiken durchzusetzen.

 

Die Alternative

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass viele Menschen aus vielen verschiedenen Regionen ein einheitliches Geld verwenden, ist ökonomisch durchaus sinnvoll. So gesehen ist durchaus etwas dran an der Idee einer Einheitswährung. Allerdings wird diese Idee zu einem gewaltigen Problem, ja zu einem Fiasko, wenn die Einheitswährung in Form eines (supra-)staatlich monopolisierten ungedeckten Geldes in die Tat umgesetzt wird – wie es beim Euro zweifelsohne der Fall ist. Wie aber sähe eine bessere Alternative zum ungedeckten Euro-Geld aus?

Die Alternative ist ein freier Markt für Geld. Den Geldnachfragern wird freigestellt, das Geld wählen zu dürfen, das ihren Wünschen und Bedürfnissen am besten entspricht; die Geldnachfrager bestimmen also, was Geld ist. Solch ein freies Marktgeld funktioniert problemlos, es stellt quasi eine „natürliche“ Geldordnung dar. Vorbei wäre es mit monetären Krisen a la Boom-und-Bust. Auch die chronische Geldentwertung, die heute unweigerliche Folge des ungedeckten Geldes ist, hätte ihr Ende. Und vor allem gäbe es keine politische Willkür in monetären Angelegenheiten mehr, die heute dafür sorgt, dass einige wenige auf Kosten vieler profitieren.

Einen freien Markt für Geld zu schaffen, ist denkbar einfach. Die Güter, die als Geld infrage kommen – Gold, Silber, aber auch Kryptoeinheiten – sind von jedweder Besteuerung freizustellen. Gleichzeitig wäre auch der „Legal Tender“-Status des Euro abzuschaffen. Fortan hätte jeder die Freiheit, sein Geld selbst zu wählen. Diejenigen, die den Euro weiterhin benutzen wollen, haben dazu die Freiheit. Diejenigen, die ihre Verträge in anderem Geld abwickeln wollen – beispielsweise in Gold, Silber oder Bitcoin –, genießen ebenfalls die Freiheit, dies zu tun.

Dass ein freies Marktgeld nicht auf der politischen Tagesordnung steht, liegt nicht etwa daran, dass es nicht durchführbar, nicht praktikabel wäre. Nein, dafür gibt es andere Gründe. So sind beispielsweise viele meinungsmachende Hauptstrom-Ökonomen keine Unterstützer eines freien Marktgeldes, sie sind meist glühende Befürworter des staatlichen Geldmonopols. Sie beraten Regierungen und Politiker. Und die wiederum haben selbst keinen Anreiz, das staatliche Geldmonopol aus der Hand zu geben – denn für sie ist es ein unverzichtbarer Machtpfeiler. Für die Bürger hingegen wäre ein freies Marktgeld ganz zweifellos ein Segen. Es wäre die logische Folge ihres Selbstbestimmungsrechtes bei der Frage der Geldwahl.

 

Passend machen

Die Anhänger des Euro – eines ungedeckten Geldes – eifern Prokrustes nach. Sie versuchen unbeirrt, das Unpassende passend zu machen, und sie gehen wie einst der mythische Prokrustes nicht zimperlich vor. Die Grundpfeiler des freien Marktsystems werden untergraben, bürgerliche und unternehmerische Freiheiten und Rechte einkassiert. Der Staat wird immer größer, immer mächtiger. Wohin das führt? Nun, der Ökonom Friedrich August von Hayek (1899–1992) schrieb 1960 dazu etwas, was auch heute seine Relevanz nicht eingebüßt hat, nämlich dass

„der Sozialismus als bewußt anzustrebendes Ziel zwar allgemein aufgegeben worden ist, es aber keineswegs sicher ist, daß wir ihn nicht doch errichten werden, wenn auch unbeabsichtigt. Die Neuerer, die sich auf die Methoden beschränken, die ihnen jeweils für ihre besonderen Zwecke am wirksamsten scheinen, und nicht auf das achten, was zur Erhaltung eines wirksamen Marktmechanismus notwendig ist, werden leicht dazu geführt, immer mehr zentrale Lenkung der wirtschaftlichen Entscheidungen auszuüben (auch wenn Privateigentum dem Namen nach erhalten bleiben mag), bis wir gerade das System der zentralen Planung bekommen, dessen Errichtung heute wenige bewußt wünschen. Außerdem finden viele der alten Sozialisten, daß wir schon so weit auf den Zuteilungsstaat zugetrieben sind, daß es jetzt viel leichter scheint, in dieser Richtung weiter zu gehen, als auf die etwa in Mißkredit geratene Verstaatlichung der Produktionsmittel zu drängen. Sie scheinen erkannt zu haben, daß sie mit einer verstärkten staatlichen Beherrschung der nominell privat gebliebenen Industrie jene Umverteilung der Einkommen, die das eigentliche Ziel der sensationelleren Enteignungspolitik gewesen war, leichter erreichen können.“

Glücklicherweise folgt die menschliche Entwicklung aber keiner Gesetzmäßigkeit (wie es Karl Marx und Friedrich Engels behaupten). Es sind vielmehr die Ideen, die Theorien, die die Menschen in ihrem Handeln leiten und „Geschichte machen“. Das ist Grund zur Zuversicht: Denn wird von den Bürgern verstanden, dass sie alle gewissermaßen im Euro gefangen gehalten werden – und sprichwörtlich passend gemacht werden für das Bett des Prokrustes –, und dass ein freier Markt für Geld einfach zu haben ist und funktionieren würde, wäre die drangsalierende und freiheitsberaubende Kraft des Euro vermutlich sehr rasch dahin.

Übrigens: Prokrustes wurde von Theseus auf seiner Wanderung nach Athen als letzter der Bösewichte am Kephisos erschlagen. Es gibt also Grund zur Hoffnung: Das Schlechte findet, so lernen wir daraus ganz offensichtlich, doch irgendwann seinen Bezwinger.

 

Von TobiToaster – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27470268

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

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Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Devisen

Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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