Anleihen

Geld wird teurer! US-Libor steigt erstmals seit 2009 wieder über 1%

Geld wird wieder teurer, das zeigt der wichtigste Interbankenzinssatz der Welt, der Dollar-Libor. Dieser kletterte heute erstmals seit dem Jahr 2009 beim Fixing über die Marke von 1%. Mit weitreichenden Auswirkungen!

FMW-Redaktion

Geld wird wieder teurer, das zeigt der wichtigste Interbankenzinssatz der Welt, der Dollar-Libor. Dieser kletterte heute erstmals seit dem Jahr 2009 beim Fixing über die Marke von 1%.

Seit dem 01.Mai 2009 war es bergab gegangen beim Libor, zwischen 2013 und 2015 pendelte der Geldmarkt-Zinssatz zwischen 0,2% und 0,3%. Seit Anfang 2016 aber geht der Trend wieder klar nach oben – und heute überschritt der 3-Monatslibor erstmals wieder die Marke von 1% – gemeint ist der 3-Monats-Libor. Seit die Anleiherenditen steigen (besonders seit dem Sieg Trumps) aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen (Trumps Infrastrukturprogramm, erwartbare massive Verschuldung der USA etc.) geht auch der Libor deutlicher nach oben.

Der Libor wird in unterteilt in sieben Laufzeiten: von Über-Nacht-Leihen bis zum 12-Monats-Libor. Der Libor ist dabei der Zinssatz des Interbankenmarkts in London, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen – mit den oben beschriebenen sieben verschiedenen Laufzeiten.

Auf dem Libor basieren Billionen von Dollar-Krediten: Zinssätze für Kredite an Unternehmen, Zinssätze für Kreditkarten-Schulden, und nicht zuletzt zahlreiche Derivate, die anhand des Libors ge- und bepreist werden. Vor allem für Kreditnehmer in angelsächsischen Ländern, deren mit der Bank vereinbarte Zinssätze meist flexibel sind, sich also den jeweiligen aktuellen Zinssätzen anpassen, ist der Libor von großer Bedeutung.

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Beim Libor geht es um richtig viel Geld..
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

Bereits im Dezember war der 3-Monats-Libor knapp an der 1%-Marke vorbei geschrammt – und viele professionelle Investoren haben die Wiederauferstehung der Zinsen genutzt, um Geld in sogenannte „loan funds“ zu investieren, also in von Banken angebotene Fonds, aus denen die Geldhäuser dann die Kredite ausreichen. Daher waren schon im Dezember Milliarden von Dollar in diese „loan funds“ geflossen, die vor allem dann als „leveraged loans“ an Unternehmen ausgegeben werden, also also „gehebelte Kredite“. Bei diesen „leveraged loans“ vereinbaren Unternehmen mit ihren Geldgebern Zinssätze, die mit einem Aufschlag je nach Kreditwürdigkeit des Unternehmens gegenüber dem Libor fixiert werden.

Der heutige Bruch der 1%-Marke ist insofern nicht nur symblisch, sondern auch ganz praktisch bedeutsam, weil ein sogenannter „Libor-floor“ gebrochen wurde – also eine wichtige Begrenzung des Zinssatzes. Diese „floors“, eingeführt nach der Finanzkrise, garantieren Libor-Sätze auf einem zuvor definierten Niveau. Und das wiederum hat starke Auswirkungen auf Anleihen, die mit solchen „gehebelten Krediten“ an Unternehmen besichert sind – die sogenannten collateralised loan obligations (CLO).

Mehr als 60% dieser CLOs basierten auf einem Libor-floor von 1% – insgesamt knapp 600 Milliarden Dollar. Solange der Libor-Satz unter 1% lag, bekamen Halter von besonders riskanten Schulden (von eher bonitätsschwachen Unternehmen) eine Extra-Prämie – was nun mit dem Sprung über die 1%-Marke entfällt.



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