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Geldanlage: Das Cantillon-Depot ist schon wieder im Plus

Bis vor zwei Monaten herrschte an den Finanzmärkten noch eitel Sonnenschein, die Geldanlage schien ganz einfach. Die „Alles-Blase“ sorgte überall für steigende Notierungen, unabhängig vom Risiko der Vermögenswerte. Die bereits damals expansive Geldpolitik sowie zweifelhafte Aktienrückkaufprogramme in Billionenhöhe machten es möglich. Aktionäre betrachteten sich in Anbetracht der ständig steigenden Depotstände als Anlagegenies. Die Angst, Rendite zu verpassen, grassierte und Aktien rückten verstärkt in den Fokus der Geldanlage. Doch dann kam die kalte Dusche die Corona-Pandemie.

Diversifizierte Geldanlage versus TINA

Die aktuelle Krise an den Finanzmärkten ist nicht die Erste und wird nicht die Letzte sein. Doch die letzte echte Bewährungsprobe für Anleger, die Weltfinanzkrise, liegt bereits über eine Dekade zurück. Eine neue Generation von Investmentbankern und Privatanlegern betrat das virtuelle Börsenparkett. Angelockt von der seit März 2009 laufenden und damit überdurchschnittlich lang anhaltenden Börsen-Hausse. Gewinne mit Aktien zu erzielen erschien einfach: „Buy the Dip“ war das Motto. Die Notenbanken sorgten durch negative Realzinsen und reichlich Liquidität für ein günstiges Umfeld. Selbst zur Vorsicht mahnende Entwicklungen, wie die weltweiten Rekordschulden oder die hohe Bewertung vieler Vermögenswerte wurden durch die akkommodierende Geldpolitik überlagert. Der „Notenbank-Put“ sorgte für trügerische Sicherheit. Die Marketingmaschinen der Finanzindustrie impften den krisenunerfahrenen Anlegern ein: „There Is No Alternative“ (TINA). Damit waren primär die Aktien gemeint, an deren Handel die Broker und Banken gut verdienten.

Als ich Anfang Oktober letzten Jahres aus meiner mittlerweile sechzehnjährigen Erfahrung als Anlagestratege und Portfoliomanager heraus ein einfach strukturiertes Musterdepot mit nur fünf ETF-Bestandteilen vorstellte, wollte ich der TINA-Ideologie etwas entgegensetzen. Einmal aufgesetzt sollte das Portfolio ohne aktives Management auskommen. Das Rebalancing, also die Aufrechterhaltung der Gewichtung der einzelnen Bestandteile untereinander, erfolgt automatisch. Das Ziel der alternativen Strategie für die Geldanlage war ein wenig komplexes Misch-Portfolio, das dem geldpolitischen und makroökonomischen Umfeld und den daraus resultierenden Chancen und Risiken gerecht wird.

Die einzelnen Bestandteile der Geldanlage sollten in Summe von den übergeordneten Trends profitieren, aber eine geringe Korrelation untereinander aufweisen. Diese Diversifikation sollte zum einen eine vergleichbare Rendite zu den Aktienmärkten generieren, bei jedoch deutlich geringerem Risiko. Aufgrund der Sondersituation, bezogen auf das Zinsumfeld und die Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken, orientiert sich das Portfolio an den Erkenntnissen des irischen Ökonomen Richard Cantillon und dem von ihm beschriebenen Cantillon-Effekt. Neben Aktien (Minenaktien) und REITs (Real Estate Investment Trusts) befinden sich im Cantillon-Depot auch Staatsanleihen und Gold.

Das Cantillon-Depot als Muster für die Geldanlage

Zum Jahresultimo 2019 lag das Portfolio nach fast drei Monaten mit vier Prozent im Plus, was einen Leser zu dem damals berechtigten Hinweis veranlasste, dass dies zwar ein netter Versuch sei, die Aktienmärkte aber deutlich besser performt hätten. Doch das Bild wandelte sich schnell: Bis kurz vor Beginn des Corona-Crashs Ende Februar zog das zu realen Kosten bei justETF geführte Cantillon-Portfolio mit der Wertentwicklung der Aktienmärkte gleich – bei deutlich niedrigerer Volatilität (Schwankungsrisiko). Was dann folgte war der ultimative Lackmustest für die Geldanlage im Allgemeinen und die TINA-Ideologie im Besonderen. Nun musste sich zeigen, ob ein diversifiziertes Portfolio, das auf Risikoausgleich durch verschiedene Anlageklassen setzt, einen echten Mehrwert für die Geldanlage bietet.

Gold und Anleihen machten den Unterschied

Vor dem liquiditätsbedingten Einbruch durch die Corona-Krise konnte man an den Finanzmärkten bei der Geldanlage fast nichts falsch machen und mit nahezu allen Anlageklassen Geld verdienen, sofern man, abgesehen von der Volatilität, auf steigende Kurse setzte.

Der Corona-Schock führte zu dem bekannten Phänomen der abrupten Risikoaversion. Eine Kaskade von Verkaufslimiten wurde ausgelöst. Gleichzeitig entstand enormer Liquiditätsbedarf durch realisierte Verluste und Margin-Calls. Auch wenn diese Krise für die meisten Anleger nicht vorhersehbar war, so war doch die Reaktion der Notenbanken darauf recht gut vorhersehbar. Nachdem bereits während er letzten Finanzkrise neue und unkonventionelle geldpolitische Instrumente entwickelt und eingesetzt wurden, mussten diese nur neu aufgelegt oder einfach in ihrer Dimension vergrößert werden. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Notenbanken war diesmal also deutlich kürzer und die „Bazookas“ wesentlich größer.

Das aggressive Vorgehen der Notenbanken konnte bislang zwar den Crash an den Aktienmärkten aufhalten und führt aktuell sogar zu einer Erleichterungsrallye, aber die fundamentalen Perspektiven sind nach wie vor eingetrübt, weshalb die Aktienmärkte seit Jahresbeginn weiterhin in der Verlustzone notieren. Wie sich nun herausstellt, gibt es jedoch alternativen zu Aktien, die im positiven Sinne noch sensibler auf die Aktionen der Notenbanken reagieren und gestiegen statt gefallen sind: Anleihen und Gold.

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1 Kommentar

  1. Werter Herr Zipfel, das von Ihnen am 28.08.2019 vorgestellte Cantillon-Portfolio ist ohne Frage für alle Anleger eine wertvolle Basis zur Vermögenssicherung, denen es an Zeit und/oder Marktkenntnis fehlt und die größere Risiken nicht eingehen wollen. Selbst für den Profi bietet es eine ausgezeichnete Grundlage für langfristige Anlageentscheidungen und die sinnvolle Anpassung der Gewichtungen entsprechend der Marktsituation steht der Grundidee nicht im Wege.

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