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Geldanlage – das Cantillon-Muster-Portfolio

Hannes Zipfel

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am

Desperate Geldpolitik, globale Überschuldungstendenzen und geopolitischen Verwerfungen erfordern eine Anpassung in der Geldanlage. Effektiver Vermögensaufbau und die Sicherung der Altersvorsorge bedürfen neuer, erweiterter Konzepte.

Mehr Mut zur Streuung bei der Geldanlage

Geldanlage - Aufteilung nach Asset-Klassen
Foto: pixabay / Adeolu Eletu

Die gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten erzwingen einen Paradigmenwechsel in der Geldanlage. Sparen allein mithilfe von Zinsen ist ineffektiv geworden. Klassische Misch-Strategien, beschränkt auf Aktien und Anleihen, sind in Anbetracht von Nullzinsen und Überschuldung vieler Staaten und Unternehmen zu einseitig. Risiken, die bis vor zehn Jahren noch undenkbar schienen, werden mittlerweile greifbar. Massenhafte Unternehmensinsolvenzen, Bankenpleiten, Staatsbankrotte und Handelskriege sind keine abstrakten Risiken mehr.

Die Geldanlage und Altersvorsorge muss dieser neuen Realität gerecht werden und dennoch schnell, kostengünstig und leicht verständlich umsetzbar sein. Nur so ist in dem stark veränderten Umfeld noch erfolgreiche Geldanlage möglich. Bereits im 17. Jahrhundert entwickelt der irische Ökonom und Banker Richard Cantillon die Grundlagen für eine heute wieder adäquate Anlagestrategie, die ich in einem Artikel zu dem Thema bereits in seinen Grundzügen erläutert habe.

Die Strategie

Die Ausgewogenheit im Muster-Portfolio beruht auf den Korrelationen der einzelnen Bestandteile untereinander. Die Grundüberlegung geht davon aus, dass gemäß des Cantillon-Effekts alle berücksichtigten Vermögensklassen von den Maßnahmen der Zentralbanken zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit profitieren. Diese Maßnahmen umfassen sowohl eine konsequente Niedrigzinspolitik sowie die aggressive Ausweitung der Geldmenge zum Ankauf von Schuldpapieren aller Art und anderen Vermögenswerten, wie Aktien, verbrieften Immobilien (REITs) bis hin zu Gold.

Die Nebenwirkungen dieser Politik können gleichwohl zu schwer kontrollierbaren Risiken mutieren. Das größte mittelfristige Risiko ist die Zerstörung der Kaufkraft des Geldes (Inflation). Gegen dieses Risiko schützen alle im Portfolio enthaltenen Sachwerte (Aktien, Immobilien, Gold). Kommt es hingegen wegen geldpolitischer Fehleinschätzungen zu temporären deflationären Krisen, wie z. B. Ende letzten Jahres als die US-Fed mit ihrer temporären Zinswende zu weit ging und die Märkte einbrachen, dann schützen Anleihen und Gold vor dem Verfall der Aktien- und Immobilienpreise.

Die Portfoliobestandteile sollen die bestehenden Risiken gegenseitig ausbalancieren. Alle fünf Bestandteile sollen zudem in ihrer Gesamtheit von dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld der nächsten Jahre profitieren. Kommt es zum Worst Case einer großen Finanzkrise, werden die Bestandteile Gold und Minenaktien unentbehrlich sein, um das Vermögen zu retten.

Die Portfolio-Allokation

Im Vergleich zur Ursprungsallokation habe ich die Strategie um Staatsanleihen ergänzt, da mittlerweile auch die EZB (ab 1. Nov.) und die US-Notenbank Fed ihre Bilanzen wieder durch die Aufnahme von Staatsanleihen aufblähen und dadurch die Zinsen auch am Kapitalmarkt nach unten manipulieren und vice versa die Kurse der Anleihen bis zum endgültigen Zusammenbruch des heutigen Finanzsystems nach oben treiben. Demgegenüber steht physisches Gold als Absicherung gegen systemische Risiken und Inflation. Renditequellen sind primär die weltweiten Dividendentitel (inkl. Minenaktien) sowie Immobilienwerte aus Europa.

Geldanlage nach Cantillon Portfolio

Um die Strategie kostengünstig, schnell und relativ einfach umzusetzen, kommt sie mit nur fünf auf Exchange Traded Funds (ETF) basierenden Bestandteilen folgender exemplarischer Emittenten aus.

ETF Portfolio

Ziel der Strategie ist es, den aktuellen und absehbaren Risiken gerecht zu werden und bei relativ geringem Gesamtrisiko (Volatilität) eine im Vergleich zur Volatilität (Schwankungsbreite) überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. In der Rückrechnung seit Auflage aller im Portfolio enthaltener ETFs sieht die Entwicklung folgendermaßen aus (Portfolio: blaue Linie):

Das Rendite-Risiko-Verhältnis stellt sich mit einer jährlichen Rendite von ca. 8 Prozent bei einer Schwankungsbreite von 6,6 Prozent in der Rückrechnung (Simulation) bereits recht günstig dar:

Fazit

Die von Cantillon beschriebenen Effekte einer expansiven Geldpolitik in der Wirtschaft sind universell gültig. Die Tatsache, dass den Zentralbanken keine andere Wahl mehr bleibt, als überschuldete Staaten und Unternehmen zu finanzieren und zu alimentieren, schafft ein Umfeld, in dem man die Geldanlage durch seine frühen Erkenntnisse optimieren und absichern kann. Wie sich das Portfolio entwickelt, werde ich an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen berichten. Dies ist keine Anlageempfehlung, lediglich ein Denkanstoß für ihre persönliche Geldanlage. Das Portfolio wurde mithilfe von JustETF.com erstellt.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    7. Oktober 2019 14:46 at 14:46

    Wenn Gold dann doch bitte physisch und nicht über ETFs, welche Bestandteil des Systems sind.

    • Avatar

      Hannes Zipfel

      7. Oktober 2019 15:00 at 15:00

      @Übelkeit: Das Gold in diesem Portfolio ist mittels Xetra-Gold ETF der Deutschen Börse AG abgebildet: 100 physisch im Tresor hinterlegt und steuerfrei nach 12 Monaten Haltedauer.

      • Avatar

        Columbo

        7. Oktober 2019 17:38 at 17:38

        @Hannes Zipfel
        Gold als Versprechen in ETFs oder sonstigen Hinterlegungen in irgendwelchen Tresoren ist in meinen Augen ein Absurdum. Gold ist hauptsächlich Versicherung, nicht Investment und macht daher nur physisch und möglichst nahe beim Besitzer Sinn. Ich möchte wissen, wie Sie in echten Krisensituationen(Bankenpleiten, Währungsreformen usw.) an das „hinterlegte“ physische Gold kommen wollen?

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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