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Gibt es die größte Firmenübernahme aller Zeiten in der Krise?

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Größte Firmenübernahme - Börse als Symbol für Aktiengeschäfte

Merger & Acquisitions (M&A), Zusammenschlüsse und die direkte Firmenübernahme, sie boomen, wenn es auch der Wirtschaft gut geht und die Aktienkurse steigen. 2018 und 2019 waren daher Jahre mit ausgesprochen hohen Transaktionsvolumina, aber nicht besonders hoher Transaktionszahl. Bis April 2020 ging die Zahl der Transaktionen bereits merklich zurück. Doch mit einem sich andeutenden Deal zwischen AstraZeneca und Gilead Sciences, der einer der größten der Geschichte werden könnte, startet möglicherweise ein neuer M&A Boom mitten in der Krise.

Firmenübernahme: Beliebt beim Management, Problem für Aktionäre

Unternehmens-Lenker lieben M&A-Transaktionen, während sie bei Aktionären eher auf durchwachsene Gefühle stoßen. Bei den Chefs sind die Transaktionen vermutlich beliebt, da sie die eigene Relevanz massiv steigern helfen. Mit Übernahmen einher geht jahrelange Arbeit und eine deutlich wachsende Mitarbeiterschar. Aktionäre hingegen sind diejenigen, die es bezahlen müssen. Und oft genug gehen die M&A-Deals nicht so auf, wie es das Management versprach. Rationalisierungs-Effekte stellen sich nicht ein. Dafür blockiert sich das Management selbst auf Jahre mit der Integration des übernommenen Unternehmens. Und oft genug wird dann auch noch viel zu viel für das zu kaufende Unternehmen bezahlt. AOL und Time Warner, Mercedes und Chrysler, Bayer und Monsanto sind nur einige Beispiele für gescheiterte Transaktionen.

Ende August 2016 war Bayer an der Börse 91 Milliarden US-Dollar wert. Im September 2016 wurden Übernahmeabsichten für Monsanto angekündigt. Bayer zahlte für Monsanto 66 Milliarden US-Dollar und ist heute 77 Milliarden US-Dollar wert. Teilweise lag die Marktkapitalisierung im März deutlich unter 60 Milliarden US-Dollar. Eine grandiose Wertvernichtung für die Bayer-Aktionäre.
Und doch lässt sich das Management des britischen Pharma-Riesen AstraZeneca das keine Lehre sein, sondern plant offenbar einen der größten Deals aller Zeiten. Gerüchten zufolge trat das Unternehmen an den US-Konkurrenten Gilead Sciences heran, um eine Fusion zu besprechen. Zusammen wären beide Unternehmen fast eine Viertel Milliarde US-Dollar wert – wenn sich die Marktbewertungen bei einer Übernahme aufsummieren und nicht wie bei Bayer in Luft auflösen.

Gilead will nicht – das kann die Übernahme verteuern

Pikant an der Sache ist, dass Gilead Sciences offiziell eigenständig bleiben möchte. Bleibt es dabei und hält AstraZeneca am Übernahmeplan fest, könnte es hässlich und teuer werden. Manager neigen dann dazu, nicht im Interesse der Aktionäre zu handeln, sondern ihre eigene Anstellung zu verteidigen. Die Übernahme soll dann für den Übernehmenden möglichst unattraktiv gemacht werden. Zum Beispiel, indem teure Verträge abgeschlossen oder ihrerseits eine Firmenübernahme getätigt werden, die zwar wirtschaftlich nicht unbedingt Sinn, aber das eigene Unternehmen verteuern oder kartellrechtlich schwierig machen. Denkbar ist auch, dass das Management von Gilead Sciences höhere Gebote von AstraZeneca erhalten möchte. Zu guter letzt könnte Gilead auch noch einen weißen Ritter auftun, der seinerseits Kaufgebote für Gilead abgibt. Angesichts der knapp 100 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung wird die Luft für weiße Ritter jedoch dünn.

Sofern es nicht bei einem einvernehmlichen Zusammenschluss bleibt, sondern Gilead Sciences tatsächlich gekauft werden soll, begäbe sich AstraZeneca zudem in eine gefährliche Lage. Kann in einer globalen Rezession tatsächlich genügend Geld aufgebracht werden, um eine 100-Milliarden-Dollar-Transaktion durchzuführen? Für gewöhnlich werden dabei Kombinationen aus Kapitalerhöhung eine Krediten gewählt. Sollte die geplante Kapitalerhöhung scheitern oder krisenbedingt zu deutlich niedrigeren Preisen als geplant durchgeführt werden, müsste ein entsprechend größerer Kreditbetrag aufgenommen werden. Kredite sind in der Krise jedoch entweder deutlich teurer oder nicht im gewünschten Umfang verfügbar. Bestes Beispiel dafür ist Intel, die zwar keine Übernahme stemmen mussten, sich aber am Beginn der Coronakrise Liquidität sichern wollten. Die Ende März platzierten Anleihen für acht Milliarden US-Dollar mussten zu Zinssätzen platziert werden, die deutlich über dem Niveau von Februar oder Juni lagen. Für die acht Milliarden zahlt Intel daher verglichen mit den aktuellen Zinssätzen 2,9 Milliarden US-Dollar zusätzliche Zinsen. Der gleiche krisenbedingte Zins-Effekt zum Beispiel für einen 80-Milliarden-Dollar-Kredit wäre verheerend für die Rendite-Prognosen einer Firmenübernahme.

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Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0?

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie erleben wir eine regelrechte Flucht in Technologie-Aktien. Insbesondere die Nasdaq eilt seit Wochen von einem Allzeithoch zum nächsten. Zwar profitieren einige Technologie-Werte von der aktuellen Situation während der Pandemie, aber was zurzeit abläuft, grenzt an absurder Euphorie. Man muss sich nur den Chart von Tesla anschauen, hier fehlt nur das Fähnchen, dass man an die Fahnenstange hängen kann. Tesla ist nur eins von vielen Beispielen. Auch Apple hat seit dem März-Tief einen Anstieg von über 80 Prozent hingelegt. Als Info an alle Börsenanfänger – solche Steigerungsraten sind NICHT normal.

Diesmal ist alles anders

Diesmal ist es aber anders als in der Zeit des „Neuen Markt“. Damals wurde alles gekauft, dass nicht bei drei auf den Bäumen war. Dazu gehörten auch Unternehmen, die übertrieben gesagt, irgendwo in einer Garage an unnützer Software gearbeitet haben. Im Gegensatz dazu, ist es diesmal so, dass sich die Euphorie nicht auf eine große Anzahl von Techwerten konzentriert, sondern nur auf wenige Unternehmen. Hier sind die großen Technologie-Unternehmen zu nennen – Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook, Netflix und Nvidia. Diese sieben Unternehmen machen mittlerweile 50 Prozent des gesamten Index aus.

Klumpenbildung der Technologie-Werte

Die Situation ist auch den ETFs geschuldet. Um gute Wachstumsraten für ihre Kunden zu gewährleisten, müssen sie die großen Technologie-Werte übergewichten. Dadurch verstärkt sich der Effekt. Steigen die Kurse der großen Technologie-Unternehmen, dann zieht das mehr und mehr Käufer aus allen Bereichen an – Private, Institutionelle und Fonds. Entsprechend erhöht sich das Risiko einer Klumpenbildung. Kommt es zu einer erneuten Korrektur, wäre das ein Problem, da alle gleichzeitig durch eine kleine Tür rauswollen.

Weltweite Rezession

Es scheint auch fast so, als ob die Investoren vergessen, dass wir uns in einer weltweiten Rezession befinden. Diese Rezession ausgelöst durch die Corona-Pandemie hat nämlich einen Faktor, der derzeit ignoriert wird – Unsicherheit. Damit ist gemeint, dass aktuell niemand voraussagen kann was die tatsächlichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind und wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Auch die Technologie-Unternehmen sind davon betroffen. Apple setzt zum Beispiel weniger Handys ab, Facebook hat weniger Werbeeinnahmen und Teslas Absatz an Automobilen ist alles andere als beeindruckend. Die ab nächste Woche beginnende Berichtssaison wird mehr Aufschluss darüber geben, wie sich die Pandemie tatsächlich auf die Unternehmensgewinne auswirkt.

Aktuelle Entwicklung der Technologie-Unternehmen

In den nachfolgenden Grafiken kann man einerseits die Kursentwicklung der großen fünf Technologie-Unternehmen in dem letzten Monat erkennen sowie die Relation vom Nasdaq zum S&P500. Insbesondere der Chart des Nasdaq in Relation zum S&P zeigt deutlich, dass die Entwicklung der Technologie-Werte auf dem Weg ist eine neue Blase zu bilden. Demnach brauchen wir nicht mehr über Bewertungen zu sprechen. Es wurde mehrfach in anderen Artikeln darauf hingewiesen, dass diese fernab von Gut und Böse sind. Geschuldet ist diese Situation natürlich auch den Geldflutungen und Stimuli von Notenbanken und Staaten. FED-Chef Powell hat zwar vor kurzem betont, dass man durch die Maßnahmen keine Blasenbildung erzeugen möchte, aber genau das ist was gerade passiert. Die Corona-Pandemie wird noch länger Einfluss auf die Märkte haben und Unsicherheit verbreiten. Früher oder später muss Luft aus der Blase abgelassen werden, sonst droht das Platzen.


Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0? Corona

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Aktienmärkte aktuell: Der nächste Corona-Hype durch Remdesivir

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Und die nächste Jubelmeldung über ein Medikament, welches das Coronavirus bekämpfen soll. Remdesivir (der schon wieder) soll laut ganz aktueller Veröffentlichung des Herstellers Gilead Sciences das Todesrisiko bei Patienten um 62 Prozent senken. Hurra, es kann endlich wieder aufwärts gehen an der Börse? Die Aktienmärkte steigen. Der Dow Jones steigt in den letzten Minuten um 150 Punkte, der Dax um 54 Punkte. Wie lange kann diese Euphorieblase dieses Mal die Kurse pushen? Wann folgt die Enttäuschung? Oder ist es dieses Mal wirklich der Durchbruch?

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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