Gold/Silber

Blick auf Notenbankkäufe im letzten Quartal Gigantische Käufe von Gold – Mysteriöse Wale verwirren den Markt

Notenbanken haben im letzten Quartal gigantische Mengen an Gold gekauft. Aber da gibt es Verwirrung am Markt über Aktivitäten von "Walen".

Es war gestern eine Meldung, die am Goldmarkt für Aufsehen sorgte. Laut World Gold Council kauften Notenbanken im 3. Quartal nämlich die enorme Menge von 399 Tonnen Gold, fast doppelt so hoch wie der bisherige Rekord! Aber da ist noch mehr. Mysteriöse Wale verwirren aktuell den Goldmarkt. Aber erst noch mal kurz der Blick auf die Käufe im letzten Quartal. Hohe Inflation, große Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg, und das „Unabhängig machen“ einiger Staaten vom US-Dollar-Raum spielen dabei eine Rolle? Interessant ist, dass in einer Zeit, wo die Notenbanken die Zinsen massiv anheben und der Goldpreis darunter leidet, es gerade diese Notenbanken sind, die in die Marktschwäche hinein massiv Gold aufkaufen. Im Chart sehen wir in den letzten zwölf Monaten den um 8,4 % gefallenen Goldpreis, dazu den steigenden Leitzins der Federal Reserve, von 0,25 auf 4,00 %. Auch seit gestern Abend leidet Gold erneut unter der frischen Zinsanhebung der Fed.

Fallender Goldpreis im Vergleich zum Fed-Leitzins seit November 2021

Mysteriöse Wale verwirren den Markt nach massiven Käufen von Gold durch Notenbanken

Ein normalerweise trockener Forschungsbericht hat den Goldmarkt diese Woche aufgerüttelt, als er auf massive, aber bisher nicht identifizierte staatliche Käufer hinwies, so berichtet es Bloomberg. Knapp ein Viertel der Notenbankkäufe ging an öffentlich bekannte Institutionen, was zu Spekulationen über geheimnisvolle Käufer führte.

Während die meisten Notenbanken den Internationalen Währungsfonds informieren, wenn sie Gold kaufen, um ihre Devisenkassen aufzustocken, halten sich andere eher bedeckt. Nur wenige haben die Kapazitäten, um im dritten Quartal einen solchen Kaufrausch zu veranstalten, der ausreicht, um den Schlag der Anleger abzufedern, die Gold verkaufen, während die Federal Reserve die Zinssätze anhebt.

„Bei dieser Masse an Verkäufen war ich etwas überrascht, dass Gold nicht schwächer war“, sagte Ross Norman, Geschäftsführer von Metals Daily, einem Informationsportal mit Schwerpunkt auf Edelmetallen. „Aber ich denke, jetzt haben wir unsere Antwort.“

Der WGC, eine Lobbygruppe für die Bergbauindustrie, verwendet für seine Schätzungen Daten der Beratungsfirma Metals Focus Ltd. Diese wiederum stützt sich auf eine Kombination aus öffentlichen Daten, Handelsstatistiken und Feldforschung, um Zahlen zur Nachfrage in den verschiedenen Sektoren des Goldmarktes zu ermitteln. Es ist zwar schwierig die Wale des Goldmarktes zu identifizieren, aber nur einige Notenbanken haben die Kapazität für solche Käufe.

China

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gibt selten bekannt, wie viel Gold ihre Notenbank kauft. Im Jahr 2015 gab die People’s Bank of China einen sprunghaften Anstieg ihrer Goldreserven um fast 600 Tonnen bekannt, was Marktbeobachter nach sechs Jahren des Schweigens schockierte. Seit 2019 hat das Land keine Veränderung seiner Goldbestände gemeldet, was Spekulationen nährt, dass China unbemerkt Gold gekauft haben könnte.

Gold-Importe in China

Handelsdaten zeigen, dass das Land enorme Mengen an Goldbarren importiert hat. China hat in diesem Jahr bisher 902 Tonnen Gold importiert und damit die Gesamtmenge des letzten Jahres bereits übertroffen. Das ist zusätzlich zu den mehr als 300 Tonnen, die die Minen des Landes normalerweise jedes Jahr produzieren.

Und obwohl die Inlandsnachfrage stark war und die Bürger bis zum dritten Quartal rund 601 Tonnen gekauft haben, wird sie voraussichtlich unter dem Niveau von 2021 liegen. Zu Beginn des Jahres behinderten die Sperrungen von Covid-19 den Kauf von Schmuck und Goldbarren in einem der weltweit größten Verbraucherländer.

Für China war die Notwendigkeit, eine Alternative zum Dollar zu finden, der seine Reserven dominiert, selten so groß wie heute. Die Spannungen mit den USA sind nach den Maßnahmen gegen deren Halbleiterunternehmen groß, während Russlands Einmarsch in der Ukraine gezeigt hat, dass Washington bereit ist, Zentralbankreserven zu sanktionieren.

Russland

Russland ist das zweitgrößte Gold-Förderland der Welt und produziert normalerweise mehr als 300 Tonnen pro Jahr. Vor Februar 2022 exportierte es das Metall in Handelszentren wie London und New York, aber auch in Länder in Asien.

Große Produzenten von Gold nach Weltmarktanteil

Seit dem Einmarsch in die Ukraine ist das russische Gold im Westen nicht mehr willkommen, und China und Indien zögern große Mengen zu importieren. Damit besteht die Möglichkeit, dass die Zentralbank einspringt, um diese Lieferungen zu kaufen. Aber die gesamten Devisenreserven Russlands, einschließlich Gold, sind in diesem Jahr zurückgegangen. Russlands Dollar- und Euro-Reserven wurden durch die Sanktionen eingefroren, was es für die Zentralbank weniger attraktiv macht sie aufzustocken. Außerdem weist sie ihre Goldbestände nicht gesondert aus.

Russland Land war in der Vergangenheit ein massiver Goldkäufer, der sechs Jahre lang Gold anhäufte, bevor es mit dem Ausbruch der Pandemie aufhörte. Im Februar, nach der Invasion in der Ukraine, erklärte Russland, dass es bereit sei Gold zu einem bestimmten Preis zu kaufen, aber der stellvertretende Gouverneur Alexej Zabotkin sagte letzten Monat, dass Käufe nicht mehr sinnvoll seien, da sie die Geldmenge und die Inflation in die Höhe treiben würden.

Ölexporteure

Nur wenige Länder haben die diesjährige Energiekrise besser überstanden als die Ölexporteure der Golfstaaten. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait haben von der Krise profitiert, und einige von ihnen haben ihr Geld über Staatsfonds in ausländische Vermögenswerte investiert.

Goldbestände von Saudi-Arabien

Möglicherweise haben sie Gold zur Diversifizierung genutzt. Saudi-Arabien verfügt über den größten Goldvorrat in der arabischen Welt, hat aber seit 2010 keine Veränderung seiner Bestände gemeldet. Damals führte ein „Unterschied in der Buchhaltung“ dazu, dass sich seine Reserven auf 323 Tonnen verdoppelten.

Indien

Die indische Zentralbank hat schon früher große Goldkäufe getätigt. 2009 kaufte sie 200 Tonnen vom Internationalen Währungsfonds. Seitdem hat sie ihre Käufe eher schrittweise getätigt und den Markt zeitnah informiert.

Indische Goldbestände

Angesichts des Drucks auf seine Währung hat Indien in diesem Jahr möglicherweise davor zurückgeschreckt, sich mit Gold einzudecken. Dies wurde durch die starken Importe von Edelmetallen für den Konsumsektor in den letzten Monaten noch verschärft.

FMW/Bloomberg/Erster Chart von TradingView

Abpacken von Goldbarren
A worker loads 12,5 kilogram gold ingots onto a trolley ready for distribution at the JSC Krastsvetmet non-ferrous metals plant in Krasnoyarsk, Russia, on Monday, July 12, 2021. Gold headed for its second decline in three sessions as strength in the dollar and equities diminished demand for the metal as an alternative asset.


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1 Kommentar

  1. Das Gesamtvermögen aus Finanzvermögen und Sachwerten abzüglich Schulden stieg 2021 gegenüber dem Vorjahr vor allem dank des Booms an den Börsen um 10,3 Prozent auf den Rekordwert von 473 Billionen US-Dollar, wie aus Bericht „Global Wealth 2022“ der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht.09.06.2022

    Wenn davon nur 0,1 % in Gold angelegt werden soll, bricht die Hölle los.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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