Anleihen

Warnsignal für Weltkonjunktur Global Invertierte Zinskurve erstmals seit mindestens 22 Jahren

Zum ersten Mal seit mindestens 22 Jahren sieht man jetzt auf globalem Niveau eine Invertierte Zinskurve bei Staatsanleihen.

Die globale Renditekurve steht Kopf! Kurzlaufende Anleihen haben eine höhere Rendite als länger laufende. Und das nicht nur in einem Land, sondern im globalen Durchschnitt. Dies nennt man eine „Invertierte Zinskurve“. „Laute Warnsignale vor einer Rezession gibt es nun auch vom globalen Staatsanleihemarkt“, so formuliert es aktuell Bloomberg. Erstmals sei mindestens zwei Jahrzehnten steht die Renditekurve Kopf.

Bei Bonds mit Fälligkeit in zehn Jahren oder mehr liegt die Rendite laut Bloomberg-Indizes durchschnittlich nun unter dem Niveau von Kurzläufern, die in ein bis drei Jahren fällig werden. Das gab es noch nie in dem Bloomberg-Datensatz, der bis Anfang des Jahrtausends zurückreicht. FMW: Wir sehen in diesem Chart einen globalen Anleiheindex und die Invertierte Zinskurve, wenn der Wert unter 0 fällt – dies ist jetzt der Fall. Werte unter Null bedeuten, dass die Kurzläufer im Schnitt höher rentieren als die Langläufer.

Global invertierte Zinskurve

Bloomberg schreibt weiter: Die Umkehrung der Renditekurve (Invertierte Zinskurve) wird in der Regel als Vorbote einer Rezession angesehen. Sie impliziert, dass Anleger aus Pessimismus über die wirtschaftlichen Aussichten Geld in längerfristige Anleihen umschichten (FMW: Hier eine genauere Erläuterung). Und dieser Pessimismus grassiert, da Notenbanken in aller Welt eine weitere Straffung der Geldpolitik signalisieren, mit der sie die Inflation in den Griff bekommen wollen.

Zentralbanker, “die von Inflationsängsten gelähmt sind”, werden die Zinsen noch länger in der restriktiven Zone verankern, erwartet Prashant Newnaha, Stratege bei TD Securities Inc. in Singapur. “Dies wird ein wichtiger Katalysator für die weitere Abflachung der Kurve sein.”

Auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank rechnet mit der Notwendigkeit fortgesetzter Zinserhöhungen. Sie wäre “überrascht”, wenn die Inflation im Euroraum schon jetzt nachließe, sagte Christine Lagarde am Montag vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments. Auch vier Fed-Notenbanker wiesen zum Wochenbeginn darauf hin, dass die Zinsen weiter heraufgesetzt werden müssen.

Laut den Volkswirten der Deutschen Bank könnte sich Deutschland bereits in einer Rezession befinden. Für die USA dürfte es Mitte nächsten Jahres soweit sein, prognostiziert ein Team unter Leitung von Chefvolkswirt David Folkerts-Landau in London.

Einher mit der Umkehrung der globalen Renditekurve in eine Invertierte Zinskurve geht die Erholung des Rentenmarkts. Dabei sorgt für Auftrieb, dass eine nachlassende Konjunktur die Notenbanken veranlassen wird, ihre Zinserhöhungen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Das Bondbarometer Global Aggregate Index hat im November 5% zugelegt und steuert damit auf den größten Monatsgewinn seit 2008 zu. Bei deutschen Bundesanleihen hat die Umkehrung der Renditekurve unlängst das extremste Niveau seit 30 Jahren erreicht.

FMW: Im folgenden Chart sehen wir seit September 2022 den Vergleich zwischen deutschen Staatsanleiherenditen mit 10 Jahren Laufzeit (blau) gegen die mit 2 Jahren Laufzeit (orange). Im Kasten sehen wir, wie die zweijährige Rendite in den letzten zwei Wochen über der zehnjährigen Rendite lag. Hier sehen wir die Invertierte Zinskurve ganz konkret.

Invertierte Zinskurve am Beispiel deutscher Staatsanleihen

FMW/Bloomberg/Zweiter Chart von TradingView



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