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Globales Finanzcasino: Die Botschaft zum Jahresende lautet „Game over“

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Die Finanzwelt hat Ende 2018 einen Wendepunkt erreicht. Fast zehn Jahre lang haben die Zentralbanken das globale Finanzsystem künstlich am Leben erhalten, indem sie Billionen an Dollars, Euros, britischen Pfund, japanischen Yen und Schweizer Franken aus dem Nichts erzeugt und zu immer niedrigeren Zinsen vergeben haben.

Damit haben sie eine Entwicklung eingeleitet, die niemand vorausahnen konnte: Die Finanzmärkte haben über einen Zeitraum von 115 Monaten eine Rekordmarke nach der anderen gerissen. Das Ganze hatte aber auch eine Schattenseite, denn die Maßnahmen haben zugleich bewirkt, dass

– im Verhältnis zu den Finanzmärkten immer weniger Geld in die Realwirtschaft floss,

– das Steueraufkommen wegen der im Finanzsektor intensiv praktizierten Steuervermeidung nicht mit der Geldentwicklung mithalten konnte,

– immer weniger öffentliche Investitionen getätigt wurden,

– die Infrastruktur weltweit zerfiel,

– konservative Anleger wie Versicherungen, Renten- und Pensionskassen gezwungen wurden zu spekulieren und unverhältnismäßig hohe Risiken einzugehen,

– die Altersvorsorge durch Sparen erschwert und einer zukünftigen Zunahme der Altersarmut der Weg bereitet wurde,

– Privathaushalte, Unternehmen und Staaten sich immer höher verschuldeten,

– immer mehr Anleger mit geliehenem Geld in die Märkte einstiegen,

– an den Finanzmärkten die größten Blasen aller Zeiten entstanden,

– die soziale Ungleichheit weltweit explodierte.

Da diese Entwicklung das globale Finanzsystem inzwischen existenziell bedroht, ersetzen die Zentralbanken, angeführt von der FED, seit einiger Zeit ihre „lockere“ durch eine „straffere“ Geldpolitik – das heißt: Sie verringern den Geldfluss und erhöhen die Zinsen.

Die FED hat ihren Leitzins ab 2015 in mehreren sehr vorsichtigen Schritten bis auf 2,25 Prozent angehoben und bereinigt ihre auf mehr als $ 4,5 Billionen angewachsene Bilanz zurzeit um monatlich ca. $ 50 Mrd., die EZB hat ihre im März 2016 begonnenen Anleihenkäufe in diesem Sommer weiter eingeschränkt und will sie ab Anfang 2019 ganz aussetzen.

Diese Umkehr in der Geldpolitik wirkt auf die Finanzmärkte allerdings wie ein Drogenentzug auf einen Süchtigen und führt daher zu einer gefährlichen Instabilität. Aber nicht nur das: Sie trifft das System auch noch zu einer Zeit, in der es ohnehin mit einer Anhäufung von Problemen konfrontiert ist: Dem von den USA inszenierten Handelskrieg, der italienischen Bankenkrise, dem Volksaufstand in Frankreich, den Sanktionen gegen Iran, der Kapitalflucht aus den Schwellenländern, dem im Hintergrund immer bedrohlicher ausufernden Derivatesektor und einer einsetzenden globalen Rezession.

Ein ungünstigeres Zusammentreffen schwarzer Schwäne (möglicher Auslöser für einen System-Kollaps) ist schwer vorstellbar. Sollten die Zentralbanken trotzdem an ihrer straffen Geldpolitik festhalten, so lässt sich die Entwicklung an den Finanzmärkten in folgende drei Stadien einteilen:

1. Stadium (in dem wir uns gerade befinden): Durch den Geldentzug wird weniger spekuliert, die Kurse beginnen zu fallen. Erste Investoren, die mit geliehenem Geld in die Märkte eingestiegen sind, ziehen sich zurück, worauf die Kurse weiter nachgeben. In die Spekulation gezwungene konservative Anleger werden nervös, verkaufen und drücken die Kurse noch weiter.

2. Stadium: Der hohe Schuldenstand vieler Marktteilnehmer tritt immer deutlicher zutage, das Misstrauen wächst und führt zu immer zögerlicherer Kreditvergabe. Da Schuldnern die Bedienung ihrer Schulden zunehmend schwerer fällt, müssen sie immer mehr Wertpapiere verkaufen, was einen weiteren Rückgang der Börsenkurse und noch mehr Verkäufe nach sich zieht.

3. Stadium: Wegen der anhaltenden Abwärtsbewegung an den Börsen weiten sich die Kursverluste aus, erste Gläubiger fordern ihr Geld von Schuldnern zurück, es kommt zu einzelnen Insolvenzen, denen weitere und größere folgen, was noch mehr Gläubiger skeptisch macht und zum gefürchteten „Margin Call“ – einer flächendeckenden Rückforderung von Schulden – führt. Dadurch werden im Derivate-Bereich immer höhere Zahlungen fällig, die sogar die Großbanken überfordern, selbst kühl kalkulierende Börsenprofis in Panik geraten lassen und damit eine nicht mehr aufzuhaltende Abwärtsspirale in Gang setzen.

Der gesamte Prozess ist mit dem Abgang einer Lawine vergleichbar, die sich zunächst langsam in Gang setzt, dann an Fahrt aufnimmt und schließlich krachend alles und jeden mit sich reißt.

Noch befinden wir uns im ersten Stadium dieses Prozesses. Doch das heißt nicht, dass es nicht schon bald zum Crash kommen kann, denn in welchem Tempo sich die Dinge ereignen werden, kann niemand voraussagen. Eines aber lässt sich schon jetzt feststellen: Selbst wenn die Zentralbanken aus Angst vor dem Zusammenbruch ihre straffe Geldpolitik über Bord werfen und panikartig erneut Geld zu noch niedrigeren Zinssätzen (also im Fall der EZB im Negativbereich) in die Märkte pumpen sollten, werden sie nur ein zeitlich begrenztes Strohfeuer entfachen, den endgültigen Zusammenbruch aber nicht mehr verhindern können.

Die Botschaft des globalen Finanzsektors zum Jahreswechsel 2018/ 2019 ist eindeutig und lautet: Das Casino schließt seine Pforten, das Spiel ist vorüber.

Ernst Wolff über das Finanzcasino
Der Buchautor Ernst Wolff

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Altbär

    10. Dezember 2018 12:14 at 12:14

    Game over, u. weil der Zeitpunkt wie immer überraschend ist, hat es Viele auf dem falschen Fuss erwischt.
    Meinte man, Powell u.die G20 Clowns hätten gerade die unter allen Umständen obligatorische Endjahresrally gestartet, sieht nun Alles wieder ganz anders aus.
    Hat da nicht einmal ein „blendender“ Trader gesagt, jede Wende zeichne sich ab ! Ich habe jedoch in letzter Zeit mehr Permabullen als schwerverhöhnte Crash-Propheten gehört.

  2. Avatar

    Hesterberg

    10. Dezember 2018 12:52 at 12:52

    Dem Artikel stimme ich voll und ganz zu. Es wird so kommen, eine Alternative dazu gibt es leider nicht.

  3. Avatar

    Dösbaddel

    10. Dezember 2018 16:53 at 16:53

    Und zu allem Glück hat Mutti auf dem Narrenschiff den UN Migrationspackt noch unterschrieben… na dann, mit wehenden Fahnen….

  4. Avatar

    asyoulike

    10. Dezember 2018 18:14 at 18:14

    Moin, moin,

    hier gehts nicht nur um die Börse. Game over für das Papiergeldsystem und unser Nachkriegsmarionettenparteiensystem. Aber m.E. wird vor dem großen Finale noch der BRD-Michel geplündert. Die Räuberbande braucht dringend ihr Geld, liebe Steuerzahler.
    Was wird bleiben? Schuld sind die Rechten und AfD. Sonst hätte selbstverständlich alles bestens geklappt. Lacht hier etwas jetzt jemand???
    Seien wir also alle immer sehr gut „prepared“.

    • Avatar

      bestimmt nicht_afd

      10. Dezember 2018 18:45 at 18:45

      Die Rechten und Rechtsaußen, vor allem die der AfD, haben sicher keine Schuld an diesem System und seinem vermutlichen Niedergang. Aber machbare und menschliche Lösungen für die Probleme dieses Landes und der Welt haben sie nicht und hatten sie auch nie.

  5. Avatar

    Quintus

    10. Dezember 2018 19:55 at 19:55

    Sehr geehrter bnafd
    Machbare Lösungen für dieses Land werden mehrheitlich nicht gewünscht! Deshalb werden diese auch nicht umgesetzt.
    Lösungen für die Welt? Ich bitte Sie. Im Kindergarten hat man noch derartige Phantasien. Warum glaubt der Deutsche immer er könnte die Welt retten? Kann er das?
    Mit freundlichen Grüßen
    Quintus

    • Avatar

      bestimmt nicht_afd

      10. Dezember 2018 20:38 at 20:38

      Sehr geehrter Quintus,

      dass es bestimmte Personenkreise in diesem Land und in der westlichen Gesellschaft gibt, die nicht an machbaren Lösungen für dieses Land interessiert sind, bestreite ich nicht. Allerdings bezweifel ich, dass dies mehrheitlich von den Bürgern getragen wird. Ich denke schon, dass die große Mehrheit der Bürger dieses Landes machbare Löungen der wichtigen Probleme will. Nur haben sie nicht die Macht und das Sprachrohr, obwohl sie dafür eigentlich wählen gehen.
      Mir ist auch klar, dass der Deutsche allein die Probleme dieser Welt nicht lösen kann. Das ist eine Aufgabe aller Nationen. Ich weiß, das ist utopisch.

      Mit meinem Post, auf welchen Sie Bezug nehmen, wollte ich auch nur meine Ansicht teilen, dass Rechte und Rechtsaußen wie die AfD eben genau das nicht sind, wofür sie sich ausgeben, nämlich als die Heilsbringer, die alles viel besser können als die bisherig regierenden Parteien. Letztlich sind auch sie nur nachgewiesenermaßen Handlanger des Geldadels. In sich zuspitzendenden gesellschaftlichen Verwerfungen Sündenböcke zu suchen und zu finden, die man dem Volk verkaufen kann, ist nur eine andere Methode, eben dieses Volk von den eigentlich Schuldigen abzulenken. Dass das in die Apokalypse führt, sollte das so angenommen werden, hat die Geschichte mehrmals gezeigt.

  6. Avatar

    oscar

    10. Dezember 2018 22:03 at 22:03

    @bn afd,
    lustig, aber die Welt hat soviel Apokalypsen erleben dürfen, könne und müssen…sicher nicht die, die als stetiger Meinugsmacher und devotismus bringer in einer entfesselten verachtenden Lügenpolemik Bahm bricht. Bei nur „ein wenig“ substanzieller ehrlichkeit oder dem Mut dazu dürfte es nicht all zu schwer sein, die neue anrollende Apokalypse beim namen zu nennen…es ist der rotgrüne neofaschismus, ala linker-Stalinismus ! Es geht auch nicht um Heilsbringerei, sondern brutale Lügen, Verarschung und staatlich repressiv durchgesetztes Duckmäusertum jua und seien Sie versichert, der Plan sich an den Privatkonten zu bedienen ist längst beschlossen. Klar, rot hat immer verteilt, was es den dreck unterm nagel nicht erarbeitet hat. lol DDR reloaded nur apokalyptischer !!!..naja egal…eh zu spät. Wer kann verlässt eh dieses Irrenhaus.

    • Avatar

      leftutti

      19. Dezember 2018 20:35 at 20:35

      @oscar, so kurz vor Weihnachten möchte ich Ihnen einmal meinen tief empfundenen Dank aussprechen! Wofür denn, mögen Sie sich fragen?! Es ist ganz einfach … und ganz einfach ist gleichzeitig auch das Stichwort.

      Was war die Welt früher nur für ein komplizierter und verworrener Mist. Auf einmal reichten Gut und Böse, Schwarz und Weiß nicht mehr aus. Nein, Grautöne mussten ins Spiel gebracht werden und dann sogar auch noch Farben. Komplex und differenziert musste plötzlich alles werden, hinterfragt und kritisch, viele Individuen, Denkweisen und Ansichten, Religionen und Kulturen statt einem einzigen klaren Feindbild.

      Den Ausländern reichte es auf einmal nicht mehr aus, dass sie bei uns als Müllmänner, Putzkolonnen und Hilfskräfte arbeiten durften. <b<NEIN, heute sitzen sie als EZB-Präsidenten in einem beeindruckenden Wolkenkratzer in Frankfurt. Früher pumpten Generationen von uns als Urlaubs-Export-Weltmeister ihr ganzes sauer verdientes Geld in in marode, unterentwickelte Länder, um ein bisschen verbrannte Haut nach Hause und in Form von Schweinebraten und Bratwürstchen als Kultur ins Ausland zu bringen. Eigentlich doch ganz einfach oder? Nein, im Gegenteil: Target-2 und EU-Finanzausgleich, Rettungsschirm und Bankenrettung muss dieser missionarische Kultur- und Money-Transfer heute heißen.

      Dank dem Streben schlichter Gemüter nach gemütlicher Einfachheit und Klarheit klart sich dieses Wirrwarr langsam endlich wieder auf zum Wie Wahr! Und dafür möchte ich Ihnen danken…

      Früher:

      Links —————————————————— Mitte —————————————————— Rechts

      KPD Grüne SPD FDP CDU CSU NPD
      DER SPIEGEL STERN SZ ARD ZDF sehr viele BR BILD

      Heute:

      Linksgrün-liberaler Kommunisten-Mainstream – Mitte —————————————————— Rechts

      ALLE AfD Luschis auf deutschen Straßen
      ALLE Deutschland-Kurier rechte Grün-Faschisten

      • Avatar

        bestimmt nicht_afd

        19. Dezember 2018 20:59 at 20:59

        @leftutti

        Herrlich, ich lese so gern bei Ihnen mit, und lach andauernd…?

        • Avatar

          leftutti

          19. Dezember 2018 21:43 at 21:43

          @lieber bestimmt nicht_afd, hoffentlich vergeht Ihnen das Lachen nicht bald, wenn die apokalyptischen Propheten den @oscar verleihen ?
          Leider sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Tabellen in einfachen Kommentarfunktionen nicht immer vorhersehbar. Also noch ein neuer Versuch:

          Früher:

          Links ———————————————————- Mitte ———————————————————- Rechts

          KPD ………………………………………….. Grüne …. SPD .. FDP ….. CDU …………………………… CSU ….. NPD
          …………………DER SPIEGEL … STERN …….. SZ . ARD . ZDF …………….. sehr viele ………. BR … BILD

          Heute:

          Linksgrün-liberaler Kommunisten-Mainstream —- Mitte ———————————————————- Rechts

          ALLE …………………………………………………………… AfD …………………………. Luschis auf deutschen Straßen
          ALLE …………………………………………………………….Deutschland-Kurier ……………… rechte Grün-Faschisten

          • Avatar

            bestimmt nicht_afd

            19. Dezember 2018 21:53 at 21:53

            Das ist ssehr übersichtlich und nun auch für einfache Geister zu verstehen…????

  7. Avatar

    bestimmt nicht_afd

    11. Dezember 2018 09:42 at 09:42

    Hallo Oscar,

    ich habe etwas länger überlegen müssen, ob ich überhaupt auf Ihren Post reagiere, da Sie sich eigentlich schon von Ihrer Wortwahl her für einen sinnvollen Disput disqualifizieren. Aber letztlich muss man solchen Leuten, wie Sie es sind, etwas entgegensetzen.
    Sie finden also die Entwicklungen in unserer Gesellschaft und die geschichtlich belegten Apokalypsen lustig? Und Sie finden, dass die Herrschaft zwischen 1933 und 1945 keine Apokalypse war? Sie meinen, die stetig in Erinnerung zu haltende Schuld der damaligen Generation des deutschen Volkes sei Meinungsmache? Und bitte richtig lesen: Ich schreibe nicht von der Schuld der nachfolgenden Generationen, wie die Erinnerung an damals ja gerne von Ihresgleichen tatsachenverdreht im Sinne der eigenen Meinungsmache dargestellt wird. Dass der Umgang mit dieser Schuld zu einem, wie Sie es nennen, „Devotismus“ führte, will ich nicht bestreiten. Die Frage stellt sich nur, wem man sich unterworfen hat, und eine Antwort kann sein: Den internationalen agierenden Finanzkreisen. Im übrigen haben Sie offensichtlich noch nie in einer Diktatur gelebt, sonst würden Sie mit dem Wort „repressiv“ etwas vorsichtiger umgehen. Dass die Öffentlichkeit mit Halbwahrheiten, Lügen und Verschweigen von Tatsachen manipuliert werden soll und wird, mag ich auch nicht bestreiten. Dies trifft aber nicht nur auf die systemtreuen Medien zu, sondern ebenso auf die angeblich freien und sogenannten alternativen Medien, die ja auch nur Meinung bilden wollen im jeweilig beabsichtigten Sinn.

    Übrigens: Die Kreise, die in den letzten hundert Jahren von all den Krisen und Kriegen provitiert haben und provitieren werden, würden bei einer dicken Zigarre, um mal ein Klischee zu bedienen, herzhaft darüber lachen, dass sie von Ihnen als „linksgrüne Neofaschisten“ und „Stalinisten“ bezeichnet werden, denn sie sind es, die den kleinen Mann wie Sie es sind, Oscar, ausplündern. Diese Kreise sind froh, dass es eben solche Leute wie Sie gibt, die diese Kreise aus der Schusslinie nehmen und mit dem Finger auf andere zeigen. Gleichzeitig würden die wahren Opfer von Faschismus und Stalinismus Tränen in den Augen haben, wie ihr Leid durch solche Personen wie Sie tatsachenverdreht im Sinne einer eigenen, menschenverachtenden Idologie missbraucht wird.
    Das ist Ehrlichkeit. Und Mut braucht man, sich Ihnen entgegenzustellen.

    Und letztlich: Tun Sie doch den Menschen hier den Gefallen und verlassen Sie, zusammen mit ihresgleichen, das „Irrenhaus“. Damit wäre wieder ein Schritt getan, dass es besser wird in diesem Land.

    • Avatar

      Michael

      11. Dezember 2018 11:09 at 11:09

      @bestimmt nicht_afd,
      sehr guter Kommentar, ich stimme voll überein. Ein typisches Beispiel der üblichen Tatsachenverdreherei dieser rechtsradikalen Volksverhetzer ist auch, dass ständig Rotgrün mit verbalem Gehirnschnodder beschmutzt wird, ohne auf die Tatsache einzugehen, wer genau in den letzten 36 Jahren 29 Jahre lang die aktuelle Misere herbeigeführt und etabliert hat. Rotgrün?
      Bemerkenswert ist allerdings die Angst der rechten Flanke vor einer kleinen, meist auch noch ideologisch gespaltenen Umweltpartei, die die meiste Zeit ihres Bestehens eine Wählerzustimmung im einstelligen Bereich zu verzeichnen hat.
      @oscar, ich schließe mich an: Tun Sie doch den Menschen hier den Gefallen und verlassen Sie, zusammen mit ihresgleichen, das „Irrenhaus“. Es wird sich schon die eine oder andere menschenverachtende Diktatur finden, die Ihresgleichen mit offenen Armen für ihre Sturmstaffeln zu rekrutieren bereit ist.

      • Avatar

        bestimmt nicht_afd

        11. Dezember 2018 12:00 at 12:00

        Hallo Michael,

        ich möchte hier an dieser Stelle keine Überlegungen anstellen, inwieweit welche Parteien/Parteienkoalitionen für die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in diesem Land Verantwortung tragen. Auch will ich hier keine Werbung für eine bestimmte Richtung der politischen Denkweise machen. Anmerken möchte ich nur, dass es die Menschen hier selbst in der Hand hätten, Veränderungen herbeizuführen. Einzig will ich hier Stellung beziehen gegen eindeutig menschenverachtende Positionen, die dem „einfachen“ Volk als Lösung der Probleme verkauft werden sollen.

        Um auf den eigentlichen Artikel hier zurückzukommen: Ich persönlich halte einen Kollaps des westlichen Wirtschafts- und Finanzsystems für unausweichlich. Er ist systemimmanent. Ein guter Anhaltspunkt für die Richtigkeit dieser These ist die Studie „Grenzen des Wachstums“, u.a. nachzulesen bei Wikipedia, deren Vorhersagen in den letzten dreißig Jahren sich bestätigten. Aber man muss sich nicht tiefer mit dieser Materie befassen, sondern man sollte nur mal etwas logisch denken. Kann es denn überhaupt ein „immer mehr, mehr, mehr“ geben? Oder muss zwangsläufig nicht mal ein Ende kommen, damit das Spiel wieder von vorn beginnen kann? Die Geschichte hat gezeigt, dass eben das schon mehrmals geschehen ist. Ich fürchte nur, dass es möglicherweise die letzte große Krise der Menschheit sein wird. Jedenfalls war es bisher so, dass immer das arbeitende Volk die wirklich Leidtragenden waren, wenn es derartige Systemkrisen gab.
        Einziger Ausweg wäre, dass weltweit alle Menschen, das arbeitende Volk wie die sogennanten Eliten aus Wirtschaft, Finanzen und Politik, ihr Gier zügeln und zum Wohle aller und unserer natürlichen Umgebung verzichten lernen könnten. Noch wären die Ressourcen unseres Planeten für alle ausreichend. Aber das ist utopisch und wohl der Natur des Menschen zuwider. So aber versuchen alle, mehr und mehr zusammenzuraffen, und nehmen dabei billigend das Leid und den Tod ihrer Mitmenschen und die Zerstörung des Planeten in Kauf.

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

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Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

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Banken: Nach den großen jetzt die kleinen – Aufseher biegen Vorgaben zurecht

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

In der aktuellen Coronakrise sieht man es in vielen Bereichen. Wo es nicht passt, wird es von staatlicher Seite eben passend gemacht. Das ändert nichts an der miesen Lage, aber es sieht dann eben optisch besser aus. So zum Beispiel bei zahlreichen Zombieunternehmen, die auch nach der Krise wohl nicht wieder gesunden werden, die aber dank Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Jahresende weiter machen können. Völlig überschuldet, aber noch liquide. Läuft. Und die Banken, die bekamen auch schon Hilfe.

Aufsicht hilft Banken mit verschiedenen Maßnahmen

Seit März müssen die Banken Kredite, die sie ihren Kreditnehmern gestundet haben, nicht als Kreditausfälle abschreiben. Also sind offiziell keine Verluste sichtbar, obwohl diese Kreditforderungen in vielen Fällen wohl ganz oder teilweise wertlos sind. Und heute verkündet die BaFin, dass die kleineren Banken in Deutschland, die unter direkter Aufsicht der BaFin stehen, ab dem 22. September bis Juni 2021 eine Erleichterung erhalten. Es wird ihnen nämlich erlaubt „gewisse Risikopositionen“ gegenüber der Zentralbank zeitlich befristet nicht zu berücksichtigen, wenn sie die Verschuldungsquote berechnen. Details der Regelung und den Voraussetzungen zur Nutzung kann man hier nachlesen. Weiter sagt die BaFin heute, Zitat:

Der europäische Gesetzgeber hat mit Artikel 500b der Europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine zeitlich befristete Möglichkeit geschaffen, um gewisse Risikopositionen aus der Berechnung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) auszunehmen. Dies soll die Durchführung geldpolitischer Maßnahmen erleichtern. Gemäß Artikel 500b der CRR erklärt die BaFin nach Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) als betroffener Zentralbank und in Koordination mit der Deutschen Bundesbank, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die diesen Ausschluss rechtfertigen.

Die selbe Erleichterung zur Berechnung der Verschuldungsquote bei Banken hatte die EZB als Aufsichtsbehörde letzte Woche schon den großen Banken gewährt, die unter ihrer direkten Aufsicht stehen. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unseren heutigen Artikel über eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesbank, wonach die Banken in Deutschland (als Gesamtbetrachtung) letztes Jahr 2 Milliarden Euro Verlust gemacht haben, nach 12,2 Milliarden Euro Gewinn in 2018.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

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Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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