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Globalisierung – und das Märchen von ihrem Ende

Viel wird in Coronazeiten gerade diskutiert über das vermeintliche Ende der Globalisierung, von der Notwendigkeit einer „Glo-kalisierung“: Aber gerade das Projekt der Entwicklung und Verteilung der Impfstoffe zeigt, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall sein wird.

Globalisierung, Trump und die Corona-Krise

Schon das Beispiel der USA in den vergangenen vier Jahren hat gezeigt, dass man die Globalisierung nicht so einfach rückgängig machen kann. Mit seiner „America First-Politik“ wollte er Arbeitsplätze in der Industrie ins Land zurückholen, mit allerlei staatlicher Unterstützung – und was ist daraus geworden? In einer freien Martwirtschaft wird dort gekauft, wo es am billigsten ist. Wenn der Staat massiv gegen den freien Handel vorgeht, wird es für alle teurer. Haben wir dies nicht bereits in Deutschland über Jahrzehnte erleben können, wo jährlich über zwei Milliarden Euro an Subventionen in die Steinkohleförderung geflossen sind, mit den bekannten Folgen? Aktuell versucht es der Staat wieder mit Subventionen in Umwelttechniken, Solarfirmen, Windkraftanlagen oder gerade mit Milliardenbeträgen für die Batterieproduktion.

Was immer wieder herangezogen wird, ist der Vergleich, was wir für Autos, Kühlschränke, Fernseher und weitere Güter vor einigen Jahrzehnten und in deutscher Produktion an Geld aufwenden mussten (berechnet in Arbeitsstunden) und wie billig wir diese Güter heute bekommen. Wäre unser liebstes Stück, das Mobiltelefon, heute lokal produziert, überhaupt für viele bezahlbar?

Natürlich ist das Thema soziale Standards wichtig, aber dies ist nur koordiniert zu lösen.

Jetzt ist ständig in Politikerkreisen davon die Rede, ob Corona nicht eine Zäsur für die Globalisierung darstellen wird, weil man so abhängig von Produzenten aus Fernost geworden sei. Der Schock mit dem Mangel an Atemmasken und Schutzausrüstung im Frühjahr 2020 sitzt noch immer tief. Aber haben frühere Ereignisse wie die Atomkatastrophe von Fukushima, oder selbst der Vulkanausbruch in Island mit dem unaussprechlichen Namen, nicht schon ähnliche Rufe laut werden lassen? Immer dann, wenn die Lieferketten durch einen externen Schock kurzfristig unterbrochen waren. Jedes Mal wurde der globale Handel anschließend weiter verstärkt, die Welt ist ein großes Dorf geworden und man kauft dort, wo es besonders billig ist oder wo besondere Qualität geboten wird. Und wieso redet die Politik im Lande des ehemaligen Exportweltmeisters überhaupt vom Ende der Globalisierung?

Das Gegenbeispiel, die lokale Impfstoffentwicklung

Ketzerisch gefragt: Was hat uns es jetzt in Deutschland gebracht, dass wir mit BioNTech und CureVac wahre Pioniere in der Entwicklung eines Impfstoffes beheimaten? Obwohl der Staat mit Steuergeldern massiv unterstützte und sich sogar an einem Unternehmen beteiligte, haben wir bisher sehr stark davon profitiert? In unseren Impfzentren fehlen die Vakzine, während die Bevölkerung in Israel, den USA und Großbritannien sehr stark versorgt sind. Was wird jetzt mit dem neuen Impfstoff von AstraZeneca geschehen? Es ist natürlich ein spezielles Problem der EU und dem Abschluss von Verträgen. Aber wie schnell sich Lieferketten ohne politisches Zutun weiter entwickeln, hat man in Asien gesehen. Wie rasch ist Produktion aus China weiter gewandert nach Vietnam oder in andere südostasiatische Standorte. Hier waren die Lieferketten, trotz der Entfernung stabiler, als unsere Importe aus europäischen Nachbarstaaten.

Kurzum: Häufig, wenn der Staat versucht, sich stark in die Wirtschaft einzumischen, entstehen suboptimale Lösungen. So wie jetzt bei der Impfstoffgeschichte: Eine epochale Leistung in kurzer Zeit von der Sequenzierung bis zur Produktion, bis die Bürokratie Einfluss nahm. Wie erwähnt, bei allen Nachteilen der Globalisierung, Corona wird einige Lieferketten ummodeln (die essenzielle Grundversorgung stärken), das Prinzip einer weltweiten wirtschaftlichen Vernetzung nicht, dafür dürfte alleine schon das Internet sorgen.

Bringt die Coronakrise wirklich das Ende der Globalisierung?



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