China setzt beim Ausbau seines globalen Einflusses nicht nur auf Gold. Hinter dem Glanz des Metalls verbirgt sich eine stille, weitreichende Strategie der Machtverschiebung.
Gold als Tarnung: China kauft sich Einfluss
Dass Gold für China weit mehr ist als ein glänzendes Symbol, zeigt sich in der stillen Strategie, mit der Peking seinen Einfluss weltweit ausbaut. Während Beobachter über neue Goldkäufe und angebliche Entdollarisierung spekulieren, spielt sich das eigentliche Machtspiel im Hintergrund ab. Es ist ein Spiel aus Kapitalströmen, Offshore-Vehikeln und strategischen Beteiligungen, das den globalen Finanzfluss leise, aber nachhaltig verändert.
Gold als Ablenkung: Das wahre Manöver der Volksrepublik China
Nach einer Veröffentlichung der chinesischen Devisenaufsichtsbehörde SAFE hat China seine Goldkäufe auch im Oktober fortgesetzt. Die SAFE hält nun 72.9 Millionen Feinunzen Gold, was einen Anstieg von 0.04% gegenüber dem September darstellt. Die Käufe der chinesischen Zentralbank verlangsamen sich also weiter.
Die Währungsreserven der Volksrepublik beliefen sich Ende Oktober 2025 auf 3,3433 Billionen US-Dollar, was einem Zuwachs von 4,7 Milliarden US-Dollar oder 0,14 Prozent im Vergleich zu September entspricht. Dies markiert den dritten konsekutiven Monatsanstieg und den höchsten Stand seit 2016, wie die SAFE in ihrer monatlichen Mitteilung angab. Die Zunahme wird hauptsächlich auf Wertsteigerungen diversifizierter Assets zurückgeführt, die den Druck durch einen stärkeren US-Dollar und Handelsunsicherheiten ausgleichen konnten.
Aus diesen Veröffentlichungen ergeben sich einige interessante Folgerungen. Wenn die Angaben der SAFE und der Zentralbank zutreffen, hat China im vergangenen Monat kein aktives Portfoliomanagement betrieben. Es scheint also trotz des Handelskonflikts mit den USA keine nennenswerten Verkäufe von US-Anleihen gegeben zu haben oder gravierende Umschichtungen in andere Währungen beziehungsweise Anlageklassen. Das ist vor dem Hintergrund eines Handelsüberschusses von etwas über 90 Milliarden US-Dollar bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist die Berichterstattung in den internationalen Medien. Der Tenor lautet häufig, China betreibe weiterhin eine De-Dollarisierungs-Strategie, indem es Gold kauft.
Doch diese Narrative täuscht über das wahre Manöver hinweg. Während die Welt auf Chinas Goldschatz starrt, läuft das eigentliche Kunststück im Hintergrund. Wie bei einem Bühnenmagier fixieren sich Analysten und Kommentatoren auf das Glitzern des Metalls – das Symbol, die Geste, den vermeintlichen Bruch mit dem Dollar. Während die Schlagzeilen über „Entdollarisierung“ kreisen, verschiebt Peking seine wirtschaftliche Macht längst auf andere Wege: über Staatsfonds, Schattenvehikel und stille Beteiligungen, die das globale Finanzgefüge weit nachhaltiger verändern als jede Goldtransaktion.
Die Goldreserven Chinas betragen offiziell im Oktober gerade einmal 8% an seinen Währungsreserven, während die anderen Länder, wie USA, Frankreich, Deutschland oder Italien jeweils über 70% betragen. Bei dem gegenwärtigen Tempo bräuchte China Jahrzehnte, um auf eine ebensolche Quote zu kommen. Aber kein Kommentator käme je auf die Idee, Frankreich, Deutschland oder Italien wollten den US-Dollar abschwören.
China ist die Aufregung um seine Goldreserven recht. Sie können „den Himmel täuschen, um das Meer zu überqueren“, wie es in den 36 Stratagems heißt. Die eigentliche Gefahr geht von den Milliarden und aber Milliarden US-Dollar aus, die aus den Handelsüberschüssen stammen und wie von Zauberhand verschwinden. Und die Ironie: Ein Großteil davon fließt in eben jene US-Anleihen, die China angeblich abstößt – ein unsichtbares Verschieben globaler Hebel, das weit nachhaltiger wirkt als jeder plakative Goldkauf. Während die Schlagzeilen sich am Glanz des Goldes ergötzen und die einfache Erzählung der Entdollarisierung wiederholen, übersehen die Kommentatoren genau dieses wahre Spiel.
Von US-Anleihen bis Nexperia: Das stille Imperium
Nach Berechnungen von Wolf Street hielten Ende letzten Jahres institutionelle Anleger aus China und Hongkong US-Treasuries im Wert von mehr als einer Billion US-Dollar. Brad Setser schätzt chinesische Papiere via Euroclear auf 1,8 bis 1,9 Billionen US-Dollar. Die Handelsüberschüsse der Volksrepublik fließen nicht allein in staatliche Banken und Investmentvehikel im Mainland, sondern auch in Europa und vor allem in Steuerparadiese wie die Cayman Islands. Das amerikanische National Bureau of Economic Research (NBER) schätzt US-Anleihen im Besitz chinesischer Akteure über die Cayman Islands auf bis zu 750 Milliarden US-Dollar. Wie hoch die tatsächlichen Bestände an US-Anleihen sind, ist damit nicht eindeutig ersichtlich. Sie dürften jedoch deutlich höher liegen als die offiziellen Währungsreserven Chinas.
Doch nicht alle Überschüsse parken in Anleihen. Ein weiterer wesentlicher Teil der Handelsüberschüsse wird zur Finanzierung der Belt and Road (BRI) Initiative genutzt, um Handelswege abzusichern und künftige Absatzmärkte zu sichern. Dieses Modell stößt mittlerweile an Grenzen. Projekte werden gestutzt oder zurückgestellt, es gibt häufiger Proteste und Vorwürfe des Neokolonialismus. Ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind, soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden.
Aber Chinas Aktivitäten beschränken sich nicht auf die „Neue Seidenstraße“. Mit den Milliarden und aber Milliarden kauft China sich überall auf der Welt Firmen zusammen. Prominentes Beispiel in den letzten Wochen war Nexperia, ein niederländischer Chiphersteller für Automobilhersteller. Damit sichert sich China nicht nur Know-How, sondern, wie dieses Beispiel wieder einmal deutlich gemacht hat, Einfluss.
Im Schatten der Macht: Chinas geheime Finanznetzwerke
Doch das wirklich Beunruhigende spielt sich hinter dem Vorhang ab. Die milliardenschweren Ströme aus Handelsüberschüssen werden systematisch kanalisiert, oft durch Netzwerke von Offshore-Vehikeln, Briefkastenfirmen und scheinbar unabhängigen Intermediären, die die wahre Herkunft und den finalen Zweck der Mittel verschleiern.
Recherchen zeigen, wie solche Schattennetzwerke genutzt werden, um Exportkontrollen und Sanktionen zu umgehen, um technisch sensible Güter wie Halbleiter, Maschinen für die Halbleiterfertigung oder Komponenten für künstliche Intelligenz zu beschaffen, und um Kapital in die Hände von Akteuren zu lenken, die offiziell nichts mit Peking zu tun haben. Diese Strukturen arbeiten über mehrere Ebenen von Zwischengesellschaften, nutzen juristische Schleusen in Steuerparadiesen und greifen auf ein Geflecht aus Banken, Treuhändern und Handelsfirmen zurück, dessen Zweck darin besteht, Transparenz zu verhindern und Rückverfolgbarkeit zu erschweren. Der verlinkte Beitrag dokumentiert zahlreiche Mechanismen dieses Schattensystems und macht deutlich, dass es nicht nur um Steuerminimierung geht, sondern um strategische Umgehung von Exportkontrollen und Sanktionen, mit erheblichem sicherheitspolitischem Gewicht.
Die unsichtbare Bilanz: Machtverschiebung ohne Dollarbruch
In der praktischen Konsequenz bedeutet das: Blickt man nur auf die SAFE-Bilanz und zählt Unzen und Milliarden, sieht man die falsche Bilanz. Das Offensichtliche ist das Bühnenbild, die wahre Szenerie liegt in den Eigentümerketten und Zahlungsflüssen, die in den offiziellen Statistiken nicht auftauchen. Deshalb sind die Zahlen zu Gold und offiziellen Devisenreserven nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte besteht aus Kapitalströmen, die in Europa, in Offshorezentren und über Drittstaaten landen, um dort in Akquisitionen, Joint Ventures und kritische Lieferketteninvestitionen zu münden.
Das macht auch die politische Dimension klar. Wer über Entdollarisierung diskutiert, ohne die Rolle von Briefkastenfirmen und Schattennetzwerken zu berücksichtigen, verschiebt den Blick vom strategischen Kern der chinesischen Vorgehensweise. Es geht nicht primär um eine plakative Abkehr vom Dollar. Es geht darum, weltwirtschaftliche Hebel so umzuverteilen, dass politische Druckmittel des Westens an Wirkung verlieren. Und das funktioniert am besten unsichtbar, nicht laut.
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…Die SAFE hält nun 72.9 Millionen Feinunzen Gold, was einen Anstieg von 0.04% gegenüber dem September darstellt..
Ja, klar, aber dafür haben sie nominal für mehr als 0,04 % Dollar Gold gekauft. Im Mittel geschätzte über 10 % mehr.
Das ist doch schon was.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
wie immer haarscharf vorbei. Du lässt dich vom Gold blenden – andere sehen das grosse Ganze.
Die Armbrust
Mich interessiert eben Gold mehr als die Zustände in China.
Aber ich merke immer wieder, dass gemeldet wird: Die Nationalbank X hat ihre Goldbestände um xxx Tonnen erhöht.
Und wenn es dann in den Kram passt, wird verschwiegen, dass sich aber der Goldpreis in den letzten 2 bis 3 Jahren etwa verdoppelt hat.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
@Helmut
genau, deswegen verbreitest du dann auch unkritisch den Unsinn, den Krall und andere verbreiten. Und wenn dich China nicht interessiert: Warum kommentierst du denn deren Machenschaften zu fleissig?
Richtig. Sehr guter Artikel. Allerdings scheint mir die Bedeutung von Gold dabei etwas zu sehr unterbewertet zu sein.
Fast alle maßgeblichen Statistiken weltweit sind durch Interessenlagen manipuliert. Die chinesischen sind glatt erlogen. Dort bestimmt die Partei, was drin zu stehen hat.
Gerade Gold ist ein gutes Beispiel dafür. Nach den Schätzungen der Goldszene, besitzt China mindestens 20.000, eher 30.000 Tonnen.
Aus meiner Sicht wollen die Chinesen sich in die gleiche Situation bringen, die die USA 1945 hatten: absolute Dominanz der Industrie und so viel Gold, dass sie ihre eigene Währung als Weltleitwährung einsetzen können. Im ersten Schritt möglicherweise als Außenhandelswährung.
Den Dollar als Welthandelswährung zu belassen und gleichzeitig die Produktion in China zu haben, wäre eine dauerhafte Finanzierung des amerikanischen „Free Lunch“. Das ist kein logisches Ziel.
Hmm. Obwohl es nicht um Gold geht wird es quasi ständig genannt. Worum geht es denn nun?
Nach meiner KI hält die PBOC aktuell ca. 750 mrd US Anleihen. 2020 waren es ca. 1000, also rückläufig. Wenn man nun behauptet, dass die Anleihen sekundär fließen, dann müsste man als Belege wenigstens diese sekundäre Trends mal auflisten, damit man das gegenrechnen und vergleichen kann. Sind die auch rückläufig oder anschwellend? Dass ein Sekundärnetzwerk besteht sollte nicht überraschen, wer von Einfluss hat das nicht?
Beim Gold habe ich verstanden, dass einerseits diversifiziert werden soll und andererseits ein eigenständiges Handelszentrum in Shanghai aufgebaut werden soll. Der Handel dort könnte wohl außerhalb des $-Fixings stattfinden. Ich finde das schon revolutionär genug und es weist doch irgendwie auf eine Entkopplung.
Wenn die Geldpolitik wieder zu den ominösen Zeiten der Niedrigzinspolitik zurückkehrt…dann explodiert der Goldpreis auf über 10 000 !
Mehr wie Geld drucken fällt den Notenbanken doch nicht mehr ein… !
Ich finde es amüsant dem Reich der Mitte dafür die Schuld zu geben…!
So nach dem Motto, der Russe hat eh Schuld ! Oder der Chinese oder was weiß ich..
Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Geldmenge und Goldpreis…!
Das war schon immer so…!