Gold

Was den Goldpreis treibt Gold bleibt bullish: Warum Investoren für 2026 optimistisch sind

Grafik: ChatGPT

Gold-Investoren bleiben nach der Rekordrally 2025 zwar realistisch, doch viele professionelle Anleger halten an einer klar positiven Grundhaltung fest. Nach einem der stärksten Anstiege der jüngeren Marktgeschichte rechnet kaum jemand mit einer Wiederholung im Jahr 2026. Dennoch setzen zahlreiche Top-Manager weiter auf einen steigenden Goldpreis – mit dem Verweis darauf, dass die zentralen Treiber der Hausse, allen voran die anhaltenden Käufe der Zentralbanken, unverändert intakt sind.


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Gold bleibt strategischer Anker

Der Goldpreis stieg im Jahr 2025 um satte 65% und lieferte damit die beste Jahresrendite seit fast einem halben Jahrhundert. Nach dem jüngsten Anstieg notiert das Edelmetall wieder über der Marke von 4.500 US-Dollar – bis zum Rekordhoch bei 4.549 US-Dollar fehlt nur noch ein kleiner Schritt. Neben Privatanlegern und institutionellen Investoren kauften vor allem Zentralbanken aggressiv zu. In einem Umfeld, in dem sich nahezu alle Rückenwinde gleichzeitig verstärkten – sinkende Zinsen, geopolitische Spannungen, wachsende fiskalische Risiken – durchbrach Gold sogar ein inflationsbereinigtes Hoch, das seit 1980 gehalten hatte. Bloomberg sprach mit mehr als einem Dutzend Vermögensverwaltern, deren Häuser zusammen Billionen Dollar verwalten. Der Tenor des Bloomberg-Berichts: Die meisten haben nach der Rally nicht übermäßig Gewinne mitgenommen, sondern halten ihre Positionen – getragen von der Überzeugung, dass Gold als strategischer Portfoliobaustein langfristig attraktiv bleibt.

„Wir erwarten weiterhin, dass der Goldpreis 2026 weiter steigt, da die Treiber der starken Rally intakt bleiben“, sagte Ian Samson, Portfoliomanager bei Fidelity International. Samson hatte seine Position während einer hektischen Phase im Oktober reduziert, später jedoch wieder aufgestockt. Als Stützpfeiler nennt er fortgesetzte Zentralbankkäufe, sinkende Zinsen und hohe Haushaltsdefizite. Der Investmentcase bleibt damit klassisch: Fallen die Realzinsen, sinken die Opportunitätskosten der zinslosen Anlage; steigende Defizite erhöhen die Nachfrage nach Wertspeichern.

Goldpreis-Rally: Gold hat 2025 sein bestes Jahr seit 1979 hinter sich
Gold hat sein bestes Jahr seit 1979 hinter sich

Anti-Fiat-These gewinnt Gewicht

Als weiterer Pfeiler gilt die nachlassende Zuversicht in wichtige Währungen der Industrieländer. Angriffe auf die Unabhängigkeit von Zentralbanken und die wachsende Staatsverschuldung haben 2025 vielerorts politische Spannungen verstärkt – vom US-Haushaltsstreit über Blockaden in Frankreich bis hin zur Diskussion um Japans Rekordbudget. Für Anleger wird Gold damit zunehmend zur Versicherung gegen Vertrauensverlust in Fiatwährungen.

Das gelbe Edelmetall werde „im Kern mehr zu einem Anti-Fiat-Währungsspiel als zu allem anderen“, sagte Mike Wilson, Chief Investment Officer und Stratege bei Morgan Stanley. Diese Sicht gewann in der zweiten Jahreshälfte 2025 an Dynamik, als der sogenannte „Debasement Trade“ – also die Wette auf schleichende Geldentwertung – breitere Anlegerkreise erreichte. Wilson rät, 20% eines Portfolios in Sachwerte einschließlich Gold zu investieren und das klassische 60/40-Portfolio (Aktien/Anleihen) durch eine 60/20/20-Struktur zu ersetzen. „Wenn jeder die Geschichte versteht, muss man sich fragen: Ist es jetzt eingepreist?“, sagte Wilson. „Ich glaube nicht, dass es vollständig eingepreist ist. Ich sehe nirgendwo fiskalische Disziplin – eher das genaue Gegenteil.“

Die USA sind in eine neue Ära hoher Verschuldung eingetreten.

Auch Darwei Kung, Leiter Rohstoffe und Portfoliomanager bei DWS, hält eine leicht überdurchschnittliche Gold-Allokation und will diese Positionierung 2026 beibehalten. Er erwartet zum Jahresende zwar nur einen moderaten Anstieg des Goldpreises, sieht aber taktische Chancen durch kurzfristige Schwankungen, weil das Edelmetall zunehmend von breiteren Marktfaktoren beeinflusst wird. Massimiliano Castelli, Leiter Global Sovereign Markets Strategy bei UBS Asset Management, beobachtet zudem steigendes Interesse von Pensions- und Versicherungskassen. Einige, die Gold zuvor nie hielten, hätten rund 5% ihrer strategischen Allokation aufgebaut – angezogen von der Rendite und Golds Absicherungsfunktion. „Natürlich sehen wir nicht das gleiche Aufwärtspotenzial wie im letzten Jahr, als der Gold eine der besten Anlageklassen überhaupt war“, sagte Castelli. „Aber wir sind weiterhin bullish.“

Zentralbanken bleiben Preismotor

Die Historie mahnt jedoch zur Vorsicht: Auf extreme Rallys folgten oft lange Phasen schwächerer Performance. Nach dem Rekord von 1.921 US-Dollar je Unze im Jahr 2011 dauerte es neun Jahre, bis dieses Niveau wieder erreicht wurde; auch auf den Anstieg von 127% im Jahr 1979 folgte ein längerer Bärenmarkt. Gleichzeitig ist Gold in den USA weiterhin vergleichsweise niedrig gewichtet. Goldgedeckte ETFs machen laut einer Goldman-Sachs-Analyse vom Dezember nur 0,17% der privaten US-Finanzportfolios aus – und damit sogar weniger als auf dem Hoch von 2012. Goldman schätzt: Jede Kaufwelle, die den Goldanteil in US-Portfolios um 0,01% erhöht, könnte den Goldpreis um rund 1,4% anheben.

Finanzkrise, Covid und Handelskrieg ließen den Goldpreis auf Rekorde steigen

Der wichtigste Impuls für weitere Kursgewinne dürfte erneut von Zentralbanken kommen. Goldman Sachs rechnet 2026 mit Käufen von etwa 80 Tonnen pro Monat. Die Nachfrage zog bereits 2022 deutlich an, nachdem die Blockade russischer Währungsreserven die Attraktivität des Edelmetalls unterstrichen hatte – als Vermögenswert, der nicht eingefroren werden kann.

Kapitalflucht in harte Assets

Gold ist eines der wenigen Assets, mit dem sich „liquider Wohlstand außerhalb der US-Einflusszone“ aufbauen lässt, sagte Thomas Roderick, Portfoliomanager beim Hedgefonds Trium Capital. Er reduzierte seine Position seit Oktober leicht, hält aber weiterhin „ein ordentliches Risiko in diesem Trade“. Im Zentrum seiner These steht Chinas Gold-Akkumulation: Das Land wolle Überschüsse in Vermögenswerte lenken, die gegen US-Eingriffe abgeschirmt sind. China werde nicht sagen: „Gold ist zu teuer, lasst uns mehr Treasuries kaufen“, sagte Roderick. „Das funktioniert für sie geopolitisch einfach nicht.“

Dass Zentralbanken selten verkaufen, gilt als stabilisierender Nachfrageanker. Allerdings verstärkten im zweiten Halbjahr 2025 schnelle Zuflüsse von institutionellen und privaten Anlegern die Rally erheblich. Mit steigender spekulativer Positionierung wächst laut Shaniel Ramjee, Co-Head Multi-Asset bei Pictet Asset Management, auch die Korrelation von Gold zu Risikoanlagen. Ramjee hält derzeit 8% Gold, reduzierte während der spekulativen Überhitzung im Oktober und stockte bis Dezember wieder auf. „In diesem Umfeld, in dem der Großteil der Käufe von großen Zentralbanken kommt, fühlen wir uns wohler mit einem höheren Gewicht im Portfolio“, sagte Ramjee. „Wir glauben, dass der Goldpreis dieses Jahr weiter steigen wird – aber in einem deutlich vorsichtigeren und stetigeren Tempo.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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2 Kommentare

  1. Der Rohstoff Edelmetall Gold ist sowohl von Fall zu Fall ein sicherer Hafen, als auch ein Zahlungsmittel für Ölgeschäfte innerhalb von BRICS, Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit als zeitweise Alternative zur Leitwährung US-Dollar.

  2. Ich denke, der Verfall der Währungen wird weitergehen; daher werden sich immer mehr Zentralbanken vom Dollar abwenden und die BRICS werden zumind. teilweise ihr Zahlungssystem mit Gold decken.
    Selbst der „kleine Mann“ der etwas für seine Renten in 20, 30 Jahren anlegen möchte, wird an Gold nicht vorbeikommen.
    Die Banken können nach Basel III physisches Gold als Tier 1 in den Bilanzen ausweisen.
    Zusammengefasst:
    Rosige, bzw. goldige Aussichten für Gold.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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