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Gold: Die Notenbankpolitik als Chance des Jahrzehnts?

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Ist die Notenbankpolitik eine riesige Chance für Gold?

Seit Jahrzehnten gibt es den großen Wettstreit in der Geldanlage zwischen den Aktien- und den Rentenmärkten. Schon erkennbar an den Summen: der Aktienmarkt derzeit mit 89 Billionen Dollar, die Anleihemärkte (Staatsanleihen) derzeit circa 70 Billionen Dollar, von denen allerdings bereits 13 Billionen Dollar schon wieder im Negativzinsbereich notieren. Die großen Kapitalsammelstellen wechseln je nach Zustand der Konjunktur und der Höhe der Realzinsen zwischen beiden Klassen. Desto länger die Phase der Unterdrückung des Zinses durch Zentralbanken andauert, desto stärker könnte eine andere Anlageform davon profitieren – die in Gold.

Gold, ein knappes aber auch unzerstörbares Gut im Kommen

Kann Gold wieder (nach Bretton Wood) eine größere Funktion als Vehikel der Vermögenssteuerung erfüllen? Hierzu ein paar Fakten:

In der Geschichte der Menschheit wurden bisher 197.000 Tonnen des Edelmetalls gefördert und jährlich kommen etwa 3500 Tonnen hinzu. Bis zum Jahre 1971 war Gold mit der Weltleitwährung Dollar tauschbar, demzufolge hatten sich die Notenbanken mit dem Edelmetall eingedeckt, in der Spitze mit 37.000 Tonnen. Um es dann nach dem Ende des Goldstandards zu verkaufen und in zinsbringende Anleihen zu tauschen.

Dies ging über mehrere Jahrzehnte, bis zum Ende der Finanzkrise, als sich die Zentralbanken wieder stärker dem Metall als Anlageinstrument zuwandten. Im Jahr 2019 horteten die Notenbanken immerhin 650 Tonnen Gold, ein Fünftel der Fördermenge –  allerdings deutlich übertroffen von Privatanlegern und Investoren, die über 1270 Tonnen des Edelmetalls nachfragten. Ein weiterer großer Abnehmer ist natürlich die Schmuckindustrie, vor allem in Asien.

Die Renaissance des Goldpreises

Der Anstieg des Goldpreises bis auf 1434 Euro pro Feinunze hat vielen Anlegern den Mund wässrig gemacht. Einmal wegen des 25-prozentigen Anstiegs im Jahr 2019 – fast auf der Höhe der Aktienperformance – und auch wegen der immer deutlicher spürbaren Erosion der Renditen an den Geldmärkten. Und was für die Profianleger ein weiteres Kriterium ist, das für Gold spricht: die geringe Korrelation mit den Aktienmärkten. Also doch eigentlich ein gutes Anlageinstrument, um der zu erwartenden Volatilität an den Aktienmärkten zu widerstehen, gar nicht zu reden von einem kapitalen Einbruch derselben. Auch wenn dieser von den Notenbanken dieser Welt vielleicht noch eine ganze Zeit mit großer Vehemenz verhindert werden kann.

Einige Analysten und Vermögensverwalter verweisen auf die Fehlannahme, dass das Edelmetall besonders in politischen Krisen oder Kriegszeiten als Anlageinstrument fungieren würde. Wie der Wechsel von Risk-on in Risk-off, von Aktien in Anleihen und den US-Dollar.

Aber Gold scheint eine andere Stabilitätsfunktion übernommen zu haben, denn es ist (wie erwähnt) kaum mit den Aktienmärkten korreliert. Der Sprung auf neue Höchststände erfolgte in einer Periode, als auch die Aktien im Risk-on-Modus nach oben gingen. Diese besondere Konstellation in der Gegenwart könnte noch mehr Interesse am Gold als Anlageklasse wecken, da man doch insgeheim spürt, dass die Aktienperformance im 11. Jahr ihrer Hausse ihrem Ende entgegengehen könnte.

Und die Anleiherenditen? Deren Zinsen fallen und deren Kurse steigen spiegelbildlich schon seit den 1980-er Jahren, bis in den Minusbereich. Klar könnte ein Konjunktureinbruch für die Anleihen noch einmal Rendite, sogar im Minusbereich bringen. Aber was ist, wenn die Inflation plötzlich die Kapitalmarktzinsen (nicht den Leitzins) nach oben bringen sollte? All das spricht für die Anlage in Gold, weil der Anleihemarkt durch das Quantitative Easing der Notenbanken viel von seiner früheren Funktion als Antagonist des Aktienmarktes verloren hat.

Fazit

Gold ist sicher nicht in der Lage einen wesentlichen Teil der Anlagevermögens abzudecken. Da aber die Verzinsung der Anleihen kaum mehr die Inflationsrate deckt, könnte Gold als Gegenspieler und Absicherungsinstrument gegenüber dem Aktienmarkt eine bedeutendere Rolle als bisher spielen.

Der Anteil des Goldes in den Portfolios weltweit ist in etwa mit einem Prozent anzusiedeln. Angesichts der Knappheit des Gutes und des „Zinsendspiels“ der Notenbanken könnte eigentlich schon ein kleines Rebalancing der Depots für eine solide Wertsteigerung in den nächsten Jahren sorgen.

Eine Dekade des Goldes? Gar nicht so abwegig.

Gold als beste Alternative für den Anleihemarkt

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    pk

    4. Februar 2020 17:17 at 17:17

    yep, sehe ich im Grunde auch so.
    Eine solide Beimischung macht total Sinn.
    Denn Gold wird vor allem steigen wenn mal die Wirtschaft lahmt und die Zentralbanken dann wieder die Schleusen öffnen. Eine sehr gute Risikopufferung für den Aktienanteil.
    Man sieht ja, daß auch die VR China ordentlich zugelangt hat wenn es mal zwickt.
    Im Grunde kann man langfristig alles halten ausser Cash…

    • Avatar

      Columbo

      4. Februar 2020 18:04 at 18:04

      @PK

      Was verstehen Sie unter solider Beimischung?
      Ich bin, in Anbetracht der Entwicklungen der letzten Jahre, von den klassischen 10% abgekommen. In meinen Augen sollten es 30-50% sein, wobei man bei 50% kaum mehr von Beimischung sprechen kann.
      Schließlich investiert man in ein Asset, das in Zeiten wie diesen Kurssteigerungspotential hat und zugleich eine Versicherung ist.

  2. Avatar

    Stephan Gasteyger

    4. Februar 2020 17:51 at 17:51

    Vollkommen einverstanden. Angesichts der Niedrigzinspolitik entwertet sich unser Geld weiter, und Gold stellt daher vor allem bei sinkendem Wachstum, steigender Inflation und/oder erhöhter politischer Unsicherheit einen guten Hedge dar.

    Ich gehe auch davon aus, dass sich deshalb Bitcoin und Kryptos allgemein gut entwickeln werden.

    Immobilien in Deutschland bleiben, trotz höherer Preise, m.E. auch langfristig eine wesentlich bessere Anlage als das Sparkonto.

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Experte Andre Stagge: Trading kurz vor der US-Wahl

Redaktion

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So kurz vor der US-Wahl, worauf sollten Trader achten? Wer wird die Wahl gewinnen, und was bedeutet das für die Börse? Der Experte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) erklärt im folgenden ganz aktuellen Video seine Meinung und seine Handelsstrategie. Müssen seine Handelsstrategien „Turnaround Tuesday“ und „Ultimo“ in dieser besonderen Woche ausgesetzt oder angepasst werden?

Der Börsenexperte Andre Stagge
Andre Stagge

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Goldpreis steigt nicht – Gründe, aktuelle Lage, Expertenkommentar

Claudio Kummerfeld

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Gold und US-Dollar mit Adler

Der Goldpreis war letzte Woche wacklig unterwegs (wir berichteten). Das gilt auch für diese Woche. Wird die runde Marke von 1.900 Dollar zur Dauer-Qual für die Gold-Bullen, weil der Goldpreis immer und immer wieder hierhin zurückfällt? Ganz aktuell fällt der Goldpreis wieder zurück von 1.910 Dollar heute früh auf jetzt 1.901 Dollar.

Zwar sind die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen seit letztem Freitag wieder gesunken von 0,86 auf 0,80 Prozent. Aber der US-Dollar (in Form des Dollar-Index) zeigt sich seit Freitag relativ stabil auf Niveaus um die 93 Indexpunkte. Der Rückfall im US-Dollar konnte letzten Mittwoch gestoppt werden, und ist seitdem abgesagt. Dies ist schlecht für den Goldpreis.

Goldpreis-Anstieg bei Verschärfung der Corona-Lage?

Wir empfehlen beim Klick an dieser Stelle die gestrige Analyse von CMC Markets-Analyst Jochen Stanz zu Gold. Er bespricht ausführlich die Frage, ob im Goldpreis der große Knall bevorsteht. Was, wenn der zweite globale Lockdown umfassend durchgeführt wird? Die Staatsausgaben zur Stützung von Bevölkerung und Wirtschaft überall auf der Welt würden die Staatsverschuldungen immens nach oben treiben, was eine große Chance für Gold darstellen könnte.

Aber im Augenblick klebt der Goldpreis weiter an der 1.900 Dollar-Marke. Die Aktienmärkte fallen, und der US-Dollar sackt nicht weiter ab. Wir erinnern uns. Im März, wo die Corona-Panik weltweit am Schlimmste war, schoss der Dollar-Index von 95 auf 103 Indexpunkte nach oben (Flucht in den Sicheren Hafen US-Dollar), und zwar sehr schnell. Der Goldpreis fiel von 1.700 auf 1.464 Dollar. Also: Könnte der Goldpreis bei einer dramatischen Verschärfung der Corona-Lage erneut nicht profitieren, weil der steigende US-Dollar Gold ausbremst?

Heutige Konjunkturdaten

Derzeit jedenfalls kann der Goldpreis als sicherer Fluchthafen in unsicheren Zeiten nicht von den weltweit stark zunehmenden Corona-Infektionszahlen profitieren. Heute um 13:30 Uhr werden in den USA die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter veröffentlicht, und vermutlich um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht der weltweit größte Baumaschinenhersteller Caterpillar seine Quartalszahlen. Beide Ereignisse könnten Aktienkurse und US-Dollar in Bewegung bringen, wie auch den Goldpreis. Genauso kann auch das um 15 Uhr veröffentlichte US-Verbrauchervertrauen die Kurse bewegen.

Aktueller Analystenkommentar

Die Experten der Commerzbank haben vor wenigen Minuten einen Researchbericht auch zu Gold veröffentlicht. Hier auszugsweise im Wortlaut:

Heute Morgen notiert Gold weiter in unmittelbarer Nähe der 1.900 USD-Marke, die eine starke Anziehungskraft auf den Preis ausübt. Gold in Euro gerechnet notiert seit etwa vier Wochen knapp oberhalb von 1.600 EUR je Feinunze. Eine nennenswerte Preiskorrektur wird unseres Erachtens durch die anhaltend solide Investmentnachfrage verhindert. Gestern verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs Zuflüsse von 3,5 Tonnen. Auch wenn die Dynamik der Zuflüsse in den letzten Wochen nachgelassen hat, erachten offenbar viele Marktteilnehmer den aktuellen Goldpreis noch als attraktive Kaufgelegenheit. In China hat sich die Goldnachfrage gemäß Angaben des Verbands der chinesischen Goldproduzenten zuletzt offenbar erholt: Sie ist demnach im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 29% gestiegen. Der Verband führt dies auf die Erholung der Wirtschaft und auf eine schnelle Rückkehr des Hochzeitsmarktes zurück.

Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis in den letzten 30 Tagen

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Gold: Die Korrektur ist noch nicht vorbei, ausser das passiert..

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Die sehr schwache Performance, welche sich in der vergangenen Handelswoche bei Gold eingestellt hat, konnte die jüngste Betrachtung gut nachvollziehen. Mit dieser Performance folgt das Edelmetall meiner letzten Sichtweise, wie diese im Chart dargestellt ist. Das Tragische daran ist, dass sich Gold nach wie vor im Korrekturmodus befindet und aller Voraussicht nach diesen Zustand zeitnah auch nicht verlassen wird. Die im Chart dargestellte größere Trendwende ist mit der aktuellen Korrektur noch nicht gemeint.

Ausblick für Gold:

Das mehrfache Überschreiten des Widerstandes bei 1.910 USD (0.50-Retracement) ist für sich genommen ein positives Vorzeichen auf die zu erwartende Entwicklung. Doch wurden diese Schritte immer wieder abverkauft, sodass sich der positive Effekt in sehr engen Grenzen hält. Im weiteren Verlauf von Welle (x) wird Gold noch bis zur 0.76-Linie (1.943 USD) steigen; für wesentlich mehr wird die Kraft indes nicht reichen. Die auf dem gleichen Niveau liegende Trendkanallinie unterstützt dieses Szenario zusätzlich und zudem noch sehr massiv.

Gold befindet sich nach wie vor in der Korrektur
Mit der sich anschließenden zweiten Welle (a), der komplexen Korrektur (abc-x-abcde), wird der übergeordnete Abwärtstrend bei Gold wieder aufgenommen. Das Potenzial dieser Korrektur wird sich nicht dramatisch darstellen und sollte bereits auf dem Niveau des 0.38-Retracements (1.810 USD) erschöpft sein. Andererseits würde sich erst durch einen signifikanten Sprung über den 0.76-Widerstand bei 1.943 USD ein positives Signal generieren. Diesen Schritt erwarte ich für den hier abgebildeten Zeitraum nicht.

Fazit:

Die derzeit noch laufende Korrektur steht einem Engagement bei Gold, besonders auf längere Sicht, entgegen. Ein kleines Signal würde über der 0.76-Linie (1.943 USD) entstehen.

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