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Gold wird zur Staatssache Gold: Importe nach China brechen ein

Schmuckzufuhr versiegt

China Gold
Foto: Rainbow Stock - Freepik.com

China führt deutlich weniger Gold ein als in den Vorjahren. Trotz hoher Preise schrumpfen die Mengen, Lieferketten verschieben sich und der private Konsum zieht sich zurück.

Gold: Importe nach China brechen ein

Die Goldimporte nach China sind spürbar zurückgegangen. Während die Zentralbank weiter zukauft, sinken die Einfuhren insgesamt deutlich und der Markt ordnet sich neu. Parallel dazu steigen die staatlichen Goldreserven weiter an und gewinnen innerhalb der Währungsreserven an Gewicht.

China stockt Goldreserven weiter auf

Die chinesische Zentralbank (PBoC) hat ihre Käufe von Gold auch im Januar weiter fortgesetzt. Zum Monatsende beliefen sie sich auf 74,19 Millionen Feinunzen, was rund 2.307 Tonnen entspricht. Gegenüber Dezember erhöhte sich der Bestand um 40.000 Unzen. Der Marktwert der Goldbestände stieg deutlich von 319,45 auf 369,58 Milliarden US-Dollar. Treiber dieser Entwicklung waren anhaltende Käufe der PBoC, inzwischen im fünfzehnten Monat in Folge, sowie stark steigende Goldpreise, die im Januar zeitweise knapp unter 5.600 US-Dollar je Unze lagen. Der Goldanteil an den gesamten Währungsreserven erreichte damit rund 9,7 Prozent und blieb unter dem weltweiten Durchschnitt von etwa 15 Prozent.

China Gold Reserven steigen

Auch die gesamten Devisenreserven legten weiter zu. Im Januar erreichten sie 3,3991 Billionen US-Dollar. Gegenüber Dezember entsprach dies einem Anstieg um 41,2 Milliarden US-Dollar oder 1,23 Prozent. Es war der siebte Zuwachs in Folge und zugleich der höchste Stand seit November 2015. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch einen schwächeren US-Dollar-Index, freundliche globale Finanzmärkte sowie robuste wirtschaftliche Fundamentaldaten in China. Insgesamt zeigen die Daten eine stabile Entwicklung der Reserven mit einer klaren Verschiebung hin zu einem höheren Goldgewicht.

Gold: Zufuhr nach China schrumpft

Dagegen nahmen die Importe von Gold im letzten Jahr deutlich zurück. China importierte 892 Tonnen Goldbarren, 426 Tonnen weniger als im Vorjahr. Trotz der massiv gestiegenen Goldpreise sank der Gesamtwert der Einfuhren leicht auf 97,12 Milliarden US-Dollar. Im Jahr zuvor hatte China noch 1.318 Tonnen im Wert von 98,08 Milliarden Dollar importiert.

China Goldbarren Importe

Dieser Einschnitt markiert das Ende einer außergewöhnlichen Phase. Innerhalb weniger Jahre hatte China seine Goldimporte vervielfacht. Ausgehend von gut zweihundert Tonnen stiegen die Einfuhren zunächst sprunghaft, erreichten über dreizehnhundert Tonnen und schließlich ein Rekordniveau von knapp eineinhalbtausend Tonnen. Diese Phase war getragen von niedrigen Preisen, geopolitischer Unsicherheit und dem Aufbau strategischer Reserven.

In den Importdaten zeigt sich eine Verschiebung der Lieferketten. Neben höheren direkten Lieferungen aus Russland fällt Gold auf, das China über Drittländer erreicht. Besonders Kirgisistan, Kasachstan und Hongkong stechen hervor. Ihre Ausfuhren nach China nahmen zu, ohne dass dort eine entsprechende Ausweitung der Goldproduktion stattfand. Diese Länder fungieren als Zwischenstationen. Russisches Gold verlässt das Land, wird umdeklariert und gelangt mit veränderter Herkunftsangabe nach China.

China Gold Supplier

Gleichzeitig brachen die Lieferungen aus etablierten westlichen Handelsplätzen ein. Die Schweiz verlor mehr als 300 Tonnen, Kanada und Australien folgten mit deutlichen Rückgängen, ebenso Südafrika. Das frühere Importnetz wurde damit teilweise ersetzt. Weniger Gold floss insgesamt nach China, aber ein größerer Anteil lief über politisch unkritischere Routen.

BRICS liefern kaum Gold

Besonders herausstechend ist der Rückgang der Goldimporte aus Südafrika, handelt es sich dabei doch um ein zentrales BRICS-Bruderland. Die Lieferungen brachen deutlich ein, denn die südafrikanische Goldindustrie leidet unter alten und tiefen Minen, steigenden Kosten, instabiler Stromversorgung und zunehmenden Sicherheitsproblemen. Die nationale Förderung ist seit Jahren rückläufig. Für China ist Südafrika damit kein verlässlicher Anker mehr.

Politisch ist das bemerkenswert, da In der BRICS-Rhetorik Gold eine zentrale Rolle spielt, sei es als bilaterales Tauschmittel oder als angebliche Basis einer goldgedeckten BRICS-Währung. Die Handelsdaten stützen dieses Narrativ nicht. Während Chinas Exporte in andere BRICS-Länder zunehmen, gehen die Goldimporte aus genau diesem Kreis zurück. Außer Russland liefert kaum ein BRICS-Partner nennenswerte Mengen. Südafrika verliert an Bedeutung, die Emirate bleiben marginal, der Rest ist faktisch irrelevant.

Schmuckzufuhr versiegt

Parallel zu den sinkenden Barrenimporten entwickelte sich ein zweiter Trend, der deutlich weniger Aufmerksamkeit erhielt. Die Importe von Goldschmuck brachen ein. Nach einem Höhepunkt vor wenigen Jahren halbierten sich die Mengen nahezu. Auch wertmäßig schrumpfte der Markt erheblich. Der Preisauftrieb bei Gold dämpfte den Wertverlust, änderte aber nichts am grundlegenden Befund.

China Schmuckimporte

Besonders stark traf es den Markt für Goldschmuck aus Diamanten. Die importierten Mengen gingen fast um die Hälfte zurück. Der Wertverlust fiel noch stärker aus. Trotz der hohen Goldpreise fielen die Preise für Diamantschmuck auf das Niveau von mehreren Jahren zuvor zurück. Hochpreisige Stücke fanden offenbar kaum noch Abnehmer. Der Markt für extremen Luxus schrumpfte besonders schnell.

Auch sonstiger Goldschmuck ohne Diamanten verlor erheblich an Volumen. Die Mengen gingen um über vierzig Prozent zurück. Anders als beim Diamantschmuck stiegen hier die Preise kontinuierlich. Der Preis folgte dem Goldwert nahezu eins zu eins. Das deutet darauf hin, dass weniger gekauft wurde, nicht billiger. Wer noch kaufte, zahlte für Material, nicht für Marke oder Status.

Gold wird zur Staatssache

Zusammengenommen zeigt sich mehr als eine bloße Konsumverschiebung. China reduzierte seine Goldimporte trotz steigender Preise, während zugleich der Schmuckkonsum einbrach. Damit fallen zwei zentrale private Wertspeicher gleichzeitig aus. Nachdem Immobilien ihre Funktion als Vermögensanker verloren haben, wird auch Gold von privaten Haushalten nicht mehr im erwarteten Umfang nachgefragt. Das verweist nicht auf Entspannung, sondern auf eine Erosion der privaten Vermögensbildung.

Der starke Rückgang bei hochpreisigem Schmuck zeigt, dass selbst wohlhabendere Käufer vorsichtiger agieren. Gold wird kaum noch als Status- oder Sicherheitsobjekt genutzt, sondern gemieden. Wo noch gekauft wird, zählt der Materialwert, nicht das Prestige.
Parallel dazu stockt der Staat seine Goldreserven weiter auf, während private Nachfrage ausfällt. Wertspeicherung verlagert sich vom privaten in den staatlichen Bereich. Für europäische Luxuskonzerne ist das ein Warnsignal. Der gleichzeitige Einbruch bei Gold, Schmuck und Luxusgütern spricht für eine breite Nachfrageschwäche im chinesischen Markt.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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1 Kommentar

  1. Ja, das Metall der Zentralbanken. Die Normalos kommen da kaum noch mit, Investbereich evtl.. Schmuck schon gar nicht. Ich fand es ohnehin immer schade ein so wertvolles Metall in ein 333 zu mischen. Pfui!

    Ich vermisse die sonnigen Grüße aus Spanien, was ist da eingentlich los?

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