Gold/Silber

Gold in der Zinsfalle? Keine Erholung trotz Rekord-Inflation

Gold in der Zinsfalle? Keine Erholung trotz Rekord-Inflation

Eigentlich ist die Gemengelage für Gold doch gut – aber warum fällt der Goldpreis? Der Grund dafür sind die Zinsanhebungen vieler Notenbanken im Kampf gegen die ausufernde Inflation. Faktoren wie zum Beispiel die hohe Inflation, negative Realzinsen und eine extreme Verschuldung sprechen für das gelbe Edelmetall. Dennoch sind die kurzfristigen Perspektiven für den Goldpreis eingetrübt. Viele Notenbanken haben den Ernst der Lage erkannt und setzen eine Straffung der Geldpolitik konsequent um. Durch die steigenden Zinsen lässt die Attraktivität des zinslosen Golds nach.

Die gestiegenden Renditen für Anleihen stellen inzwischen eine echte Alternative dar. Angesichts der verschärften Geldpolitik dürften die Anleiherenditen noch länger auf einem hohen Niveau verharren. Zumindest so lange, wie die US-Notenbank aufs Gaspedal drückt oder es zu einer Rezession kommt.

Gegenwind durch Zinsanhebungen der Notenbanken

Grundsätzlich bringen Zinsanhebungen den Goldpreis unter Druck. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede neue Zinsanhebung das gelbe Edelmetall belastet. Der Markt schaut in die Zukunft und nimmt demnach zukünftige Entwicklungen vorweg. Von dem März-Hoch bei 2.070 USD hat der Goldpreis zwischenzeitlich mehr als 250 USD nachgegeben. Damit hat der Markt bereits einen Großteil der kommenden Zinsschritte eingepreist. Im Gegensatz zu der US-Notenbank hat die EZB bisher nur eine Zinsanhebung für Juli angekündigt, dennoch sind die Zinsen schon deutlich angestiegen. Wer zum Beispiel ein Haus finanzieren möchte, wird bereits sehen, dass Zinsen von unter einem Prozent nicht mehr möglich sind. Zum Teil sind die Bauzinsen auf rund drei Prozent angestiegen. Der Markt nimmt also eine gewisse Entwicklung vorweg.

Darüber hinaus ist der geplante Zinsschritt der EZB im Juli von 25 Basispunkten eher symbolisch zu werten. Allein im Mai hat die Teuerung in der Eurozone gegenüber dem April um 0,8% zugelegt. Im Vergleich dazu erscheint eine Zinsanhebung von 0,25 Prozent geradezu lächerlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Inflation derzeit bei 8,1 Prozent notiert. Ungeachtet dessen belastet der eingeschlagene Straffungskurs der Notenbanken weiterhin den Goldpreis. Je entschlossener die Notenbanken auf die hohe Inflation reagieren, desto stärker dürfte der Goldpreis unter Druck bleiben. Neben dem starken US-Dollar sind die derzeitigen Zinssorgen ebenso ein Grund, warum es für Gold trotz der ausufernden Inflation nicht weiter aufwärts geht.

Rezession würde den Goldpreis beflügeln

Der Peak der Inflation wurde bisher noch nicht erreicht, daher dürfte der Gegenwind in den Sommermonaten für den Goldpreis stark bleiben. Die Gemengelage für Gold könnte sich aber bereits im Herbst bzw. zum Ende des Jahres aufhellen, wenn sich nämlich die Indizien verdichten, dass es zu einer Rezession kommt. In diesem Fall würden die Notenbanken ihr Tempo zur Bekämpfung der Inflation drosseln und gegebenenfalls sogar die Wirtschaft durch Zinssenkungen oder mit frischem Geld aus der Druckerpresse stützen. Eine Lockerung der Geldpolitik aufgrund einer bevorstehenden Rezession bei gleichzeitig hoher Inflation dürfte den Goldpreis deutlich beflügeln – aber bis es soweit ist, müssen sich die Gold-Bullen noch etwas gedulden.

Am Beispiel der EZB sieht man, wie schnell sich das Blatt wendet. In der Vorwoche hat sie gerade erst die Zinswende angekündigt, um knapp eine Woche später in einer Sondersitzung eine Art „Spread Control“ einzuführen. Sie versucht also, die Rendite-Unterschiede zwischen deutschen Staatsanleihen und der Staatsanleihen der Südländer der Eurozone nicht weiter auseinander driften zu lassen. Grund für die Aktion war der kurzzeitige Anstieg der 10-jährigen italienischen Anleiherendite auf über vier Prozent. Damit hat die EZB einmal mehr bewiesen, dass es ihr in erster Linie darum geht, die Eurozone irgendwie zusammenzuhalten, statt Preisstabilität zu gewährleisten.

Gold: Wie geht es weiter mit der Kursentwicklung?

An der charttechnischen Ausgangslage hat sich zuletzt wenig geändert. Der Goldpreis handelt weiterhin in einer Seitwärtsrange zwsichen 1.870 und 1.809 USD. Im Anschluss an die jüngste Zinsanhebung der US-Notenbank Fed rutschte der Preis für Gold bis an die Unterstützung bei 1.809 USD. Dort haben Käufer wieder zugegriffen. Solange der Goldpreis unterhalb der 200-Tage-Linie (1.842) notiert, könnte es jedoch zu einem erneuten Rücklauf an die Unterstützung kommen. Ein Durchbruch auf der Unterseite würde schließlich weiteres Korrekturpotenzial freisetzen. Die nächsten Anlaufpunkte liegen dann bei 1.786 und 1.752 USD.

Oberhalb des jüngsten Hochs bei 1.857 USD könnte es dagegen zu einem erneuten Ausbruchsversuch über 1.870 USD kommen. Ein Tagesschluss über der Begrenzung der Seitwärtsrange dürfte neuen Schwung für den Goldpreis bringen. Ein erstes Ziel befindet sich bei 1.887/93 USD. Richtungsweisend für Gold ist jedoch der Widerstand bei 1.919 USD.

Goldpreis: Zinsanhebungen belasten Gold trotz hoher Inflation

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10 Kommentare

  1. Auch als fanatischer Goldbesitzer wünsche ich mir kein Umfeld, dass Gold ‚wie eine Rakete“ abhebt.
    Im Schnitt etwa 23% Wertsteigerung pro Jahr (in Euro) in den letzen 22 Jahren (und das legal steuerfrei) sollten reichen.
    Wenn Goldbesitzer deshalb beneidet werden, dass sie ihr Geld gerettet haben, oder exorbitanten Kapitalertrag haben, dann werden sie automatisch zu Minderheit, und das ist historisch gesehen in Deutschland nicht so optimal.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Es muss heißen: Auch als Fanatiker und Goldbesitzer…

    2. Immer schön das passende Jahr für den Vergleich heranziehen. Warum nicht 2011 oder 1980? Wann werden Sie das jemals verinnerlichen?

      1. @Undewiggrüßt

        Gönnen Sie ihn doch sein Glück, auch wenn ich Ihnen zustimme, was das Herauspicken der optimalen Zeiträume betrifft.
        Gold ist grundsätzlich eine solide Geldanlage, allerdings gab es auch schon Phasen, in denen tiefe und lange Täler der Tränen durchschritten werden mussten.
        So etwa die 28 Jahre von 1980 bis 2008 oder die 8 Jahre von 2011 bis 2019.
        Es ist wie immer: Kommt darauf an, ob und wann man das Geld benötigt…
        Folgenden Langzeitchart habe ich vor einiger Zeit zufällig entdeckt, die Daten darin zeigen den Stand bis Ende 2018. Wer weiß, wie es in 5 Jahren aussieht. Solange die Anlage nicht aufgelöst wird ist alles Schall und Rauch in Papierform.
        https://www.goldpreisentwicklung.org/eur/#chart-goldpreis-in-eur

        1. @Michael. Sie sagen es. Es gibt eben diese Glückstreffer. Was würden wir uns genervt echauffieren, über einen Anleger, der im Jahr 2001 im Tief Apple-Aktien zu 27 Cent, oder Amazon zu 32 Cent (Split-bereinigt) gekauft und sie bis zuletzt gehalten hätte und dies dreimal die Woche wiederholen würde? Eine Verfünfhundertfachung seiner Anlage im Top, oder immer noch über 300-fach. Es dürfte nicht viele geben, die den 2009-Crash ausgehalten haben. Aber so ist Börse und so etwas gibt es auch in anderer Richtung (minus 99,9 Prozent). Aber Letztere nerven wenigstens nicht andauernd mit Wiederholungen.

          1. @Undewiggrüßt

            Helmut ist halt im Stimmungs-ATH. Erinnert mich ein wenig an Roland und Sven Fahnenstängel vergangenes Jahr. Seit Neujahr sind die beiden untergetaucht und es herrscht Schweigen im Walde.

            Drei Wiederholungen pro Woche würden ja noch gehen, aber drei pro Tag sind manchmal etwas anstrengend. Ob er das zuhause seiner Frau auch so oft erzählt? 😏

  2. Warum immer diese Renditebewertung des Goldes in US-Dollar aus der Sicht deutscher Anleger. Rendite (langfristig und YTD knapp 10 Prozent p. a.) und für physische Bestände nach wie vor STEUERFREI nach 12 Monaten Haltedauer (nach dem First-In/First-Out-Prinzip). Man bemisst die Wertentwicklung seiner DAX-Aktien, seiner Bundesanleihen, seiner Rentenansprüche oder der Immobilie im Frankfurter Westend ja auch nicht in US-Dollar. Und die meisten Deutschen erhalten ihr Gehalt resp. ihren Lohn ebenfalls immer noch in Euro. Anbei der Goldchart in der sich langsam auflösenden Gemeinschaftswährung. Das eröffnet eine etwas andere Perspektive: https://de.tradingview.com/chart/iBXvfNHr/?symbol=OANDA%3AXAUEUR

  3. Dann mal ein anderer und längerer Zeitraum.
    Von 1970 bis heute hat sich Gold in seinem Wert etwa verfünzigfacht.

    1. Schnell verkaufen solange es noch Zeit ist

      1. @Ilse

        Man kann es auch übertreiben.

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