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Goldpreis steigt über 5.200 Dollar Gold reagiert auf Energiekrise: Warum es ein sicherer Hafen bleibt

Gold reagiert auf Energiekrise: Warum es ein sicherer Hafen bleibt
12,5kg-Goldbarren in der Edelmetallraffinerie Valcambi SA in Balerna, Schweiz. Foto: Bloomberg

Der Goldpreis steigt über 5.200 Dollar, nachdem ein Bericht über eine mögliche Freigabe strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) neue Bewegung in die Rohstoffmärkte gebracht hat. Hintergrund ist der anhaltende Krieg im Nahen Osten, der erhebliche Versorgungsschocks auf den Energiemärkten ausgelöst hat. Die geopolitische Eskalation könnte langfristige Auswirkungen auf Inflation, Zinsen und die Rolle von Gold als sicherer Hafen haben.

Gold steigt über 5.200 Dollar

Gold verzeichnete einen deutlichen Anstieg, nachdem bekannt wurde, dass die IEA die größte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte prüft. Laut einem Bloomberg-Bericht soll die Maßnahme den durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten Versorgungsschock auf den globalen Energiemärkten abfedern.

Der Goldpreis kletterte über die Marke von 5.200 Dollar je Feinunze, nachdem das Edelmetall bereits in der vorherigen Sitzung um etwa ein Prozent zugelegt hatte. Laut einem Bericht des Wall Street Journal plant die IEA eine Freigabe, die sogar über den 182 Millionen Barrel liegen könnte, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 auf den Markt gebracht wurden.

Die Rohölpreise zeigen sich am Mittwoch stabil, nachdem sie tags zuvor noch deutlich eingebrochen waren. Gleichzeitig verlor der US-Dollar etwas an Stärke und fiel zeitweise um bis zu 0,1 Prozent.

Goldpreis reagiert auf Energiekrise

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ging unterdessen in seinen zwölften Tag. Anleger mussten dabei widersprüchliche Signale aus Washington einordnen. Das Weiße Haus erklärte, die Vereinigten Staaten hätten keinen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert. Diese Aussage widersprach einem inzwischen gelöschten Beitrag des US-Energieministers Chris Wright in sozialen Medien.

Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge ist inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen. Normalerweise passieren etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen diese Route.

Für den Goldmarkt bedeutet die extreme Volatilität der Energiepreise vor allem eines: steigende Inflationsrisiken. Gleichzeitig sinken die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und anderer großer Zentralbanken – teils wird sogar über mögliche Zinserhöhungen spekuliert.

Höhere Leitzinsen gelten grundsätzlich als Belastungsfaktor für Gold, da das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft. Dennoch bleibt Gold ein zentraler Bestandteil vieler Anlegerportfolios. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis bereits rund 20 Prozent zugelegt.

Gold muss als Liquiditätsquelle herhalten

Gleichzeitig dient Gold vielen Investoren auch als Liquiditätsreserve, um Verluste in anderen Teilen ihres Portfolios auszugleichen.

„Gold hatte zuletzt etwas unter dem starken US-Dollar und fallenden US-Aktienmärkten zu leiden, da Anleger Gold verkaufen mussten, um Margin Calls im Aktienmarkt zu decken“, erklärte David Wilson, Leiter der Rohstoffstrategie bei BNP Paribas.

Dennoch habe physische Nachfrage – insbesondere aus Asien – den Markt stabilisiert. „Vor allem rund um die Marke von 5.000 Dollar je Unze zeigte sich eine solide Unterstützung“, so Wilson.

Seit Beginn des Krieges ist jedoch ein Rückgang der Goldbestände in börsengehandelten Fonds (ETFs) zu beobachten. Laut Daten von Bloomberg sank das Gesamtvolumen vergangene Woche um fast 30 Tonnen. Damit verzeichnete der Markt den größten wöchentlichen Abfluss seit mehr als zwei Jahren.

Gold über 5.200 Dollar: Goldpreis reagiert auf Energiekrise und Iran-Krieg
Gold-ETF-Bestände fallen unter 100 Millionen Unzen

Trotz dieser Verkäufe profitiert Gold weiterhin von seiner Rolle als sicherer Hafen in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit.

„Insgesamt halte ich es für sinnvoll, Gold bei Kursrückgängen zu kaufen“, sagte Alexandre Carrier, Portfoliomanager beim Fonds DNCA Invest Strategic Resources.

Nahostkrieg treibt Märkte

Der Krieg im Nahen Osten belastet weiterhin die Energieproduktion und Raffineriekapazitäten in der Region. Die USA und Israel führten laut Pentagon am Dienstag ihre bislang intensivsten Angriffe gegen den Iran durch.

Die militärischen Operationen sollen fortgesetzt werden, bis die Islamische Republik militärisch geschwächt ist. Damit schlugen US-Vertreter einen deutlich aggressiveren Ton an als noch zuvor Präsident Donald Trump, der angedeutet hatte, der Konflikt könnte bald beendet werden.

Parallel dazu reduzieren Händler ihre Erwartungen an mögliche Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr. Hintergrund sind Inflationsdaten, die am Mittwoch veröffentlicht werden und zeigen könnten, dass die Teuerung im Februar weiterhin deutlich über dem Ziel der Federal Reserve liegt – noch bevor der aktuelle Konflikt weiter eskalierte.

Am Spotmarkt stieg der Goldpreis zuletzt um 0,3 Prozent auf 5.203,50 Dollar je Unze (Stand: 6:35 Uhr in London). Silber verlor hingegen 0,4 Prozent auf 88,02 Dollar. Platin zeigte sich kaum bewegt, während Palladium um 0,6 % zulegte. Der Bloomberg-Dollar-Spotindex gab unterdessen um 0,1 Prozent nach.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Die mögliche Inflation bis zum 28.02.26 ist das eine, die Inflation seit dem 28.02.26 ist das andere. Der Rohstoff Edelmetall Gold wird zur Zeit als sicherer Hafen gesehen.

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