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Gold und Öl: Fundamental und charttechnisch analysiert

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Von Naeem Aslam, chief market strategist bei ThinkMarkets

Gold

Das Edelmetall hat wieder einmal „Pech“, es handelt unter dem kritischen Niveau von 1.300 $. Der Grund, warum wir keine Erholung des Goldpreises sehen, ist hauptsächlich auf die Stärke der US-Konjunkturdaten zurückzuführen. Dies hat zwei Auswirkungen: Erstens sind Händler mehr daran interessiert, Geld in riskantere Anlagen zu investieren. Schließlich glauben sie nicht, dass die Fed den gleichen geldpolitischen Kurs beibehalten wird, den sie derzeit vertreten.

Darüber hinaus scheint es, dass auch die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA ziemlich bald gelöst sein werden. Dennoch ist der Goldpreis auf dem aktuellen Niveau aus Gründen der Absicherung sehr attraktiv.

Im Tages-Chart muss der Preis über dem kritischen Niveau von 1276 bleiben. Dies war das bisherige Jahrestief, das der Preis bereits am 21. Januar erreichte. Wenn wir diese Unterstützungszone durchbrechen, ist es wahrscheinlich, dass der Preis seine Bewegung in Richtung der Marke von 1.250 $ fortsetzen wird.

Wir erwarten heute keine größere Bewegung des Goldpreises, ich denke, die Händler werden sich die chinesischen BIP- und Industrieproduktionszahlen (die morgen fällig sind) ansehen. Wenn wir eine Verbesserung dieser Zahlen sehen, wird dies die Nachfrage nach den risikoreicheren Anlagen nur verstärken. Denken Sie daran, dass China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, und eine sich verbessernde Wirtschaftslage nn China bedeutet die Verbesserung der Weltwirtschaft.

 

Öl

Der WTI-Preis bewegt sich im negativen Bereich und baut auf den Verlusten auf, die wir gestern erlebt haben. Im bisherigen Jahresverlauf liegen wir immer noch bei über 36%, eine nicht zu vernachlässigende Leistung. Natürlich wollen Händler etwas Gewinn vom Tisch nehmen, vor allem angesichts der Gewinne, die wir schon  gesehen haben.

Die US-Rohöllagerdaten stehen im Fokus, und wir haben bereits in der letzten Woche einen Anstieg dieser Lagerbestände gesehen. Die steigenden Lagerbestandsdaten haben viele Fragen an die Anleger gestellt, aber niemand scheint bereit, die erneute Ölschwemme wahrzunehmen.

Betrachtet man die Angebot und Nachfrage, so hat Russland seine Ölproduktion deutlich auf 11,25 Millionen Barrel pro Tag reduziert, eine Zahl, die Anfang April erreicht wurde. Die OPEC allein kann die Ölversorgung nicht kontrollieren, sie braucht Unternehmen aus Nicht-OPEC-Ländern. Ein weiterer Grund für den aktuellen Rückgang des Ölpreises ist auch darauf zurückzuführen, dass es auf dem Markt Gerüchte gibt, dass Russland sich nicht länger an die Produktionskürzungen halten wird. Wenn dieses Gerücht Wirklichkeit wird, sehen wir einen ernsthaften Rückschlag des Ölpreises.

In Bezug auf die technische Analyse sehen wir die aktuelle Unterstützung bei einem Niveau von 61 $, und ein Bruch dieser Marke wird die Tür zum nächsten Level öffnen, das bei 58 $ liegt, während der Aufwärtstrend durch das Widerstandsniveau von 64,79 $ begrenzt wird, dem bisherigen Jahreshoch, das der Preis am 9. April erreicht hat.

 

Naeem Aslam

 

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Hannes Zipfel

    16. April 2019 10:58 at 10:58

    Warum reagiert Gold nicht auf die sich häufenden Stresssymptome der überschuldeten Weltwirtschaft? Diese Frage ist in Anbetracht des eigentlich konstruktiven Umfeldes absolut berechtigt.

    Anekdotisch lieferten die letzten 36 Stunden dafür weitere zwei Fragezeichen: gestern Morgen versandte Donald J. Trump einen Tweet Richtung US-Notenbank, der nichts geringeres als eine völlige Neuausrichtung der Fed fordert (weg von der Einheit als Feuerteufel und Brandmeister hin zu nur noch Feuerteufel). Trump schrieb: „Wenn die Fed ihre Arbeit richtig gemacht hätte, was sie nicht getan hat, wäre der Aktienmarkt um zusätzliche 5000 bis 10.000 Punkte (DJIA) gestiegen und das BIP-Wachstum wäre weit über 4% statt 3%… fast ohne Inflation. Die restriktive Geldpolitig (Quantitative Tightening) war ein Wachstumskiller, die Fed hätte genau das Gegenteil tun müssen (QE4)!“

    Im Klartext bedeutet diese Forderung, dass die Fed mit ihrer laxen Geldpolitik nicht erst warten soll, bis die Konjunktur oder die Hausse bei Aktien, Bonds und Immobilien sich abschwächt, sondern quasi preventiv für ein noch zügigeres Aufpumpen der Asset-Price-Bubble (außer Edelmetalle und Minen) sorgen soll.

    Natürlich geht es Trump bei dieser radikalen Forderung primär um seine Chancen bei der Präsidentschaftswahl 2020. In Amerika gilt mehr als anderswo der Wählerleitspruch „Your Wallet Your Vote“. Eine boomende Wirtschaft und steigende Vermögenspreise helfen dem Amtsinhaber enorm bei der Wiederwahl. Da Trump bei den letzten Zwischenwahlen die Kontrolle über das Repräsentantenhausan an die Demokraten verloren hat, sind weitere Steuersenkungsorgien oder andere gigantische Konjunkturmaßnahmen bis zur Wahl politisch kaum durchsetzbar. Das weiß Trump und setzt voll auf die stimulierende Wirkung der Geldpolitik durch die Fed (u.a. mit der Benennung zweier neuer Fed-Direktoren, H. Cain und S. Moore, aus dem Kreis seiner ergebensten Unterstützer).

    Trotz dieser radikalen und unkonventionellen Wahlkampfstrategie Trumps fällt der Goldpreis.

    Auch als heute Morgen aus China erneut Informationen durchdrangen, das die Peoples Bank of China wiederholt massiv Liquidität in die Märkte pumpt und die Kreditvergabe im März, wie schon im Januar, förmlich durch die Decke schießt, fällt Gold.

    Beide Anekdoten zeigen ganz klar, dass der ökonomische Benzinbrand mit Kerosin bekämpft wird (noch mehr Schulden gegen die Überschuldung plus Niedrigzinsen und Gelddrucken). Ein theoretisch ideales Umfeld für die „Safe Haven“-Assets Gold und Silber. Zumal Trump nun auch den US-Dollar und seine relative Stärke gegenüber Euro und Yen verstärkt ins Visir nimmt.

    Drei Erklärungen für dieses Paradoxon scheinen mir logisch:

    Erstens existiert momentan noch keine Notwendigkeit, den US-Dollar als aktuelle Weltleitwährung durch Gold (die Backup-Reservewährung), zu ersetzen, da die Dollar-Zinsen nach wie vor relativ hoch sind, die US-Wirtschaft offiziell noch wächst und die Fed den von Trump geforderten quantitativen Lockerungskurs (QE4) noch nicht begonnen hat. Die Maßnahmen anderer Zentralbanken, auch Chinas, verhindern evtl. eine Rezession, erzeugen aber in ihrer jetzigen Ausprägung noch keine anhaltenden inflationären Effekte (Teuerungseffekte in den offiziellen Statistiken).

    Zweitens ist die Psychologie der breiten Anlegerschaft durch den fortwährenden, künstlich aufrecht erhaltenen Aufschwung darauf konditioniert, dass Krisen kein Thema mehr sind und die Preise ihrer Vermögenswerte für immer und permanent weiter steigen werden (Fear Of Missing Out und Buy the F…..g Dip).
    Drittens sehen die Charts von Gold, Silber und den Minenindizes noch nicht so attraktiv aus, dass großes Geld sich für diese (noch) Nieschenmärkte interessiert. Wichtige Widerstände gilt es im Laufe des Jahres noch zu nehmen. So lange die Preise der Metalle auf dem aktuellen Niveau konsolidieren, ist auch die Profitabilität der Minen nicht außerordentlich sexy.

    Gleichwohl bleibt eines ganz klar: die Symptome und Stresszustände der in hostorischem Maße überschuldeten Weltwirtschaft treten heute so krass zu Tage, wie in den letzten 25 Jahren nicht (seit dem ich die internationalen Finanzmärkte und deren zugrunde liegenden Ökonomien beobachte).
    Allein der mathematische Zwang ,in einem solchen Schuldenkarussell, den ZINSESZINS durch immer tiefere Kreditkosten auszuhebeln und trotz mangelnder Bonität und Solvenz vieler privater und öffentlicher Schuldner, der Schuldenwirtschaft immer mehr Kredit zur Verfügung stellen zu müssen (mit permanent abnehmendem Grenznutzen) führt unweigerlich zu erzwungenen Radikalmaßnahmen der Geldpolitik (QE4, Abschaffung des Zinses) mit dann zwangsläufig steigender Attraktivität der zinslosen aber knappen monetäten Edelmetalle und deren Produzenten.

    In der Geschichte der Menschheit haben die fundamentalen ökonomischen Naturgesetze (basierend auf Mathematik) stets retardierend auch die Massenpsychologie erreicht (erzwungener Maßen). Daher macht es aus Gesamtvermögenssicht absolut keinen Sinn, mit fortschreitender Überschuldung den Anteil von Edelmetall- und Mineninvetsments in Frage zu stellen.

    Wenn eines abgeleitet aus den Handlungen der politischen und ökonomischen Eliten der letzten Jahrzehnte prognostizierbar ist, dann das, dass sdiese Eliten alles tun werden um den Status quo so lange wie möglich aufrecht zu erhalten (nebst dazu notwendiger raidakler Geldpolitik zu Gunsten der monetären Edelmetalle).

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    Columbo

    16. April 2019 12:11 at 12:11

    Was manche Blogger so alles schreiben. Dieser beispielsweise über Markus Krall (sechster Kommentar von oben).

    https://grossmutters-sparstrumpf.de/warum-warren-buffett-kein-gold-kauft/

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    Quintus

    16. April 2019 12:51 at 12:51

    Ein bischen Demut und ein wacher Geist würde diesem Herrn gut stehen, denn außer Arrogonz kann ich sonst nichts mehr erkennen…..?

    • Avatar

      Prognostiker

      16. April 2019 14:44 at 14:44

      Um Markus Krall zu kritisieren müsste man entweder sehr gut sein , oder erbärmlich naiv.
      Ich tendiere 49 zu 51% auf die zweite Variante.

      • Avatar

        Columbo

        16. April 2019 18:51 at 18:51

        Wenn ich Markus Krall wäre, würde ich diesen Blogger wegen Rufschädigung verklagen. Die Bezeichnung „Knalltüte“ würde ich nicht auf mir sitzen lassen.

  4. Avatar

    md

    16. April 2019 13:13 at 13:13

    darf ich mal ne dumme frage stellen in der hoffnung das ich ne antwort bekomme :)
    also, was wäre wenn die zinsen komplett verschwinden würden. also wenn alle zentralbanken den zins auf null setzen. unter welchen gesichtspunkten würde dann ein wert einer devise zb euro, usd, zar, juan, yen usw. festgestellt werden.
    oder geht das garnicht.

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    Zinslipicker

    16. April 2019 14:49 at 14:49

    @ md, ganz einfach,ohne Zinsen würden nur noch die sichersten Länder/ Währungen Kredite bekommen u.sonst niemand.

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Gold: Der Preis steht kurz vor der großen Entscheidung

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Der Goldpreis steht derzeit im Fokus der Märkte – vor allem die Nachfrage nach physischem Gold ist enorm. Nach wie vor wird das Gold nicht nur als begehrtes Edelmetall gehandelt, es ist zugleich noch eine offizielle Währung.

Nicht umsonst gibt es das Währungssymbol XAU. X steht für „Exchange“ und AU für lateinisch „Aurum“. Der Goldpreis ist auf dem Handelsbildschirm jeden Händlers unverzichtbar. Das Gold hat aber noch eine weitere Eigenschaft: Gold kauft man, um sich zu schmücken oder für unsichere Zeiten vorzusorgen. Wer soll denn schon in einfaches Papiergeld Vertrauen haben?

Wir haben jetzt unsichere Zeiten. Demnach wird Gold nicht gekauft. Wer unsichere Zeiten fürchtet, sollte es schon gekauft haben, sonst ist er zu spät dran. Aktuell wird es tendenziell wieder umgewechselt – wofür war es ursprünglich auch bestimmt. Dennoch reagiert der Goldpreis auf wirtschaftliche  Meldungen sehr sensibel. Der Goldmarkt ist historisch gesehen sehr konstant. Seitdem die großen Notenbanken von Russland, Venezuela, Ungarn, Polen etc. ihre Goldreserven massiv aufstocken, unterliegt der Goldpreis enormen Schwankungen. Das gab es bis dato noch nicht. Teilweise ist die Volatilität auf über 40 USD pro Tag angewachsen. Ein Fakt ist auch, dass sich diese Schwankungen nicht nur auf die Ober-, sondern auch auf die Unterseite beziehen. Wenn die halbe Welt die letzten 5 Jahre das Gold gekauft hat, warum soll es jetzt verkauft werden?

Die Erklärung ist ganz einfach: Die Notenbanken, respektive auch die verschiedenen Staaten, benötigen das Geld jetzt für etwas Anderes. Für die aktuelle Krise nämlich. Somit bricht die starke Nachfrage der letzten Jahre weg. Dazu kommt dann auch noch, dass die Menschen teilweise Gold in Bargeld tauschen. Dies macht prozentual nicht sehr viel aus, aber die Nachfrage ist aktuell nicht wie gewöhnlich am Markt gegeben.

Das mögliche Szenario für den Gold und den Goldpreis

Betrachtet man den mittelfristigen Chart, dann spürt man förmlich, dass der Goldpreis steigen möchte. Nur eine Tatsache stört: Es ist der Deckel bei ca. 1.630 USD. Aktuell gibt es noch einen starken Käufer auf dem Weltmarkt. Er hat ein strenges Limit vorgegeben – und dies liegt bei ca. 1.630 USD. Zugleich gibt es auch noch eine Unterstützung bei ca.1.579 USD (Magenta Linie). Diese Unterstützung ist dynamisch und verändert sich laufend.

Der Goldpreis floatet in dieser Preispanne. Aus technischer Sicht, gibt es aber genügend Kaufsignale (rote Kreise), die ein weiteres Ansteigen des Preises bei Gold vorhersagen. Es bedarf nur des Durchbruchs des Widerstandes bei 1.630 USD, dann wäre der Weg frei bis zunächst 1.643 USD und anschließend bis 1.703 USD. Gefährlich wird es nur, wenn die Unterstützung bei 1.579 erneut getestet werden sollte. Diese Unterstützung muss halten, ansonsten ist das letzte Low bei 1.451 USD für den Goldpreis wieder in Sicht.

Dieses Szenario ist aber unwahrscheinlich. Es gibt aktuell keinen Grund, außer Liquiditätsschwäche, das Gold zu verkaufen. Empfehlenswert ist sicherlich, die obere und untere Marke im Auge zu behalten. Die Break-Out Trader können eine Pending-Order für den Kauf über dem wichtigen Widerstand bei 1.630 USD setzen.
Geht der Kurs durch, ist man mit dabei. Der Goldpreis bewegt sich seit vielen Monaten in sehr schnellen Schritten. Aktuell ist der Kurs in einer Seitwärtsbewegung eingesperrt. Es wird vermutlich demnächst eine sehr schnelle Bewegung geben, die den Ausbruch verursacht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Bewegung auf der Oberseite zu sehen sein wird.

Gold steht vor einem Ausbruch nach oben


Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

Gold ist physisch extrem nachgefragt

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Aktien

Heiko Thieme und der Tiefpunkt im Dax bei 8.250 Punkten

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Das Coronavirus schüttelt die Börsen durcheinander - Dax Tief bei 8.250?

Über 10 Millionen Amerikaner haben sich binnen 2 Wochen arbeitslos gemeldet! Das ist eine extrem schnelle Entwicklung, die gestern sogar die schlimmsten Analystenerwartungen übertroffen hat. Manuel Koch hat im folgenden Video auch mit Marcel Fratzscher vom DIW gesprochen. Man müsse ehrlich sagen, dass die Wirtschaftsforscher Szenarien vorrechnen und keine verlässlichen Prognosen abgeben könnten, so Fratzscher. Drei Varianten für den Verlauf der aktuelle Krise gäbe es.

Auch interviewt Manuel Koch im Video den als gnadenlosen Optimisten bekannten Börsianer Heike Thieme. 8.250 Punkte sei der Tiefpunkt im Dax in diesem Crash, so Thieme. Beim Dow läge das Tief bei 18.200 Punkten. Gehe man nach dem Buchwert, dann sei der Dax jetzt sehr preiswert. Setze nicht Mitte des Jahres ein Erholungstrend ein, dann müsse man umdenken – so lässt Heiko Thieme sich also noch eine Option offen, falls es doch noch tiefere Tiefs gibt? Denn, so sagt er auch, dies sei derzeit eine völlig neue und unbekannte Phase in der Börsenwelt.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei konkrete Tradingideen. Es sind die Top-Empfehlungen der trading-house Börsenakademie. So wird die Aktie von Adidas zum Kauf empfohlen mit dem Instrument einer Stop Buy Order. Ebenso ist man für Gold optimistisch. Auch hier wird ein Kauf mit einer Stop Buy Order angeraten.

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Gold/Silber

Warum der Silberpreis seinen Tiefpunkt schon hinter sich haben könnte

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Der Silberpreis verlor im Corona-Crash in der Spitze über 30 Prozent. Seit dem heftigen Rebound Ende März halten sich die Notierungen des weißen Edelmetalls stabil über der 14-US-Dollar-Marke. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe.

Der Silberpreis ist immer gut für ein schnelles Comeback

Mit Ständen um 14,18 US$/Unze ist der Silberpreis nun wieder zurück auf dem Ausgangsniveau der Rallye von Ende Mai 2019. Der brutale Abverkauf von Ende Februar bis Mitte März konnte um ein Drittel wieder aufgeholt werden. Silber hat bereits in vergangenen Zyklen und vor allem während der Finanzkrise gezeigt, dass Preiseinbrüche sehr schnell wieder egalisiert werden können, wenn die Rahmenbedingungen dafür vorhanden sind. Dabei spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle: die Situation am Silber-Terminmarkt und die physische Nachfrage der Anleger in Europa und den USA. Beide Faktoren sind der Grund dafür, warum sich der Silberpreis aktuell wieder erholen konnte. Sollte es nochmals zu einem Rücksetzer kommen, würde dieser die Tiefststände vom 16. März bei 12,92 US$/Unze wohl nicht mehr nach unten durchbrechen. Dazu ist die Bereinigung am Terminmarkt bereits zu weit vorangeschritten und die physische Nachfrage zu stark.

Der Silberpreis war zuletzt unter Druck

Eine sehr ähnliche Situation mit heftigen Zwangsliquidierungen auf der einen Seite und explodierender Nachfrage nach Anlagesilber auf der anderen Seite gab es während der Lehman-Krise. Allerdings mit einem bislang wesentlichen Unterschied: Damals bildete der Silberpreis in der zweiten Septemberhälfte 2008 nach einer ähnlichen Erholung wie heute nochmals ein tieferes Tief aus. Heute ist die Reaktionsgeschwindigkeit der Geld- und Fiskalpolitik jedoch deutlich höher. Alle Instrumente, die ein konstruktives Umfeld für den Silberpreis schaffen, sind bereits vorhanden und werden exzessiv genutzt (Nullzinsen, Gelddrucken, Schuldenausweitung).

Die Marktteilnehmer wissen zudem, wie die Entwicklung beim Silberpreis damals weiterging: Vom Tiefpunkt Ende Oktober 2008 bei 8,45 US$/Unze bis zum Hochpunkt im April 2011 bei 49,83 US$/Unze legte der Silberpreis anschließend um 490 Prozent zu. Außerdem bewegen sich die Produktionskosten der Silber-Primärförderer heute um die 12 US$ pro Unze. Ein Preisniveau darunter würde Produktionsrückgänge zur Folge haben. Ausschließen sollte man ein solches, von Henrick Becker gestern beschriebenes Szenario zwar nicht – aber Charttechnik ist in diesem Ausnahmeumfeld eben nicht alles.

Wie entwickelte sich der Silberpreis im Gefolge der Lehman-Krise?

Der anschließende Rückgang des Silberpreises nach der Super-Hausse ab April 2011 resultierte auch aus der erfolgreichen Erzählung des damaligen US-Notenbankchefs Ben Bernanke von einer kurz bevorstehenden Normalisierung der Zinsen, der Schulden und der Notenbankbilanz. Dieses Märchen, das vor allem in den USA viele Anleger zum Rückzug aus den Edelmetallmärkten bewegte, ist heute selbst dem patriotischsten und optimistischsten US-Anleger kaum noch glaubhaft zu vermitteln. Der letzte Versuch einer Zins- und Bilanznormalisierung durch den aktuellen Fed-Chef Jerome Powell ist im Dezember 2018, also eine Dekade nach der Lehman-Krise, grandios gescheitert.

Der Crash führte am Terminmarkt zu einer gesunden Bereinigung

Im Zuge des Abverkaufs bei Silber im ersten Quartal dieses Jahres wurde sehr viel spekulatives und kreditgehebeltes Exposure aus dem weltweit dominierenden Terminmarkt, der COMEX (CME Group) in New York, herausgespült. Zwangsliquidierungen und Stopp-Loss-Orders führten zu einer signifikanten Reduzierung der offenen Kontrakte. Deren Anzahl sank von Mitte Februar bis zur letzten Woche von 240.000 Kontrakten auf 150.700 Kontrakte um 37,5 Prozent. Die Netto-Anzahl der Kontrakte auf steigende Kurse der großen Spekulanten (Large Speculators) reduzierte sich prozentual sogar noch stärker von über 80.000 auf nur noch 33.700. Die Kleinspekulanten (Small Traders) bauten ihre Netto-Kauf-Kontrakte seit Mitte Februar ebenfalls um über 50 Prozent auf aktuell nur noch 11.00 Stück ab. Jeder Future-Kontrakt umfasst 5.000 Unzen Silber.

Der COT-Index, ein kurzfristiger Timing-Indikator, basierend auf den Terminmarktdaten, gib mit einem Stand von 100 bereits ein klares Kaufsignal für Silber ab.

Die physische Nachfrage nach Silber explodiert förmlich

In meinem letzten Artikel zum Silberpreis hatte ich bereits eine Grafik zur Explosion der Verkäufe bei den vor allem in den USA beliebten Münze „American Eagle“ gezeigt. Seitdem wird von der Prägeanstalt U.S. Mint keine dieser Silbermünzen mehr ausgeliefert. Diese Situation hat dazu geführt, dass für noch verfügbare Exemplare mittlerweile knapp 25 Euro bezahlt werden müssen, was einem außerordentlich hohen Aufgeld von über 90 Prozent zum Spotpreis entspricht.

Europas größte Preisvergleichsplattform für Edelmetallprodukte (Gold.de) spricht von einem „Run“ der Kunden auf noch lieferfähige Online-Shops. Die aktuell hohen Aufgelder resultieren nicht nur aus der Beeinträchtigung der Lieferketten, sondern eben auch aus der außerordentlich hohen Nachfrage, wie man sie zuletzt auf dem Hochpunkt der letzten Finanzkrise gesehen hat. Die die aktuellen Aufgelder zu Münzen und Barren sind hier aufgelistet.

Ein Aspekt, der dazu führt, dass Silber aktuell sogar stärker nachgefragt wird als Gold, ist die relative Bewertung gegenüber dem großen Brudermetall sowie die höhere Fungibilität und Leistbarkeit des weißen Metalls. Für eine Unze Gold müssen aktuell 112 Unzen Silber bezahlt werden. Das ist ein historisch hohes Verhältnis, das zwischenzeitlich Mitte März sogar bei über 126 lag.

Es gibt wie im Jahr 2008 eine starke Diskrepanz zwischen der Situation am Terminmarkt und der am physischen Markt. Während die mit Krediten hoch gehebelten Future-Kontrakte zunehmend an Bedeutung verlieren, was am stark rückläufigen „Open Interest“ gut zu erkennen ist, gewinnt die physische Nachfrage an Gewicht. Der Bedeutungsverlust des Marktes für „Papier-Silber“ ist generell eine gute Nachricht, weil damit auch die im Vergleich zur tatsächlichen Silberproduktion stark überdimensionierten Leerverkäufe von real nicht existierendem Silber abnehmen.

Fazit und Ausblick

Noch ist der Silberpreis nicht „Out oft the woods“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Dennoch stellt sich das Umfeld für Silber im übergeordneten Bild sehr konstruktiv dar: Die Märkte für Derivate verlieren an preisbestimmender Relevanz und die physische Nachfrage explodiert in Anbetracht der desperaten Geld- und Fiskalpolitik sowie der eskalierenden globalen Schuldensituation. Damit wird die Nachfrage nach physischem Silber sukzessive wieder zum relevanten Faktor für die Preisbildung. Genau dieser Faktor hat auch in den Jahren 2008 bis 2011 zu einer Vervielfachung des Silberpreises geführt.

Nie zuvor in der Geschichte war Silber gegenüber Gold so günstig wie jetzt und nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg war die reale Gefahr einer Währungsreform oder zumindest substanzieller Kaufkraftverluste bei den Fiat-Währungen so stark ausgeprägt wie in den kommenden Jahren. Daher erfreut sich das weiße Edelmetall als Alternativwährung und zum Schutz von Vermögen so hoher Beliebtheit.

Eine „Normalisierung“ bei der Verschuldung, den Zinsen oder der quantitativen Geldpolitik (Gelddrucken) ist nicht mehr zu erwarten. Auch das spricht für einen zukünftig nachhaltig positiven Trend beim Silberpreis.

Die physische Nachfrage nach Silber stützt den Silberpreis

 

 

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