Folgen Sie uns

Gold/Silber

Gold und Silber – wie weit kann die Korrektur noch gehen?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Übergeordnet stimmen die Rahmenbedingungen für Gold und Silber. Doch wie sieht es kurzfristig aus? Ein Blick auf die Charts gibt Orientierung.

Gold und Silber
Foto: pixabay / Crepessuzette

Gold und Silber – wie Hund und Herrchen

Der Altmeister der Börse André Kostolany verglich einst das Zusammenspiel von Wirtschaft und Börse mit dem von Hund und Herrchen. Während Herrchen oder Frauchen ihres Weges ziehen, bummelt Hundchen hinterher oder prescht voran. So ähnlich verhält es auch mit dem Verhältnis von Silber zu Gold. Erst bummelt der Silberpreis hinterher, um dann voran zu preschen. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Gold vs Silber in USD

So wundert es auch nicht, dass nach dem dynamischen Anstieg der Silberpreise von Anfang August bis Anfang September die Kurse des „Hündchens“ Silber nun deutlich stärker korrigieren, als die Kurse für Gold.

Charttechnisch ist noch Luft etwas nach unten

Zum Zweck der charttechnischen Analyse schauen wir auf die Kursverläufe in US-Dollar. Ich hatte zwar bereits ausgeführt, warum für Goldinvestoren unter Vermögensaspekten die Preise in der jeweiligen Heimatwährung relevant sind (EUR, CHF, etc.), aber bei der Analyse der Kursverläufe orientiert sich die weit überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer an den in US-Dollar gezeichneten Chartbildern.

Im folgenden Gold-Chart sind die sogenannten Fibonacci-Retracements eingezeichnet, die Orientierungsmarken bei Korrekturverläufen bieten. Da sich die auf der Fibonacci-Folge basierende Analyse mittlerweile zu einem Massenphänomen entwickelt hat, ist ihre Bedeutung für das kurzfristige Trading enorm gestiegen. Daher lohnt sich ein Blick auf die entsprechenden Unterstützungslevel.

Gold in USD

Wie im Chart zu sehen ist, hat Gold den seit Mitte Mai etablierten Aufwärtstrend nach unten verlassen. Aktuell befindet sich der Preis auf der Höhe der 23,6 Prozent-Korrekturmarke des Anstiegs seit 21. Mai. Darüber hinaus hat sich eine kleine obere Umkehrformation ausgebildet, die auf weiteres kurzfristiges Rückschlagspotenzial schließen lässt.

Eine deutlich tragfähigere Unterstützung bietet in der Regel das 38,2 Prozent Fibonacci-Retracement, das aktuell auf der Höhe von ca. 1.445 US-Dollar pro Unze angesiedelt ist. Etwas darüber, bei 1.450 US-Dollar, befindet sich zudem eine Horizontalunterstützung, die zusätzlich Halt bietet. Generell ist der Korridor zwischen 1.450 und 1.400 US-Dollar eine recht massive Unterstützungszone. Im Bereich von 1.411 US-Dollar hätte der Goldpreis die Hälfte des vorherigen Anstiegs, also 50 Prozent, korrigiert.

Ob der Goldpreis bis dorthin zurückläuft, hängt auch ganz stark von der Kommunikation der US-Notenbank ab. Die nächste entscheidende Zinssitzung findet am 31. Oktober statt. Im Vorfeld können jedoch auch Kommentare von Notenbankgouverneuren, Konjunkturzahlen, politische Nachrichten und die jetzt beginnende Unternehmensberichtssaison die Kurse bei Gold und Silber stark beeinflussen. Übergeordnet bleibt das Bild bei Gold nach dem Auflösen der signifikanten Schulter-Schulter-Kopf-Schulter-Schulter Formation (SSKSS) nach oben sehr konstruktiv.

Silber hat schon deutlich mehr spekulative Luft abgelassen

Der Silberpreis steuert bereits auf sein 50 Prozent Korrekturlevel bei ca. 17 US-Dollar pro Unze zu. Auf dem Weg gen Süden wurden dabei schon zwei kurzfristige Trendlinien und diverse Fibo-Levels nach unten gebrochen. In einem Band von 16,85 bis 17,35 US-Dollar ist der Silberpreis neben dem signifikanten 50 Prozent Retracement zusätzlich durch Horizontalmarken gut unterstützt.

Silber in USD

Am Ende dieser Woche lohnt sich in Anbetracht der dynamischen Korrektur bei Silber dann auch wieder ein Blick auf die Terminmarktdaten (COT-Daten). Es ist wahrscheinlich, dass sich das kurzfristige spekulative Exposure bereits stark reduziert hat, was kontra indikativ positiv wäre. Die Daten werden morgen erhoben und am Freitagabend von der Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht. Die Daten sind grafisch aufbereitet dann hier einsehbar.

Fazit

Die Saisonalität ist für Gold und Silber im Oktober kurzfristig negativ, bevor sie dann im November wieder ins Positive dreht. Diese Tatsache könnte durchaus mit der aktuell laufenden Kurskorrektur bei den beiden monetären Edelmetallen zeitlich korrespondieren. Im Anschluss stehen die Zeichen dann jedoch in Anbetracht der übergeordneten Gemengelage ganz klar erneut auf Grün. Ich halte Sie weiter auf dem Laufenden.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Gold/Silber

World Gold Council meldet für 2020 Rekordzahlen – positive wie negative

Jörg Bernhard

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis performte im vergangenen Jahr mit plus 24,6 Prozent ausgesprochen gut. In den einzelnen Marktsegmente entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach Gold allerdings eher uneinheitlich.

Rekordhohe Zuflüsse bei ETFs

Der World Gold Council (WGC), die Interessenvertretung internationaler Goldminenunternehmen, liefert alle drei Monate interessante Daten zum Goldmarkt. Diesmal standen Zahlen zum vierten Quartal bzw. zum Gesamtjahr 2020 zur Bekanntgabe an. Grundsätzlich kann man festhalten: Zu verdanken war die starke Performance im Goldpreis vor allem stark verunsicherten Investoren (unter Joe Biden wird es nicht einfach – mehr dazu hier).

Bei physisch hinterlegten Gold-ETFs (Begriffserklärung hier) fiel das weltweite Kaufinteresse besonders stark ins Gewicht. Obwohl im vierten Quartal Abflüsse in Höhe von 130 Tonnen zu Buche schlugen, haben sich auf Jahressicht die Goldbestände dieser Wertpapiere um 120 Prozent auf 877,1 Tonnen erhöht. Damit wurde zudem der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 (646,1 Tonnen) deutlich übertroffen. Bergauf ging es aber auch mit dem Interesse an Goldbarren bzw. -münzen, wenngleich deutlich weniger dynamisch. Weil in China (-6 Prozent) und Indien (-11 Prozent) deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, war hier insgesamt lediglich ein Zuwachs um drei Prozent auf 896,1 Tonnen verzeichnet worden.

Rekordtief bei der globalen Schmucknachfrage

Ausgesprochen schlecht entwickelte sich im vergangenen Jahr jedoch die Schmucknachfrage. In diesem Marktsegment stellte sich nämlich corona-bedingt ein kräftiger Nachfrageeinbruch bei Gold in Höhe von 34 Prozent auf das Rekordtief von 1.411,6 Tonnen ein. Die beiden wichtigsten Nachfragenationen China (-35 Prozent) und Indien (-42 Prozent) waren hierfür hauptverantwortlich.

Nachlassendes Interesse war aber auch im Notenbankensektor zu beobachten. Nachdem sich die Nettokäufe der Zentralbanken im Jahr 2019 noch auf 668,5 Tonnen belaufen haben, gab es für das vergangene Jahr mit 272,9 Tonnen Gold einen markanten Einbruch um 59 Prozent zu beklagen. Bei der Industrienachfrage überwogen ebenfalls die negativen Vorzeichen. Gegenüber den Vorjahreszahlen stellte sich in diesem Marktsegment ein Minus von sieben Prozent auf 301,9 Tonnen ein.

Last but not least: Auf der Angebotsseite in Gold gab es für 2020 – bedingt durch die Pandemie – trotz des steigenden Goldpreises einen Rückgang des globalen Goldangebots um vier Prozent auf 4.633,1 Tonnen zu beklagen. Während im Recyclingsektor (+ 1 Prozent) leichte Zuwächse erzielt wurden, haben die Lockdowns in der Minenproduktion (-4 Prozent) signifikante Einbußen verursacht.

weiterlesen

Gold/Silber

Goldpreis: Wacklige Nummer bei 1.850 Dollar

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis war am Freitag von 1.863 auf 1.837 Dollar gefallen, konnte sich dann aber Abends wieder erholen. Bis jetzt kann Gold Niveaus um die. 1.850 Dollar halten. Der zehn Tage zurückreichende Chart zeigt, dass es aktuell keine klare Trendrichtung gibt (wir sprachen schon letzte Woche über die schwierige Lage vor allem dank der Biden-Wahl). Der US-Dollar als negative Korrelation zu Gold hatte die ganze letzte Woche eine fallende Tendenz, und wirkt so, als wolle er heute weiter fallen. Aber da gibt es noch andere Faktoren für den Goldpreis. Hier drucken wir zwei ganz aktuelle Analystenkommentare von heute ab.

Verschiedene Faktoren ziehen derzeit am Goldpreis

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst at Swissquote Bank, meint aktuell zu Gold, dass die Bären einen starken Abwärtsdruck auf den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei der Marke von 1.846 Dollar ausüben, da die Risikobereitschaft trotz aller negativen Stimmungen aufgrund des Virus solide bleibe, und die 10-jährige US-Rendite sich nahe der 1,10 %-Marke halte.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei Avatrade sagt aktuell über Gold, dass das Edelmetall Metall wieder einmal darum kämpfe im positiven Bereich zu bleiben. Händler würden hoffen, dass Joe Bidens neues Konjunkturpaket grünes Licht von den Gesetzgebern bekomme, und dies könne den Goldpreis stützen. Gold gelte als Absicherung gegen Inflation, und das ist hier das wichtigste Spiel. Mit Sicherheit werde Gold in dieser Woche eine viel höhere Volatilität erleben. Und das Ereignis, das den Goldpreis am meisten beeinflussen dürfte, werde die US-BIP-Zahl (am Donnerstag um 14:30 Uhr) sein.

Man sehe keine große Aufwärtsbewegung für den Goldpreis, da Pfizer sein Problem mit der Lieferung von Coronavirus-Impfstoffen gelöst habe. Dies bedeute, dass man weniger Herausforderungen bei der Erreichung der Hauptziele sehen könnte. Da immer mehr Menschen die Impfung erhalten, werde der Weg zur wirtschaftlichen Erholung laut Naeem Aslam wahrscheinlich sanfter werden, und das sollte die Investoren zu risikoreicheren Anlagen drängen, was für den Goldpreis nicht sehr positiv sei.

Was die technischen Preisniveaus betrifft, so hätten die Warnlampen wieder zu blinken begonnen, da der Goldpreis unter den 50-Tage-SMA auf dem täglichen Zeitrahmen laut Naeem Aslam gebrochen sei. Dies sei die letzte Hoffnung für die Bullen gewesen, da der Goldpreis bereits unter dem 100- und 200-Tage-SMA auf dem täglichen Zeitrahmen handelte. Es sei wahrscheinlich, dass sich der Goldpreis in Richtung der frühen 1.800er-Marke bewegt, wenn der Preis nicht über den 50-Tage-SMA auf dem Tageszeitrahmen steigt.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit zehn Tagen

weiterlesen

Gold/Silber

Goldpreis-Verlauf unter Joe Biden – das ist keine einfache Thematik

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold mit US-Dollar und Adler

Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen deutlich besser als erwartet veröffentlicht, dann ist die Lage einfach und klar. Der Aktienkurs sollte steigen. Und im Goldpreis? Da wird die Lage mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate etwas schwieriger. Joe Biden ist jetzt neuer US-Präsident. Und nun steht das gewaltige 1,9 Billionen Dollar schwere Stimulus-Paket an. Wird es verabschiedet werden, und was sind die Auswirkungen auf den Goldpreis?

Carsten Fritsch von der Commerzbank wies am Mittwoch in einem Kommentar darauf hin, dass die Verabschiedung dieses gigantischen Konjunkturpakets die erste große Aufgabe von Joe Biden sein werde. Zwar würden die Demokraten nach dem Sieg bei den Senats-Stichwahlen in Georgia über eine knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügen. Einfach werde der Genehmigungsprozess dennoch nicht. Von daher bleibe abzuwarten, wie lange es dauert, bis das Paket unterschriftsreif auf dem Schreibtisch des neuen Präsidenten liegt. Gold dürfte laut Carsten Fritsch von dieser Unsicherheit profitieren. Nach Inkrafttreten dürfte die Wirtschaft in den USA dank des massiven Impulses spürbar anziehen, was den US-Dollar aufwerten lassen und den Goldpreis damit belasten könnte.

Goldpreis im größeren Bild mit guten Aussichten?

Das ist das kurzfristige Szenario für die Aussicht auf Tage und Wochen. Und danach, wenn man auf das große Gesamtbild blickt? Gold ist doch der Fluchthafen, wenn die angeblich große Inflationswelle kommt? Ja, dieses Szenario sollte im größeren Bild nie vergessen werden. Die Notenbanken drucken immer mehr Geld, die Staaten verschulden sich immer mehr. Nicht eine Hyperinflation, sondern „nur“ ein deutlich spürbares Anziehen der Inflation könnte den Goldpreis wieder anfachen als Fluchthafen. Die Fed hat Ende letzten Jahres schon klar gemacht, dass sie zur Stützung der Konjunktur eine möglicherweise anziehende Inflation erst einmal nicht bremsen würde mit höheren Zinsen. Dies wäre womöglich die Chance für Gold-Trader auf höhere Kurse zu setzen.

Blickt man ganz aktuell auf den Goldpreis, dann hat er diese Woche zulegen können. Unter 1.830 Dollar am Montag gestartet, ging es bis gestern rauf auf das Hoch bei 1.874 Dollar. Aktuell kann man sich mit 1.862 Dollar auf erhöhtem Niveau halten. Im Chart sehen wir seit Montag den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar (Dollar-Index blau). Gestern hatten wir schon den nicht einfach zu erklärenden Goldpreis-Anstieg in dieser Woche besprochen. Derzeit ist die Lage nicht ganz so klar wie üblich. Die Biden-Wahl bringt viel in Bewegung.

Chart zeigt Goldpreis-Anstieg seit Montag gegen fallenden US-Dollar

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage