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Rekordrallye bei Edelmetallen Gold und Silber auf Höhenflug – das steckt hinter der Rally

Gold und Silber auf Höhenflug – das steckt hinter der Rally
1kg-Goldbarren bei Conclude Zrt in Budapest. Foto: Akos Stiller

Der Goldpreis setzt seine Rally fort, weil Investoren Gold weiterhin als sicheren Hafen betrachten und auf weitere Zinssenkungen der Fed wetten. Gleichzeitig sorgt die anhaltende Unsicherheit rund um Technologieaktien und Geldpolitik für zusätzliche Nachfrage nach Stabilität. Silber treibt derweil ein ganz anderer Faktor an: Angebotsknappheit und spekulative Positionierungen verschärfen die Lage am Markt. Doch wie lange können Edelmetalle diesen steilen Aufwärtstrend noch fortsetzen?

Gold steigt dank Flucht in sichere Häfen

Der Goldpreis ist dabei den fünften Tag in Folge zu steigen, da risikoaverse Investoren sich zunehmend aus Technologieaktien zurückziehen. Hintergrund sind wachsende Sorgen über die Zukunftsaussichten von Technologieunternehmen, die in großem Umfang in künstliche Intelligenz investiert haben.

Der Preis für Gold kletterte bis auf 4.345 US-Dollar je Unze, nachdem er in der vergangenen Woche bereits um mehr als 2 % zugelegt hatte. Damit rückt das Rekordhoch bei 4.381 Dollar in Reichweite. Asiatische Aktien gaben am Montag nach, während die globale Risikobereitschaft weiter nachließ. Grund dafür sind zunehmende Zweifel daran, ob Technologieunternehmen ihre hohen Bewertungen sowie die aggressiven Ausgaben für künstliche Intelligenz langfristig aufrechterhalten können. Diese Unsicherheit hat die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen in der letzten vollständigen Handelswoche des Jahres zusätzlich gestärkt.

Darüber hinaus setzen Gold-Bullen verstärkt auf eine weitere geldpolitische Lockerung in den USA im kommenden Jahr. Anlass dafür ist, dass die US-Notenbank Fed in der vergangenen Woche bereits zum dritten Mal in Folge die Leitzinsen gesenkt hat. In einem Interview mit dem Wall Street Journal am Freitag forderte Präsident Donald Trump eine aggressive Senkung der Zinsen und erklärte, er erwarte, dass der nächste Vorsitzende der Fed sich mit ihm über geldpolitische Entscheidungen abstimmen werde. Als seine Favoriten für die Nachfolge von Jerome Powell nannte er Kevin Hassett und Kevin Warsh.

Rekordrallye bei Edelmetallen

Der Goldpreis ist in diesem Jahr um mehr als 60 % gestiegen, während sich der Silberpreis mehr als verdoppelt hat. Damit steuern beide Edelmetalle auf ihre beste Jahresperformance seit 45 Jahren zu. Diese außergewöhnlichen Kursanstiege wurden vor allem durch verstärkte Käufe von Zentralbanken sowie durch den Rückzug vieler Investoren aus Staatsanleihen und Währungen gestützt. Nach Angaben des World Gold Council sind die Bestände in goldgedeckten börsengehandelten Fonds (ETFs) in diesem Jahr in jedem Monat gestiegen – mit Ausnahme des Monats Mai.

„Wir erwarten weiterhin anhaltende Käufe durch Zentralbanken sowie Zuflüsse privater Investoren im Umfeld einer geldpolitischen Lockerung durch die Fed, was den Goldpreis bis Ende 2026 auf 4.900 US-Dollar treiben dürfte“, schrieben Analysten von Goldman Sachs um Lina Thomas in einer Mitteilung. Die erhöhte Akkumulation durch Zentralbanken sei ein „mehrjähriger Trend“, betonten sie erneut und bekräftigten ihre Prognose durchschnittlicher monatlicher Käufe von 70 Tonnen im Jahr 2026.

Die Analysten der ANZ Group Holdings zeichnen hingegen ein differenziertes Bild für die kommenden Jahre. Laut einer Notiz von Soni Kumari und Daniel Hynes dürfte Gold im Jahr 2026 zwei unterschiedliche Phasen erleben. Demnach könnte der Goldpreis bis zum Ende des zweiten Quartals nahe 4.800 US-Dollar je Unze steigen, bevor es im weiteren Jahresverlauf zu einem deutlichen Rückgang kommt. Als unterstützende Faktoren nannten sie ebenfalls „robuste“ Investitionsströme sowie anhaltende Käufe durch Zentralbanken.

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Silber profitiert von Angebotsengpässen

Silber wurde in den vergangenen Wochen zusätzlich durch spekulative Wetten gestützt, die auf anhaltende Angebotsknappheit nach einem historischen Short Squeeze im Oktober setzen. Das weiße Metall, das am Freitag mit 64,6573 US-Dollar je Unze ein Rekordhoch erreichte, dürfte laut Kumari und Hynes weiterhin Unterstützung durch ein Marktdefizit erfahren. Hinzu kommen eine robuste industrielle Nachfrage sowie Unsicherheiten im Zusammenhang mit der US-Importpolitik.

Die US Geological Survey hat Silber im vergangenen Monat in ihre Liste kritischer Mineralien aufgenommen. Dies führt dazu, dass Händler vorsichtiger sind, Silber aus den USA auszuführen, falls später Importzölle verhängt werden sollten. Die ANZ-Analysten erklärten jedoch, sie rechneten damit, dass Silber von möglichen Zöllen ausgenommen werde. Eine entsprechende Bestätigung könnte ihrer Einschätzung nach zu Abflüssen des Metalls führen und die derzeitige Angebotsknappheit entschärfen.

Zuletzt gewann Gold rund 1 % und notierte um 7:23 Uhr Ortszeit in London bei 4.343,77 US-Dollar je Unze. Silber legte um 1,5 % auf 63,23 US-Dollar zu, nachdem es am Freitag noch 2,5 % verloren hatte. Platin und Palladium stiegen jeweils um 1 %, während der Bloomberg Dollar Spot Index leicht nachgab.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. „Die US Geological Survey hat Silber im vergangenen Monat in ihre Liste kritischer Mineralien aufgenommen. Dies führt dazu, dass Händler vorsichtiger sind, Silber aus den USA auszuführen, falls später Importzölle verhängt werden sollten. Die ANZ-Analysten erklärten jedoch, sie rechneten damit, dass Silber von möglichen Zöllen ausgenommen werde“

    Also wenn die USA Silber als kritischen Rohstoff einstufen, warum sollten sie dann Einfuhrzöller erheben. Vollkommen schräge Annahme, die man hier ausschließt, finde ich. Exportzölle wären logischer.

    1. Hallo Großer Bär,

      das ist eben die Betrachtung der Edelmetallmärkte durch die Brille des untergehenden Finanzregimes. Die wesentlichen Treiber werden nicht benannt. Natürlich wirken Zinsen weiterhin, aber ihr Effekt sinkt und musste auch früher schon immer im direkten Verhältnis zur Inflation betrachtet werden.

      Ich rechne mit Exportverboten. Die USA decken ihren Silberbedarf nicht durch eigene Produktion. Wer nicht genug Silber hat, ist praktisch unbewaffnet. Zudem kann die KI-Story nicht weitergehen, wenn kein Silber zur Verfügung steht. Und an dritter Stelle: Silber wird von den BRICS gerade wieder monetarisiert.

      Die einzige Überlegung auf der Verkaufsseite könnte die sein, dass man den Regierungen zutraut, dass sie das Silber in den ETPs beschlagnahmen und die Kunden mit Dollar auszahlt.
      Ich empfehle das im Auge zu behalten und darauf vorbereitet zu sein, diese Positionen in Minenaktien umzuschichten.

      1. „Die einzige Überlegung auf der Verkaufsseite könnte die sein, dass man den Regierungen zutraut, dass sie das Silber in den ETPs beschlagnahmen und die Kunden mit Dollar auszahlt.“

        Ja, im Auge behalten!

        Wobei dann erst vermutlich die Zukäufe gestoppt werden könnten. Und das könnte die Dinger kurzfristig auch pushen. Es könnte stark relevant werden, wo die ETFs physisch gedeckt/gehalten sind.

        Aber Minenaktien haben da definitiv einen Vorteil, zudem werfen manche Dividenden und die „sitzen“ auf dem ganzen Stoff der Begirde.

        1. Ja, deswegen halte ich u.a. SEABRIDGE und BEAR CREEK. Die sitzen auf Gold und Kupfer bzw. Silber. Die können sich verhundertfachen, wenn sie nicht vorher gekauft werden.

          Nur wird mir das alles wenig nützen, wenn uns die Banker in einen neuen großen Krieg treiben. Einen neuen Kalten Krieg betrachte ich als das beste Szenario. Dafür braucht es aber überzeugende Politiker, wie alle US-Präsidenten nach dem Krieg bis Kennedy waren.
          China und Russland rüsten auf wie bescheuert, Merz tanzt seinen Namen. Trump macht das ganz gut, hat aber das Problem, dass der Feind schon im eigenen Lager steht. Was einige Foristen hier nicht verstehen wollen: ich schätze Trump nicht, weil ich Fan-Boy bin, sondern weil ich seine Linie für existenziell richtig halte: eigene militärische Stärke aufbauen, aber gleichzeitig die Umtriebe der Neocons einschränken.
          Diese Vögel halten einen großen Krieg nämlich für machbar und arbeiten immer darauf hin. Sie haben uns ins letzter Zeit die Migrationskrise und den Krieg in der Ukraine eingebracht und haben nach wie vor den alten Traum, Russland zu zerlegen um günstig an die Rohstoffe heranzukommen.

          1. @Felix

            Ich befürchte Ähnliches. Mich erschreckt, wie sich alleine Deutschland die letzten 10 Jahre so massivst verändert hat. Es ist einfach unglaublich und sehr beängstigend, viel Aggression in der Gesellschaft.

            Es wäre natürlich gut, wenn sich das anders entlädt. Ein Grundproblem besteht schon darin, dass sich die Ideen der politisch verfeindeten Parteien tief in die Gesellschaft eingegraben haben. Die benutzen die Stimmungen für sich und die Spaltung ist ihnen mehr willkommen als sie das Gegenteil behaupten, diese zu bekämpfen.

            Zum Hrn. Merz. Was kann man schon erwarten nach der brutalen Vorlage seiner Vorgängerin, ein Vollscherbenhaufen. Den Scholz nehme ich mal raus aus der Gleichung, der hat weder was angerichtet noch gelöst.

            Die Erwartungen sind verdammt hoch, den ganzen Mist auf einmal rausschaffen.

            Zu Trump: Die Zölle wurden bereits unter Biden begonnen/angehoben.

            Und dass die jetzt eine Entschuldungsinflation fahren, ist von der logischen Perspektive her nachzuvollziehen. Hoffe das geht alles „kalt“ und beruhigt sich wieder.

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