Der Edelmetallmarkt steht unter Schock: Nach einer beispiellosen Rallye geraten Gold und Silber plötzlich massiv unter Druck. Erst kürzlich noch auf Rekordständen, lösen die abrupten Kurseinbrüche nun heftige Turbulenzen an den Metallmärkten aus. Eine stark überdehnter Anstieg, ein stärkerer US-Dollar und die Unsicherheit über die Geldpolitik der US-Notenbank Fed trieben Anleger in die Defensive – mit den stärksten Tagesverlusten beim Gold- und Silberpreis seit Jahrzehnten.
Historischer Kurssturz bei Gold und Silber
Wie Bloomberg berichtet, erlitt Gold am Freitag den stärksten Einbruch seit vier Jahrzehnten, während Silber einen rekordverdächtigen Intraday-Absturz hinlegte. Damit kam es zu einer abrupten Kehrtwende nach der fulminanten Rallye, die die Preise zuvor auf neue Rekordstände getrieben hatte.
Der Goldpreis fiel um mehr als 12 % und rutschte unter die Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze – der größte Tagesverlust seit den frühen 1980er-Jahren. Silber brach zeitweise um bis zu 36 % ein, was einen historischen Rekord darstellt. Auch der breitere Metallmarkt wurde erfasst: Kupfer verlor in London 3,4 % und zog sich von seinem Rekordhoch vom Donnerstag zurück.
Parallel dazu legte der US-Dollar deutlich zu, unterstützt durch eine Schwäche bei rohstoffnahen Währungen wie dem australischen Dollar und der schwedischen Krone.
In den vergangenen zwölf Monaten hatte eine Welle von Anlegernachfrage nach Edelmetallen einen Rekord nach dem anderen ausgelöst. Selbst erfahrene Händler waren überrascht von der außergewöhnlichen Volatilität. Im Januar beschleunigte sich diese Entwicklung, als Investoren verstärkt in klassische „sichere Häfen“ strömten – aus Sorge vor Währungsabwertung, Unsicherheit über die Unabhängigkeit der Federal Reserve, Handelskonflikten und geopolitischen Spannungen.

Dollar-Rallye als Auslöser der Korrektur
Der Ausverkauf am Freitag gilt als bisher größter Schock für die Edelmetall-Rallye und übertrifft sogar den Einbruch im Oktober deutlich. Ausgelöst wurde die Bewegung durch einen kräftigen Dollar-Anstieg, nachdem Berichte aufkamen, dass die Trump-Regierung Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden nominieren wolle – was später bestätigt wurde.
Der stärkere Greenback belastete die Stimmung unter Investoren, die zuvor verstärkt auf steigende Metallpreise gesetzt hatten, nachdem Trump wenige Tage zuvor signalisiert hatte, eine schwächere US-Währung zu tolerieren.
Händler betrachten Warsh als den härtesten Inflationsbekämpfer unter den Kandidaten. Das schürt Erwartungen auf eine straffere Geldpolitik, die den Dollar stützen und gleichzeitig in Dollar notierte Rohstoffe wie Gold und Silber schwächen könnte.
„Trumps Entscheidung für Warsh ist positiv für den Dollar und negativ für Edelmetalle“, erklärte Aakash Doshi, Leiter der Gold- und Metallstrategie bei State Street Investment Management. Zusätzlich habe das Monatsende die Bewegung verstärkt, da viele Anleger zuletzt auf einen schwachen Dollar und steigende Edelmetalle gesetzt hätten.
Christopher Wong, Stratege bei der Oversea-Chinese Banking Corp., sieht darin eine Bestätigung für das Muster „schnell rauf, schnell runter“. Eine Korrektur sei längst überfällig gewesen: Die Märkte hätten nur auf einen Anlass gewartet, um die parabolischen Kursanstiege abzubauen.
Optionen und Gamma-Squeeze verstärken den Druck
Die Edelmetalle waren bereits anfällig für extreme Ausschläge, da die steigenden Preise und die hohe Volatilität die Risikomodelle vieler Händler belasteten. Goldman Sachs verwies zudem auf eine Rekordwelle von Call-Optionen, die die Aufwärtsdynamik mechanisch verstärkt habe: Optionsverkäufer mussten sich durch zusätzliche Käufe absichern.
Der Preisrutsch könnte zudem durch einen sogenannten Gamma-Squeeze beschleunigt worden sein. Dabei müssen Händler, die Optionen leerverkauft haben, bei steigenden Kursen mehr Futures kaufen – und bei fallenden Kursen wieder verkaufen, um ihre Portfolios auszugleichen.
Beim SPDR Gold Shares ETF liefen am Freitag große Positionen bei 465 und 455 Dollar aus. An der Comex lagen bedeutende Optionspositionen im Bereich von 5.300, 5.200 und 5.100 Dollar.

Auch Aktien großer Bergbauunternehmen gerieten stark unter Druck. Papiere von Newmont, Barrick Mining und Agnico Eagle verloren im New Yorker Handel teils über 10 %.
Trotz des Rücksetzers verzeichnete Gold im Monatsvergleich noch ein Plus von 13 %, Silber lag sogar 19 % im Gewinn.
Warnsignale und extreme Volatilität bleiben
Technische Indikatoren hatten bereits deutliche Warnzeichen gesendet. Besonders der Relative-Stärke-Index (RSI) deutete darauf hin, dass beide Edlemetalle überkauft waren. Gold erreichte zuletzt einen RSI von rund 95 – den höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Dominik Sperzel, Trading-Chef bei Heraeus Precious Metals, betonte, dass die psychologisch wichtigen Marken von 5.000 Dollar bei Gold und 100 Dollar bei Silber am Freitag mehrfach durchbrochen wurden. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Achterbahnfahrt weitergeht“, so Sperzel.
Chinesische Investoren spielten eine zentrale Rolle bei der Rallye. Die Käufe waren so stark, dass die Shanghai Futures Exchange Maßnahmen ergriff, um die Überhitzung in den Edel- und Industriemetallmärkten abzukühlen.
Ausblick: Unsicherheit dominiert den Markt
Bloomberg-Strategen wiesen darauf hin, dass das Silber-Gold-Verhältnis ähnlich stark gestiegen sei wie Ende der 1970er-Jahre. Ob dies das Ende einer historischen Rallye markiert, sei jedoch noch zu früh zu beurteilen. Kurzfristig werde der Preis selbst zum wichtigsten Treiber, während fundamentale Faktoren in den Hintergrund rücken.
Am Freitag konnte zudem ein erneuter US-Government-Shutdown abgewendet werden, nachdem Trump und die Demokraten im Senat eine vorläufige Einigung erzielten. Gleichzeitig laufen weitere Verhandlungen über neue Begrenzungen bei umstrittenen Einwanderungsrazzien.
Gold schloss in New York 8,9 % tiefer bei 4.894,23 Dollar je Unze. Silber stürzte um 26 % auf 85,20 Dollar ab. Auch Platin und Palladium gaben stark nach. Der Bloomberg Dollar Spot Index stieg um 0,9 %, was Rohstoffe für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuert.
Kupfer notierte an der London Metal Exchange bei 13.157,50 Dollar pro Tonne, nachdem es am Donnerstag erstmals über 14.000 Dollar gestiegen war – der größte Intraday-Sprung seit 2008.
FMW/Bloomberg
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Aber komisch, die Börsen müssten ja auch reagieren, oder geht’s ein wenig länger bis sie es merken, der Vorläufer der Aktien ( Bitcoin) hat mindestens schon Durchfall, Dr. Fugmanns Diagnose von 75000 könnte schon bald wahr werden. Man wollte den Januarendstand bei den Aktien noch halten, am Montag könnte es gegen Süden gehen.Wenn der Ölpreis ( mit oder ohne Iran – Schlag) auch noch ausbricht dann wird die Inflationssuppe sehr heiss werden.Das wäre noch der Gipfel wenn Trump mit einem hawkischen Notenbänker selber den SCHWARZEN SCHWAN einfliegen liesse, es muss ja immer eine Überraschung sein und dies wäre eine. Logische Taktik, Trump und seine Gefolgschaft provozieren die Korrektur jetzt und vor den Midtherm Wahlen ist wieder Rally – Time.
Es gab mal einen wegweisenden Artikel in der Telebörse Print von Anfang 2001 mit dem Titel: „Streben nach dem Mythos Gold „…
Darin kamen ein Goldbefürworter und ein Goldgegner zu Wort….
Der Goldbefürworter verwies auf den niedrigen Goldpreis von unter 300 Euro die Feinunze…der Goldgegner auf die Argumentation das Gold langfristig schlecht für jedes Portfolio wäre da Gold a keine Zinsen zahlt und b die Aktie auch im 21.Jahrhundert das Asset Nummer 1 sei…
Wer behielt nun recht….?
Rekortwelle an Short Call-Optionen. Momentan zumindest nur ein Kurz-Government Shutdown.
Trump hatte doch die Woche gesagt das er Jo-Jo spielen kann mit dem USD – Macht er wohl offensichtlich… Was ist der USD jetzt noch wert ?
Ich glaube das die Menschen nur noch mehr Mißtrauen haben werden, nachdem der USD schon als Waffe benutzt wurde, jetzt als Gummi-Puppe.
Es wird weiter Gold und Silber gekauft werden. Ich glaube nicht das die Menschen sich fühlen werden als hätten sie eine falsche Kaufentscheidung bei zu hohen Kursen getroffen hätten, sondern dass das System sie bestohlen hat um ihren Wohlstand. Das war mein Empfinden im März 2021 als die LBMA zum Zirkus geworden war, Stichwort: Unallocated Exchange.
Es wird weiter gehen, die Leute gerade in Asien werden begreifen das sie Gold und Silber nun zum Discount kaufen können.
Nach dem Abverkauf:
Naja- dass bei den extremen Fahnenstangen eine kräftige Korrekturen kommen musste, war doch wohl jeden bewusst.
Trotzdem:
Kurssteigerungen in Dollar bei Silber in den letzten 365 Tagen 250 Prozent.
Und alleine im Januar immer noch etwas über 10 % Kurssteigerung.
Das ist doch für Silber in einem Monat immer noch gigantisch.
In Dollar bei Gold in den letzten 365 Tagen 75 Pozent.
Und nach dem Kurseinbruch, im Januar immer noch fast 13 % Kurssteigerung.
Alles legal steuerfrei.
Welcher physischer Langfrist-Horter wir da jammern?
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Hallo @ Dr. Sebastian Schaarschmidt
Zumindest ist die Behauptung, dass es für Edelmetalle keine Zinsen gibt falsch.
Man kann Edelmetalle genau so verleihen wie Geld, Aktien, Autos, oder, oder.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Diese Bewegungen sind typische Auswirkungen der extremen Hebelwirkungen von Derivaten, die die Ausschläge auf beide Seiten verstärken. Bei den Aktien ist es bis jetzt vor allem aufwärts gegangen und alle hatten Freude,dass die Dip- Käufe immer funktionierten. Der Hammer wird kommen, nur dank diesen Hebelwirkungen kann ein Elon Musk mit viel Geld seine Aktie immer noch hochhalten.
Warren Buffett nannte Derivate schon vor 20Jahren ,als dieser Handel noch viel kleiner war ,als FINANZIELLE MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN,
Heute beherrschen die Derivate die Märkte, einige werden sehr reich und einige sehr reich an schlechten Erfahrungen.
An FMW-Nutzer FiatLux: Sie verkennen, daß das US-Repräsentantenhaus den momentanen Government Shutdown am 02.02.26 beenden wird.
@Sebasian
Gegen Gold als Asset spricht eindeutig, dass daran kaum jemand was verdient. Einmalig der Händler, dann lange Zeit nichts.
Warum sollte das von der Finanzindustrie gelobt werden? Eine komplette Branche verdient am Geldkreislauf, Fonds, Investprodukte… Das muss alles gemenaged werden, da braucht man hoch professionelle Experten! Gold liegt jahrelang still irgendso im Tresor. Da gibts nix zu managen und nix zu verdienen.
Warren Buffett verabscheute allerdings auch Gold als Geldanlage.
Was denn nun ihr Superschlauen, Silber kaufen oder nicht??
Werner
Welches Silber?
Physisch als Ergänzung zu Gold? Ja. Immer. Bis Sie genug haben.
Spekulativ als Papier? Nein, weil noch zu viele Shorts geeckt werden müssen.
Minen als Performancesilber? Ja, wegen der Knappheit und der zu erwartenden guten Berichte.
Silbermünzen als Notgeld Ja, wenn sie noch nichts haben, sonst nein.
Derivate? Lehne ich ab. Da kann Geld verdienen oder verlieren, aber ich da bin klar auf Linie von Charly Munger. Das ist alles Rattengift das regelmäßig völlig unnötige Krisen provoziert. gehört mE verboten.
Zudem: Wie viel Zinsen werfen eigentlich Aktien bei den aktuellen Kursen ab?
Genau Großer Bär
Geh mal zur Bank oder einem Anlageberater mit einem legalen Koffer voll Geld.
Du bekommst ein ganzes Klavier von Anlagemöglichkeiten vorgelegt.
Von Edelmetallen kaufen keine Rede.
Der Anlageberater bei der Bank, der Edelmetalle zu dem Preis anbietet, wie sie im Handel erhältlich sind wird sein Häuschen nicht mehr abbezahlt können, denn seine Verkaufs-Provisionen werden zuzammenschmelzen.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut