Gold

Edelmetalle vor heißer Woche Gold und Silber vor Showdown: Das entscheidet jetzt die Rally

Illustration: KI-genieriert mit ChatGPT

Gold und Silber treffen in dieser Woche auf einen regelrechten Makrosturm. US-Inflationsdaten, steigende Zinserwartungen, hohe Anleiherenditen und die ausgeweiteten Treasury-Buybacks machen die kommenden Handelstage zur Bewährungsprobe. Nach der zuletzt kräftigen Erholung stehen beide Edelmetalle nun vor einer kurzfristigen Richtungsentscheidung.


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Gold und Silber im Zinssturm

Belastet von anhaltenden Zinssorgen weitetete der Goldpreis zum Wochenauftakt seine Verluste aus und fiel zeitweise um ein Prozent auf 4.385 Dollar. Bereits am Freitag hatte der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht die Zinssorgen neu entfacht. Die US-Wirtschaft schuf im August 162.000 Stellen und damit mehr als sämtliche Prognosen erwarten ließen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert.

Damit rückt eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed wieder näher. Laut dem FedWatch-Tool der CME liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt am 16. September inzwischen bei 58,4 Prozent. Das belastet Gold und Silber über zwei Kanäle: Steigende Zinserwartungen treiben gewöhnlich die Anleiherenditen und stützen den US-Dollar. Beides schmälert die Attraktivität unverzinslicher Edelmetalle.


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Selbst die neue Eskalation im Nahen Osten hilft Gold bislang kaum. Am Wochenende griffen die USA drei iranische Öltanker an, während Iran seinerseits Angriffe auf mehrere Tanker und US-Schiffe meldete. Die neue Eskalation rund um die Straße von Hormus ließ Brent-Öl am Montag zeitweise um mehr als ein Prozent auf rund 97,50 Dollar steigen. Der höhere Ölpreis erhöht zwar die geopolitische Risikoprämie, schürt gleichzeitig aber neue Inflationssorgen. Dadurch wächst der Druck auf die Fed, ihre Geldpolitik weiter zu straffen. Kurzfristig überwiegt damit der negative Zinseffekt gegenüber der Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen.

US-Inflation wird zum Showdown

Das Main Event für Gold und Silber folgt am Freitag mit den US-Verbraucherpreisen für August. Ökonomen erwarten eine unveränderte Inflationsrate von 3,4 Prozent. Bei der Kerninflation wird dagegen ein leichter Rückgang von 2,5 auf 2,4 Prozent prognostiziert. Neben den Jahresraten dürfte vor allem die monatliche Entwicklung der Kernpreise entscheidend werden.

Fed-Gouverneur Christopher Waller machte die Bedeutung des Berichts zuletzt deutlich. Seine Entscheidung auf der Sitzung am 15. und 16. September werde maßgeblich von den August-Daten beeinflusst. Setze sich die Disinflation fort, neige er zu einer Zinspause. Falle die Inflation dagegen zu hoch aus, würde er eine Zinserhöhung erwägen.

Bereits am Donnerstag liefern die US-Erzeugerpreise einen Vorgeschmack. Ein überraschend starker Anstieg könnte Renditen und Dollar nach oben treiben. Nachlassender Preisdruck würde dagegen die Aussicht auf eine Zinspause stärken und die Edelmetalle entlasten.

Gold und Silber treffen auf US-

Buybacks treffen auf EZB

Zusätzliche Impulse kommen vom US-Anleihemarkt. Am Mittwoch führt das Finanzministerium einen Cash-Management-Buyback kurz laufender Anleihen über bis zu 12,5 Milliarden Dollar durch. Am Donnerstag folgt die erste Operation der ausgeweiteten Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen. Das maximale Volumen dieser Long-End-Buybacks steigt von zwei Milliarden auf mindestens vier Milliarden Dollar je Operation.

Die Käufe können die Anleihekurse stützen und deren Renditen vorübergehend drücken. Sie sind jedoch kein Anleihekaufprogramm der Fed und stellen kein neues Quantitative Easing dar. Einen durch überraschend hohe Inflationsdaten ausgelösten Renditeanstieg dürfte das überschaubare Volumen hingegen kaum dauerhaft aufhalten.

Ebenfalls am Donnerstag entscheidet die EZB über die Zinsen. Erwartet wird eine Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Eine restriktive EZB könnte den Euro stärken und den Dollar schwächen, was den Edelmetallen zugutekäme. Steigen zugleich die globalen Renditen, könnte dieser Effekt jedoch verpuffen.

Gold und Silber am Scheideweg

Beim Goldpreis liegt die entscheidende Unterstützung um 4.300 Dollar. Dort verläuft die 100-Tage-Linie. Solange die Zone hält, bleibt die Erholung vom Jahrestief bei 3.942 Dollar intakt. Auf der Oberseite blockiert die 200-Tage-Linie bei rund 4.530 Dollar den Weg. Erst ein nachhaltiger Ausbruch würde das jüngste Hoch bei 4.700 Dollar wieder in den Fokus rücken.

Beim Silberpreis ist die Ausgangslage schwächer. Nach der Rally vom Jahrestief bei 54,75 Dollar bis auf 71,16 Dollar am 28. August notiert Silber unter der 100-Tage-Linie bei 67,81 Dollar und der 200-Tage-Linie bei 72,10 Dollar. Beide Durchschnitte bilden wichtige Widerstände.

Kühlere Inflationsdaten könnten Fed-Erwartungen, Dollar und Renditen drücken. Gold hätte dann die Chance, die 200-Tage-Linie anzugreifen, während Silber zunächst die 100-Tage-Linie zurückerobern könnte. Eine negative Überraschung bei den Verbraucherpreisen würde dagegen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung weiter erhöhen.

Die Inflationsdaten dürften damit den Ausschlag geben, ob Gold und Silber ihre jüngste Rally wieder aufnehmen oder der nächste Rückschlag droht.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Es ist ja immer die Frage, wie sehen dass die Spekulanten und wie sehen es die Horter.
    Wer als Spekulant richtig gelegen hat, hat viel Geld verdient und hofft nun weiter richtig zu liegen.
    Beim Horter zeigen die ersten Zahlen nach 3 bis 5 Jahren, ob er richtig lag. Bei einer „goldgedeckten“ Altersversorgung können es auch die Zahlen der letzen 30 Jahre sein.
    Der Kapitalertrag in den letzten 365 ist zwar interessant, sagt aber einem Horter nicht viel darüber aus, ob er langfristig richtig lag.
    Für die letzten 26 Jahre sieht es mit geglättet mit etwas über 10 % steuerfreien Kapitalerträgen bei Gold, recht gut aus.
    Columbo hat zwar die Aussage gemacht, das breit gestreute Investmens in den letzten Jahrzehnten besser gelaufen sind als Gold. Konnte aber trotz mehrfacher Aufforderung von mir, keine Zahlen und Zeiträume nennen.
    Selbst nicht nach dem Motto:
    Mit den heute bekannte Lottozahlen der letzten Jahre, eine theoretische Gewinn-Strähne konstruieren.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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