Gold, US-Staatsanleihen, Yen und Schweizer Franken gelten seit Jahrzehnten als klassische sichere Häfen in Krisenzeiten. Doch aktuell zeigt sich ein ungewöhnliches Bild: Selbst diese Safe-Haven-Anlagen verlieren an Wert, obwohl die geopolitischen Spannungen durch den Iran-Krieg zunehmen. Steigende Energiepreise, veränderte Zinserwartungen und ein stärkerer US-Dollar stellen die üblichen Marktmechanismen auf den Kopf.
Warum sichere Häfen schwächeln
Traditionelle sichere Häfen — Staatsanleihen, der Yen, der Schweizer Franken und Gold — haben Investoren in dieser turbulenten Woche kaum Schutz geboten. Obwohl die Iran-Krise eskaliert ist, konnten selbst die klassischen Safe-Haven-Anlagen Anleger nicht entscheidend absichern.
Stattdessen gehörte der US-Dollar, dessen Status als sicherer Hafen in den letzten Monaten zunehmend hinterfragt wurde, zu den wenigen großen Anlageklassen mit Kursgewinnen. Laut einem Bloomberg-Bericht zeigt diese Entwicklung, wie schnell sich Marktdynamiken umkehren können: Vermögenswerte, die lange als verlässliche Absicherung galten, verlieren plötzlich an Attraktivität. Ausschlaggebend sind veränderte Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der Zentralbanken, der globalen Wirtschaftsentwicklung sowie kurzfristige Handelsentscheidungen großer Marktteilnehmer.
„Risk-off ist nicht mehr das, was es einmal war“, sagt Christoph Rieger, Leiter der Zins- und Kreditforschung bei der Commerzbank. „Sichere Anlagen funktionieren in einer Krise, in der alle politischen Optionen mehr Angebot und niedrigere Zinsen erfordern, nicht als Absicherung. Einige Marktbewegungen sind nachvollziehbar, andere wiederum nicht.“
Ein genauer Blick auf die wichtigsten sicheren Häfen zeigt, warum sie in dieser Woche ihre Schutzfunktion weitgehend verloren haben.
US-Staatsanleihen unter Druck
US-Staatsanleihen gelten normalerweise als sicherster Hafen der Welt, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher oder geopolitischer Unsicherheit. Doch aktuell wird diese Rolle durch Inflationssorgen infrage gestellt.
Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise erhöhen den Inflationsdruck erheblich. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Anleihen, da Investoren befürchten, dass die Inflation länger hoch bleiben könnte.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in dieser Woche um rund 20 Basispunkte gestiegen. Damit steuern sie auf den größten Wochenanstieg seit dem Zollkonflikt im April zu. Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung, weil die Renditen noch im vergangenen Monat den stärksten Rückgang seit einem Jahr verzeichnet hatten.
Die Inflationsrisiken wirken sich auch auf die Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank Fed aus. Während Händler vor einer Woche noch bis zu drei Zinssenkungen einpreisten, rechnen die Märkte inzwischen nur noch mit ein bis zwei Zinsschritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten.
Gold verliert an Glanz
Auch Gold, traditionell einer der wichtigsten sicheren Häfen, konnte in dieser Woche nicht überzeugen.
Der Goldpreis ist auf Wochenbasis um etwa 3,5 Prozent gefallen. Hauptgründe sind der stärkere US-Dollar und steigende Zinserwartungen. Da Gold selbst keine Zinsen abwirft, wird das Edelmetall in Phasen höherer Zinsen weniger attraktiv für Investoren.
Eine ähnliche Entwicklung war bereits nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu beobachten. Damals stiegen Energiepreise, Zinserwartungen und der US-Dollar gleichzeitig an — mit der Folge, dass Gold in den darauffolgenden Monaten deutlich nachgab. Für viele Händler dient dieses Szenario inzwischen als Orientierung für vergleichbare Marktlagen.
Hinzu kommt, dass Gold seit Mitte August um rund 54 Prozent gestiegen ist. Diese starke Rally hat den Markt zunehmend spekulativ geprägt und die Volatilität deutlich erhöht.

Energiepreise belasten den Yen
Auch der japanische Yen, traditionell eine der wichtigsten Fluchtwährungen, steht unter Druck. Ein zentraler Faktor sind erneut die Energiepreise.
Japan ist stark von Energieimporten abhängig und bezieht mehr als 90 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten. Ein großer Teil dieser Lieferungen wird über die Straße von Hormus transportiert, die durch den aktuellen Konflikt faktisch blockiert ist.
Gleichzeitig fordern japanische Gewerkschaften höhere Löhne, während die Inflation langsam anzieht. Diese Kombination erhöht das Risiko einer Stagflation — also einer Phase schwachen Wirtschaftswachstums bei gleichzeitig steigenden Preisen.
Unter solchen Bedingungen ist eine aggressive Zinserhöhung durch die Bank of Japan unwahrscheinlich. Das erklärt, warum der Yen im Wochenverlauf etwa ein Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren hat.
Japans Finanzministerin Satsuki Katayama betonte am Mittwoch erneut, dass die Regierung bereit sei, übermäßige Bewegungen am Devisenmarkt zu bekämpfen. Dazu könnten auch direkte Marktinterventionen gehören.

Schweizer Franken verliert Stabilität
Der Schweizer Franken galt im vergangenen Jahr als sicherer Hafen und bevorzugte Fluchtwährung. Niedrige Staatsverschuldung, eine stabile Wirtschaftspolitik und politische Neutralität machten ihn besonders attraktiv für Investoren.
Doch gerade diese Rolle macht den Franken aktuell verwundbar. Die Schweizerische Nationalbank signalisiert deutlich ihre Bereitschaft, gegen eine zu starke Aufwertung der Währung vorzugehen.
SNB-Vizepräsident Antoine Martin erklärte, die Zentralbank sei bereit zu intervenieren, um eine übermäßige Stärke des Frankens zu verhindern — insbesondere angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.
Die Folge: Der Franken hat in dieser Woche etwa 1,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren. Hintergrund ist die Sorge der Notenbank, dass zu starke Kapitalzuflüsse den Franken weiter aufwerten und die ohnehin sehr niedrige Inflation zusätzlich dämpfen könnten.
Gleichzeitig empfehlen Währungsstrategen von Barclays Investoren, den Schweizer Franken gegenüber dem japanischen Yen zu kaufen. Zwar seien beide Währungen durch Energiepreisrisiken belastet, doch der Franken sei derzeit besser positioniert. Auch Optionsdaten gegenüber dem US-Dollar deuten laut DTCC-Daten auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Schweizer Währung hin.
FMW/Bloomberg
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Ich finde die Fragestellung zäumt das Pferd falsch auf. Ich gehe davon aus, dass große Teile des Marktes RISK ON gehen.
Das liegt erstens daran, dass geldpolitische Maßnahmen erwartet werden und zweitens daran, dass ein günstiger Verlauf für den Iran-Krieg erwartet wird. Letzteres würde die Position des Dollars wieder stärken. Öl ist der Motor der Welt und der Armeen.
Gold mi Yen und Franken in einen Topf?
Gold ist gegenüber in Dollar alleine in 2026 aktuell um über 19 % gestiegen.
Yen und Franken auch?
Übrigens kann man Zinsen für Gold bekommen, man muss Gold nur, wie Geld, verleihen.
Aber diese Mythos stirbt wohl nie aus.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Verwirrender Titel, Gold fällt oft kurzfristig in Krisen wegen Margin- Calls von andern Anlagen. Gold ist trotz stark steigenden Zinsen in den letzten Jahren stark gestiegen weil die geschönten Inflationszahlen noch höhere Zinsen bräuchten um Gold zu schwächen.
Der Yen wurde schon lange verprügelt und ist eher eine Währung in der Krise als eine Krisenwährung.
Der Swissi ist die letzte Krisenwährung und muss gebremst werden weil die Wirtschaft leiden würde, der Swissi muss also auf Rekordhoch gebremst werden und schwächelt keineswegs.
Bei der Langfristanlage Gold sollte man bitte nicht Tagesschwankungen mit irgendwelchen Gründen kommentieren,wenn schon, können sie es doch 5mal pro Tag machen