Asien

Goldman Sachs hat den Glauben an China verloren – und die Machthaber in Peking sind verunsichert..

Von Markus Fugmann

Chinas Führung ist erkennbar verunsichert – das zeigt schon ein Blick in die Leitmedien des Landes, die die Meinung Pekings wiedergeben. So etwa ein Artikel in der „People´s Daily“, der sich mit der von Präsident Xi Jinping gestarteten Antikorruptionskampagne beschäftigt. Diese Kampagne hat zu einer Art Hexenjagd geführt, täglich gibt es Festnahmen, die wirklich Korrupte betreffen, aber eben auch viele, die Kritik an der Finanzpolitik der KP üben – oder schlicht auf eine weitere Abwertung des Yuan spekulieren.

Nun sah sich Peking heute Nacht genötigt, diese Antikorruptionskampagne durch die People´s Daily zu verteidigen – denn offenkundig, das geht aus dem Subtext des Artikels hervor, geben viele Chinesen dieser Kampagne eine Mitschuld am Wirtschaftsabschwung im Reich der Mitte (Verhaftung von Wirtschaftsbossen und die damit verbundene Verunsicherung bei Chinas Unternehmen). Alles falsch, so der Artikel – solches Denken sei defätistisch. Vielmehr werde durch die Kampagne der Wirtschaftsaufschwung (??) substantieller, da er die negativen Elemente aussortiere.

Ebenfalls in der „People´s Daily“ die Warnung an diejenigen, die vor einem Abschwung der Wirtschaft Chinas warnen und dies mit der globalen Wirtschaftsschwäche begründen – wer direkt vor einem Abschwung Chinas warnt, lebt im Reich der Mitte sowieso extrem gefährlich, also müssen die Warner die Schwäche der Weltwirtschaft anführen für den erwarteten Abschwung in China. Wer nun auf diesen Abschwung wette, so der Tenor der Artikels in der People´s Daily, dürfte vom Markt „eliminiert“ werden. Es gebe kaum mehr Potential für einen weiteren Fall des chinesischen Aktienmarktes, weil sich die Lage der Wirtschaft durch den (13.)Fünfjahresplan für die Jahre 2016 bis 2020 Stück für Stück verbessern werde. Auch hier also: die KP hat alles im Griff, sie ist allmächtig und vorausschauend, wer gegen sie wettet, wird zerquetscht.

All das zeigt, wie verunsichert die Machthaber sind nach den jüngsten Fehlgriffen (Eingriff in den Aktienmarkt, den man später selbst als Fehler bezeichnet hatte; Aufhebung des circuit breakers nach nur wenigen Tagen etc.). Sie drohen daher den Skeptikern und den ungläubigen Spekulanten, dass der Markt sie vernichten werde. Wenn Machthaber jedoch „in sich ruhen“ und wirklich überzeugt wären, dass sie die Dinge im Griff haben, würden sie sich wohl kaum mit Drohungen behelfen müssen. Oder?

Zu diesen Skeptikern gehört auch Goldman Sachs. So hat der Goldman-Analyst David Kostin nun seinen Zweifel an den vermeintlichen Wachstumszahlen Chinas, unter Hinweis auf einen von der Bank selbst ermittelten Indikator, veröffentlicht:

„In China, the government reported 4Q GDP growth of 6.8%. However, during the same time period our China CAI (Current Activity Indicator) expanded at an average of just 4.5%, 230 bp slower than the official measure. Earlier this week our December CAI reading suggested China economic growth has decelerated to just 4.2%.“

Goldman geht also von einem Wachstum von knapp über 4% aus. Ende letzter Woche hatte Peking sich genötigt gesehen, die offiziellen Zahlen zu verteidigen. Sie seien auf der Basis internationaler Standards erhoben worden (was jedoch zweifelhaft ist – über den sogenannten Deflator hat man nämlich ein Einfallstor, um das BIP noch oben zu pimpen).

Fazit: wer zwischen den Zeilen liest – und das ist bei Diktaturen immer geboten – erkennt die absolute Verunsicherung Pekings. Die Machthaber werden sich bald entscheiden müssen, ob sie ihre Geldpolitik weiter lockern und damit den Kapitalabfluß noch weiter verstärken. Oder ob sie den Yuan weiter abwerten, um ihre Wirtschaft zu retten. Die Chancen stehen überragend, dass sich Peking für Letzteres entscheiden wird..



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