Aktien

Goldman Sachs: US-Aktien zu teuer, fordert Stopp von Aktienrückkäufen

Von Markus Fugmann

Spätestens seit Lloyd Blankfein 2009 meinte, dass Goldman Sachs das Werk Gottes verrichte, wissen wir, dass die Goldmänner für das Gute und Göttliche in der Welt stehen. Nun aber tritt scheinbar neben das Göttliche auch die Vernunft bei Goldman Sachs: die Bank warnt vor weiteren Aktienrückkäufen durch US-Unternehmen – und damit vor dem für die Anstiege der US-Indizes wichtigsten Kurstreiber an den US-Aktienmärkten.

Schon der Titel eines Statements von Goldman Sachs hat Züge, die an mosaische Gesetzestexte denken lassen: „What managements should do with their cash (M&A) and what they will do (buybacks)“.

Die bösen Erdenkinder also halten sich nicht an die göttliche Moral, sondern tanzen ums Goldene Kalb. Schlimm schlimm!

Unternehmen sollten also lieber andere Unternehmen kaufen, statt nur eigene Aktien – das macht schon einmal der Titel klar. Aber dann kommt es knüppeldick:

„U.S. equity valuations look expensive on most metrics“, so lautet einer der Kernthesen des Pamphlets. US-Aktien also zu teuer – das ist Klartext. Das KGV bei US-Aktien im S&P500 liege bei 18, und das sei insofern ambitioniert, als im September die erste Zinsanhebung zu erwarten sei, so die Goldmänner. Daher sei es nicht ratsam, auf diesen Niveaus eigene Aktien zurück zu kaufen – das lehre der Blick in die Vergangenheit: so habe 2007, also kurz vor dem Crash, die Quote von Aktienrückkäufen bei 34% aller Ausgaben der US-Firmen im S&P gelegen, 2009, als die Aktienmärkte günstig waren, nur bei 13%. Die Chefs der Unternehmen haben also laut Goldman ein ziemlich schlechtes Timing.

Und so rät Goldman den Firmenchefs: „Firms should focus on M&A rather than pursue buybacks at a time when P/E multiples are so high.“

Völlig richtig – nur stellt sich die Frage, was Übernahmen bringen, wenn die Preise für Übernahmen aufgrund der hohen Aktienkurse eben auch extrem hoch sind. Schnäppchen wird man da kaum finden, liebe Goldmänner. Aber unbestreitbar richtig ist der Verweis auf die Unsitte der Aktienrückkäufe: wir hatten schon mehrfach in zahllosen Artikeln auf den Unsinn solcher Aktienrückkäufe hingewiesen, für die US-Unternehmen seit 2009 zwei Billionen (!) Dollar ausgegeben haben. Der Gund ist einfach: das Geld wäre besser in Forschung und Innovation investiert, statt den eigenen Aktienkurs künstlich nach oben zu pushen und so nebenbei auch noch die eigenen Boni zu steigern, die sich meist am Aktienkurs orientieren.

Interessant ist, dass Goldman Sachs selbst nicht glaubt, dass ihr Ratschlag Gehör finden wird: man erwartet eine weitere Steigerung von Aktienrückkäufen durch US-Unternehmen und prognostiziert, dass die Gesamtsumme der Rückkäufe in 2015 auf 600 Milliarden Dollar steigen wird – das entspräche dann 30% aller Einnahmen der Firmen. Und so schlußfolgert Godman Sachs:

„Tactically, repurchases may lift share prices in the near term, but in our view it is a questionable use of cash at the current time when the P/E multiple of the market is so high. In our view, acquisitions – particularly in the form of stock deals – represent a more compelling strategic use of cash than buybacks given the current stretched valuation of US equities“.

Spätestens jetzt, liebe Goldmänner, sind wie völlig überzeugt, dass ihr wirklich Gottes Werk verrichtet! Denn am Anfang schuf Gott Goldman und Sachs und sah: es ist gut..



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Wer verdient denn so an M&A?

    Firmen wie Goldmann Sachs …

    Es stimmt aber schon:
    Viele Unternehmenskäufe sind unsinnig, das Geld hätte man besser in die Entwicklung des eigenen Unternehmens gesteckt. Ähnliches gilt für Aktienrückkäufe.

  2. Interessant bei der Unternehmenspolitik seit 2008 ist, daß kaum in die Produktion investiert wurde, viel Geld aus steuerlichen aber auch zum schnellen Geldmachen im Ausland belassen, in Aktien des eigenen Unternehmens oder Unternehmensankäufe gesteckt wurde.

    So u.a. erklärt sich in der Tat der Preisanstieg an den Börsen hüben und auch drüben.
    Mangelnde Investitionen in Produktivvermögen verhinderten auch den zügigen Abbau von Arbeitslosigkeit im außerprekären Bereich.

    Goldman hat ja Recht, wenn durch anhaltende Aktienrückkäufe Unternehmensverkäufe vor allem preislich behindert würden, einem der Kerngeschäfte aller (Investment-) Banker.
    Und am Ende gilt ja auch: what goes up – must come down, wie schon canned heat treffend fetsstellen konnten.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage