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Märkte

Goldman Sachs: warum Öl auf 20 Dollar fallen kann

Redaktion

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FMW-Redaktion

Goldman Sachs wieder mit einem Paukenschlag: der Ölpreis könnte auf 20 Dollar fallen – wird sich jedenfalls nich signifikant erholen in nächster Zeit (sprich bis Ende 2016).

Fracking 1
Fracking im „Bakken“-Feld im US-Bundesstaat North Dakota.
Foto: Joshua Doubek / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Zunächst sieht Goldman nicht in China, sondern in den Fundamentaldaten des Ölmarkts selbst den eigentlichen Grund für den Preisverfall:

„Oil prices have declined sharply over the past month to our $45/bbl WTI Fall forecast. While this decline was precipitated by macro concerns, it was warranted in our view by weak fundamentals. In fact, the oil market is even more oversupplied than we had expected and we now forecast this surplus to persist in 2016 on further OPEC production growth, resilient non-OPEC supply and slowing demand growth, with risks skewed to even weaker demand given China’s slowdown and its negative EM feedback loop.“

Und aufgrund des Überabgebots senkt Goldman seine Prognose für den Ölpreis erneut:

„Given our updated forecast for a more oversupplied oil market in 2016, we are lowering our oil price forecast once again. Our new 1-, 3-, 6- and 12-mo WTI oil price forecast are $38/bbl, $42/bbl, $40/bbl and $45/bbl. Our 2016 forecast is $45/bbl vs. $57/bbl previously and forwards at $51/bbl. As we continue to view US shale as the likely near-term source of supply adjustment given the short cycle nature of shale production, we forecast that US Lower 48 crude & NGL production will decline by 585 kb/d in 2016 with other non-OPEC supply down 220 kb/d to end the oversupply by 4Q16.“

Was ist derzeit das Problem der US-Shale-Unternehmen? Sie kommen kaum mehr an Kredite, müssen Zinsen für ihre Anleihen aufbringen, und gleichzeitig fällt der Ölpreis – sinken also die Einnahmen. Goldman spricht von einer „sharp intensification in producer financial stress“. Um eben diese Einnahmen aus dem Ölverkauf zumindest aufrecht zu erhalten, müssen die Fracking-Firmen ihre Produktion erhöhen.

Goldman weiter:

„This creates the risk that a slowdown in US production takes place too late or not at all, forcing oil markets to balance elsewhere or as they have historically cleared, through a collapse to production costs once the surplus breaches logistical and storage capacity. Net, while we are increasingly convinced that the market needs to see lower oil prices for longer to achieve a production cut, the source of this production decline and its forcing mechanism is growing more uncertain, raising the possibility that we may ultimately clear at a sharply lower price with cash costs around $20/bbl Brent prices, on our estimates. While such a drop would prove transient and help to immediately rebalance the supply and demand for barrels, it would likely do little for the longer-term capital imbalance in the market with only lower prices for longer rebalancing the capital markets for energy.“

Bums – also 20 Dollar, wenn es ungünstig läuft. Jedenfalls wenig Perspektive auf nachhaltig steigende Ölpreise, wenn man Goldman Sachs glaubt. Und wer täte das nicht..?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    V

    11. September 2015 15:18 at 15:18

    Hatte Goldman-Sachs in 2008 den Ölpreis weit über 200 USD gesehen? Gewissen eigenen Interessen wird die Analyse sicherlich wieder mal dienen. ;-)

  2. Avatar

    Einzahler

    11. September 2015 16:32 at 16:32

    Dann strong long all in ;-)

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Heute haben die Aktienmärke keine klare Richtung – aber es gibt einige bemerkenswerte Entwicklungen in Europa (EZB und Großbritannien) und in den USA. Und es gibt den Dollar, der heute erneut stärker wird – geht die Dollar-Stärke weiter, dann wird das für die Aktienmärkte zur Belastung werden. In den USA wiederum wird nicht nur ein neuer Stimulus vor der Wahl unwahrscheinlicher, sondern es droht Anfang Oktober sogar wieder ein government shutdown. Und: es wird immer wahrscheinlicher, dass wir erst lange nach dem Wahltag in den USA wissen, wer US-Präsident ist. Damit bleibt die Unsicherheit für die Aktienmärkte bestehen, stärkere Erholungen dürften daher eher Verkaugsgelegenheiten darstellen..

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Märkte

Warum sich der Ölpreis mittelfristig auf höheren Niveaus stabilisieren könnte

Claudio Kummerfeld

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Öl-Bohrturm in den USA

Was in diesem Artikel besprochen wird, ist ein Szenario, das so eintreffen kann, aber nicht muss. Denn die Erfahrungen der letzten Jahren zeigen, dass der Ölmarkt nicht berechenbar ist wie ein Schweizer Uhrwerk. Es gibt viele Variablen, und externe Faktoren (wie ein Coronavirus) können den ganzen Markt in Windeseile umkrempeln. Aber zur Sache. Es ist durchaus möglich, dass sich der Ölpreis auf mittlere Sicht (die nächsten Monate) auf höheren Niveaus stabilisieren könnte. Die OPEC und die Fracking-Industrie in den USA spielen dabei eine Rolle.

Öl-Crash

Betrachten wir den Chart am Ende des Artikels. Er zeigt den Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten zwölf Monaten. Im großen Crash im April gab es sogar deftige negative Preise am Terminmarkt für Öl, weil ein dramatisches Überangebot Öl kurzzeitig wertlos machte. Die Lager waren quasi voll, sogar Öltanker auf See wurden als Lager genutzt. Niemand wusste mehr wohin mit neu gefördertem Öl, und niemand wollte noch kaufen. Und so sackte der Ölpreis in den Negativbereich. Im Chart reicht die Skala nur bis 0. Ab Mai konnte sich der Markt wieder erholen. Der Ölpreis stieg bis jetzt wieder auf knapp 40 Dollar, wo er im Januar noch deutlich über 60 Dollar notierte.

Die Coronakrise hatte ab Februar die globale Öl-Nachfrage dramatisch einbrechen lassen, und nun erholt sie sich wieder von Monat zu Monat. Gut, momentan sorgen verschärfte Restriktionen kreuz und quer über den Planeten für immer mehr Unsicherheit, dass die zweite Welle des Coronavirus für einen erneuten wirtschaftlichen Einbruch sorgt. Dies könnte den Ölpreis auch kurzfristig schwächen. Aber hier und jetzt wollen wir schauen, ob auf Sicht mehrerer Monate nicht doch ein stabiler höherer Ölpreis möglich ist.

Ölpreis-Erholung und Stabilisierung denkbar

Zwei mögliche Gründe dafür sind zu identifizieren. Erstens wäre da die OPEC zu nennen. Das Kartell bemüht sich vor allem dank der Anstrengungen der Saudis darum, dass wirklich alle Mitglieder der großen Fördermengenkürzung (OPEC + externe Partner) sich auch an ihre Zusagen halten, und wirklich die vereinbarten Mengen kürzen. Erst in den letzten Tagen wurde wieder darauf bestanden, dass Länder wie der Irak noch nicht gekürzte Mengen nachholen. Von Seiten der OPEC wird derzeit eine Verknappung des Angebots aufrecht erhalten, was dem Ölpreis gut tun sollte.

Fracking geht den Bach runter

Interessanter und nicht so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit ist aber das Debakel rund um die Fracking-Firmen in den USA. Womit wir schon beim zweiten möglichen Grund angekommen wären, warum der Ölpreis steigen könnte. Die unausgesprochene Beziehung zwischen OPEC (vor allem die Saudis) und den zahlreichen kleinen und großen privaten Fracking-Firmen in den USA ist sehr interessant. Schon ab dem Jahr 2014 gab es einen Öl-Krieg zwischen den beiden. Die Fracker fuhren ihre Fördermengen immer weiter hoch, was natürlich als Angriff auf die Marktanteile der OPEC zu verstehen war.

Aber damals konnten die Fracker diesen „Krieg“ überleben. Ein extrem niedriger Ölpreis wurde von vielen Unternehmen mit Krediten überbrückt, und die Branche als Ganzes konnte durchhalten. Und so wurde in den Folgejahren die in den USA geförderte Öl-Menge immer weiter hochgefahren. Dann Anfang März 2020 entfachten die Saudis einen zweiten Öl-Krieg gegen die Fracker und Russland. Man flutete den Markt mit zusätzlichen Barrels um den Ölpreis runterzudrücken. Fast gleichzeitig entfaltete sich die Coronakrise, und der Ölpreis crashte brutal in den Keller.

Da Fracking eine sehr aufwendige und teure Methode ist um Öl aus dem Boden zu holen (hier eine Erklärung), stand die Branche in den USA im Frühjahr vor einem viel schlimmeren Problem als noch im Jahr 2014 und 2015, wo der Ölpreis „nur“ von über 100 auf 40 Dollar gefallen war. Durch den Ölpreis-Kollaps im Jahr 2020 wurde nämlich die Fracking-Förderung zum Verlustgeschäft. Und es ist kein Geheimnis, dass die Branche sich über Kredite und Anleihen finanziert – die natürlich zurückgezahlt werden sollen.

Pleitewelle

Tja, und dieses Mal konnte man in der Fracking-Branche nicht mehr anders. Die Pleitewelle begann. Dutzende Unternehmen aus der Branche haben in den letzten Monaten Insolvenz angemeldet. Laut oilprice.com sind alleine im ersten Halbjahr Forderungen gegen 23 insolvente Fracking-Unternehmen in den USA im Volumen von 30,6 Milliarden Dollar betroffen gewesen. Es traf unter anderem große Namen wie Whiting Petroleum im April oder Chesapeake Energy im Juni.

Und dann vor wenigen Tagen kam der Knaller. Der weltweite Gigant, die Nummer 1 der Öl-Ausrüster Schlumberger, gab bekannt sich aus dem Fracking-Geschäft für Nordamerika zu verabschieden. Man verkauft das Geschäft an die Firma Liberty Oilfield Services. Das Fracking-Geschäft ist für Schlumberger wohl unattraktiv geworden. Und dieser Verkauf kann auch als Symbol angesehen werden, wie schlecht es der Fracking-Branche in den USA offensichtlich geht.

Sinkende Fördermenge

Die Öl-Fördermenge in den USA können wir im folgenden Chart im Verlauf der letzten zehn Jahre sehen. Von gut 13 Millionen Barrels pro Tag kam sie jüngst zurück auf 10, und lag im August wohl bei 10,8 Millionen Barrels pro Tag. Im Chart sieht man gut, wie sich die Fördermenge im Lauf der Jahre mehr als verdoppelte. Dies machte den Ölpreis stark anfällig für Abstürze. Denn wo die Angebotsmenge immer weiter ansteigt, und die Nachfragemenge nicht im selben Tempo wächst, kann der Preis fallen. Aufgrund der aktuellen Situation kommt die Fördermenge in den USA zurück.


source: tradingeconomics.com

Haben Fracker gelernt? Steigender Ölpreis?

Die Frage lautet: Hat die Fracking-Branche in den USA dieses Mal gelernt, dass zügelloses Wachstum bei der Fördermenge den Ölpreis kaputt macht, und dass man sich damit irgendwann auch das eigene Grab schaufelt? Zumal man dann noch die OPEC gegen sich aufbringt, die wie mit ihrer Aktion Anfang März den Ölpreis zum Absturz bringen kann! Erholt sich die Fracking-Industrie in den USA diesmal nicht, könnte die Fördermenge in den USA sich auf niedrigeren Niveaus bewegen. Weniger Angebot bedeutet eine bessere Chance auf einen höheren Ölpreis. Aber das Risiko bleibt – die Fracker sind private Unternehmen, die alle einzeln wieder neu starten könnten mit dem Versuch bei einem höheren Ölpreis wieder dabei zu sein mit mehr Fördermenge. Dann könnte das Spiel von Überproduktion und fallendem Ölpreis von vorne beginnen.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten zwölf Monaten

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Aktien

Markus Koch im Interview mit Dr. Jens Ehrhardt – Markt war überkauft

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Markus Koch spricht im folgenden aktuellen Interview mit Dr. Jens Ehrhardt über die aktuelle Börsenlage. Dr. Ehrhardt ist der Meinung, dass die Börse zuletzt überkauft war, und dass die Kurse deswegen gerade zurückkommen. Das Thema Optionen spielt dabei eine wichtige Rolle. Angesprochen werden im Interview technische wie auch fundamentale Faktoren.

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