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Gold/Silber

Goldpreis bleibt im Schatten von Palladium

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Gold Barren

Die größten Steigerungsraten in der seit 2016 laufenden Edelmetall-Hausse konnte nicht der Goldpreis, sondern der Palladiumpreis verzeichnen. Zwei Faktoren sind dafür hauptverantwortlich.

Palladiumpreis profitiert im Gegensatz zum Goldpreis vom hohen Angebotsdefizit

Aufgrund seiner Eigenschaften wird das Metall aus der Platingruppe hauptsächlich in der chemischen Industrie und in der Automobilindustrie als Katalysator eingesetzt. Bei Fahrzeugen mit Otto-Motoren ist Palladium wichtiger Bestandteil des Drei-Wege-Katalysators (TWC) zur Reinigung der Abgase. Allein für die Beschichtung des aus Keramik bestehenden Kerns des Katalysators werden in diesem Jahr gemäß dem PGM Market Report von Johnson Matthey schätzungsweise 9,5 Millionen Unzen (31,1 Gramm) Palladium verbraucht, nach 8,72 Mio. Unzen im Vorjahr. Damit absorbiert die Automobilindustrie 91,7 Prozent des jährlichen Gesamtangebots (inkl. Recycling).

Neben den katalytischen Eigenschaften verfügt das Metall über weitere für die industrielle Verwertung nützliche Eigenschaften: hohe Leitfähigkeit, hohe Verformbarkeit (Duktilität), starke Korrosionsbeständigkeit sowie einen hohen Schmelzpunkt. Die industrielle Nachfrage außerhalb der Fahrzeugfertigung beläuft sich daher auf immerhin 1,8 Mio. Unzen. Die Schmucknachfrage ist mit lediglich 156.000 Unzen eher vernachlässigbar. Insgesamt fragen die Verarbeiter in diesem Jahr ca. 800.000 Unzen mehr nach, als die Produzenten am Weltmarkt anbieten.

Massive Outperformance

Aktuell ist der Palladiumpreis 275 US-Dollar teuer als Gold – ein historisch betrachtet seltenes Phänomen.
Ein wesentlicher Grund für die starke Outperformance gegenüber Platin, Silber und Gold rührt aus dem Angebotsdefizit bei Palladium. Als seltenes Edelmetall gibt es weltweit nur sehr wenige Palladium produzierende Regionen und nur wenige bekannte wirtschaftlich ausbeutbare Erzkörper.

Das Wachstum des Minenangebots ist begrenzt. Hauptursachen dafür sind die politische Unsicherheit in den Produktionsländern, Infrastruktur- und Kostenprobleme in Südafrika (hohes Streikrisiko), das Angebotsmanagement Russlands und die geringe Anzahl an Explorationsprojekten zur Sicherstellung zukünftiger Fördermengen. Anders als Platin, das hauptsächlich in Dieselkatalysatoren Anwendung findet, profitierte Palladium im Zuge der weltweiten Dieselfahrzeugkrise zudem von dem Umschwenken der Kunden auf Benzin-Antriebe. Darüber hinaus stieg die Nachfrage durch strengere Abgasnormen in Westeuropa, den USA und China zusätzlich an. Seit Anfang des Jahres konnte der Preis des weißen Edelmetalls in US-Dollar um 40 Prozent zulegen, während der Goldpreis in US-Dollar im gleichen Zeitraum nur auf eine Wertentwicklung von 14 Prozent kommt.

Goldpreis vs Palladium Chart

Der Russland-Faktor

Ein wesentlicher Grund für die deutlich stärkere Entwicklung des Palladiums im Vergleich zum Goldpreis ist neben der hohen Nachfrage aus der Automobilbranche das Angebotsmanagement des mit 40 Prozent Weltmarktanteil größten Palladiumproduzenten der Welt: Russland. Das flächenmäßig größte Land der Welt mit den größten Rohstoffreichtümern leidet unter den Wirtschaftssanktionen des Westens im Zuge der Ukraine-Krise und der Annexion der Krim. Um eine wirtschaftliche Kompensation für die durch die Sanktionen entstandenen ökonomischen Schäden zu erlangen, halten die Russen die Angebotsmenge an Palladium trotz steigender Nachfrage stabil und verursachen somit ein künstliches Angebotsdefizit, dass die Preise explodieren lässt. Bisher geht die Rechnung jedenfalls auf.

Palladium Produktion Chart

Das größte Risiko

Das mit Abstand größte Risiko ist die Zugehörigkeit des Palladiums – es ist das leichteste Metall der Platingruppe. Die chemische Ähnlichkeit mit dem aktuell knapp halb so teuren Platin ist mittelfristig eine echte Gefahr für die Nachfrage aus der Automobilindustrie. Platin ist momentan gegenüber Palladium so günstig wie seit 25 Jahren nicht mehr und dies birgt das Risiko der Substitution. Genau wie Palladium lässt sich auch das deutlich günstigere Platin zur Reinigung von Abgasen von Otto-Motoren einsetzen, auch wenn Platin nicht ganz so reaktionsfreudig ist. Die Umstellung von Platin auf Palladium erfolgte jedoch schon einmal aus Kostengründen. Als Platin am 3. März 2008 fast vier Mal so teuer war wie Palladium, lohnte sich die Umstellung der Produktion auf Palladium-Katalysatoren.

Ein Trend, der sich bei anhaltend günstigem Preisverhältnis auch wieder umkehren kann, auch, wenn dies aus produktionstechnischen Gründen kurzfristig nicht möglich ist. Daher dürfte die jetzt hohe Nachfrage nach Palladium für Automobilkatalysatoren noch einige Zeit anhalten und das Angebotsdefizit aufrechterhalten. Perspektivisch ergibt sich aus dem Preisverhältnis bei den PGM-Metalle jedoch ganz klar ein Risiko für die Palladiumnachfrage und vice versa eine Chance für die Renaissance des Platins in der Automobilindustrie. Übergeordnet bleibt aber auch der Trend zur E-Mobilität ein Risiko für die hauptsächlich in Abgaskatalysatoren zum Einsatz kommenden PGM-Metalle.

Fazit

Die Rallye und starke Outperfomance des Palladiums gegenüber dem Goldpreis erklärt sich hauptsächlich aus seiner industriellen Verwertung und dem auch aus der Angebotspolitik Russlands resultierenden Angebotsdefizit. Russland kontrolliert 40 Prozent der Fördermenge weltweit. Die industrielle Bedeutung des Goldpreises ist dagegen bescheiden und im 3. Quartal 2019 gab es sogar einen leichten Angebotsüberhang beim Gold in Höhe von 114,4 Tonnen. Mittelfristig scheint jedoch Platin als Substitutionsmetall mehr Potenzial zu versprechen als das in absoluten Zahlen und auch relativ historisch teure Edelmetall Palladium.

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Gold/Silber

Goldpreis steigt – nicht zu früh freuen – ETF erst Segen und jetzt Fluch?

Claudio Kummerfeld

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am

Ein Barren Gold
Der Goldpreis ist seit dem 9. November bis gestern dramatisch gefallen, nämlich von 1.960 bis auf 1.765 Dollar. Also fast 200 Dollar Verlust in gerade mal drei Wochen. Es ist zeitlich sehr gut in Zusammenhang zu bringen. Der Absturz begann und setzte sich fort, als die letzten Wochen verschiedene Pharmaunternehmen ihre Corona-Impfstoff-Meldungen veröffentlichten. Dies schürte zügig die Hoffnung auf eine schnelle konjunkturelle Erholung, und pushte die Euphorie an den Aktienmärkten.

Der Risikohunger der Anleger stieg seit Wochen an (Risk On Trade), und Gold wurde weniger attraktiv. Und so verlor der Goldpreis immer weiter. Und jetzt seit gestern Abend legt Gold ein klein wenig zu. Nach 195 Dollar Verlust in 3 Wochen kann das Edelmetall von 1.780 Dollar heute Nacht bis auf aktuell 1.792 Dollar zulegen. Dies kann man kurzfristig als technische Reaktion eines überverkauften Marktes ansehen. Vielleicht müssten im Sinne der Bullen Niveaus von 1.820 Dollar überschritten werden, um im Chartbild die Verlaufhochs der letzten Woche zu überlaufen? Für eine echte Euphorie bei den Gold-Bullen scheint es noch verfrüht zu sein.

ETF erst Segen und jetzt Fluch für den Goldpreis?

Die ETFs (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) sind Fluch und Segen zugleich. Seit Jahren investieren Profis und Privatanleger weltweit immer gigantischere Summen in ETF auf alle möglichen Produkte, so auch Gold. So beeinflussen die Geldströme in und aus den ETF auch immer stärker den Goldpreis. Der November war für Gold laut aktueller Aussage der Commerzbank ein denkbar schlechter Monat. Mit einem Minus von 5,4 Prozent verzeichnete Gold die schlechteste Preisentwicklung seit November 2016. Dies ging einher mit einer regelrechten Verkaufswelle bei den Gold-ETFs.

Deren Bestände seien um fast 100 Tonnen gefallen, was der erste Monatsabfluss seit einem Jahr und der stärkste seit fast vier Jahren war. Dabei gab es zuletzt an 14 von 16 Handelstagen Abflüsse. Gestern seien erneut 12 Tonnen an Abflüssen hinzu gekommen. Die ETF-Anleger haben sich somit zu einem Belastungsfaktor für den Goldpreis entwickelt, nachdem ihre Käufe den Preis zwischen April und August nach oben getrieben hatten. Dabei dürfte sicher eine Rolle spielen, dass unter den ETF-Anlegern in diesem Jahr ungewöhnlich viele kurzfristig orientierte Anleger sind, die sich zuvor am Terminmarkt engagiert hatten, so die Commerzbank.

Negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar

Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten zwölf Monate den Goldpreis in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Während der gesamten Coronakrise gab es eine klare negative Korrelation. Der US-Dollar stieg, der Goldpreis fiel – und umgekehrt. Nur die letzten Tage sieht man, wie der Goldpreis fällt, während der US-Dollar fällt. Dabei müsste Gold jetzt eigentlich ansteigen. Diese Thematik hatten wir gestern auch schon mit dem hochinteressanten Kommentar des Experten Carsten Fritsch besprochen (hier nachzulesen). Nicht mal der fallende US-Dollar könne Gold derzeit helfen, so seine Headline-Aussage.
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Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar seit einem Jahr

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Blick auf Indizes, und bei Gold ganz genau hingucken!

Rüdiger Born

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Im folgenden Video blicke ich direkt am Chart auf die aktuellen Bewegungen in den Indizes. Und bei Gold, da sollte man derzeit ganz genau hinschauen. Vorsicht, die Goldpreis kann noch weiter abrutschen.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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