Gold

Gold doppelt unter Druck Goldpreis bricht ein: Warum der Ölpreissprung Gold belastet

Goldpreis fällt nach Ölpreis-Anstieg
Goldbarren. Fotograf: Damian Lemanski/Bloomberg

Die wichtigsten Eckpunkte

  • Der Goldpreis bricht ein, während der Ölpreis steigt und Inflationserwartungen anheizt.
  • Unsicherheiten im Konflikt zwischen den USA und dem Iran halten den Ölmarkt angespannt.
  • Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen steigen, was den Goldpreis zusätzlich belastet.
  • Der Goldpreis scheiterte am Widerstand durch gleitende Durchschnitte und fiel zeitweise auf 4.140 Dollar.
  • Zwei wichtige US-Daten könnten die Zinserwartungen beeinflussen und den Goldpreis weiter unter Druck setzen.

Der Goldpreis bricht erneut ein, nachdem der Ölpreis zum Wochenauftakt kräftig gestiegen ist. Die jüngsten Gespräche zwischen den USA und dem Iran brachten keine Lösung für die Krise um die Straße von Hormus. Teures Öl schürt damit die Sorge vor anhaltender Inflation und weiteren Zinserhöhungen der Fed. Zugleich steigen die Renditen von US-Staatsanleihen. Für Gold und Silber wächst der Druck – und zwei wichtige US-Daten könnten ihn in dieser Woche noch verstärken.

Ölpreisanstieg drückt den Goldpreis

Der Streit zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus hält die Unsicherheit am Ölmarkt hoch. Fortschritte bei der Öffnung der wichtigen Schifffahrtsroute sind bislang ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund stieg Brent-Öl am Montag um 4 Prozent auf über 108 Dollar je Barrel. Steigende Energiekosten schüren wiederum die Sorge, dass der Preisdruck in den USA länger anhält. Das erschwert der Fed eine Zinspause.

Am Anleihemarkt ist diese Sorge deutlich zu spüren, während sich die Aktienmärkte weiterhin stabil halten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Montag zeitweise auf 5,22 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Zugleich legte der Dollar zu. Beides belastet Gold: Das Edelmetall wirft keine laufenden Zinsen ab und wird für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer.

„Gold reagiert weiterhin sehr empfindlich auf den Ölpreis und auf veränderte Erwartungen hinsichtlich einer möglichen Lösung im Nahen Osten“, sagte Justin Lin, Analyst bei Global X ETFs, laut Bloomberg. „Zugleich orientieren sich die Verkäufer vor allem an den Realrenditen, die weiter gestiegen sind.“ Gemeint sind die um die Inflation bereinigten Renditen. Steigen sie, wachsen die Kosten dafür, Gold anstelle verzinslicher Anlagen zu halten.

Auch US-Finanzminister Scott Bessent äußerte sich am Wochenende zu möglichen weiteren Zinsschritten. Die geldpolitischen Entscheidungsträger sollten bei den Zinsen „offen bleiben“, sagte er. Nach der ersten Zinserhöhung der Fed seit 2023 richtet sich der Blick bereits auf ihre nächste Sitzung am 27. und 28. Oktober. An den Zinsmärkten wird eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent eingepreist.

Gold scheitert an gleitenden Durchschnitten

Der jüngste Rückschlag zeichnet sich auch im Chart ab. Die Erholung des Goldpreises endete am Freitag nahezu punktgenau an zwei wichtigen gleitenden Durchschnitten: Die 50-Tage-Linie verläuft derzeit bei etwa 4.312 Dollar, die 100-Tage-Linie bei 4.313 Dollar. Der Versuch, diese Hürde zu überwinden, scheiterte. Von dort aus beschleunigte sich der Rückgang am Montag bis auf zeitweise 4.140 Dollar.

Auch Silber steht unter Druck und fiel zeitweise auf 60,91 Dollar. Beide Edelmetalle haben damit wichtige charttechnische Zonen unterschritten. Für Gold rückt nun zunächst die Marke von 4.000 Dollar in den Blick, darunter folgen die jüngsten Verlaufstiefs zwischen 3.960 und 3.942 Dollar. Spätestens dort müssten die Käufer gegenhalten. Fällt auch diese Zone, entstünde ein neues Verlaufstief – und der seit dem Zwischenhoch vom 25. August laufende Abwärtstrend wäre bestätigt.

Goldpreis fällt wegen Inflationsdruck unter wichtige charttechnische Marke.

Zwei Daten vor der Fed-Sitzung

Am Mittwoch veröffentlicht das US-Wirtschaftsministerium die PCE-Preisdaten für August, am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht für September. Der PCE-Index ist für die Fed ein besonders wichtiger Inflationsmaßstab und hat damit Einfluss auf die kommende Zinsentscheidung.

Fallen die Preisdaten höher aus als erwartet und zeigt sich der Arbeitsmarkt weiter robust, könnte eine erneute Zinserhöhung im Oktober wahrscheinlicher werden. Das würde Renditen und Dollar tendenziell stützen und den Goldpreis weiter unter Druck setzen. Schwächere Daten könnten dagegen die Zinssorgen dämpfen. Für Gold entscheidet sich in dieser Woche daher, ob der Fall unter die gleitenden Durchschnitte zum nächsten Abwärtsschub wird – oder ob die Käufer zurückkehren.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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10 Kommentare

  1. Schon großartig, Kriege Iran/Ukraine/Israel, ein Präsident, der durchdreht, eine Energiekrise, die sich gewaschen hat, Inflationserwartung bei den Sternen…und Gold fällt.
    Tolle Versicherung.

  2. Colombo,
    Sie scheinen vergesslich. Daher erneut für Sie ein Zitat zur Manipulation des Goldpreises durch die Zentralbanken:

    „Wir haben in den Abgrund geschaut, ob der Goldpreis weiter steigt. Ein weiterer Anstieg hätte ein oder mehrere Handelshäuser zu Fall gebracht, die in ihrem Gefolge möglicherweise alle anderen zu Fall gebracht hätten. Daher mussten die Zentralbanken um jeden Preis und um jeden Preis den Goldpreis dämpfen, ihn verwalten. Es war sehr schwer, den Goldpreis in den Griff zu bekommen, aber jetzt ist es uns gelungen. Die US-Notenbank war sehr aktiv, um den Goldpreis zu senken. Großbritannien auch.“

    – Eddie George, Ehem. Gouverneur der Bank of England, 1999 –

    Colombo, bitte liefern Sie Gegenbeweise.

  3. Historisch betrachtet war es das wieder einmal. Wie 2011, Hochpunkt. Dann runter. Eine kleine Erholung zum Aussteigen um dann in eine Trance zu fallen. Diesmal könnte der Abstand der Erholung kürzer ausfallen. Damals ging die Erholung um 2018,19 los. Kurse von 2800 Dollar könnten eintreten. Was sagten uns die Charts? Zu schnell zu hoch. Der Ausgleich kam und siegte.

  4. Wenn der Goldpreis sich seit dem Jahre 2000 (wie der DAX) bis heute fast vervierfacht hätte, und heute etwa 1.000 Euro kosten würde, dann hätte Gold die Inflation ausgeglichen und wie der DAX mäßigen Kapitalertrag generiert.
    Einschließlich Dividenden.
    Wenn Gold heute bei 2.000 Euro stehen würde, dann hätte Gold seit dem Jahre 2000 etwa 8 % jährlichen steuerfreien Kapitalertrag gehabt.
    Gold hat aber aktuell, geglättet, seit dem Jahre 2000, pro Jahr 10,3 % Kapitalertrag gehabt.
    Columbo, geht es noch besser?
    Du hast zwar hier rumposaunt, dass breitgestreute Investments über Jahrzehnte mehr Kapitalertrag bringen alsGold. Was natürlich wieder nur Gelaber von Dir war, denn den Beweis bis Du bis heute, trotz meiner mehrfacher Nachfrage, schuldig geblieben.
    Gold ist auch keine Versicherung, denn für eine Versicherung muss man Beiträge zahlen.
    Bei einer Versicherung bekommt man auch seine Beiträge nicht wieder zurück.
    Eine Versicherung hat auch noch ein Drittparteienrisiko.
    Physisches Gold ist eine Anlageform, die seit tausenden von Jahren wertbeständig war.
    Hat mal eine Inflation im Goldpreis stattgefunden, dann wurde sie immer wieder durch eine nachlaufende Deflation ausgeglichen.
    Selbst bei einem Goldverbot, wie in den USA 1933, sind vorher die Aktien den Bach abgegangen.
    Danach haben die Goldbesitzer aber keine Verluste, denn die Regierung hat den damaligen Kurs des Goldes in Dollars erstattet.
    Die Aktionäre war zum überwiegenden Teil pleite.
    Aber kein Besitzer von physischem Gold.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  5. @Franz O.

    Verluste sind Verluste, egal ob eine Notenbank oder der Heilige Geist manipuliert haben oder nicht.

    1. Verluste treten doch nur dann ein, wenn man unter Einstiegspreis verkauft, bis dahin bleibt Gold in Gramm und rostet nicht. Papier aber vergammelt, durch Inflation oder durch Ungeziefer, oder wenn es ganz schlimm läuft durch Währungsumstellung. Staatsbankrotte sind ziemlich häufig, in Argentinien habe ich 3 davon erlebt, und der € ist auch nicht mehr das, was er mal war.

  6. Gold- und Silberkurse fallen wieder mal dramatisch. Seit Februar geht’s stetig nach unten. Wahrscheinlich die schlechteste Anlage in diesem Jahr. Die Naiven haben wohl ganz genau den Hochpunkt erwischt. Ich erinnere mich noch an die Euphorie hier im Forum. Brutal.

    1. ? Lesen sie auch mal Daten nach? YOY beide sehr gut im plus, jetzt ist eben mal Kaufzeit. In den Hochphasen verlieren die Leute immer die Nerven und kaufen, das gilt für alles.

  7. „…Papier aber vergammelt,..“

    Gold kann gestohlen, enteignet, verboten werden.

  8. „…bis dahin bleibt Gold in Gramm und rostet nicht…“

    Aktien rosten, soweit mir bekannt, eigentlich auch nicht🤭.

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