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Gold/Silber

Goldpreis: Das Missverständnis der Märkte

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Natürlich haben die Märkte immer recht – bis sie ihren Irrtum in Sachen Goldpreis bemerken. Noch hält die Korrektur nach den fulminanten Anstiegen aus dem Sommer an. Dafür gibt es gute Gründe und ein paar Missverständnisse.

Goldpreis: Gute Gründe für eine Korrektur

Nach wie vor kämpft der Goldpreis mit der Marke von 1.500 US-Dollar, während er in anderen Währungen wie dem Yuan oder der Indischen Rupie bereits Allzeithöchststände erreicht hat. In Euro liegt der Goldpreis mit aktuell 1.363 EUR/Unze nur ganz knapp darunter.

Goldpreis in USD vs Goldpreis in Euro

In den Schwellenländern wie Indien und China sind die Goldkäufer sehr preisbewusst. So wundert es nicht, dass die Händler auf der Shenzhen Jewellery Fair 2019 über eine schwache Schmucknachfrage im ersten Halbjahr berichten. Das Gleiche gilt für die Einzelhandelsnachfrage in Indien, die im Juni, Juli und August aufgrund der hohen Preise rückläufig war. Die Schmucknachfrage macht aktuell knapp 50 Prozent der weltweiten Gesamtnachfrage aus:

Nachfrage nach Gold

Investmentnachfrage ist zukünftig Trendentscheidend

Ganz anders stellt sich das Bild bei der Investmentnachfrage dar: Die bei institutionellen Großanlegern und immer mehr Privatinvestoren beliebten physisch gedeckten Gold-ETF erfreuen sich wieder zunehmender Nachfrage, gerade wegen der steigenden Preise. Auch aus diesem Grund sind die Mittelzuflüsse in die ETF der entscheidende Trigger für die mittelfristige Fortsetzung der Anstiege beim Goldpreis, trotz tendenziell abnehmender Schmucknachfrage.

Gold ETF Flows

Gold versus US-Dollar ist das Problem

Solange das Vertrauen in die US-Wirtschaft und den US-Dollar noch relativ hoch sind, und der Dollar-Zins herausragt wie ein Leuchtturm im internationalen Nullzins-Meer, wird Gold seine Rallye mit angezogener Handbremse weiterfahren.

Goldpreis in US-Dollar

Doch genau hier liegt das große Missverständnis der Märkte: Ohne die bisherigen Zinssenkungen in den USA gäbe es auch keine positiven Konjunkturdaten, wie z. B. vom US-Hypotheken- oder Häusermarkt. Auch die Zinslast für die US-Zombieunternehmen (BBB-Kreditbombe) wäre unhaltbar. Die Tatsache, dass Fed-Chef Jerome Powell weitere Zinssenkungen zunächst ausschließt und aktuelle Konjunkturdaten abwarten will, hängt einzig und allein mit der zur Schau Stellung der Unabhängigkeit der Fed von US-Präsidenten Trump zusammen.

Ohne weiter sinkende Zinsen und die Wiedereinführung des Gelddruckens (wie aktuell in Ansetzen schon geschehen) kann die durch massiven Schuldenstimulus getragene US-Wirtschaft nicht weiter expandieren. Das weiss natürlich auch Jerome Powell, genauso wie der US-Präsident. Lediglich die Masse der Marktteilnehmer träumt immer noch von selbsttragenden Elementen im einzig und allein durch Schuldenexpansion erreichten US-Wachstum. Die US-Wirtschaftsmedien kommen diesbezüglich ihrer patriotischen Pflicht zur Verbreitung von Jubelmeldungen vorbildlich nach. Die Berichterstattung von CNBC und Co. als tendenziös zu bezeichnen, wäre noch diplomatisch formuliert. Doch auch wenn die Realität in den USA nach wie vor durch temporär gute Konjunkturdaten und permanent optimistische US-Medien verzerrt wahrgenommen wird, ist der Weg des US-Zinses und damit des US-Dollars mittelfristig vorgezeichnet.

Gold und die US-Zinsen

Sobald der Dollar-Zins analog zu den Zinsen aller übrigen Hauptwährungen unweigerlich auf null gefallen ist, werden auch die Höchststände im Goldpreis in US-Dollar wieder erreicht und überboten werden.

Goldpreis vs Rendite Anleihen

Die Schrumpfung des Zinsabstandes zu den Haupthandelspartnerwährungen wird in Kombination mit der sich auflösenden Wachstumsillusion in den USA nebst Schuldenexplosion zu einer Neubewertung des US-Dollars gegenüber Gold führen.

Fazit

Anders als der milliardenschwere Hedge-Fondsmanager Ray Dalio sehen viele US-Investoren noch keine Notwendigkeit, Gold zu kaufen und fühlen sich mit jeder positiven Nachricht zu einzelnen US-Konjunkturdaten oder bezüglich des Handelskriegs in dieser Auffassung bestätigt. Auch die zögerliche Haltung der US-Notenbank erzeugt die Illusion, dass doch eigentlich alles wieder in Ordnung wäre. Aber das sind nur Intermezzi und irreführende Verbalakrobatik. Der weltweite Megatrend zur Überschuldung wird auch in den USA zu Nullzinspolitik und explodierenden QE-Programmen führen. Diese Erkenntnis greift in den USA erst langsam um sich – aber stetig. Das bedeutet aber auch, dass der Goldpreis die größten Anstiege versus US-Dollar noch vor sich hat.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    27. September 2019 21:32 at 21:32

    @Hannes Zipfel
    Freut mich, daß Sie sich ein wenig um das ungeliebte, bisher etwas vernachlässigte Edelmetall kümmern👍.
    Noch interessiert es die Wenigsten, aber wenn dann auf den Titelbildern die Goldbarren zu sehen sind, werden sie alle kaufen. Wir hoffentlich verkaufen!

  2. Pingback: Goldpreis: Das Missverständnis an den Märkten - finanzmarktwelt.de - Counternet News

  3. Avatar

    Hesterberg

    29. September 2019 01:09 at 01:09

    @Hannes Zipfel
    Sie schließen eine große Lücke bei FMW. Endlich bekommt hier Gold mit Ihren fachkundigen Informationen die Aufmerksamkeit, die es schon lange verdient hatte. Vielen Dank! Ich bin überzeugt davon, dass sich der Goldpreis bald verdoppeln und der Silberpreis bald verdreifachen wird.

    • Avatar

      Columbo

      29. September 2019 10:33 at 10:33

      @Hesterberg
      Bei aller Liebe zum Metall, sollte sich der Goldpreis verdoppeln, hätten wir sehr wahrscheinlich ein Problem, eines von der besonders unangenehmen Art. Man hätte vermutlich nicht viel Zeit, sich zu freuen.
      Als der Goldpreis damals auf fast 2000$ stieg, glänzte das Metall zwar besonders stark, aber ein gutes Gefühl hatte man nicht. Seit 5000 Jahren wird Gold mit Reichtum, aber auch mit Unglück verbunden. Nicht ganz zu Unrecht.

      • Avatar

        Hesterberg

        30. September 2019 02:20 at 02:20

        @Columbo
        Noch nie hatte ich davon gehört oder gelesen, Gold wäre mit Unglück verbunden. Warum die Verdoppelung des Goldpreises ein ganz besonders unangenehmes Problem verursachen würde, erklären Sie leider nicht. Und ebenfalls erklären Sie auch nicht, warum der Goldpreisanstieg insbesondere für Goldbesitzer kein gute Gefühl hinterließ. Aber es bleibt Ihnen ja unbenommen, an der Seitenauslinie zu stehen, während sich Goldbesitzer zusehends ihrer Wertsteigerungen erfreuen.

        • Avatar

          Lausi

          30. September 2019 09:54 at 09:54

          @Hesterberg: Ich denke, @Columbo meint, dass ein steigender Goldpreis wahrscheinlich auch Ausdruck einer sich zuspitzenden wirtschaftlichen und finanziellen Krise ist. Nach dem Motto: Wenn Gold stark steigt, dann ist irgendetwas faul im Laden. Keine rosigen Aussichten für Wirtschaft und Finanzen.

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    Quintus

    30. September 2019 07:10 at 07:10

    @Hesterberg
    Was Columbo Ihnen damit sagen möchte: sollte sich der Goldpreis verdoppeln stecken wir in tiefsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten und oder stecken obendrein inmitten einer Inflation. Dr. Markus Krall erläutert dies ausführlich in seinen Vorträgen.
    Dem Gold hängt kein Unheil an, es ist ein Indikator für sich anbahnendes Unheil…..

    Herr Hannes Zipfels Beiträge sind eine echte Bereicherung für FMW, auch wenn es mittlerweile genügend Mahner gibt. Leider überwiegen da draußen aber noch die Ahnungslosen und die gilt es aufzuwecken.
    Mit freundlichen Grüßen
    Quintus

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Gold/Silber

Warum der Goldpreis erneut abheben wird

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Mehrere Barren Gold

Eine V-förmige Erholung der Weltwirtschaft bis zum Jahresultimo ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist ein erneuter Einbruch im Herbst und Winter. Dies gilt auch für die USA. Die aktuelle US-Dollarstärke ist daher von temporärer Natur. Die Geld- und Fiskalpolitiker werden zu weiteren desperaten Maßnahmen gezwungen. Der Goldpreis wird dadurch neue Impulse erhalten.

Steht der Goldpreis vor einer Wiederholung des März-Musters?

Aktuell steht der Goldpreis wegen einer Mischung aus Gewinnmitnahmen, US-Dollarstärke und dem Glauben an eine weitere Erholung der Wirtschaft, v. a. in den USA, unter Druck. Rein charttechnisch wäre selbst eine Korrektur bis in den Bereich von 1.860 US-Dollar für den Goldpreis unproblematisch. Natürlich könnte der Goldpreis nochmals stärker einbrechen, so wie im März dieses Jahres. Aufgrund der bereits vollzogenen Maßnahmen der Notenbanken ist eine Liquiditätsklemme in einem Ausmaß wie im Frühjahr 2020 aber eher unwahrscheinlich. Die Marktteilnehmer wissen nun, dass die Geldpolitiker rund um den Globus bereit sind, All-in zu gehen, um den globalen Konjunktur-Super-GAU abzuwenden. Aktuell ist lediglich ungewiss, ab wann die Finanzpolitik und die Geldpolitik erneut der Wirtschaft unter die Arme greifen muss.

Chart zeigt Kursverlauf des Goldpreis in US-Dollar

Fakt ist, dass die Erholung in Deutschland und Europa seit August bereits wieder an Schwung verliert. Die Bundesbank warnte erst am Montag in ihrem Monatsbericht vor einer deutlichen Verlangsamung der Erholungsdynamik der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf. So hätte zuletzt der Zufluss an Neuaufträgen spürbar nachgelassen – sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor. Das Vorkrisenniveau des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte im Herbst „noch erheblich unterschritten werden“, so die Bundesbanker. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für Deutschland mit einem BIP-Rückgang in 2020 in Höhe von 5,4 Prozent und für die gesamte Eurozone sogar in Höhe von -7,9 Prozent. Die OECD schließt ein nochmaliges Abnicken der weltweiten Konjunktur im vierten Quartal 2020 in Folge einer zweiten Pandemie-Welle ebenfalls nicht aus (OECD-Grafik: Double-hit Scenario).

Auch der Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) Fabio Panetta stellt am Dienstag in seiner Rede „Asymmetric risks, asymmetric reaction: monetary policy in the pandemic„ in Frankfurt klar: „Die Risiken einer geldpolitischen Überreaktion sind viel geringer als die Risiken, dass die Geldpolitik zu langsam oder zu zögerlich reagiert und das schlimmste Szenario Wirklichkeit wird“.

Pandemie 2.0

Mit dem „Schlimmsten Szenario“ meint Panetta, dass der Herbst und damit die Erkältungssaison gerade erst begonnen haben, dennoch steigen die Infektionszahlen mit Covid-19 in Europa bereits jetzt in Richtung neuer Rekordstände an. Die Sorgen vor einer zweiten Pandemiewelle in den nächsten Wochen und Monaten sind also nicht unbegründet.

Aktuell werden weltweit neue Rekordniveaus bei den Neuansteckungen mit dem SARS-CoV-2 Virus gemeldet. Der Staat Israel befindet sich bereits im zweiten Komplett-Lockdown für zunächst drei Wochen. Frankreich, Spanien, Tschechien, Großbritannien, Russland und Österreich vermelden einen sprunghaften Anstieg der Corona-Fälle auf zum Teil neue Rekordstände. Auch in Deutschland beginnen die Fallzahlen wieder zu steigen, trotz noch warmer und trockener Witterungsverhältnisse.

Zwar entwickelt sich die Sterberate weniger dynamisch als im Frühjahr, dennoch sind verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis hin zu weitgehenden Lockdowns in Europa und mit zeitlicher Verzögerung eben auch wieder in den USA, Kanada und Lateinamerika wahrscheinlich.

Kommt es dazu, wäre eine Pleitewelle im Herbst und Winter in den am stärksten betroffenen Branchen kaum abzuwenden. Panetta und seine Kollegen in den großen Notenbanken dieser Welt wissen um dieses Risiko, das sich auch im nach wie vor hohen Goldpreis widerspiegelt.

Auch auf Ebene der Regierungen ist man sich dieses Risikos bewusst. Auch wenn dieses Bewusstsein regelmäßig durch Jubelmeldungen einzelner Politiker und „adjustierter“ Statistiken kontrastiert wird. Fakt ist, dass die in Rekordhöhe verschuldete Weltwirtschaft bereits stark angeschlagen ist und nur mit extrem unkonventionellen Maßnahmen der Notenbanken und einer weiteren starken Schuldenexplosion die Pandemie überleben wird. Die finanziellen Restriktionen durch die Abschaffung des Zinses sowie realer Negativzinsen bleiben damit auf unbestimmte Zeit erhalten. Ebenso wie die unlimitierte Finanzierung dieser Schulden via Geldschöpfung aus dem Nichts durch die digitalen Notenpressen mit in der Folge explodierender Geldmengenaggregate.

Die momentane Zurückhaltung der Geldpolitiker bezüglich weiterer unkonventioneller Maßnahmen, die auch ein Grund für die Konsolidierung beim Goldpreis ist, erklärt sich vor allem durch die hohe Bewertung der Aktienmärkte, die sich nach wie vor in einer liquiditäts- und zinsgbedingten Blase befindet. In den USA ist diese Zurückhaltung zusätzlich durch die geldpolitische Stillhalteperiode kurz vor der Wahl am 3. November bedingt.

Dennoch fordern auch hochrangige US-Notenbanker wie der Fed-Chef Jerome Powell zusätzliche finanzpolitische Stimuli, denn auch in den USA steigen die Neuinfektionen wieder an: So wurde am 7. September ein zyklischer Tiefstwert von 25.435 neuen Covid-19-Fällen verzeichnet – am vergangenen Freitag waren es mit 51.398 bereits mehr als doppelt so viele.

Die jüngste US-Dollarstärke, die mitverantwortlich für den Rückgang beim Goldpreis ist, beruht jedoch auf der Annahme, dass primär Europa von einer zweiten Pandemie-Welle erfasst wird. Die ökonomischen Schäden dürften jedoch in den USA im Herbst und Winter deutlich stärker zutage treten. Dies liegt vor allem an der Selbstblockade des US-Kongresses bezüglich eines weiteren dringend benötigten Konjunkturpakets. Aufgrund der auch ideologisch verhärteten Fronten wird diese gegenseitige Blockade sehr wahrscheinlich über den Wahltermin hinaus fortbestehen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht absehbar, dass die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses erhalten (Senat und Repräsentantenhaus).
Darüber hinaus verfügen die USA über ein weniger engmaschiges sozialen Netz, dass Betroffene durch Transferleistungen nicht so gut auffängt wie z. B. in West- und Nordeuropa. Gleichzeitig basiert die US-Wirtschaft zu 67,2 Prozent auf Konsum, der wiederum stark abhängig vom Masseneinkommen ist.

Propaganda versus Realität

Auffällig ist, dass sich die Prognosen zum weiteren wirtschaftlichen Verlauf immer stärker spreizen. So trafen in dieser Woche neue Berichte aus Deutschland über Massenentlassungen und Standortschließungen von Airlines, Banken, Touristik-, Automobil- und Chemiekonzernen auf Jubelmeldungen von Wirtschaftsforschungsinstituten und Politikern.

Erst heute widersprachen sich auch in den USA anlässlich einer turnusmäßigen Anhörung im US-Repräsentantenhaus der Finanzminister Steven Mnuchin und US-Notenbankchef Jerome Powell diametral. Mnuchin schwärmte gegenüber den Abgeordneten von einem bevorstehenden Boom der US-Konjunktur im vierten Quartal. Powell hält hingegen weitere staatliche Stimuli für notwendig und wird auf Jahre hinaus nicht von der im Frühjahr implementierten Krisenzinspolitik abrücken.

Hierzulande spricht das ifo-Institut von einer deutlich besseren Stimmung sowie einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft, währen die Bundesbank gleichzeitig von rückläufigen Aufträgen in der Industrie und im Dienstleistungssektor spricht. Was ist nun Realität?

Viel wird von dem weiteren Verlauf der Pandemie abhängen. Doch es gibt auch harte Fakten, die an der V-förmigen Erholung mehr als zweifeln lassen. So verzeichneten die Löhne in der Bundesrepublik Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres den stärksten Rückgang seit Beginn der Datenerhebung durch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden im Jahr 2007 und damit noch stärker als während der Weltfinanzkrise.

Es stellt sich daher die Frage, welche Branchen in Deutschland den angerichteten ökonomischen Schaden in anderen Branchen überkompensieren können, sodass eine V-förmige Erholung möglich ist. Zumal 46,9 Prozent der deutschen Güter und Dienstleistungen exportiert werden. Die Pandemie ist bekanntlich ein weltweites Phänomen und die Weltwirtschaft insgesamt deutlich im Rückwärtsgang.

Ein Blick zurück zur Weltfinanzkrise ist bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich. Damals wurde ebenfalls von der Krise als Chance schwadroniert. Schaut man sich an, wo die Weltwirtschaft heute steht, dann sind die politischen Parolen aus der Finanzkrise und der Jahre danach nichts weiter als hohle Phrasen. Die Notfallpolitik der Notenbanken hat seitdem nie geendet. In den USA war das Experiment der „Zinsnormalisierung“ von kurzer Dauer und endete ebenfalls bereits vor Jahresfrist und noch ohne Covid-19. Die Staatsverschuldung und die Gesamtverschuldung haben weltweit neue Dimensionen erreicht, wohlgemerkt im Jahr 2019. Seitdem sind die privaten und öffentlichen Schuldenstände förmlich explodiert.

Wie angesichts des noch gar nicht bezifferbaren Schadens die Politik erneut zu der Prognose kommt, dass nach dieser Krise alles besser und gestärkter sei, ist anhand der Erfahrung aus der Finanzkrise nicht nachvollziehbar. Wozu braucht es permanente Notfallmaßnahmen, wenn das Finanzsystem angeblich so stabil ist? Wozu weitere Konjunkturprogramme, wenn die Wirtschaft angeblich wieder boomt? Wozu eine Verlängerung und Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, wenn der deutschen Wirtschaft angeblich eine V-förmige Erholung gelingt?

Um es mit den Worten des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

Das Spiel mit stimmungsaufhellenden Versprechungen können für die politischen Protagonisten gefährlich werden und neben ökonomischen Verwerfungen auch zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Die verantwortlichen Politiker brauchen sich dann nicht zu wundern, warum ihnen und allzu unkritischen Medien der laxe Umgang mit der Wahrheit noch vehementer vorgeworfen wird. Auch deshalb ist mittelfristig von einem weiter ansteigenden Goldpreis als Pendant zu den Fiat-Währungen auszugehen, die politischer Willkür ausgesetzt sind.

Fazit

Der Goldpreis wird auch zukünftig von dem Dilemma der Politik angetrieben werden, entweder die Defizite auf staatlicher Ebene zu reduzieren und damit, wie von den Notenbankern zurecht befürchtet, eine tiefe Rezession auszulösen oder aber den Weg der dynamischen Neuverschuldung auf globaler Ebene mithilfe der Notenbanken weiterzugehen.

Wenn man bedenkt, dass das Motto „Kick the can down the road“ das politische Handeln bisher bestimmte, ist im Herbst und Winter eine neue Runde fiskal- und geldpolitischer Lockerungen mit allen Nebenwirkungen inkl. einem wieder steigenden Goldpreis überaus wahrscheinlich. Bleiben die zusätzlichen Stabilisierungsmaßnahmen jedoch aus, steht die Weltwirtschaft im Zuge einer zweiten Pandemie-Welle vor einem katastrophalen Rückschlag, was ebenfalls den sicheren Hafen Gold an Attraktivität für Anleger gewinnen lassen würde.

Aus diesem Grund gibt es keinen Anlass, das monetäre Edelmetall als alternative Weltleitwährung vorzeitig abzuschreiben oder ein Szenario beim Goldpreis wie nach dem Abflauen der Finanzkrise ab 2011 mit jahrelangen Rückgängen zu erwarten.

Der ökonomische Schaden ist bereits angerichtet. Ein Zurück gibt es für die Geldpolitik schuldenbedingt schon lange nicht mehr und die zweite Pandemie-Welle ist keine Prognose, sondern bittere Realität.

Zusätzlich erwartet die Märkte und die gesamte Welt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: die US-Präsidentschaftswahlen. Von einem klaren Ergebnis über einen langen Streit der Parteien vor Gericht bis hin zu einer Verfassungskrise ist alles möglich. Dies spricht tendenziell eher gegen den US-Dollar und für Gold.

Disclaimer

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Gold/Silber

Aktuell: Goldpreis fällt weiter – der Druck war zu groß – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Adler mit Gold und US-Dollar

Gestern sprachen wir bereits über den starken Druck auf den Goldpreis, der vom immer weiter steigenden US-Dollar ausging. Und so kam es dann auch. Gold konnte nicht mehr stand halten und rutschte das zweite Mal in kurzer Zeit unter die wichtige Marke von 1.900 Dollar. Am Montag noch im Tief bei 1.882 Dollar, so erreicht der Goldpreis heute früh sein Tief bei 1.874 Dollar (aktuell 1.877 Dollar).

Goldpreis weiter unter Druck

Im Chart sehen wir den immer weiter steigenden US-Dollar gegen den erneut geschwächten Goldpreis. Die Korrelation ist klar erkennbar. Vorhin um 9:30 Uhr wurden die Einkaufsmanager-Daten für Europa veröffentlicht. Die Zahl für die Industrie war besser als erwartet, für die Dienstleister schlechter. Der Dax kann seitdem 34 Punkte zulegen, der Dollar-Index (Währungskorb) sinkt von 94,18 auf 94,12 Indexpunkte. Also kaum schwächer. Der Goldpreis bleibt auch nach diesen PMI-Daten geschwächt.

Analystenkommentar zu Fed-Aussagen

Naeem Aslam von Avatrade hat in einem aktuellen Kommentar die gestrigen Aussagen von Fed-Offiziellen im US-Kongress besprochen, die sich auf den US-Dollar und somit auch auf den Goldpreis auswirken. So sagt er, dass Fed-Chef Jerome Powell erneut seine unsicheren Aussichten für die US-Wirtschaft bekräftigte, und bestätigte, dass der Weg der Erholung sehr stark von der Kontrolle des Virus abhänge. Aber er habe auch bestätigt, dass die Fed bereit sei mehr Unterstützung zu leisten, falls Bedarf besteht. Angesichts der Tatsache, dass sich die Coronavirus-Situation mit dem Einsetzen der Grippesaison wahrscheinlich verschlechtern werde, sei es wahrscheinlich, dass die Fed die Liquiditätshähne weiter öffnen müsse.

Gestern sprachen auch andere Ausschussmitglieder der Federal Reserve. Charles Evans habe die Märkte mit seinen Äußerungen überrascht als er sagte, dass die US-Wirtschaft 90 Prozent ihrer Schwäche überwunden habe. Er ist sicherlich nicht der Meinung, dass die Wirtschaft die Hälfte ihrer blauen Flecken zurückgewonnen hat, daher sei es sehr mutig von 90 Prozent zu sprechen. Er glaube auch, dass die USA ihren Zinssatz erhöhen können, ohne die Zielinflation zu erreichen. Seine Bemerkungen lösten eine Rallye des Dollars aus, und der Dollar-Index ist von seinen Tiefstständen gut weggekommen. Währungen wie der Euro und das Pfund Sterling spüren den Schmerz wegen der Dollarstärke, so Naeem Aslam.

Im folgenden Bild sehen Sie seit letztem Freitag den weiter steigenden US-Dollar, und den gegensätzlich fallenden Goldpreis. Im Laufe des heutigen Tages werden wir von Hannes Zipfel eine ausführlichere Analyse veröffentlichen, warum der Goldpreis im größeren Bild betrachtet gute Chancen hat weiter zu steigen.

Chart zeigt im Vergleich Goldpreis-Verlauf gegen US-Dollar

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Finanznews

Aktienmärkte: Starker Dollar als Warnzeichen? Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte in den USA konnten im gestrigen Tagesverlauf ihre Erholung fortsetzen – aber ist die fortgesetzte Stärke des Dollar ein Warnzeichen? Gold fällt im asaitischen Handel unter die 1900er-Marke, der Euro fällt unter die Marke von 1,17. Seit März diesen Jahres (also seit Beginn der Coronakrise) gibt es eine extrem negative Korrelation zwischen dem Dollar und Risiko-Assets, aber noch reagieren die Aktienmärkte auf die Stärke der US-Währung nicht. Ignorieren sie damit ein wichtiges Warnsignal? Charttechnisch spricht vieles für eine weitere Stärke des Dollars, und wenn die negative Korrelation zwischen der US-Währung und den Aktienmärkten nicht plötzlich endet, könnte es ungemütlicher werden..

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