Gold

Trendwende rückt näher Goldpreis: Ein letzter Ausverkauf vor der nächsten Gold-Rally?

Goldpreis vor neuer Rally
Grafik: ChatGPT

Der Goldpreis hat seinen Glanz zuletzt verloren. Während die Aussicht auf eine restriktive Fed, steigende Realzinsen und der anhaltende KI-Boom viele Anleger in Technologieaktien treiben, richten sich die Blicke der Märkte derzeit auf andere Anlageklassen. Doch genau jetzt könnte sich beim Goldpreis ein seltenes Chartmuster herausbilden. Sollte sich dieses bestätigen, wäre der aktuelle Rücksetzer womöglich keine Schwäche – sondern die Grundlage für die nächste große Gold-Rally.

Goldpreis vor Trendwende?

Der Goldpreis befindet sich an einem entscheidenden Punkt. Nach der deutlichen Korrektur von rund 30 % in den vergangenen sechs Monaten bleibt der kurzfristige Trend zwar abwärtsgerichtet. Aus charttechnischer Sicht könnte deshalb sogar noch ein letzter Ausverkauf bevorstehen. Doch genau ein solcher finaler Rücksetzer könnte sich als große Chance erweisen. Denn das klassische Wyckoff-Akkumulationsmodell beschreibt eine Marktphase, in der der letzte Ausverkauf häufig den Grundstein für den nächsten langfristigen Aufwärtstrend legt. Sollte sich dieses Szenario bestätigen, könnte ausgerechnet der Bereich zwischen 3.800 und 3.600 Dollar zum Ausgangspunkt der nächsten großen Gold-Rally werden.

Das Wyckoff-Modell zählt zu den bekanntesten Akkumulationsmustern der Technischen Analyse. Nach einer langen Rally folgt zunächst eine Korrektur, ehe sich der Markt über Wochen oder Monate in einer breiten Seitwärtsrange stabilisiert. In dieser Phase bauen langfristig orientierte Investoren schrittweise Positionen auf, während viele kurzfristige Marktteilnehmer bereits das Interesse verlieren.

Charakteristisch ist anschließend der sogenannte Spring. Dabei fällt der Kurs noch einmal kurzzeitig unter eine wichtige Unterstützung, löst Stop-Loss-Orders aus und schüttelt die letzten schwachen Hände aus dem Markt. Gelingt danach die schnelle Rückkehr in die Handelsspanne, gilt dies als erstes Signal dafür, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Es folgen die ersten Anzeichen einer nachhaltigen Erholung (SOS) sowie ein letzter erfolgreicher Rücksetzer vor dem Ausbruch (LPS), bevor schließlich die eigentliche Aufwärtsbewegung beginnt. Die beigefügte Grafik veranschaulicht dieses mögliche Szenario schematisch für den Goldpreis.

Goldpreis: Wyckoff-Modell deutet nächste große Gold-Rally an

Treiber der Gold-Rally

Fundamental bleibt das Umfeld für Gold konstruktiv. Einer der wichtigsten Treiber sind die anhaltenden Käufe der Zentralbanken. Nach Angaben des World Gold Council erhöhten Notenbanken ihre Goldreserven im Mai netto um 41 Tonnen. Zu den größten Käufern gehörten Polen mit 18 Tonnen sowie China mit weiteren 10 Tonnen. Für die chinesische Zentralbank war es bereits der 20. Monat in Folge mit steigenden Goldreserven.

Hinzu kommt der sogenannte Debasement Trade. Weltweit steigen die Staatsschulden auf immer neue Rekordstände. Gleichzeitig wächst die Sorge vieler Investoren vor einer langfristigen Entwertung von Fiat-Währungen. Gold gilt in einem solchen Umfeld traditionell als Wertspeicher und Absicherung gegen Kaufkraftverluste. Unterstützt wird diese Entwicklung zusätzlich durch geopolitische Spannungen sowie den Trend vieler Staaten, ihre Währungsreserven breiter zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.

Warum Gold noch schwächelt

Dennoch spricht kurzfristig noch einiges für eine Fortsetzung der Schwäche. Charttechnisch befindet sich der Goldpreis weiterhin in einem intakten Abwärtstrend. Gleichzeitig hat das Interesse vieler Anleger zuletzt spürbar nachgelassen. Der World Gold Council meldete für Juni deutliche Abflüsse aus Gold-ETFs in allen Regionen der Welt. Besonders in China wechselte Kapital zuletzt wieder verstärkt in den Aktienmarkt, nachdem sich dort die Risikostimmung verbessert hatte.

Belastend wirken außerdem die steigenden Zinserwartungen in den USA. Nach den jüngsten Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh rechnet der Terminmarkt inzwischen mit einer deutlich gestiegenen Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September. Höhere Zinsen und steigende Realrenditen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold. Gleichzeitig lenkt der anhaltende KI-Boom weiterhin große Teile des Anlegerkapitals in Technologie- und Halbleiteraktien statt in klassische sichere Häfen.

Gerade deshalb wäre ein letzter Rücksetzer aus Sicht des Wyckoff-Modells kein Widerspruch zum langfristig positiven Bild. Im Gegenteil: Sollte der Goldpreis im Bereich zwischen 3.800 und 3.600 Dollar eine klassische Bärenfalle ausbilden und anschließend die Schlüsselmarke von 4.000 Dollar nachhaltig zurückerobern, könnte genau dieser scheinbar letzte Ausverkauf den Grundstein für die nächste große Gold-Rally legen.

Die in diesem Artikel dargestellten Einschätzungen und charttechnischen Szenarien dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Finanzinstrumente dar.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Es ist immer dasselbe seit Jahrzehnten bei Edelmetallen.
    Durch die regelmäßigen Preisdrückungen und dem gleichzeitigen Verfall der Währungen, spannt sich das Gummiband immer wieder, was die Edelmetalle wieder ins richtige Verhältnis ziehen will. Nur beim zurückschnellen, geht es über das richtige Verhältnis hinaus und es muss zumindest ein Rücksetzer erfolgen.
    Im Moment kommen Rücksetzer und Manupulation zusammen.
    Und gerade bei Silber war über die Jahre das Gummiband so stark durch Manipulationen und Förderdefizite angespant worden, dass beim zurückschnellen das normale Verhältnis weit übertroffen wurde.
    Nun spannt sich das Gummiband wieder, wenn die Preise nicht so steigen, wie es ohne Manipulation sein würde.
    Bei Gold wären z. B. knapp unter 10 % im Jahr normal.
    Bei Silber wird aber alleine das Förderdefizit und der erhöhte Bedarf das Gummiband wieder schneller anspannen.
    Die Intensität der Marktmanipulationen wird bewirken, wie lange es dauert, bis das Gummiband wieder zurückschnellt und wie weit dann der Preis steigt.
    Und desto länger das Gummiband gespannt wird, desto weiter geht es abermals übers Ziel hinaus.
    Für physisches Horter ist der Preisverlauf (ob kontinuierlich oder im Wellen) unerheblich. Spekulanten können damit viel Geld verdienen oder verlieren.
    So hat doch jeder etwas.
    Schön für mich persönlich wäre es schon, wenn das Gimmiband erst zum Jahresende hin zurückschnellt.
    Oder im nächsten Jahr.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. @Helmut

    Wird wohl an der FED hängen, wie lange die den aktuellen Zustand noch aushalten können. Ich meine, die reden seit vielen Monaten von den 2% als Ziel, schießen aber seit Monaten eben drüber. Das passt meiner Meinung nach gar nicht, weil Reden hilft ja nichts, die hätten schon längst höher gehen müssen mit den Zinsen und zwar deutlich mehr als die im Raum stehenden 0,25%. Das ist doch ein Witz. Die 0,25% Punkte stehen seit Monaten wie ein geladener Revolver mit gespannten Hahn im Raum. Mag ja sein aber das Kaliber erinnert doch eher an eine Wasserpistole.

    Meine Meinung: Wenn Sie könnten würden sie höher gehen, mein Umkehrschluss ist, die haben Schiss, dass da was bricht und hier gibt es ja Artikel von Hrn. Hartz, die einen tiefen Einblick in die Optionswetten bei Staatsanleihen geben. Ich gebe denen viel Aufmerksamkeit.

    Was kaum diskutiert wird ist die Inflation an sich. Viele rechnen wohl mit einer erhöhten Inflation. Aber warum sollte die nicht in sich selbst zusammenbrechen, wenn die Nachfrage plötzlich einbricht (weil die Leute kein Geld mehr zum konsumieren haben). In dem Zusammenhang, wie gut kann man den US-Arbeitsberichten trauen?

  3. Hallo @ Großer Bär
    Wenn man es genau nimmt, dann haben wir noch keine Inflation.
    Eher eine vorübergehende Teuerung.
    Aber dagegen hilft auch keine Zinserhöhung.
    Das würde die Punkte nur noch teurer machen.
    Inflation wird es geben, wenn die Leute dem Papiergeld nicht mehr trauen.
    Aber dann wird es richtig heftig.
    Dafür sehe ich aber noch keinen Anlass.
    Wenn Frankreich mal mit Billionen gerettet werden muss, weitere Billionen in die Rüstung fließen, weitere Billionen Sonderschulden usw.
    Aber das dauert noch Jahre.
    Keiner weiß natürlich wann es bricht.
    Für mich bleiben daher (als Aktienunkundiger) nur Edelmetalle.
    Eine gute Versicherung gegen das Unbekannte, und etwa 100 % steuerfreien Kapitalertrag in den etwa letzten 3 Jahren.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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