Gold/Silber

Goldpreis: Die Saisonalität ist günstig

Beim Goldpreis-Verlauf gibt es jährlich wiederkehrende Muster. Ganz besonders ausgeprägt sind diese von Mitte Juni bis Ende Februar. Ab Mitte September startet die beste Phase für die Goldbullen – aus saisonaler Perspektive.

Goldpreis atmet im jährlichen Rhythmus

Wie viele Rohstoffe unterliegt auch der Goldpreis saisonalen Schwankungen. Bei Energieträgern wie Öl und Gas sind dafür z. B. die Wechsel von kalter zu warmer Jahreszeit verantwortlich, bei Benzinpreisen hat die Reiseaktivität einen hohen Einfluss. Im Falle von Gold bewirken die Nachfrageschwankungen nach Schmuck und Münzen die unterjährigen Preismuster. Die Schmucknachfrage betrug im Gesamtjahr 2018 2.200 Tonnen, das entspricht bei einer Gesamtnachfrage nach physischem Gold von 4.345 Tonnen einem Anteil von 51 Prozent. Rechnet man die Barren- und Münznachfrage noch dazu, liegt der Anteil sogar bei 75,5 Prozent.

Der Grund für die saisonalen Muster bei Gold sind diverse Feierlichkeiten weltweit, anlässlich derer traditionell Schmuck, Münzen und Barren verschenkt werden. Den Auftakt bildet dabei die indische Hochzeitssaison, bei der die Mitgift der Braut überwiegend aus Goldschmuck besteht. Am 1. Oktober beginnen in China die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, zu dem traditionelle Goldmünzen als Glücksbringer verschenkt werden. In diesem Jahr dürfte trotz Wirtschaftsflaute intensiv gefeiert werden, da die Volksrepublik ihr 70. Jubiläum feiert.

Ende Dezember folgt dann das christliche Weihnachtsfest, in dessen Umfeld der Schmuckeinzelhandel in den westlichen Ländern fast 70 Prozent seines Jahresumsatzes erwirtschaftet. Nach dem julianischen Kalender folgt dann am 7. Januar das russische Weihnachtsfest, auch Jolka-Fest genannt. Die Russen sind ebenfalls sehr goldaffin. Ende Januar geht es dann mit dem chinesischen Neujahrsfest weiter, das bis Ende Februar andauert, abhängig vom Neumond. Bereits im Vorfeld dieser Feierlichkeiten kaufen Münzprägeanstalten und Kunstschmiede den Rohstoff Gold verstärkt ein. Dies erklärt, warum der Goldpreis bereits ab Mitte Juni anfängt zu steigen.

Die feiertagsbedingten Nachfragespitzen nach Gold sind aus den Preischarts von seasonalcharts.de und Seasonax gut ersichtlich. Durchschnittliche jährliche Entwicklung im Goldpreis in US$ im Jahresverlauf (dreißig Jahre):

Goldpreis Chart

Saisonaler Effekt – für Trader und Investoren gleichermaßen interessant

Die Saisonalität lässt sich für Trader und Investoren gleichermaßen nutzen. Für Letztere, um den Einstiegspunkt in ein mittel- bis langfristiges Goldinvestment zu optimieren und für die Spekulanten, um kurzfristig Profite zu erwirtschaften. Besonders interessant ist der Einstiegszeitpunkt in der zweiten Septemberwoche. Die Durchschnittsperformance in den kommenden vier Wochen betrug im Dreißigjahresdurchschnitt 2,4 Prozent. Von Mitte September bis Ende Februar sogar 4,85 Prozent. Das klingt zwar nicht viel, aber mit gehebelten Derivaten, wie Zertifikaten oder Optionsscheinen, können Trader zweistellige Renditen in relativ kurzer Zeit erzielen.

Fazit

Auch wenn die Saisonalität bei Gold ein bekanntes Phänomen ist und von den Spekulanten immer früher im Jahr antizipiert wird, kann sich ein bestehender Preistrend durch saisonale Nachfrage der Münz- und Schmuckhändler signifikant verstärken. Eine Garantie für das Funktionieren der Saisonalität gibt es freilich nicht. Entscheidend ist immer der übergeordnete Preistrend. Der ist bei Gold seit Ende 2015 erneut positiv.



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