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Erholungsrally auf dem Prüfstand Goldpreis-Erholung: Warum US-Daten jetzt entscheidend sind

Goldpreis-Erholung: Warum US-Daten jetzt entscheidend sind
Goldbarren bei einem Edelmetallhändler in Warschau. Foto: Bloomberg

Nach einer zweitägigen Erholung nehmen Händler vereinzelt Gewinne mit, während die Edelmetallmärkte nach dem historischen Ausverkauf Ende Januar weiter nach Orientierung suchen. Gold und Silber geben im Vorfeld wichtiger US-Konjunkturdaten nach, die Hinweise zur künftigen Fed-Politik, Inflation und zum US-Arbeitsmarkt liefern. Trotz erhöhter Volatilität bleibt der Goldpreis im Jahresverlauf klar im Plus – gestützt durch strukturelle Nachfragefaktoren und anhaltende Zentralbankkäufe.

Goldpreis pendelt um 5.000 Dollar

Wie Bloomberg berichtet, gab der Goldpreis nach zwei Gewinntagen wieder etwas nach, da Investoren in einem unruhigen Markt Gewinne realisierten, der nach dem historischen Ausverkauf noch immer eine klare Richtung sucht. Auch Silber verzeichnete im Vorfeld entscheidender US-Daten Verluste.

Der Spot-Goldpreis fiel zeitweise um bis zu 1,5 Prozent auf 4.987 Dollar, reduzierte die Verluste jedoch anschließend und handelte wieder über 5.000 US-Dollar je Feinunze. Marktteilnehmer blicken auf die im Laufe der Woche anstehenden US-Daten, um Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Fed zu erhalten. Zwar liegt Gold seit dem Allzeithoch vom 29. Januar rund 10 Prozent niedriger, im laufenden Jahr bleibt das Edelmetall jedoch deutlich im Plus.

Die Bewegung „deutet eher auf Gewinnmitnahmen und Positionskürzungen hin als auf eine erneute Flucht aus dem Markt“, sagte Hebe Chen, Analystin bei Vantage Markets in Melbourne. „Entscheidend ist, dass Gold trotz des jüngsten Ausverkaufs oberhalb der Marke von 5.000 US-Dollar je Unze bleibt – einer psychologisch wichtigen Zone, die sich als zentrale technische Hürde für Verkäufer erweisen dürfte, auch wenn Käufer nach der Volatilität vorsichtig bleiben.“

Goldpreis vor US-Daten: Wie der Zinspfad der Fed Gold und Silber bewegt
Goldpreis pendelt sich nach Rekordrally und Einbruch nahe 5.000 Dollar ein

Edelmetalle waren Ende Januar stark eingebrochen, nachdem eine rekordhohe, spekulativ getriebene Rally die Märkte überhitzt hatte. Viele der Faktoren, die den mehrjährigen Aufwärtstrend getragen haben, sind jedoch weiterhin intakt: erhöhte geopolitische Risiken, anhaltend hohe Käufe der Zentralbanken sowie die Abkehr von Staatsanleihen und Währungen durch Investoren.

Strukturelle Treiber bleiben intakt

Zahlreiche Banken und Vermögensverwalter – darunter Deutsche Bank AG und Goldman Sachs – rechnen weiterhin mit einem Anstieg des Goldpreises, gestützt durch diese langfristigen Nachfragetreiber. Ein weiteres Signal für robuste offizielle Nachfrage lieferte die chinesische Zentralbank, die ihre Goldkäufe im Januar zum 15. Monat in Folge ausweitete.

„Der Ausverkauf war ein notwendiger Reset, damit Gold seinen graduellen Aufwärtstrend wieder aufnehmen kann“, sagte Christopher Wong, Stratege bei der Oversea-Chinese Banking Corp. „Die strukturellen Treiber, die den Goldpreis stützen, sind weiterhin vorhanden. Der Abwärtsdruck hat nachgelassen, und Gold beginnt, auf niedrigeren – aber historisch weiterhin hohen – Niveaus festeren Halt zu finden“, so Wong.

Mit Blick nach vorn dürften die US-Konjunkturdaten dieser Woche zusätzliche Hinweise auf die Fed-Politik liefern, nachdem US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank nominiert hat. Der Arbeitsmarktbericht für Januar, der am Mittwoch veröffentlicht wird, dürfte Anzeichen einer Stabilisierung des Arbeitsmarkts zeigen. Am Freitag folgt zudem der Verbraucherpreisindex. Am Freitag folgt zudem der Verbraucherpreisindex.

Die Daten sind nicht nur richtungsweisend für den Zinspfad der Fed, sondern dürften auch maßgeblichen Einfluss auf den Goldpreis haben. Ein robuster Arbeitsmarkt und eine nachlassende Inflation würden eher für ein abwartendes Vorgehen der Notenbank sprechen und die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen dämpfen. Für Edelmetalle könnte dies kurzfristig leichten Gegenwind bedeuten.

Zuletzt fiel Spot-Gold um 0,6 Prozent auf 5.024,44 US-Dollar je Unze. Silber verlor mehr als 2 Prozent auf 81,29 US-Dollar. Auch Platin und Palladium gaben nach. Der Bloomberg Dollar Spot Index, ein Maß für die Stärke der US-Währung, sank um 0,1 Prozent, nachdem er in der vorherigen Sitzung bereits 0,6 Prozent verloren hatte.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Gewinnmitnahmen und somit keine Flucht aus dem Markt. Abkehr von US-Staatsanleihen aufgrund entsprechend vorhandener geopolitischer Risiken.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Interessant ist das die FED schon wieder Staatsanleihen zukauft. Über den sogenannten Sekundärmarkt hat sie seit ihrer Geldwende schon wieder für exakt 225 Milliarden US Dollar Staatsanleihen bezogen.

    Das ist aus ihrer Bilanz ersichtlich.

    Nicht so sehr die 225 Milliarden sind es die mich stören…sondern das psychologische Signal… das die FED damit an die Märkte sendet: „Wir stehen im Notfall für Euch bereit!“…

    Der sogenannte „FED – Put“ ist wieder aktiv.

    Gold und Silber werden weiter steigen. Mit Schwankungen selbstverständlich. Denn die Börse ist keine Einbahnstraße.

  3. Ich spekuliere auf eine eher dovishe Richtung bis nach den Mid-Terms. Wenn sie es schaffen bis dahin eine (völlig überraschende) ordentliche Inflation zu justieren, könnte danach dann irgendwann der Falke zuschlagen.

    Ich versuche die kommende Inflation über Rohstoffindices abzuschätzen, vermute das ist gar nicht so trivial, weil so wie die aussehen haben die alle einen typischen EM-Knick, d.h., sind stark EM lastig, wenn ich das richtig interpretiere:

    https://capinside.com/comparisons/6a628609-953e-4db3-b545-f5c75ef1a490?period=1_year

    Jedenfalls müssten anziehende Preise im Rohstoffsektor ja irgendwann mal auf die Endprodukte durchschlagen. Bisher sehe ich da aber noch nichts laut ticken, eher leise.

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