Gold

Warnung kommt vom Anleihemarkt Goldpreis fällt auf 4.000 Dollar: Darum steht Gold jetzt unter Druck

Grafik: ChatGPT

Der Goldpreis sendet ein Warnsignal, das Anleger nicht ignorieren sollten. In der Nacht auf Donnerstag fiel das Edelmetall bis auf rund 4.024 US-Dollar und rückte damit gefährlich nahe an die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar heran. Das Brisante daran: Eigentlich müsste Gold in dieser Marktphase Rückenwind bekommen. Der Iran-Konflikt spitzt sich erneut zu und die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist groß. Doch statt als sicherer Hafen zu glänzen, steht Gold massiv unter Druck. Der eigentliche Grund dafür liegt nicht in Teheran, sondern am US-Anleihemarkt.


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Goldpreis fällt trotz Iran-Krise

Von einer echten Waffenruhe ist im Iran-Konflikt derzeit wenig zu erkennen. Die USA griffen den Iran zuletzt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen an und erhöhten damit den Druck auf Teheran deutlich. Gleichzeitig drohte US-Präsident Donald Trump mit „sehr harten“ militärischen Maßnahmen, falls die Verhandlungen weiterhin ohne Ergebnis bleiben. Die Gefahr neuer Spannungen rund um die Straße von Hormus und den globalen Ölmarkt bleibt damit akut. Normalerweise wäre genau das ein Umfeld, in dem Gold gefragt ist: geopolitische Risiken, Flucht in Sicherheit, Absicherung gegen Unsicherheit.

Doch diesmal reagiert der Markt völlig anders als in früheren geopolitischen Krisen. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist der Goldpreis um rund 23 % gefallen, obwohl das Edelmetall eigentlich als klassischer sicherer Hafen gilt. Anleger blicken inzwischen weniger auf die militärische Eskalation selbst als auf deren wirtschaftliche Konsequenzen. Im Mittelpunkt stehen dabei erhöhte Inflationsrisiken, steigende Renditen und die Aussicht auf länger hohe Fed-Zinsen in den USA.

Die Fed wird zur Goldbremse


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Der Ölpreisanstieg wirkt inzwischen wie ein Inflationsbeschleuniger. In den USA ist die Teuerung von 2,4 Prozent zu Jahresbeginn auf 4,2 Prozent im Mai gestiegen. Damit verschiebt sich der Fokus der Anleger: Weg vom Iran-Konflikt, hin zur Frage, ob die US-Notenbank Fed in diesem Jahr sogar wieder über Zinserhöhungen nachdenken muss.

Die Debatte hat sich inzwischen komplett verschoben. Während Anleger vor wenigen Monaten noch auf mehrere Zinssenkungen hofften, preisen die Märkte inzwischen zunehmend ein „Higher for Longer“-Szenario ein. Das FedWatch-Tool der CME signalisiert mittlerweile sogar eine deutlich gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung zum Jahresende. Für den Goldpreis ist das eine denkbar schlechte Nachricht.

Die Auswirkungen sind inzwischen auch am Silbermarkt sichtbar. Ähnlich wie Gold leidet das Edelmetall unter den steigenden Renditen und den veränderten Zinserwartungen. Damit geraten ausgerechnet jene Anlageklassen unter Druck, die eigentlich als klassische Absicherung gegen Unsicherheit und Inflation gelten.

Entsprechend richtet sich der Blick der Anleger bereits auf die kommende Woche. Dann steht die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank an. Eine unmittelbare Zinserhöhung gilt zwar als unwahrscheinlich, doch Kevin Warsh tritt als neuer Fed-Chef direkt in einem hochsensiblen Umfeld an. Bei seiner ersten Pressekonferenz dürften vor allem die steigende Inflation, die höheren Ölpreise und die veränderten Zinserwartungen im Mittelpunkt stehen.

Die Warnung kommt vom Anleihemarkt

Der wichtigste Warnhinweis für Gold kommt derzeit von der 2-jährigen US-Staatsanleihe. Ihre Rendite gilt als besonders zinssensitiv und reagiert deutlich auf veränderte Erwartungen an die Fed-Politik der kommenden Quartale. Genau deshalb ist der jüngste Anstieg so brisant.

Seit dem Tief Ende Februar bei rund 3,38 Prozent ist die 2-jährige Rendite bis auf knapp 4,20 Prozent am Montag gestiegen – aktuell notiert sie bei 4,13 Prozent. Das ist ein massiver Anstieg um fast 80 Basispunkte. Parallel dazu hat der Goldpreis deutlich nachgegeben. Die folgende Grafik zeigt die negative Korrelation von steigender Renditen und fallendem Goldpreis.

Goldpreis fällt trotz Iran-Krise: Fed-Politik und Anleiherenditen belasten Gold

Der Mechanismus dahinter ist simpel, aber entscheidend. Gold zahlt keine Zinsen. Wenn kurzfristige US-Staatsanleihen wieder mehr als vier Prozent Rendite bieten, steigen die Opportunitätskosten für Gold. Anleger müssen sich fragen, warum sie ein zinsloses Edelmetall halten sollen, wenn sichere Anleihen wieder attraktive Erträge liefern.

Droht jetzt der Rutsch unter 4.000 Dollar?

Durch den jüngsten Rücksetzer rückt nun die Marke von 4.000 Dollar verstärkt in den Mittelpunkt. Ein Bruch darunter wäre nicht nur psychologisch problematisch, sondern könnte auch technisch neue Verkäufe auslösen. Der deutliche Rückfall unter wichtige gleitende Durchschnitte, darunter die 200-Tage-Linie – aktuell bei 4.454 USD -, verschärft das Bild zusätzlich.

Aus charttechnischer Sicht ist deshalb ein Rückgang in die Zone zwischen 4.000 und 3.800 Dollar nicht ausgeschlossen. Entscheidend wird, ob Käufer in diesem Bereich zurückkehren oder ob steigende Renditen den nächsten Abverkauf erzwingen.

Für Gold gibt es dennoch einen Ausweg: Fallen die Renditen wieder, entspannt sich die Inflation und rückt die Fed von Zinserhöhungen ab, könnte sich der Goldpreis stabilisieren. Auch eine Entspannung im Iran-Konflikt würde die Sorgen vor weiter steigenden Energiepreisen verringern. Bleiben Inflation und Renditen jedoch hoch, dürfte die Marke von 4.000 Dollar zunehmend unter Druck geraten. Dann wäre die jüngste Schwäche wohl nicht das Ende der Korrektur, sondern nur ein weiteres Kapitel im Abwärtstrend.

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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6 Kommentare

  1. Bei einer Inflation von 4,2% im Mai ist die reale Rendite gleich Null. In Deutschland ist die reale Rendite sogar negativ. Die Zentralbanken bremsen nicht, sie schütten Öl ins Feuer. Ist auch logisch, weil man so die Inflation die Schulden aufessen lassen kann. Zumindest die staatlichen Schulden, private Schuldner zahlen mehr Zinsen – manche sogar zweistellige Zinsen.

    Ich habe trotzdem zuletzt deutsche Staatsanleihen mit sehr kurzer Laufzeit gekauft gehabt, weil ich dem Börsenwunder nicht mehr geglaubt habe. Es wird sich zeigen ob ich recht hatte.

  2. Also mit Verlaub, dass ist, denke ich, eine schwache Argumentation. Gold ist immer noch ein sicherer Hafen, jedoch haben sich die Parameter geändert. Die Golfstaaten sind de facto Pleite weil Staatseinnahmen bei fast Null. Also brauchen sie Geld, viel Geld und das sehr schnell. Jetzt kann man aber nicht einfach den Aktien- und Anleihenbesitz einfach so abverkaufen. Und Immobilien sind immer so eine Sache. Dann würden die Menschen im Westen ja nicht mehr mitspielen, weil sie dann ja die Folgen ihrer Handlungen (und in einer Demokratie sind wir, im Gegensatz zu einer Diktatur, als Souverän tatsächlich mitverantwortlich) spüren würden. Dann lieber andere über die Klinge springen lassen. Nur, woher kommt dann das Geld? Schulden auf Teufel komm raus machen ist in so einer Situation auch nur begrenzt, weil tatsächlich inflationär wirksam, möglich. Also Aktien geht nicht, Anleihen, noch weniger möglich, Immobilien dauert, bleiben nur die Edelmetalle übrig. Spannend wird es wenn die Pleitiers ihr Tafelsilber verkauft haben wie die Türkei. Der beste Beweis dafür, dass Gold nicht wegen Zinserhöhungen fällt, sondern aus Not verkauft wird ist, dass die Notenbanken immer noch Gold kaufen als gäbe es kein Morgen mehr. Übrigens haben wir, wie anno dazumal bei Corona keine Inflation, das ist ein Teuerungsschock. Ich denke, Notenbanker sind skrupellos (wie sonst sollte man so eine „Arbeit“ machen können?), doch sie sind nicht dumm. Wenn sie trotz Teuerung die Zinsen anheben dann nur deshalb weil sie damit den Schuldnern weh tun können (China). Es ist das selbe wie bei allen anderen Ressourcen auch, Lager abverkaufen bis sie leer sind, danach (wie beim Ukraineschock) den Ärmsten den Rest wegkaufen und die Welt vor die Hunde gehen lassen. Und sich dann wundern warum man vom „Heerlager der Heiligen“ belagert wird. Da bleib ich lieber bei meinem Dreiklang aus Gold, Samen und Schrott.

  3. Derzeit sind ganz einfach mehr Verkäufer als Käufer im Markt. Und bei den Verkäufern gibt es bestimmt ganz unterschiedliche Gründe für ihr Verhalten. Es wäre interessant die zu erfassen und zu gewichten aber das dürfte ziemlich müßig sein.

  4. Und noch eine Frage an die Redaktion: warum sind in dem eingeblendeten Kästchen von Capital.com derzeit eigentlich so irre völlig veraltete Notierungen für alle dort gezeigten Anlageklassen zu sehen? Da wird man ja ganz irre vom Hinsehen!

  5. „…Gold ist immer noch ein sicherer Hafen…“

    Wenn ein Asset in schweren, gefährlichen, geopolitischen, energetischen, inflationären Krisen an Wert verliert, ist es kein sicherer Hafen.
    Gold hat wieder einmal bewiesen, dass es die Bedingungen für einen sicheren Hafen nicht erfüllt.
    Dass Goldinvestoren ihren fast schon religiösen Glauben an das Edelmetall mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten verteidigen, ist verständlich und legitim, ändert aber nichts.
    Auch die in einer Goldbaisse regelmäßig wie der Heilige Geist erscheinenden und Trost zusprechenden Goldgurus ändern nichts.
    Ganz Ängstliche können es ja beimischen, mehr aber nicht.

    1. Aha … man schützt also sein Vermögen dadurch, dass man etwas billiges teuer einkauft und nicht dadurch, dass man etwas teureres billig einkauft? Und was soll Energetik mit der angesprochenen Problematik zu tun? Mir scheint der zitierte religiöse Glaube basiert wohl auf eigenen Ansichten? Wissen Sie, ich habe zu hause, Schillinge, D-Mark, Francs, Lire, italienische und türkische, Reichsmark, Kronen und noch einige mehr. Wissen Sie was die alle gemein haben? Im Gegensatz zu den Maria-Theresien-Talern oder den 10-Kronen aus Gold aus dem 19. Jahrhundert sind die nichts mehr Wert.

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