Gold erlebt nach seiner kräftigen Rally den ersten ernsthaften Rückschlag. Vom Hoch bei 4.697 Dollar ist der Goldpreis zeitweise fast 6 Prozent gefallen, beschleunigt durch die hawkishe Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole. Doch während kurzfristig weiterer Korrekturdruck droht, setzen professionelle Anleger bereits auf die nächste Aufwärtsbewegung – allerdings deutlich vorsichtiger als zu Jahresbeginn.
Warsh lässt Goldpreis einbrechen
Der aktuelle Rücksetzer fällt vor allem deshalb ins Auge, weil ihm eine außergewöhnlich starke Rally vorausging. Ende Juli notierte der Goldpreis noch knapp unter 4.000 Dollar. Bis zum 25. August schoss der Preis auf 4.697 Dollar nach oben – ein Plus von mehr als 17 Prozent innerhalb weniger Wochen. Trotz des Rückgangs am Montag auf zeitweise 4.396 Dollar liegt Gold im August damit immer noch rund 10 Prozent im Plus.
Für den entscheidenden Korrekturimpuls sorgte am Freitag Kevin Warsh. Der Fed-Chef bekräftigte in Jackson Hole seinen Willen, die Inflation zu bekämpfen, und schürte damit die Erwartungen auf eine Zinserhöhung im September. Steigende Zinserwartungen und ein festerer Dollar belasteten daraufhin das zinslose Edelmetall.
Doch am Derivatemarkt gibt es bislang kaum Anzeichen dafür, dass professionelle Anleger die Gold-Rally abgeschrieben haben. Vielmehr positionieren sie sich bereits für die nächste Aufwärtsbewegung.
Gold-Bullen bleiben im Spiel
Wie Bloomberg berichtet, setzen Investoren weiterhin auf einen steigenden Goldpreis, wählen dafür inzwischen aber defensivere Strategien. Statt ausschließlich einfache Call-Optionen zu kaufen, greifen Händler verstärkt zu Call-Spreads auf den SPDR Gold Shares ETF sowie zu exotischen Optionen. Damit lassen sich die Kosten und Risiken einer Wette auf steigende Kurse begrenzen.
„Die Anleger kehren sowohl über die zugrunde liegende ETF-Nachfrage als auch am Derivatemarkt zum Long-Trade bei Gold zurück“, sagt Aakash Doshi, globaler Leiter der Gold- und Metallstrategie bei State Street Investment Management.
Die Positionierung unterscheidet sich damit deutlich von der Euphorie zu Jahresbeginn. „Die Bewegung im August erscheint deutlich geordneter als die Preisentwicklung und die Aktivitäten am Derivatemarkt während des ‚Volmageddon‘ im Edelmetallsektor im Januar“, so Doshi.

Auch die implizite Volatilität der Goldoptionen ist zwar gestiegen, bleibt aber deutlich unter den Niveaus des ersten Quartals. Das deutet darauf hin, dass Investoren mit weiter steigenden Kursen rechnen, jedoch nicht mit einer ähnlich explosiven Rally wie zu Jahresbeginn, als der Goldpreis nahezu ohne größere Unterbrechung bis auf ein Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar kletterte.
Potenzial bis 5.300 Dollar
Entsprechend fallen auch die Erwartungen am Optionsmarkt moderater aus. „Der Unterschied zum Jahresbeginn besteht darin, dass die Volatilität bei Gold vergleichsweise niedriger ist. Einige Anleger gehen deshalb davon aus, dass das Aufwärtspotenzial bei der nächsten Bewegung stärker begrenzt sein und der Goldpreis sich beispielsweise in einer Spanne zwischen 4.900 und 5.300 Dollar bewegen könnte“, sagt Neeraj Chaudhary von der Bank of America.
Die laufende Korrektur muss damit nicht zwangsläufig das Ende der übergeeordneten Rally bedeuten. Zumal mehrere strukturelle Treiber bestehen bleiben. Dazu zählen die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken, insbesondere aus China, die wachsende Staatsverschuldung vor allem in den USA und die damit verbundenen Sorgen um die langfristige Kaufkraft des Dollars.
Hinzu kommt der sogenannte Debasement Trade. Bessents Maßnahmen am US-Anleihemarkt haben diesen zuletzt neu belebt. „Der Debasement Trade hatte meiner Ansicht nach lediglich pausiert, er war nie tot – und mit Blick auf den September kommt er wieder in Mode“, sagt Doshi.
Gold und Bitcoin profitieren
Davon profitiert nicht nur der Goldpreis. Auch Bitcoin erhielt zuletzt kräftigen Rückenwind durch den schwächeren Dollar. Zwischen dem 19. und 21. August wurden laut Coinglass Short-Positionen im Volumen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar liquidiert. Der Short Squeeze beschleunigte die Rally und trieb Bitcoin zeitweise über 80.000 Dollar. Gleichzeitig flossen seit dem 19. August mehr als 2 Milliarden Dollar in US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Offen bleibt deshalb, ob Bitcoin zunehmend ähnlich wie Gold als dauerhafte Absicherung gegen makroökonomische Risiken betrachtet wird – oder ob die jüngste Rally vor allem eine durch Hebel, Momentum und Short-Eindeckungen verstärkte Positionierungsbewegung war.
Bei Gold spricht die Positionierung der professionellen Anleger jedenfalls dafür, dass sie trotz des jüngsten Rückschlags mit weiterem Aufwärtspotenzial rechnen. Kurzfristig dürfte Warshs geldpolitischer Kurs zwar Gegenwind liefern. Die langfristigen Treiber der Gold-Rally sind jedoch weiterhin intakt.
FMW/Bloomberg
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Ja, Gold fällt immer.
Es steigt aber immer ein wenig mehr als fällt.
Seit 1971 ist Gold geglätten pro Jahr um etwas mehr als 9 % jährlich gestiegen als es gefallen ist.
In etwas mehr als 2 Jahren hat sich Gold im Preis etwa verdoppelt.
Wer kann da meckern?
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Und ich sehe bis spätestens 2030 sehr großes Potential für 1600$…
Die Ära der USA, der FED, des Dollars und somit der Geldmengenausweitung geht aktuell zu Ende.
Es wurde schon 2022 mit den FED Zinserhöhungen eingeleitet und wird sich mit den immer weiter steigenden Renditen der lang laufenden US-Staatsanleihen beschleunigen. Zudem, dass die Verknappung von Öl, Gas, Dünger, Helium, Naphtha, im Westen zu einer Rezession führen wird. Weil wir eben keinen Zugriff mehr auf BRICS Rohstoffe haben, und die ihr Zeug lieber unter sich handeln, als an den Westen zu verkaufen.
Während in den letzten 3 Jahren die Insiderverkäufe gestiegen sind, und Gates, Bezos, Musk und Co. Aktien in Mrd. Wert verkauft haben, stieg der Gold und Silberpreis. Offiziell hat man der Bevölkerung erzählt, dass es die bösen Chinesen sind, die den westlichen Markt leer kaufen. Ich denke eher, dass hier eine 3. Gruppe zugeschlagen hat, für die egal ist, ob der Preis bei 2000$ oder 5000$ steht. Für die ein höherer preis sogar besser ist, damit Kleinanleger weniger kaufen können und immer mehr Monatslöhne für eine Unze aufbringen müssen…
Hallo @ Schwabenpower
So ist dass.
Das der Goldpreis sich seit dem Jahre 2000 etwa vervierzehnfacht hat, sagt ja für sich alleine nicht viel aus.
Mehr sagt aus, dass ein Arbeiter heute für eine Unze fast 7 Mal so lange arbeiten muss.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Potential für 1.600$? Wow!
Ja, @Schwabenpower, so ist das manchmal mit dem Gold. Es kann auch fallen, tief und lange.
Aber das ist im Grunde nebensächlich, wenn man korrekt investiert ist.
Die Regel für kleine, nicht paranoide Privatanleger ist so einfach.
Ein breit gestreutes, richtig proportioniertes Aktien/Anleihen-Depot, ein wenig Gold(ca.15%), eine selbstgenutzte Eigentumsimmobilie (vielleicht dazu ein Ferienhaus und eine Rolex, das ist aber schon Luxus), eine auskömmliche Rente/Pension. „Eso es“ (Das ist es)!
Damit übersteht man jeden nie eintreffenden Weltuntergang.
Dann kann man sich den schönen Dingen des Lebens widmen und nur am Rande dem ewigen Rauschen von Flut und Ebbe der Finanzmärkte/medien zuhören.
Über Kommentare in Finanzforen sollte man oft und viel lachen. Das ist gesund.
Ihre Witze werden von Tag zu Tag besser…
Wird ja schließlich kein Weltuntergang, sondern nur der Untergang der Angelsachsen.