Gold

Gegenwind von allen Seiten Goldpreis fällt kräftig: Warum selbst die Iran-Eskalation nicht hilft

Goldpreis fällt wegen Renditen und Ölpreis
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Der Goldpreis ist nach seiner starken Rally kräftig unter Druck geraten. Was mit der hawkishen Rede von Fed-Chef Kevin Warsh begann, hat sich inzwischen zu einem ganzen Bündel an Belastungsfaktoren entwickelt. Selbst die neue Eskalation im Iran-Krieg hilft dem sicheren Hafen kaum. Doch ausgerechnet jetzt erreicht Gold eine Zone, an der sich die weitere Richtung entscheiden könnte.

Gold: Warsh dreht die Stimmung

Den ersten Impuls für den Rücksetzer lieferte Kevin Warsh in Jackson Hole. Der Fed-Chef machte deutlich, dass der Kampf gegen die Inflation weiterhin Priorität genießt und die Geldpolitik länger restriktiv bleiben könnte als zuvor erwartet. Die Zinserwartungen drehten daraufhin deutlich.

Inzwischen rechnen laut FedWatch Tool der CME rund 70 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung auf der Fed-Sitzung am 16. September. Für Gold ist diese Neubewertung ein Problem. Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls und stärken zugleich den Dollar.

Doch Warsh war nur der Anfang. Seit seiner Rede sind weitere Belastungsfaktoren hinzugekommen, die den Goldpreis immer stärker unter Druck setzen.

Jetzt kommt alles zusammen

Vor allem der Anleihemarkt verschärft die Lage. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist am Mittwoch zeitweise bis auf 4,81 Prozent gestiegen. Auch bei den langen Laufzeiten bleibt der Verkaufsdruck hoch. Die 30-jährige Rendite notiert mit rund 5,28 Prozent weiterhin auf einem Niveau, das zuletzt vor rund 19 Jahren erreicht wurde.

Zusätzlichen Schub erhalten die Renditen durch den Iran-Krieg. Neue Angriffe der USA und iranische Gegenangriffe ließen den Brent-Ölpreis in der Nacht zeitweise bis auf 96,50 Dollar steigen. Höhere Energiepreise drohen den Inflationsdruck zu verstärken und könnten es der Fed noch schwerer machen, ihre Geldpolitik wieder zu lockern.

Ausgerechnet die neue Eskalation im Iran-Krieg wird damit kurzfristig zum Gegenwind für den Goldpreis. Zwar steigt in Krisenzeiten grundsätzlich die Nachfrage nach sicheren Häfen, doch der Ölpreisschock verschärft die Inflationssorgen. Das treibt die Renditen nach oben, stärkt den Dollar und erhöht den Druck auf die Fed, die Geldpolitik weiter zu straffen. Für Gold überwiegt derzeit dieser Effekt.

Gold unter Druck: Ölpreise, Renditen, Fed belasten Goldpreis trotz Iran-Krieg

Goldpreis: Langfristige Treiber bleiben

Damit ist die übergeordnete Gold-Story allerdings noch nicht vom Tisch. Die Nachfrage der Zentralbanken bleibt hoch. Allein China stockte seine Goldreserven im Juli um 20 Tonnen auf und kaufte damit bereits den 21. Monat in Folge.

Auch der Debasement-Trade bleibt eine langfristige Stütze. Hohe Staatsdefizite, wachsende Schuldenberge und Zweifel an der langfristigen Stabilität klassischer Papierwährungen hatten Anleger verstärkt in Gold getrieben. Diese strukturellen Faktoren verschwinden nicht, nur weil sich das Zinsumfeld kurzfristig verschlechtert.

Entscheidend ist nun, ob die Käufer auf dem deutlich niedrigeren Kursniveau zurückkehren.

Nun entscheidet diese Schlüsselzone

Nach dem Einbruch rückt eine Zone in den Mittelpunkt, die darüber entscheiden könnte, ob Gold lediglich eine kräftige Korrektur durchläuft oder der Aufwärtstrend ernsthaft ins Wanken gerät.

Nach dem Verlaufstief bei rund 3.942 Dollar Ende Juni bewegte sich Gold zunächst seitwärts. Anfang August gelang der Ausbruch, anschließend beschleunigte sich die Rally und führte den Goldpreis bis auf rund 4.696 Dollar.

Seit dem Hoch vom 24. August läuft eine dynamische Korrektur. In der Nacht auf Mittwoch fiel Gold zeitweise bis auf 4.282 Dollar und damit knapp neun Prozent vom Hoch.

Der Rücksetzer hat den Preis direkt in die wichtige Retracement-Zone zwischen 4.318 und 4.229 Dollar geführt. Dort liegen das 50- und 61,8-Prozent-Retracement des vorherigen Aufwärtsimpulses. Zusätzlich wurde die 50-Tage-Linie bei rund 4.303 Dollar getestet, wo es am Mittwoch zunächst zu einer Stabilisierung kam.

Rebound oder größere Korrektur?

Kurzfristig ist die Lage nach dem dynamischen Rücksetzer stark überverkauft. Hält die aktuelle Unterstützungszone, stehen die Chancen für eine technische Gegenbewegung daher gut.

Ob daraus mehr wird, dürfte sich spätestens an der 200-Tage-Linie bei derzeit rund 4.534 Dollar zeigen. Erst eine Rückeroberung dieser Marke würde das Chartbild wieder deutlich aufhellen.

Entscheidend für die weitere Richtung dürfte aber vor allem sein, ob der Druck von den Anleihemärkten und vom US-Dollar nachlässt. Dann könnten die langfristigen Gold-Treiber wieder die Oberhand gewinnen. Bleiben die Renditen dagegen hoch und zeigen die Fed-Erwartungen weiter in Richtung einer strafferen Geldpolitik, dürfte es für den Goldpreis schwer werden, an die vorherige Rally anzuknüpfen.

Hinweis: Die dargestellten Informationen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

8 Kommentare

  1. Auf das Allzeithoch vom Jänner 26 werden wir sehr lange warten müssen, das spür ich im Urin💦😀.

  2. Langfristig wird sich Liquidität weiter verknappen. Das haben die Zinserhöhungen seit 2022 bereits bewirkt, genauso wie der Reduzierung der FED Bilanz. Die langlaufenden Staatsanleihen von westlichen Staaten steigen allesamt. Weil sich Liquidität verknappt ging auch SpaceX an die Börse, deshalb hat Alphabet eine Kapitalerhöhung gemacht, deswegen will auch Anthropic noch schnell an die Börse. weil man die höheren Zinsen bei Anleihen nicht zahlen möchte und lieber die verbliebende Liquidität am Aktienmarkt abschöpft.
    Es stagnieren in vielen westlichen Ländern nicht ohne Grund die Immobilienpreise. BTC ist nicht ohne Grund seit Oktober 2025 im Bärenmarkt. Und auch Gold fällt nicht ohne Grund seit Januar diesen Jahres.
    Es wird weiter fallen auf Welle 4 bei ca. 1600$, bevor es mal wieder übergeordnet steigt.
    Es gibt eben keinen einzigen Treiber für Gold. Steigende Staatsverschuldung ist für Gold irrelevant.
    Einzig die Liquidität zählt. Die Zinsstrukturkurve der 10 jährigen minus 3 monatigen US-Staatsanleihen ist nach der längsten und tiefsten Investierung der Geschichte wieder sehr langsam Entinvertiert.
    In anderen Worten, wir steuern auf eine ziemlich fette Rezession zu, auf eine extreme Liquiditätsverknappung, die durch Bankenpleiten verstärkt werden dürfte. Gold wird fallen, aber alles andere noch stärker.
    Auch, dass der Dollar im DXY Index abwerten soll, passt ins Bild. Die USA werden dieses mal nicht der sichere, sondern der unsichere Hafen sein, weshalb viele Investoren aus anderen westlichen Staaten Kapital abziehen werden. So kann der Dollar abwerten, und Euro, Pfund und Franken aufwerten.

    1. Von einer Verknappung der Liquidität kann ich, beim besten Willen, nichts erkennen.

      https://fred.stlouisfed.org/series/M2SL

    2. Deine Wellenzählung würde mich interessieren. Vor allem wie weit Welle 1 gelaufen ist.

  3. „…Es wird weiter fallen auf Welle 4 bei ca. 1600$, bevor es mal wieder übergeordnet steigt…“

    Dann kaufe ich das Zeug wieder.

    1. Deine Wellenzählung würde mich interessieren. Vor allem wie weit Welle 1 gelaufen ist.

      1. @Johann
        Das solltest du besser den Schwurbelmeister Schwabenpower etwas weiter oben fragen – denn @Columbo zitiert nur dessen Gefasel 😂

        1. Danke für den Hinweis, das hatte ich in meinem Eifer ganz übersehen.
          Mal sehen ob er die anderen Kommentare auch liest.
          Dann kommt möglicherweise auch so eine Antwort.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage