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Realzinsen setzen Gold unter Druck Goldpreis fällt: Warum Inflation Gold jetzt belastet statt stützt

Steigende Inflation und Renditen belasten Gold
Grafik: ChatGPT

Der Goldpreis gerät plötzlich unter Verkaufsdruck, weil steigende Inflation und kräftig anziehende Renditen von US-Staatsanleihen die Angst vor dauerhaft hohen Zinsen in den USA anheizen. Gold fiel am Mittwochmorgen zeitweise bis auf 4.453 Dollar je Unze und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende März. Seit dem Zwischenhoch vom 12. Mai bei 4.773 Dollar summieren sich die Verluste inzwischen auf rund 6,7 Prozent. Damit zeigt sich derzeit ein ungewöhnlicher Widerspruch am Markt: Inflation sorgt nicht automatisch für steigende Goldpreise — vielmehr belastet die Aussicht auf ein „Higher for Longer“ der US-Notenbank Fed das Edelmetall massiv.

Goldpreis: Belastungsfaktor Inflation

Im Fokus der Anleger steht aktuell weniger die Inflation selbst, sondern die Frage, wie aggressiv die FED darauf reagieren muss. Die hohen Energiepreise infolge des anhaltenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran verschärfen die Inflationssorgen zusätzlich. Vor allem die ausbleibenden Fortschritte bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus treiben die Ölpreise nach oben und erhöhen den Druck auf die globalen Notenbanken.

Dadurch wächst am Markt die Erwartung, dass die FED ihr Zinsniveau länger hoch halten muss. Das sogenannte „Higher for Longer“-Szenario gewinnt zunehmend an Bedeutung. Teilweise wird inzwischen sogar wieder über mögliche Zinserhöhungen spekuliert. Noch vor Beginn des Iran-Konflikts hatten viele Investoren dagegen fest mit Zinssenkungen gerechnet. Für zusätzliche Nervosität sorgt zudem der Führungswechsel bei der Fed. Anleger versuchen bereits abzuschätzen, ob Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell künftig einen härteren oder lockereren Zinskurs verfolgen könnte.

Besonders problematisch für Gold: Die Aussicht auf länger hohe Zinsen treibt die Renditen von Staatsanleihen weiter nach oben. Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen stiegen zuletzt auf Niveaus, die zuvor nur kurz vor der Finanzkrise 2007 erreicht worden waren. Auch die richtungsweisende Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen legte deutlich zu und kletterte zwischen dem 17. April und dem 19. Mai von 4,22 % auf 4,69 % — ein Anstieg von mehr als 11 % innerhalb nur eines Monats. Für Anleger werden verzinste Anlagen dadurch plötzlich wieder deutlich attraktiver als das zinslose Edelmetall.

Realzinsen im Fokus

Entscheidend für den Goldmarkt ist dabei die Unterscheidung zwischen nominalen Renditen und Realzinsen. Nominale Renditen beschreiben die tatsächlichen Zinserträge von Anleihen, während Realzinsen zusätzlich die Inflation berücksichtigen. Gerade steigende Realzinsen gelten historisch als einer der größten Belastungsfaktoren für Gold, weil Anleger dadurch real wieder höhere Erträge mit sicheren Anleihen erzielen können.

Genau dieses Umfeld belastet das gelbe Edelmetall derzeit massiv. Der stärkere Dollar, steigende Anleiherenditen, weniger Zinssenkungserwartungen und die Aussicht auf dauerhaft hohe Leitzinsen wirken aktuell toxisch auf den Goldpreis. Gleichzeitig deuteten zuletzt fehlende neue Zuflüsse in Gold-ETFs sowie rückläufige Volatilitätsindikatoren auf eine eher defensive Marktstimmung hin. Viele Anleger warten derzeit auf einen neuen klaren Katalysator.

Mittelfristig wieder bullish?

Trotz der aktuellen Schwäche könnte sich das Bild für Gold mittelfristig jedoch wieder drehen. Denn genau die Faktoren, die den Goldpreis momentan belasten, könnten später erneut für Unterstützung sorgen. Sollte sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächen, würde die FED zunehmend in eine schwierige Lage geraten. Dauerhaft hohe Zinsen beziehungsweise weitere Zinserhöhungen könnten die US-Wirtschaft zusätzlich unter Druck setzen und Rezessionsängste verstärken. Die US-Notenbank kann die steigende Inflation daher nicht mit allen Mitteln bekämpfen, da eine zu aggressive Geldpolitik das Wachstum weiter belasten würde. Genau das hält die Hoffnung auf spätere Zinssenkungen und damit auf neuen Rückenwind für Gold am Leben.

Genau an diesem Punkt könnte der Goldpreis wieder Unterstützung erhalten. Denn sobald die Märkte auf sinkende Realzinsen oder spätere Zinssenkungen setzen, verbessert sich das Umfeld für Gold meist deutlich. Auch geopolitische Risiken, hohe Staatsverschuldungen und strukturelle Inflationsrisiken bleiben langfristige Unterstützungsfaktoren.

Der Goldmarkt zeigt damit aktuell einen ungewöhnlichen Widerspruch: Kurzfristig belastet die steigende Inflation das Edelmetall — doch langfristig könnte genau diese Entwicklung den Grundstein für die nächste große Bewegung des Goldpreises legen.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Kleine Anmerkung.

    Mittel bis Langfristig ist auch die Frage, wie sich die Bilanz der FED verändern wird. Und da sieht es nach einer Trendwende, hin zu einer steigenden Bilanzsumme aus!!!:

    https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm

    Die Renditen der US Staatsanleihen steigen, aber wird dies ausländische Käufer zum Kauf bewegen?

    Die Japaner können nicht mehr.

    Die Chinesen wollen nicht mehr.

    Wenn die Staatsschulden weiter explodieren und die Anleihenkäufer nicht mehr können oder wollen, wer bleibt dann noch übrig zur Finanzierung einer zügellosen Fiskalpolitik?

    Ich hätte da so eine Idee zu einer Institution, die auch strategisch enger mit dem Finanzministerium zusammenarbeiten wird. Denn das ist es, was Warsh wirklich umzusetzen gedenkt.

    Wenn mittlerweile nur noch Argentinien (eine andere Volkswirtschaft fällt mir da im Moment nicht mehr ein) eine ernsthaft Sparpolitik lebt, sollten wir uns sorgen machen oder ist Finanzstabilität und geordnete Fiskalpolitik nur ein Fehler der Vergangenheit?

    Wieviel QE wird nötig sein um das Licht in den Industriestaaten weiter lodern zu lassen und welche Anlageklassen werden davon profitieren, das wird vielleicht die Frage sein.

    1. Das ist die Frage. Das „Krokodilmaul“ (Zinsen vs Dividendenrendite) ist weit aufgerissen und wird sich auf die eine oder andere Weise schließen. Entweder fallen die Zinsen massiv, weil die FED YCC betreibt, oder die Aktenbewertungen fallen, was die Dividendenrenditen prozentual erhöht.

      Das übliche Playbook sagt an einer solchen Stelle in normalen Zeiten: Crash am Aktienmarkt.

      Jeder muss sich also Frage stellen, sind das normale Zeiten und läuft es wie immer? Oder haben die Leute mit ihren Zyklen doch einen Punkt und es gibt Argumente dafür, dass es an diesem Punkt nicht mehr oder wenigstens nicht lange normal weiter geht?

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