Gold/Silber

Warum der Goldpreis nach den Zinsankündigungen der Fed ansteigt

Ein Barren Gold

Kurz vor Verkündung der gestrigen Entscheidung der Federal Reserve um 20 Uhr deutscher Zeit notierte der Goldpreis bei 1.762 Dollar. Für nächstes Jahr stehen laut Fed-Aussage drei Zinsanhebungen an, und für 2023 weitere drei Anhebungen (hier dazu der heutige Kommentar von Markus Fugmann). Damit werden Zinsanlagen attraktiver und der Sog in Richtung US-Dollar müsste eigentlich zunehmen – Gold wird weniger attraktiv. Somit hätte der Goldpreis eigentlich fallen müssen? Aber nein, bis jetzt sehen wir einen Preisanstieg von 1.762 auf 1.785 Dollar. Und gleichzeitig sinkt der US-Dollar (Dollar-Index fällt von 96,57 auf 96,13 Punkte), und die US-Anleiherenditen reagieren neutral (siehe Chart).

Experten mit Erklärungsversuchen für den erstaunlichen Anstieg im Goldpreis

Also, warum sehen wir diesen erstaunlichen Anstieg im Goldpreis, wo doch die Fed für die nächsten beiden Jahre gestern Abend 6 Zinsanhebungen angekündigt hat? Dies spräche nämlich eigentlich gegen Gold. Die Experten der Commerzbank sagen in ihrem heutigen Gold-Kommentar, dass die Volkswirte der Bank sich in ihrer Prognose von drei Zinserhöhungen im nächsten Jahr bestätigt sehen. Die erste Anhebung dürfte ihrer Meinung nach im zweiten Quartal erfolgen. Weder der US-Dollar noch die Anleiherenditen hätten nennenswert auf die Fed-Entscheidung reagiert. Entsprechend wenig bewegt sei auch der Goldpreis gewesen. Heute handele Gold sogar etwas fester bei 1.785 Dollar je Feinunze. Man denke, dass im Vorfeld viel eingepreist war. FMW-Anmerkung: Also hat der Markt schon genau diese sechs Zinsschritte erwartet, und die gestrige Verkündung bringt jetzt eine Reaktion nach dem Motto „es hätte noch schlimmer kommen können mit der Straffung der Geldpolitik“. Also kann man den Goldpreis „getrost“ sogar etwas ansteigen lassen? Ob diese kleine Stärke bei Gold wirklich tragfähig ist, bleibt abzuwarten.

Giles Coghlan von ForexLive sagt in einem heutigen Kurzkommentar, dass die Fed sich nicht so aggressiv wie befürchtet geäußert hat, und weitgehend den Erwartungen entsprochen habe, so dass man am Markt eine Art „buy the rumour sell the fact“-Reaktion erlebt habe (Kauf das Gerücht, verkaufe die Fakten). Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im April liege jetzt bei etwa 90 Prozent, aber die längerfristige Sichtweise der Fed sei unverändert. FMW: Durch „Kauf das Gerücht, verkauf die Fakten“ sehen wir also nach der Angst vor fallenden Aktienkursen nun steigende Aktien, und nach der Angst vor einem fallenden Goldpreis daher nur einen steigenden Preis?

Naeem Aslam von Avatrade sagt heute, dass der Dollar-Index überraschenderweise gesunken ist, trotz der aggressiven Haltung der US-Notenbank, und der Goldpreis sei angestiegen. Dies sei merkwürdig, denn wenn die Zentralbank so aggressiv agiert, steigt der Dollar-Index in der Regel an, da höhere Zinsen die Nachfrage nach dieser Währung in die Höhe treiben. Dies sei jedoch nach der gestrigen FOMC-Sitzung nicht der Fall gewesen. Dies könnte laut Naeem Aslam möglicherweise auf die zunehmenden Fälle der Omikron-Variante zurückzuführen sein, die die Anleger dazu veranlassten, sich in Gold zu engagieren, bis sich die Situation mit dem Coronavirus abgekühlt hat.

Abschließend kann man sagen: Dieser seit gestern Abend stattfindende kleine Anstieg im Goldpreis scheint auf wackligen Beinen zu stehen.

Chart vergleicht Goldpreis mit US-Dollar und US-Anleiherendite
TradingView Chart zeigt seit gestern früh den Goldpreis in blau im Vergleich zum US-Dollar und zur zehnjährigen US-Anleiherendite.



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1 Kommentar

  1. Ich habe zwar meine private Altersversorgung seit etwa 20 Jahren in physischem Gold angelegt. Aber nicht so sehr um dadurch große Kapitalerträge zu haben, sondern etwas zu haben was die Inflation ausgleicht, sicher ist, anonym ist, und der Kapitalertrag nicht versteuert werden muss. Sicherlich kann sich der Goldpreis verzehnfachen, aber der Preis für das Brot dann auch.
    Wenn mir die Kaufkraft erhalten bleibt, dann bin ich zufrieden.
    Ich glaube nicht, dass Gold viel mehr als die Inflationsrate steigen wird.
    Der Goldpreis hat sich in Euro ja auch schon in den letzten 20 Jahren mehr als verfünffacht, und 2019/20 ist er zusammen um etwa 37% gestiegen.
    Zusammenfassend: Wenn die Minenkosten nicht explodieren und die Inflation nicht anfängt zu gallopieren, dann wird Gold nur ganz moderate Kurssteigerungen hinlegen, die nur etwas über der Inflationsrate liegen werden.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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