Gold/Silber

Goldpreis steigt kräftig an – Analysten sind sich einig über den Grund

Mehrere Barren aus Gold

Der Goldpreis steigt derzeit gut an. In den letzten 24 Stunden ging es aufwärts von 1.855 Dollar auf 1.885 Dollar. Aber warum? Man erinnere sich an vorgestern. Da gab es Aussagen von russischer Seite über den teilweise Abzug von Truppen von der ukrainischen Grenze. Daraufhin atmeten die Märkte auf, der Risikoappetit nahm zu. Aktien rauf, Goldpreis (sicherer Hafen) runter – so einfach war das. Aktuell nun dreht sich dieses Szenario ins Gegenteil, nachdem jüngste Aussagen von NATO und USA keinen Abzug russischer Truppen sehen. Also: Wieder mehr Kriegsangst? Gold profitiert von dieser Angst. Man sieht im Chart (Verlauf seit dem 20. Januar), dass der Goldpreis steigt (blaue Linie) – die Renditen für US-Staatsanleihen (orange) steigen aber ebenfalls seit Tagen. Sie drücken normalerweise Gold nach unten. Dass Gold dennoch ansteigt, zeigt die aktuelle Unabhängigkeit des Gold-Bewegung vom Anleihemarkt. Man fokussiert sich in erster Linie auf den Russland-Konflikt – zumindest derzeit! Aber dies könnte sich wieder ändern, wenn Themen wie Fed, Inflation und Zinsen wieder wichtiger werden.

Goldpreis steigt an – Analysten sind sich einig über den Hauptgrund

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote, sagt heute, dass die gute Stimmung nicht lange anhielt, da die USA die Spannungen nicht abklingen ließen und darauf bestanden, dass Russland seine Truppen keineswegs zurückzieht, sondern vielmehr seine Präsenz an der ukrainischen Grenze verstärkt. Die Warnung der USA habe den Appetit der Anleger in der gestrigen Sitzung beeinträchtigt und die Kursgewinne der Aktienindizes in der Vorwoche zunichte gemacht. Infolgedessen hätten die Geldströme auf den Weg zum sicheren Hafen den Goldpreis erneut in die Höhe gepusht. Der Preis für eine Unze Gold liegt wieder über der Marke von 1.875 Dollar. Wenn die USA die Situation nicht deeskalieren lassen, könnte der Goldpreis nach Meinung von Ipek Ozkardeskaya in den kommenden Sitzungen die 1.900 Dollar-Marke erreichen. Aber die Gewinne würden anfällig bleiben für jegliche Entspannung an der ukrainischen Grenze. Und „kein Krieg“ sei das Basisszenario.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei Avatrade, sagt heute, dass der russisch-ukrainische Streit den Goldpreis in den letzten Tagen gestützt hat, da die Anleger das Edelmetall kauften, um sich gegen eine mögliche Volatilität der Aktienmärkte abzusichern. Darüber hinaus würden auch die steigenden Verbraucherpreise zum Anstieg im Goldpreises beitragen. In Zukunft sollten sich die Anleger seiner Meinung nach jedoch darüber im Klaren sein, dass eine Straffung der Geldpolitik durch die amerikanische Zentralbank den Goldpreis nach unten ziehen könnte.

Die Experten der Commerzbank sind der Meinung, dass die Nachrichtenlage im Russland-Ukraine-Konflikt widersprüchlich bleibt. Führende westliche Politiker würden den russischen Meldungen über einen vermeintlichen Teilabzug russischer Truppen von der ukrainischen Grenze keinen Glauben schenken. NATO-Generalsekretär Stoltenberg habe sogar davon gesprochen, dass die russische Truppenpräsenz bis zuletzt verstärkt worden sei. Das Risiko eines russischen Einmarsches in die Ukraine sei aus Sicht der Marktteilnehmer trotz gegenteiliger Beteuerungen Russlands nicht gebannt.

Daniel Briesemann von der Commerzbank sagt heute, dass der Goldpreis gestern Nachmittag kräftig angezogen hat, und heute weiter zulegt. Damit seien fast alle zwischenzeitlichen Verluste aufgeholt. Die unklare Nachrichtenlage rund um die Ukraine-Krise führe zu einer offenbar starken Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen, was sich auch in ETF-Zuflüssen widerspiegelt. Das gestern Abend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Fed hatte seiner Aussage nach kaum Auswirkungen auf den Goldpreis. Das Fed-Protokoll habe die falkenhafte Neigung der Fed bestätigt. Gemäß dem Protokoll seien die FOMC-Mitglieder bereit die Zinsen bald zu erhöhen. Die nachhaltige Inflation sollte eine schnellere Straffung der Geldpolitik rechtfertigen. Der Präsident der Fed von Minneapolis habe allerdings vor zu aggressiven Zinserhöhungen gemahnt, denn diese würden das Risiko einer Rezession bergen.

Chart vergleicht Goldpreis mit US-Anleiherendite TradingView Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis (blau) gegen die zehnjährige US-Anleiherendite (orange) seit dem 20. Januar.



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2 Kommentare

  1. Schreiner Krug ( Hobelpreisträger)

    Und das neue Schneeball- Gold ( Krypto) verhält sich genau gegenteilig und schmilzt wenn’s heiss wird. Also das Mantra Krypto = das neue Gold ist somit hinfällig.Nach der ALLESBLASE ( Anleihen,Aktien, Immobilien, Kryptos) bleiben nur noch echte Werte wie Rohstoffe, Energie und Lebensmittel wo das gedruckte Geld hinfliesst und das tut weh, wogegen an den Asset- Inflationen alle Freude hatten obwohl man wissen musste dass es nicht gut gehen konnte.Eine ALLESBLASE hat es m.W.noch nie gegeben und kann nur in manipulierten Märkten vorkommen, denn in funktionierenden Märkten sind Aktien und Anleihen in einem gewissen Ausgleich.So sind bei guter Wirtschaft Aktien hoch- Zinsen hoch- Anleihen tief.
    Die Manipulationen haben die Märkte so verwirrt,dass selbst die NOBELPREISTRÄGER staunen.

  2. Nachtrag: Der Name ist Schreiner Krugmann, nicht Krug. Ich finde den kürzlichen Beitrag auf FMWnicht mehr, wo Krugmann die Inflation schönredete . Bitte um Hinweis.
    Vielen Dank

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