Gold

Starke Nachfrage, schwacher Preis Goldpreis: Historische Goldkäufe – warum schwächelt Gold?

Grafik: ChatGPT

Eine Richtungsentscheidung beim Goldpreis ist noch nicht gefallen. Während China weiter massiv Gold kauft und Zentralbanken so viele Goldkäufe planen wie nie zuvor, kommt das Edelmetall trotz dieses außergewöhnlich starken Fundaments nicht vom Fleck. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, hat einen entscheidenden Grund. Warum der Goldmarkt derzeit zwei völlig gegensätzliche Signale sendet, könnte für Anleger in den kommenden Monaten zur entscheidenden Frage werden.


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China bleibt ein massiver Goldkäufer

China zählt seit Jahren zu den wichtigsten Stützen des Goldmarktes – und daran hat sich nichts geändert. Die People’s Bank of China (PBOC) hat laut neuesten Daten ihre Goldreserven im Juni den 20. Monat in Folge aufgestockt. Mit einem Zukauf von rund 480.000 Feinunzen fiel der Anstieg so hoch aus wie seit Oktober 2023 nicht mehr.

Bereits zuvor hatte sich die starke Goldnachfrage abgezeichnet. Laut einem Bloomberg-Bericht erreichten Chinas Goldimporte im Mai rund 163 Tonnen und damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. In den ersten fünf Monaten summierten sich die Einfuhren auf rund 692 Tonnen – ein Plus von etwa 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Neben der hohen Nachfrage nach Goldbarren sorgen auch Goldsparpläne und erleichterte Importregelungen dafür, dass Gold in China als Wertspeicher weiterhin stark gefragt bleibt.

Zentralbanken setzen auf Gold


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China ist dabei längst kein Einzelfall. Vielmehr greifen Notenbanken weltweit weiter beherzt zu und entwickeln sich zunehmend zum wichtigsten langfristigen Stützungsfaktor des Goldmarktes.

Laut einer im Juni durchgeführten Umfrage des World Gold Council (WGC) plant mit 45 Prozent ein Rekordanteil der befragten Zentralbanken, die eigenen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter auszubauen. Gleichzeitig erwarten 89 Prozent der Notenbanken, dass die weltweiten Goldreserven insgesamt weiter steigen werden.

Seit vier Jahren kaufen Zentralbanken im Durchschnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Im Jahrzehnt zuvor lag dieser Wert lediglich bei etwa 500 Tonnen jährlich. Als Hauptgründe gelten geopolitische Unsicherheiten, die Diversifizierung der Währungsreserven und die schrittweise Verringerung der Abhängigkeit vom US-Dollar. Rund drei Viertel der befragten Zentralbanken rechnen damit, dass der Dollar in den globalen Währungsreserven künftig an Bedeutung verliert, während Gold weiter an Gewicht gewinnt.

Warum der Goldpreis trotzdem schwächelt

Eigentlich müsste der Goldpreis von dieser Entwicklung deutlich profitieren. Doch genau das passiert derzeit nicht. Statt neuer Höchststände dominiert seit Wochen eine zähe Konsolidierung. Aktuell notiert Gold bei rund 4.134 US-Dollar je Feinunze, nachdem der Goldpreis am 30. Juni zwischenzeitlich bis auf 3.942 US-Dollar gefallen war. Trotz dieser Erholung bleibt das Edelmetall damit weiterhin deutlich unter seinem Rekordhoch.

Denn während langfristige Käufer wie China und zahlreiche Zentralbanken den Markt weiter stützen, geraten kurzfristig ganz andere Kräfte in den Fokus. Vor allem die Geldpolitik der US-Notenbank Fed sorgt derzeit für Gegenwind. Höhere Anleiherenditen und ein robuster US-Dollar erhöhen die Opportunitätskosten der zinslosen Anlage Gold und bremsen die Nachfrage vieler Finanzinvestoren. Zudem schürten steigende Inflationsrisiken infolge des Iran-Konflikts die Erwartung einer länger restriktiven Fed. Gewinnmitnahmen nach der starken Rally und eine verhaltene ETF-Nachfrage belasteten den Goldpreis zusätzlich.

Der Goldmarkt wird damit aktuell von zwei völlig unterschiedlichen Kräften bestimmt: Während Notenbanken den Markt strukturell stützen, orientieren sich viele kurzfristig agierende Anleger vor allem an den Zinserwartungen und der Entwicklung des US-Dollars.

Selbst Analysten werden vorsichtiger

Dass sich das kurzfristige Umfeld eingetrübt hat, zeigt inzwischen auch der Blick auf die großen Investmentbanken. Nach Goldman Sachs wird nun auch die Deutsche Bank vorsichtiger.

Goldman Sachs senkte seine Goldpreisprognose zuletzt um 500 US-Dollar auf 4.900 US-Dollar zum Jahresende. Auch die Deutsche Bank kappte ihre Prognose deutlich und erwartet nun nur noch einen Goldpreis von 4.300 US-Dollar je Feinunze statt bislang 4.800 US-Dollar. Beide Häuser verweisen unter anderem auf das höhere Zinsniveau, den starken US-Dollar und eine schwächere Investmentnachfrage. An ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung für Gold halten die Analysten jedoch fest.

Der Goldmarkt steckt derzeit in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld. Auf der einen Seite sorgen China und die Zentralbanken mit ihren anhaltenden Käufen für ein außergewöhnlich starkes Fundament. Auf der anderen Seite bremsen hohe Zinsen, ein robuster US-Dollar und vorsichtiger werdende Analysten die Entwicklung des Goldpreises. Welche dieser Kräfte sich am Ende durchsetzt, dürfte darüber entscheiden, ob Gold schon bald wieder Kurs auf sein Rekordhoch nimmt – oder die Konsolidierung noch etwas länger anhält.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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6 Kommentare

  1. Ich denke, die Staaten, um die Straße von Hormus, werden jede Menge Gold verkauft haben, um den Ausfall der Öl- und Gasgeschäfte zu kompensieren.
    Es ist nun zynisch von mir.
    Aber ich hoffe, sie werden weiter Gold verkaufen müssen, bis ihre Öl- und Gasanlagen wieder repariert sind und Öl und Gas wieder durch die Straße von Hormus fließen kann. Ein tiefer Goldpreis käme mir im November sehr gelegen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Genau. Ausserdem die ganze Goldhandel in Dubai wird dieses Jahr nicht mehr laufen. Indien, Türkei, Russland müssen auch Ihr Gold verkaufen. China, Brasilien werden sich freuen, dass die Gold billiger kriegen. Aber wenn Iran Konflikt vorbei ist und KI Blase platzt, wird Gold wieder sehr gefragt.

  2. Der Goldpreis weist ein sehr steifes Preisverhalten bei 3000 T/a auf. Wenn während einer Liquiditätskriese die Nachfrage nur um wenige hundert Tonnen pro Jahr sinkt oder steigt, verursacht dies entsprechende Preisaussschläge.

    Was sind die Ursachen für die Liquiditätskriese? Wo liegen die Leichen im Keller? Ist Private-Loan schon erfolgreich unter dem Teppich, oder ist das noch Work in Progress?

  3. Gut, wer als Papiergoldspekulant zum falschen oder richtigen Zeitpunkt investiert oder verkauft hat, hat entweder eine Menge Geld verdient oder verloren.

    Und was machen die physischen Horter?
    Die Langfristigen, wie ich, haben zugeschaut, wie Gold sich in den letzten 26 Jahren von 280 Dollar auf 4.000 Dollar im Preis erhöht hat.
    Mit bis zu etwa 40 % Kurseinbrüchen zwischendurch.
    Und was ist dadurch passiert?
    Der Goldpreis hat sich etwas mehr als vervierzehnfacht in den ganzen Jahren. Etwas mehr als 10,5 % geglätteten steuerfreien Kapitalertrag über 26 Jahre.

    Zusammenfassend:
    Es ist für physische Horter nicht mehr passiert, als dass der Goldpreis von 280 Dollar auf 4.000 Dollar gestiegen ist.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  4. Genau wich ich mir das gedacht habe.
    Der Krieg flammt wieder auf, die Anliegerstaaten können immer noch nicht ausreichend Öl verkaufen, sondern müssen Gold verkaufen und der Goldpreis sinkt.
    Ich halte mir die Damen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  5. Naja, Russland hat keine 2 % (34 Tonnen) seiner Goldbestände im ersten Halbjahr 2026 verkauft. Das bei einer Jahresförderung von etwa 300 Tonnen Gold.
    Dagegen werden die Staaten um die Straße von Hormus sicherlich einige Tonnen Gold mehr verkauft haben, um die fehlenden Öleinnahmen auszugleichen.
    Die Chinesen werden sich gefreut haben.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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