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Flucht in sichere Häfen Goldpreis: Höchster Stand seit Februar-Absturz – warum er steigt

Goldpreis auf Hoch seit Februar-Abverkauf – warum er steigt
1kg-Goldbarren bei Conclude Zrt in Budapest, Ungarn. Foto: Akos Stiller/Bloomberg

Der Goldpreis behauptet sich nach vier Tagen mit deutlichen Gewinnen, auch Silber legte zuletzt spürbar zu. Anhaltende Unsicherheit über die US-Handelspolitik infolge neuer Zölle sowie wachsende Spannungen im Nahen Osten – insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran – erhöhen die Nachfrage nach sicheren Häfen. Während Aktienmärkte schwanken und der Kryptomarkt unter Druck steht, stabilisiert sich Gold oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 5.000 US-Dollar je Unze.

Zoll-Chaos stützt Goldpreis

Der Goldpreis kletterte im frühen Handel zeitweise bis auf 5.249 US-Dollar je Unze – der höchste Stand seit dem Abverkauf Anfang Februar – bevor er im asiatischen Handel seine Gewinne wieder abgab. In den vorangegangenen vier Sitzungen hatte das Edelmetall um mehr als 7 % zugelegt, während die internationalen Finanzmärkte zunehmend nervös auf die jüngsten handelspolitischen Entwicklungen in den USA reagieren.

Präsident Donald Trump kündigte am Samstag an, einen globalen Importzoll auf 15 % anzuheben. Hintergrund ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten gegen seine sogenannten „reziproken Zölle“. Laut einem Bloomberg-Bericht sorgte die Entscheidung zum Wochenauftakt für erhebliche Unsicherheit, da sie bestehende Handelsvereinbarungen infrage stellt und neue Konflikte provoziert.

Mehrere Handelspartner der USA sehen sich mit widersprüchlichen Signalen konfrontiert. Die Europäische Union stellte in einer internen Bewertung fest, dass Trumps neue Zollpolitik Abgaben auf bestimmte Exporte über das im Handelsabkommen erlaubte Maß hinaus erhöhen würde. Das belastet die ohnehin angespannten transatlantischen Beziehungen zusätzlich.

In diesem Umfeld suchen Investoren verstärkt Schutz in defensiven Anlageklassen. Der Goldpreis konnte sich nach dem starken Ausverkauf zu Monatsbeginn wieder deutlich erholen und bis auf 5.200 US-Dollar ansteigen. Silber legte ebenfalls deutlich zu und erreichte am Montag kurzzeitig die Marke von 89 Dollar, ehe leichte Gewinnmitnahmen einsetzten.

Goldpreis steigt: US-Zölle und Iran-Konflikt treiben Gold und Silber an
Gold legt zu, da die Unsicherheit über US-Zölle und Iran wächst

Geopolitische Spannungen und Ausblick

Zu Beginn des Monats hatte eine Welle spekulativer Käufe die mehrjährige Rally von Gold und Silber auf die Spitze getrieben. Der Goldpreis erreichte Ende Januar ein Rekordhoch von über 5.595 US-Dollar je Unze, während der Silberpreis auf 121 Dollar stieg, bevor es zu einer abrupten Korrektur kam. Diese historische Volatilität markierte einen Wendepunkt, doch viele Marktbeobachter sehen die fundamentalen Treiber weiterhin intakt.

Zahlreiche Banken gehen davon aus, dass sich die Preise mittelfristig erneut erholen könnten. Als zentrale Faktoren gelten Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed, eine strukturelle Abkehr von Staatsanleihen und Papierwährungen sowie erhöhte geopolitische Risiken.

Besonders die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Die USA haben dort die größte militärische Präsenz seit 2003 aufgebaut. Parallel dazu sollen in dieser Woche Gespräche über das iranische Atomprogramm wieder aufgenommen werden. Präsident Trump betonte zwar seine Präferenz für eine diplomatische Lösung, warnte jedoch, es werde ein „sehr schlechter Tag“ für den Iran, falls keine Einigung erzielt werde. Gleichzeitig wies er Berichte zurück, wonach das Pentagon Bedenken hinsichtlich der Dauer und Komplexität eines möglichen Militäreinsatzes habe.

Zum Stand von 9:32 Uhr in Frankfurt gab der Goldpreis rund 1 % auf 5.173,19 US-Dollar je Unze nach. Silber verlor 0,3 % auf 87,98 US-Dollar. Platin und Palladium verzeichneten ebenfalls leichte Kursverluste. Der Dollarindex legte um 0,16 % zu, nachdem er die vorherige Sitzung mit einem Plus von 0,1 % beendet hatte.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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7 Kommentare

  1. Gold steigt immer (mit Schwankungen) seitdem der Preis 1971 freigegeben wurde.
    Nur Gold ist Geld.
    Erst wenn doch einmal ein Goldstandard eingeführt werden sollte, ist es vorbei mit den Goldpreis -Steigerungen.
    Dann setzt der Staat den Goldpreis fest.
    Privat in größeren Mengen Gold halten macht dann keinen Sinn mehr.
    Ein Goldverbot ist dann auch nicht mehr nötig.
    Denn bei einem Goldstandard fließt mehr Gold an die Zentralbanken zurück, als bei einem Goldverbot.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Schon erstaunlich wie der Goldpreis bei den 5 500 sofort unter Druck kam…

    Oder doch nicht? Viele Marktteilnehmer wollten genau an dieser Marke Kasse machen und nachfolgende Käufer waren nicht in Sicht…das Gleiche …wie bei den 120 im Falle des Silberpreises…

    Jetzt kommen die ersten Käufer wieder zurück…Wird sich die Geschichte wiederholen?

  3. Wundervoll, einfach wundervoll! Ich hatte das Glück, phyisches Gold bei 1.800 USD und Silber bei 35 USD je Unze zu kaufen und werde sie – so mein Plan – in den nächsten 20 Jahren nicht verkaufen. Gesucht wurde ein Wertspeicher, jetzt werde ich vielleicht noch reich. Ich *pfeif* mich an vor Idiotenglück.

    1. Patrick Pence
      So erging mir das mit Gold im Jahre 2000 für 280 Euro und Silber für 5 Euro die Unze.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

      1. @Helmut, kurzer Hinweis; ich habe vorhin einen Kommentar von Ihnen gelöscht, der Sachargumente enthielt, aber anfing mit: „Sie sind dumm..“. So etwas lösche ich grundsätzlich, auch wenn in der Folge sachliche Argumente kommen. Lasst uns endlich diskutieren und nach Erkenntnis streben, statt einander zu beschimpfen!!

        1. Lieber Herr @Markus Fugmann,
          für Ihren (erneuten) Vorstoß zu einer sachlicheren Diskussionskultur möchte ich Ihnen ausdrücklich meine Zustimmung und meinen Respekt aussprechen. Es wirkt beinahe wie ein Sisyphos-Projekt – denn eigentlich sollte es erwachsenen Leserinnen und Lesern nicht allzu schwerfallen, gegenteilige Auffassungen in höfliche oder zumindest akzeptable Worte zu kleiden und auf persönliche Angriffe zu verzichten.

          Ich hoffe sehr, dass Sie die notwendige Ausdauer aufbringen, diese Linie konsequent beizubehalten – idealerweise mit demselben wachsamen Blick auf alle Bereiche des politischen Spektrums.

          Ein anderer Kommentator thematisierte kürzlich ein «Trio Infernale», auf das sich viele dieser sprachlichen und intentionalen Entgleisungen offenbar konzentrieren. Tatsächlich ist es wohl jene kleine Gruppe besonders eifriger Vielschreiber, die einen beträchtlichen Anteil der fragwürdigen Kommentare stellt.
          Das künstlerisch-skurril-poetische Phänomen @Holger Voss aus der 5. Dimension (ff.) möchte ich dabei ausdrücklich als bereichernde Ausnahme hervorheben 😉

          In diesem Sinne: auf eine neue Kultur des Erkenntnisstrebens – und der fairen Behandlung aller Beteiligten😘

          1. @Anna Luisa, herzlichen Dank! Genau das ist es: „auf eine neue Kultur des Erkenntnisstrebens – und der fairen Behandlung aller Beteiligten“!

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