Gold/Silber

Goldpreis in Euro erreicht neues Rekordhoch

Goldbarren

In Euro notiert der Goldpreis aktuell auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Das gelbe Edelmetall wird damit seiner Funktion als sicherer Hafen erneut gerecht.

Goldpreis in Euro mit neuem Verlaufshoch

Der Preis für eine Unze Gold erreichte heute Morgen ein neues Verlaufshoch bei 1.415,48 Euro pro Unze (31,1 Gramm). Damit übertrafen die Notierungen das bisherige Verlaufshoch vom 3. September des letzten Jahres bei 1.413,57 Euro pro Unze. Aktuell notiert der Goldpreis etwas leichter bei ca. 1.406 Euro pro Unze.

Goldpreis in Euro Chartverlauf

Natürlich profitiert der Goldpreis in der aktuell angespannten geopolitischen Situation von seiner Funktion als Absicherungsinstrument für Vermögen. Die physische Nachfrage ist jedoch bereits seit Mitte des vierten Quartals 2019 aus verschiedenen Gründen stark angestiegen. Dieser starke Nachfrageschub spiegelt sich in Engpässen bei Edelmetallhändlern wider, was zu einer deutlichen Ausweitung der Spreads bei physischen Goldanlageprodukten wie Münzen und Barren geführt hat (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs).

Normalerweise tut sich der Goldpreis gemessen in Euro in Phasen geopolitischer Eskalationen, wie aktuell zwischen dem Iran und den USA, schwerer, anzusteigen, als die Gold-Notierungen in US-Dollar. Für gewöhnlich gilt bei derartigen internationalen Spannungen mit latenter Kriegsgefahr der US-Dollar ebenfalls als sicherer Hafen und wertet auf, was den Goldpreis in Euro ausbremst. Nicht so dieses Mal.

Nach einem kurzen Anflug von Stärke am 2. und 3. Januar in Reaktion auf die Tötung des iranischen Generalmajors Ghassem Soleimani gab der US-Dollar seine zwischenzeitlichen Gewinne bis jetzt nahezu vollständig wieder ab. Der Euro ist sogar dabei, die Marke von 1.12 zum US-Dollar trotz anhaltender Eskalation im USA-Iran Konflikt zurückzuerobern. Auch der Goldpreis in US-Dollar hat heute Morgen mit einer kräftigen Abrisslücke nach oben eröffnet und setzt seiner Hausse ebenfalls weiter fort.

Euro vs US-Dollar Chart

Politische Börsen haben kurzen Beine?

Die Illusion, speziell vieler amerikanischen Marktteilnehmern, dass geopolitische Entwicklungen zeitlich nur sehr begrenzten Einfluss auf die Finanzmärkte haben, ist falsch. Ich hatte diese falsche Ansicht bereits in einem Artikel vom 6. September an Hand von vier aktuellen Beispielen widerlegt, bei denen politische Entwicklungen massiven und nachhaltigen Einfluss auf die Vermögenspreise haben. Natürlich bewegt sich der Einfluss politischer bzw. geopolitischer Entwicklungen auf die Märkte in Wellen, da es immer wieder oberflächlich betrachtet zu Konfliktpausen kommt. Unter der Oberfläche brodeln diese Konflikte jedoch weiter und brechen regelmäßig wie ein aktiver Vulkan erneut aus.

So auch im aktuellen Fall der gezielten Tötung des iranischen Generalmajors Qasem Soleimani. Die Aufgabe des Kommandeurs der Quds-Einheit, einer Unterabteilung der iranischen Revolutionsgarde, die Spezialeinsätze außerhalb des Irans durchführt, bestand schon seit Jahren darin, einen Krieg des militärisch unterlegenen Iran gegen Israel und die USA vorzubereiten. Da dies nur mit einer asymmetrischen Kriegsführung gelingen kann, versuchte der Iran unter Führung von Soleimani verbündete in der Region zu finden und pro iranische Milizen in den Nachbarländern aufzubauen, um im Ernstfall überall in der Region US-Militärbasen angreifen zu können. Aus Sicht des Irans war dies zumindest teilweise auch eine Verteidigungsstrategie. In westlichen Medien wird der Iran hingegen ausschließlich als Querulant in der Region tituliert, der sich überall versucht einzumischen. Als ob dieser Fakt nicht auch auf unseren Verbündeten die USA zutreffen würde, der ungeniert seine Interessen in der Region durchsetzt – koste es, was es wolle.

Nachdem der Iran sich nun nach eigenem Bekunden nicht mehr an das Atomabkommen gebunden fühlt und eine militärische Eskalation im Zuge eines Racheaktes noch aussteht, muss man sich als Anleger darauf einstellen, dass auch im Jahr 2020 geopolitische Risiken fester Bestandteil der Gesamtgemengelage bleiben werden. Zumal auch der Konflikt mit Nordkorea erneut zu eskalieren droht, nachdem Machthaber Kim Jong Un zum Neujahrstag das Ende des Atomtest-Stopps erklärt hat.
Weitere politische Einflüsse bleiben der Brexit, die extrem laxe Geldpolitik sowie der alles andere als überwundene weltweite Handelskrieg.

Fazit und Ausblick

Da die geopolitischen Risiken nur ein Grund sind, Gold als Vermögensabsicherung zu halten, wird die Nachfrage auch in diesem Jahr und in Anbetracht der nachhaltigen diversen politischen Unsicherheiten hoch bleiben. Der jüngste Kursanstieg des Goldpreises zeigt erneut, dass Gold empirisch belegbar Vermögensportfolios in Phasen großer Unsicherheit stabilisieren kann. Dabei ist die Geopolitik nicht einmal der wesentliche Treiber für den Goldpreis. Als ultimative Reservewährung ist Gold quasi das Backup des nach wie vor US-Dollar zentrischen Weltfinanzsystems.

Die unkalkulierbaren Risiken aus dem historisch einmaligen monetären Experiment weltweit ungedeckter Fiat-Währungen machen Gold für Staaten, Banken, nichtfinanzielle Unternehmen und Privathaushalte zu einem unverzichtbaren Bestandteil auf der Aktivseite der Vermögensbilanz. Diese Erkenntnis dürfte im Zuge der abenteuerlichen Außenpolitik der USA tendenziell weiter zunehmen.



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