Gold/Silber

Goldpreis: Liegen die Risiken auf der Unterseite?

 

Goldpreis: Liegen die Risiken auf der Unterseite?

Der Goldpreis kommt nicht vom Fleck. Belastende Faktoren wie ein starker US-Dollar und steigende Anleiherenditen trüben die Stimmung der Gold-Bullen ein. Zuvor hatten Anleger auf der Suche nach einem Inflations- und Krisenschutz die Nachfrage nach dem goldenen Edelmetall nach oben getrieben. Mit einem Kurs von 1.930 US-Dollar pro Feinunze hat der Goldpreis sogar einen neuen Rekord aufgestellt. Zum Ende des ersten Quartals 2022 war der Preis für Gold so teuer wie nie zuvor an einem Quartalsende.

Kurzfristig dürften die bevorstehenden Zinserhöhungen der Fed wegen der anziehenden Inflation für Gegenwind sorgen, aber die Geschichte zeige, dass ihre Wirkung begrenzt sei. In der Vergangenheit hat sich Gold insbesondere vor und zu Beginn einer Zinswende tendenziell unterdurchschnittlich entwickelt. In den Monaten nach den ersten Zinserhöhungen habe der Goldpreis jedoch deutlich besser abgeschnitten.

Der jüngste CoT-Report zeigt, dass an den Terminmärkten der jüngste Hype für das Edelmetall erst einmal nachgelassen hat. Allerdings ist derzeit auch kein überdurchschnittliches Verkaufsinteresse auszumachen. Die Entwicklung schlägt sich auch im Chart nieder, der Goldpreis startet nämlich richtungslos in die neue Handelswoche.

Sind die Notenbanken wirklich so falkenhaft?

Die Inflationsraten sowohl in den USA als auch in der Eurozone notieren über 7 Prozent – dies sollte die Fed und EZB eigentlich ziemlich unter Druck setzen, die Geldpolitik zu straffen. Um die Preisstabilität zu sichern, wäre es demnach ihre Aufgabe, gegen die ausufernde Inflation vehement vorzugehen. Also die Zinsen schnell und konsequent zu erhöhen – was das zinslose Gold belasten würde. Aber angesichts der hohen Verschuldung hat die Fed bisher nur einen Zinsschritt von 25 Basispunkten vollzogen, während die EZB sogar weiterhin Liquidität in die Märkte pumpt.

Schaut man nur auf das Verhalten der Notenbanken und blendet die hawkishen Töne aus, dann sind die Befürchtungen manch eines Ökonomen unbegründet, dass die US-Notenbank die Zinserhöhungen übertreiben könnte. Sollten die Zinsen doch nicht so schnell steigen wie erwartet, würde sich das stabilisierend auf den Goldpreis auswirken. Kurzfristig müssen Gold-Anleger aber mit Gegenwind rechnen, denn die Fed dürfte im Mai die Zinsen um 50 Basispunkte erhöhen. Die Erwartung steigender Zinsen wirkt sich zudem auf die Anleiherenditen aus. Die 10-jährige Rendite für US-Staatsanleihen notiert aktuell bei 2,46 Prozent, der höchste Wert seit 2019.

Inflation und Ukraine-Krieg stützen

Gold gilt in Zeiten hoher Inflation und Krisen wie dem Krieg in der Ukraine als sicherer Hafen. In Kriegssituationen kann sich das Marktumfeld schnell ändern, da diverse Einflussfaktoren auf die Märkte einprasseln. Steigende Ölpreise sowie Sanktionen und Gegensanktionen führen schnell zu Verwerfungen, die den Goldpreis antreiben können. Die aktuellen geopolitischen Spannungen und die hohe Inflation bergen Risiken für die Märkte, was zunächst für Gold spricht. Jede kleine Annäherung in den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine dürften jedoch den Risikoappetit der Marktteilnehmer erhöhen. In der Folge könnte der Goldpreis weiter nachgeben. Da bereits ein Großteil der Gefahren eingepreist sind, dürfte kurzfristig das Risiko bei der Entwicklung des Goldpreises auf der Unterseite liegen.

Goldpreis: Fortsetzung der Konsolidierung?

Infolge des Ukraine-Kriegs konnte der Goldpreis nach oben ausbrechen und hat in Euro sogar ein neues Allzeithoch erreicht. In US-Dollar ist es ihm hingegen nicht gelungen. Am 8. und 9. März kletterte der Kurs bis an die Rekordmarke heran, prallte aber kurz davor nach unten ab. Seitdem befindet sich der Goldpreis in einer Konsolidierungsphase. Zuletzt pendelte der Kurs meist in einer Spanne zwischen 1.910 und 1.949 USD. Zwischenzeitlich fiel der Preis für Gold bis an die 50-Tage-Linie, hier konnte der Preisverfall gestoppt werden. Oberhalb der Durchschnittslinie, die aktuell bei 1.900 USD verläuft, bleiben die Gold-Bullen am Ruder. Die Abkühlung des Relative-Stärke-Index (RSI) auf einen Wert von 50 ist kurzfristig positiv zu werten. Allerdings bietet der Indikator Spielraum in beide Richtungen.

Ein Rutsch unter das letzte lokale Tief bei 1.915 USD könnte jedoch die Abwärtsdynamik erhöhen. Fällt der Goldpreis anschließend unter die horizontale Unterstützung bei 1.910 USD, ist mit einem Test der Durchschnittslinie zu rechnen. Ein Durchbruch auf der Unterseite würde das Chartbild weiter eintrüben. Dann könnten wir einen Rücksetzer bis an die Zone bei 1.882/1.868 USD sehen.

Gold zwischen den Stühlen - Inflation und Zinswende

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