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Gold/Silber

Goldpreis zwischen Liquiditätsloch und Helikoptergeld

Hannes Zipfel

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Beispielbild für Gold Barren

Der Goldpreis befindet sich aktuell auf der Zeitebene zwischen dem durch die Coronavirus-Krise ausgelösten Liquiditätsloch an den Märkten sowie dem Wirkeintritt der geldpolitischen Tsunamiwelle. Dennoch hat sich der Preis des gelben Edelmetalls trotz des Deflationslochs im Vergleich zu anderen Vermögenspreisen bisher relativ gut gehalten. Noch wirken beim Goldpreis die Abtriebskräfte der Zwangsverkäufe vieler Investoren den Auftriebskräften durch die Liquiditätsflutung der Notenbanken und Fiskalpolitiker entgegen.

Der Goldpreis leidet noch relativ moderat unter der Liquiditätsklemme

Im Vergleich zu den Preisen konkurrierender Vermögenswerte kann sich der Goldpreis zusammen mit den Preisen für Staatsanleihen guter Bonität noch relativ gut halten (gestern mit plötzlichem Schub weit über 1.500 Dollar). Dennoch hat die Zwangsliquidierung von Positionen am Aktien- und Terminmarkt auch den Goldpreis in den letzten Tagen stark belastet. Von der Spitze bei 1.530 Euro pro Unze am 24. Februar (Tagesschlusskurs) gaben die Notierungen des gelben Edelmetalls bis heute Mittag fast 10 Prozent nach. In US-Dollar erreichte der Goldpreis sein zyklisches Hoch am 9. März und ist seitdem ebenfalls um ca. 10 Prozent gefallen. Seit Jahresbeginn notiert der Goldpreis in Euro unverändert. Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Notierungen in Euro noch 19 Prozent im Plus und im Zweijahresvergleich steht immerhin noch ein steuerfreier Gewinn von 24 Prozent auf dem Kurszettel. Die Verluste an den Aktienmärkten sind hingegen um ein Vielfaches höher.

Chartverlauf von Goldpreis vs Dax vs S&P 500

Der deutsche Leitindex DAX büßte seit Jahresbeginn 35 Prozent ein, im Vergleich zum Vorjahr immerhin 26 Prozent. Auf Sicht von zwei Jahren schlägt momentan ein nur moderates Minus in Höhe von gut 2 Prozent zu Buche. Ebenfalls tiefrot sieht es beim Ölpreis oder den Immobilienaktien aus. Der REIT-ETF „Xtrackers FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Real Estate“ verlor vom Hoch am 19. Februar 38,4 Prozent seines Wertes, seit Jahresbeginn gut 35 Prozent. Der Ölpreis der Sorte WTI fiel seit Jahresbeginn um 58,7 Prozent.

Lediglich die Staatsanleihen hielten sich bis vor Kurzem noch besser als der Goldpreis. Seit letzter Woche fallen jedoch auch Preise der Schuldpapiere guter Bonität trotz diverser hochvoluminöser Aufkaufprogramme der Notenbanken. Allein die Fed kauft aktuell für 60 Mrd. US-Dollar pro Monat US-Staatsanleihen und hat am Sonntag ein weiteres Anleihekaufprogramm über mindestens 700 Mrd. US-Dollar angekündigt.

US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit im Chart

Momentan werden alle Vermögenspreise von der mangelnden Liquidität mit nach unten gerissen. Daher kann man davon ausgehen, dass die QE-Programme, die bislang vor allem für den Kauf staatlicher Obligationen ausgegeben wurden, nochmals drastisch ausgeweitet und bezogen auf deren Verwendungszweck erweitert werden. Andernfalls würde die jetzige Krise in einen deflationären Systemcrash münden, was in Anbetracht der unendlich vorhandenen monetären Munition der Notenbanken unnötig wäre.

Das Problem für den Goldpreis ist aktuell noch der Terminmarkt

Die Rückgänge beim Goldpreis von den Höchstständen in US-Dollar seit dem 9. März resultieren zweifellos aus der Geldnot vieler Anleger. Gold wird verkauft, um Verluste an andere Stelle zu decken, Margin-Calls nachzukommen oder um wegbrechende Einkommen zu kompensieren (Auflösen goldener Sparguthaben). Auch das Vertrauen in die Krisenwährung ist in Anbetracht der jüngsten Preisrückgänge etwas angekratzt. Aber am stärksten belasten den Goldmarkt aktuell die Zwangsliquidierungen der Terminmarktpositionen. An der US-Warenterminbörse COMEX wird ein Vielfaches der Fördermenge des Edelmetalls gehandelt, was die Preisbildung stark beeinflusst. Momentan stehen die Meldungen von explodierender physischer Nachfrage und Engpässen bei Münzprägeanstalten und Edelmetallhändlern im starken Kontrast zu den Sell-Offs an den Gold-Future-Märkten.

An der weltgrößten Terminbörse für Gold in New York werden gemäß den Daten der Muttergesellschaft CME Group börsentäglich ca. 27 Millionen Unzen Gold gehandelt. Dies entspricht 24 Prozent der gesamten Jahresminenproduktion aus 2019 oder der dreißigfachen Menge des täglichen Handelsvolumens des größten, mit physischem Gold gedeckten Exchange Traded Funds (ETF) SPDR Gold.
Die Größe eines Future-Kontrakts umfasst an der COMEX 100 Troy Unzen (1 Troy Unze ≙ 31,1 g). Bei einem aktuellen Preis von ca. 1.505 US-Dollar pro Unze entspricht dies einem Gegenwert von ca. 150.500 US-Dollar pro Kontrakt. Da die Händler nur einen Bruchteil dieses Kontraktwertes als Eigenkapital hinterlegen müssen, wird bei stärkeren Kursrückgängen dieses Eigenkapital schnell aufgezehrt und es werden Nachschusspflichten fällig (Margin-Calls).

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Pepsi-ist-mist

    18. März 2020 18:38 at 18:38

    @Herr Zipfel,
    Der Ausmass der Krise, Wirkungslosigkeit der fiskalischen Rettungsmaßnahmen, enorme weltweite USD-Liquiditätsnachfrage und der globale wirtschaftliche Stillstand sind für mich die Gründe, warum ich denke, dass der deflationäre Schock uns noch bevorsteht.
    Technisch wird diese Annahme durch den VIX-Stand untermauert, der zeigt trotz erheblicher Kursverluste an den Märkten immer noch, dass die Lage nicht ein mal so schlimm ist, wie 2008!
    Ich denke, es werden weitere Liquidationen folgen, mit weiteren negativen Auswirkungen für Gold.

    • Avatar

      Andreas M

      18. März 2020 21:49 at 21:49

      Negative Auswirkungen auf das Gold?
      Seid ihr wirklich alle blind?

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Aktuell: Dow mit Allzeithoch, Ölpreis steigt – warum der Goldpreis bei 1.800 Dollar hängt

Claudio Kummerfeld

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Aktuell tut sich einiges an den Märkten. Der Dow Jones hat vorhin mit 29.996 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht. Die Aktienmärkte sind in guter Laune. Der Dax ist von seinem Hoch aus dem Frühjahr immer noch gut 500 Punkte entfernt, aber er klettert auch mit nach oben. Der Ölpreis steigt, der Goldpreis fällt weiter. Aber warum? Neben den positiven Corona-Nachrichten bringt heute eine weitere gute Nachricht neuen frischen Schub für die Aktienmärkte. Donald Trump macht nun offenbar den Weg frei für die Amtsübergabe an die Biden-Administration. Damit haben die Märkte mehr Sicherheit, dass in den USA wohl doch kein großes Chaos oder eine Verfassungskrise ausbrechen wird.

Außerdem scheint Joe Biden die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen zur neuen US-Finanzministerin machen zu wollen. Auch das freut den Markt. Die Geldflut kann weiter gehen, und die Konjunktur in den USA dürfte weiteren staatlichen Stimulus erhalten. Das pusht die Aktienmärkte, und auch der Ölpreis steigt kräftig. Alleine seit heute Nacht bei 43 Dollar steigt der WTI-Ölpreis aktuell auf 44,94 Dollar. Mehr Konjunktur-Stimulus bedeutet auch mehr Öl-Nachfrage. Logisch, dass da der Ölpreis ansteigt.

Goldpreis verliert gegen Aktienmärkte

Gold ist der Verlierer. In so einem positiven Umfeld schichten die Börsianer in risikoreichere Geldanlagen wie Aktien um, und der Goldpreis fällt. Nach positiven US-Konjunkturdaten von gestern war der Goldpreis bereits spürbar gefallen, von gestern 1.868 Dollar bis vorhin auf genau 1.800 Dollar im Tief. Ein große runde Marke ist immer wichtig für die Börsianer. Drüber und drunter liegen in der Regel viele Stop-Orders.

In den letzten Augenblicken kann der Goldpreis leicht auf 1.807 Dollar steigen, aber die Lage ist doch sehr wacklig. Es kann auch in Kürze einen Abwärtsschub unter 1.800 Dollar geben. Interessant: Die Bewegung im US-Dollar scheint derzeit weniger Einfluss auf den Goldpreis zu haben. Die negative Korrelation zwischen den beiden funktioniert diese Woche nicht so richtig. Vielmehr ist es aktuell eine negative Korrelation zwischen Gold und Aktienmärkten. Der Chart reicht bis Mitte letzter Woche zurück. Wir sehen den steigenden Dow Jones gegen den fallenden Goldpreis. Die aktuell gute Stimmung für risikoreichere Assets drückt gegen Gold.

Chart zeigt Kursverlauf von Dow Jones gegen Goldpreis seit letzter Woche

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Goldpreis: 1.800 Dollar-Marke in Gefahr? ETF-Abflüsse und Optimismus

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Barren aus Gold

Der Goldpreis ist derzeit Opfer vieler Angriffe. Nun drei Wochen in Folge wurde jeweils am Montag von einem anderen Pharmahersteller eine positive Meldung für einen Corona-Impfstoff präsentiert, zuletzt gestern von AstraZeneca. Immer war dies positiv für die Aktienmärkte und alle anderen risikoreichen Geldanlagen (Hoffnung auf Konjunkturerholung), und negativ für den Goldpreis. Der sogenannte Risk On-Trade wird durch die Impfstoff-Hoffnung befeuert. Und Gold erfüllt vor allem die Funktion des sicheren Hafens in der Krise, als letzte Bastion vor Inflation und sonstigen Unsicherheiten. Bei schnellen hoffnungsfrohen Nachrichten ist Gold der Verlierer.

Kurzfristig weiter Schwäche und Anfälligkeit im Goldpreis

Und gestern Nachmittag dann der nächste Schlag, der den Goldpreis zügig um mehr als 30 Dollar auf 1.834 Dollar fallen ließ. Die US-Einkaufsmanagerdaten wurden besser vermeldet als erwartet. Aber vor allem die mit den Einkaufsmanagerdaten veröffentlichten Preise stiegen. Höhere Inflationsangst sorgt für die unterschwellige Befürchtung an den Märkten, dass die Zinstendenz in den USA ansteigend ist, was wiederum positiv für den US-Dollar wirkt. Das wiederum drückt negativ auf den Goldpreis. Nur die Angst vor steigenden Zinsen wirkt auch ganz ohne steigenden US-Dollar negativ auf das zinslose Gold. Auch gab es gestern erneut Abflüsse aus Gold-ETFs (Begriffserklärung hier) im Umfang von 11 Tonnen.

Und so rutschte der Goldpreis bis jetzt weiter ab auf 1.826 Dollar. Einige Analysten und Chartisten sehen es als negativ an, dass die wichtige Unterstützungsmarke von. 1.850 Dollar im gestrigen Abrutsch sang und klanglos binnen Sekunden nach unten vernichtet wurde. Ist sogar die runde Marke von 1.800 Dollar in Gefahr? Milan Cutkovic von Axi schreibt dazu heute, dass ein Fall im Goldpreis unter die wichtige Marke von 1.800 Dollar den nächsten Ausverkauf einleiten könnte. Carsten Fritsch von der Commerzbank erwähnte vor wenigen Minuten in seiner Gold-Analyse, dass es bis zur Marke von 1.800 Dollar wenig Unterstützungszonen gebe, welche den Rückgang im Goldpreis aufhalten könnten. Erst dort sei nach seiner Meinung mit einer Stabilisierung zu rechnen.

Langfristig Gold mit weiterhin guter Perspektive

Die von zahlreichen Leitmedien als Crashpropheten betitelten Kommentatoren wie Dirk Müller und viele andere sehen eine extrem stark ansteigende Inflation im Anflug, und sprechen deswegen über einen möglichen viel höheren Goldpreis. Wir bei FMW sehen es ähnlich wie Carsten Fritsch von der Commerzbank. Man muss nicht zwingend von einer anstehenden Hyperinflation sprechen, und kann trotz der aktuellen Schwäche im Goldpreis auf längere Sicht die Möglichkeit für höhere Kurse sehen (das ist keine Handelsempfehlung). Denn ja, das längerfristige Szenario ändert sich nicht durch ein paar gute Konjunkturdaten oder gute Impfstoff-Nachrichten.

Die Null- und Negativzinspolitik wird noch jahrelang anhalten. Die Notenbanken drucken weiterhin Geld. Denn die Volkswirtschaften sind durch Corona extremst geschwächt worden. Das ist der perfekte Anlass um mit immer mehr Gelddruckerei und Staatsschulden alles mit Geld zu fluten. Das ist ein grundsätzlich schönes Szenario für einen steigenden Goldpreis. Wo das Papiergeld durch grenzenlose und obszöne Vermehrung verwässert wird, da kann das nicht unbegrenzt vermehrbare Gold an Attraktivität gewinnen. Aber kurzfristig, das sieht man dieser Tage wieder, ist der Goldpreis durch gute Konjunktur- und Corona-Nachrichten negativ beeinflussbar. Laut aktuellen Berichten soll die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden. Die Geldschwemme dürfte also auch in den USA in den nächsten Jahren weiter gehen!

Chart zeigt Goldpreis im Verlauf der letzten zwölf Monate
Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten zwölf Monate.

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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