Gold/Silber

Goldpreis nach der Fed-Ausverkauf „überverkauft“? Ein Hoffnungsschimmer

Ein Barren Gold

Der Goldpreis ist seit Mittwoch Abend von 1.861 Dollar bis gestern Abend auf 1.767 Dollar im Tief gefallen. Seitdem kann sich der Markt bis heute Mittag wieder etwas erholen auf 1.791 Dollar. Aber der Schock sitzt immer noch tief. Mittwoch Abend machte die Fed viel deutlicher als erwartet klar, dass wohl 2022 und 2023 Zinsanhebungen in den USA anstehen. Höhere Zinsen für Anleihen sind im direkten Vergleich natürlich schlecht für das zinslose Gold, und so fiel der Goldpreis deutlich ab. Nur ist der Markt nach dem Abverkauf inzwischen überverkauft? Eine Chance für neue Käufer?

Hoffnungsschimmer für steigenden Goldpreis

Ein positiver Aspekt fällt beim Betrachten der Charts gleich ins Auge, der die Stimmung bei den Gold-Bullen etwas verbessern dürfte. Der folgende Chart am Ende des Artikels zeigt seit Dienstag den Goldpreis als blaue Linie. Man sieht klar den Absturz am Mittwoch, und gleichzeitig den ansteigenden US-Dollar und die ansteigende Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Während der US-Dollar seit Mittwoch Abend  weiter steigt, sehen wir in der Anleiherendite (orange Linie) bis jetzt einen Rückfall auf das exakte Niveau von kurz vor der Fed-Verkündung, nämlich auf 1,49 Prozent. Dieses Argument der höheren Anleiherenditen hat sich also (für den Moment) in Luft aufgelöst. Aber immerhin spricht der höhere US-Dollar gegen einen möglicherweise wieder ansteigenden Goldpreis.

Laut den Experten der Commerzbank hatten zusätzlich zur normalen Marktreaktion auf Anleiherendite und US-Dollar auch noch Anschlussverkäufe kurzfristig orientierter Marktteilnehmer Gold runtergedrückt, nachdem wichtige charttechnische Marken wie die 200- und die 100-Tage-Linie sowie die psychologisch wichtige 1.800 Dollar-Marke im Goldpreis unterschritten wurden. Das technische Bild sei angeschlagen, was eine schnelle Preiserholung erschweren dürfte. Die Experten weisen auch auf einen vergleichbaren Absturz Ende Februar hin. Damals habe es einen Monat gedauert, bis der Goldpreis einen neuen Aufwärtstrend startete.

Nach den starken Rückgängen Anfang Januar beziehungsweise Anfang November sei der Goldpreis zunächst noch einige Wochen weiter gefallen, bis das Tief erreicht wurde. Welchen Weg Gold diesmal einschlagen wird, hänge laut den Experten der Commerzbank stark vom Verhalten der ETF-Anleger ab. Würden sie nun ebenfalls verkaufen, dürfte es mit Gold weiter abwärts gehen. Dann wäre auch ein Erreichen des März-Tiefs von 1.680 Dollar nicht auszuschließen. Würden die ETF-Anleger das niedrigere Preisniveau dagegen als Kaufgelegenheit erachten, könne sich der Goldpreis stabilisieren und in wenigen Wochen wieder steigen. Die gestrigen Abflüsse von 1,3 Tonnen aus Gold-ETFs würden noch keinen Aufschluss darüber geben. Allerdings sollten die knapp 4 Tonnen Abflüsse aus dem SPDR Gold Trust zu denken geben.

Aktuelle Research-Info für Gold

Wohl weil das Thema Gold aktuell dank der Fed so interessant ist, hat der Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vor wenigen Augenblicken noch mal eine gesonderte Research-Info veröffentlicht. An der positiven Sicht zu Gold halte man vorerst fest und erwarte weiterhin einen Goldpreis von 2.000 Dollar am Jahresende. Man revidiert allerdings seine Preisprognose für das dritte Quartal auf 1.850 Dollar nach unten (bislang 1.900 USD). Das Abwärtsrisiko für die Jahresendprognose sei allerdings gestiegen.

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Denn, so Carsten Fritsch, die Renditen liegen weiterhin deutlich unterhalb der erwarteten Inflationsrate, was für Gold spreche. Die Inflationsprognose habe die Fed sogar deutlich nach oben genommen und erwarte nun 3,4 Prozent im 4. Quartal. Zum im Vorfeld der Fed-Sitzung heiß diskutierten Thema Rückführung der Anleihekäufe habe es keine Neuigkeiten gegeben. Darüber wurde laut Fed-Chef Powell zwar diskutiert, aber noch kein Beschluss getroffen. Die Fed kaufe somit weiterhin jeden Monat Anleihen für 120 Mrd. USD, was zu einem weiteren Anstieg der Bilanzsumme und der Geldmenge führt.

Also, ist der Ausblick für die Gold-Bullen nicht so schlimm? Ist das aktuelle Niveau im Goldpreis für Neu-Käufer eine gute Ausgangsbasis um auf höhere Niveaus zu schielen?

Goldpreis seit Dienstag im Vergleich zu US-Rendite und US-Dollar
TradingView Chart zeigt Goldpreis im Vergleich zum US-Dollar und zur US-Anleiherendite.



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