Gold

Goldpreis-Rally: Rausch vorbei? Top-Experten sehen 2.600 Dollar

Trotz zahlreicher positiver Faktoren für die Gold-Rally sehen Rohstoffexperten den Goldpreis für die nächsten Monate eher bei 2.600 Dollar.

Gold-Barren
Grafik: rcphotostock-Freepik.com

Der Goldpreis hat eine gigantische Rally hinter sich. Top-Rohstoffexperten sagen aktuell, dass sich das Preisniveau, das mit aktuell 2.728 Dollar nur knapp unter dem Rekordhoch von 2.758 Dollar von vorgestern bewegt, in den nächsten Monaten eher um die Marke von 2.600 Dollar einpendeln dürfte.

Goldpreis noch im Aufwind – die Gründe

Aber zuvor schauen wir auf den folgenden XAUUSD Chart. Wir sehen seit 2021 den Verlauf im Goldpreis (blaue Linie) – damals sah man noch Preise unter 1.800 Dollar. Die eigentliche Preisrally bei Gold begann erst vor zwölf Monaten bei Niveaus um die 2.000 Dollar. Nicht nur, dass ab dem Zeitpunkt die Erwartungen an weltweite Zinssenkungen immer weiter zunahmen, was man in froher Erwartung in einen höheren Goldpreis einpreiste. Auch kaufen seit geraumer Zeit Zentralbanken weltweit viel Gold am Markt auf, was Aufwärtsdruck im Preis erzeugt hat.

Chart vergleicht Goldpreis-Verlauf seit 2021 mit Entwicklung im Fed-Leitzins

Die Rohstoffexperten der Commerzbank bennen in ihrer heute veröffentlichten Analyse für den Goldmarkt zunächst ausführlich die Gründe, warum der Goldpreis so lange Zeit so kräftig ansteigen konnte. Mit einem Plus von rund 30% seit Jahresbeginn würde Gold nach derzeitigem Stand die beste Jahresperformance seit mindestens 14 Jahren aufweisen, womit das Edelmetall fast alle anderen Anlageklassen in den Schatten stellt. Ein wichtiger Treiber für den Anstieg im Goldpreis waren laut den Experten die zunehmenden Zinssenkungserwartungen. Denn mit fallenden Zinsen wird Gold als zinsloses Investment im Vergleich zu Anleihen attraktiver. Der preistreibende Effekt der Zinserwartungen hat sich gezeigt, als die US-Notenbank bei ihrer September-Sitzung ihren Leitzins überraschend stark um 50 Basispunkte senkte und am Markt die Zinssenkungserwartungen daraufhin noch einmal deutlich zulegten. Die Zinssenkungserwartungen bezüglich der Fed seien mittlerweile allerdings so stark zurückgegangen, dass von dieser Seite kein Gegenwind mehr zu erwarten sei.

Iran-Israel, Trump, ETF

Auch die zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran seien ein wichtiger Faktor für die Goldpreis-Rally der letzten Wochen, die das von vielen als sicherer Hafen angesehene Gold attraktiver machte. Auch die Anfang November anstehenden US-Wahlen sorgen laut den Experten bei den Investoren für Unsicherheit, zumal die Umfragen in den vergangenen Wochen den früheren Präsidenten Donald Trump im Aufwind zeigen. Sollte er im Januar wieder ins Weiße Haus zurückkehren, dürften die Inflationsrisiken merklich zunehmen. Denn er will nicht nur neue Zölle einführen bzw. bestehende Zölle erhöhen, was viele Güter verteuern wird. Auch ein Faktor für den steigenden Goldpreis der letzten Moante sein Investments in Gold-ETF gewesen. Bis April habe es an elf aufeinanderfolgenden Monaten Nettoabflüsse von insgesamt fast 400 Tonnen gegeben – seit Mai dann aber fünf Monate in Folge Nettozuflüsse von insgesamt 120 Tonnen.

Gold-Käufe von Zentralbanken wichtiger Faktor

Seit geraumer Zeit sieht man weltweit, wie Zentralbanken immer mehr Gold kaufen, und damit für einen Aufwärtsdruck im Goldpreis sorgen. Die Commerzbanker erwähnen, dass die Zentralbanken laut World Gold Council mit 483 Tonnen im ersten Halbjahr deutlich mehr Gold gekauft haben als in der ersten Hälfte der letzten Jahre. Dabei hätten unter anderem umfangreiche Käufe der Zentralbanken von Indien, Türkei oder Polen wettgemacht, dass die chinesische Zentralbank zuletzt ihre Goldreserven nicht weiter erhöht hat. Die Zentralbankkäufe dürften in den kommenden Monaten die Goldnachfrage weiterhin stützen, auch wenn sie für das Gesamtjahr 2024 nicht ganz so hoch sein dürften wie in den beiden Vorjahren, so die Commerzbank.

Grafik zeigt Gold-Aufkäufe von Zentralbanken

Goldpreis eher Richtung 2.600 Dollar?

Weiteres Aufwärtspotenzial für den Goldpreis dürfte laut den Experten aber begrenzt sein. So zeige der kräftige Preisanstieg bereits Bremsspuren bei der physischen Nachfrage. Besonders sichtbar sei dies in China, wo die Goldimporte über Hongkong und die Schweiz im August auf das niedrigste Niveau seit Anfang 2021 eingebrochen sind. Auch in Indien bremse der hohe Goldpreis die Nachfrage. Zwar seien die Goldimporte Indiens im August sogar kräftig stiegen, was aber wohl durch die kräftige Senkung der Steuer auf Goldimporte im Juli bedingt sein soll, und sich als ein vorübergehendes Phänomen erweisen dürfte. Wegen der offensichtlich schwächelnden physischen Nachfrage rechnen die Rohstoffexperten der Commerzbank damit, dass sich der Goldpreis in den kommenden Monaten nahe der Marke von 2.600 Dollar einpendeln wird. Ein höheres Preisniveau wäre ihrer Meinung nach wohl nur dann zu erwarten, wenn die Zinssenkungserwartungen wieder merklich zunehmen oder sich die Lage im Nahen Osten zuspitzt.

Bloomberg-Einordnung der aktuellen Lage

Bloomberg schrieb gestern über den vom Top leicht fallenden Goldpreis: Der Goldpreis rutschte am Mittwoch im New Yorker Handel um bis zu 1,5 % ab, da einige Händler ihre Positionen aufgaben, da es Anzeichen dafür gab, dass die jüngste Rallye im Goldpreis auf aufeinanderfolgende Höchststände übertrieben sein könnte. Der relative Stärkeindex (RSI) des Metalls lag in den letzten drei Sitzungen über dem überkauften Niveau von 70. Ein stärkerer Dollar und steigende Anleiherenditen belasteten den Goldpreis ebenfalls.

Gold kletterte zuvor auf ein neues Rekordhoch von 2.758,49 US-Dollar, da geopolitische Risiken im Zusammenhang mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf und dem Nahen Osten die Nachfrage nach sicheren Häfen ankurbelten. Es wird befürchtet, dass die Wahl in der größten Volkswirtschaft der Welt wahrscheinlich angefochten wird und es einige Zeit dauern könnte, den Gewinner zu ermitteln. Investoren befürchteten auch, dass Konflikte zwischen Israel und dem Iran zu einem größeren Krieg eskalieren könnten.

Suki Cooper, Analystin bei Standard Chartered, erwartet in den kommenden Wochen ein weiteres Aufwärtsrisiko. Die Bank geht davon aus, dass der Goldpreis im vierten Quartal durchschnittlich bei 2.800 US-Dollar pro Unze liegen wird, wobei die Preise in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres durchschnittlich bei 2.900 US-Dollar liegen werden.

Das Edelmetall ist in diesem Jahr um mehr als 30 % gestiegen und hat dabei immer neue Höchststände erreicht. Die Erholung hat sich in den letzten Monaten noch verstärkt, als die Fed begann, die Zinssätze zu senken. Auch Vermögensverwalter haben zu dem starken Anstieg beigetragen, indem Hedgefonds in den letzten Sitzungen ihre Netto-Long-Positionen in Gold aufgestockt haben, und Investoren ihre Bestände an börsengehandelten Fonds erhöht haben.

FMW/Bloomberg/Commerzbank



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14 Kommentare

  1. Das ist doch auch gigantisch.
    Wenn Gold auf 2600 sinkt und dann bis 2029 nur noch seitwärts laufen würde, dann wären es immer noch steuerfreie 8 % pro Jahr Kapitalertrag.
    Für mich als Rentner und Aktienunkundiger einfach ideal.
    Mal sehen was Silber bis 2029 macht.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @helmut,

      beim goldpreis sieht man am augenscheinlichsten den kaufkraftverlust des zentralbank(fiat)geldes.

      ergo hat man keinen kapitalertrag, sondern einen konstanten werterhalt seiner leistung im bezug zur währung,

      ausser man erbt es, dann ist es eben die leistung des erblassers.

      daher ist der goldpreis egal, aber besser man hat es und braucht es nicht, als man braucht es und hat es nicht

      und vor allem, man spricht nicht darüber, wenn man welches hat

      wie sagte jp-morgan treffend: gold ist geld, alles andere ist nur kredit

      suum cuique, wie schon die antiken rechten zu sagen plegten

  2. Und wenn es ein wenig zurückläuft…das wird den Weg für eine weiter positive Entwicklung nur noch wahrscheinlicher werden. Bei Kursen über 3k wird man wieder drüber nachdenken, was man so davor über Rückgänge, Seitwärtsphasen und Konsolidierungen so philosophiert hat … und Ende muss dann auch noch nicht sein .

    1. Bei Kursen von 1k kann man dann auch philosophieren…😅

      1. Oh ja. Auch das ist dann ein „Meilenstein“. Allerdings hab ich meine Meinung auf Grund meiner Überzeugung kundgetan. Die muss ja nicht richtig sein….denn es ist ja nur meine Überzeugung. Ich glaube trotzdem, das ich nicht so verkehrt liege. Nicht, nur um Recht zu haben, sondern weil nicht wenig für diesen Weg spricht!

  3. Einen Preisrückgang des Goldes in Dollar kann man ganz entspannt aussitzen.

    Wir haben ja leider (noch) den Euro 😋

  4. Da sich das meiste Gold im Weltraum befindet, ist Gold gewissermaßen ein himmlisches Kind, das wie alle himmlischen Kinder grundsätzlich macht, was es will. Schaun wir also am besten dem Spektakel weiter zu, warten ab und trinken dabei Tee.

    1. @Ludger

      Ok…allerdings als italienischer Staatsbürger bin ich dann doch eher der Cafè-Typ.

    2. Sorry, natürlich muß es „Caffè“ heißen (den Fehler hätte allerdings eh niemand bemerkt).

  5. Nächste Woche kommt dann wahrscheinlich die Gegendarstellung. Mal gespannt was die Herrn COBA, Kummerfeld dann für eine Sau durchs Dorf treiben.
    Es ist wohl völlig normal das es nach dem ATH mal eine Korrektur gibt.
    Die Übertreibungen sind ohne Substanz und wie so oft in letzter Zeit aus der Luft gegriffen.
    Ich kann mich an bessere Artikel auf FMW erinnern.
    Ein Grund für den Anstieg ist Fracksausen.

  6. Also ich habe am Mittwoch 3 Unzen (2024-ger) für Pi mal Daumen 2616,-€ je Oz nachgekauft und fühle mich sehr gut damit!!!

    Grundlage meiner Kaufentscheidungen für Gold sind zum einen die monetäre Geschichte des Goldes sowie der sehr ernst gemeinten Hinweiß meiner Großelter Zitat:
    „Einer Demokratie vertraut man ebensowenig seine Altersvorsorge an, wie einer Diktatur“! Zitat Ende.

    Das weltweite Heer von Glaskugelleser:innen und Möchtegernexpert:innen zum Thema Gold haben bei mir noch nie eine Rolle gespielt.

    Als ehemaliger DDR-Bürger würde ich somit behaupten: Für Gold geht alles seinen sozialistischen Gang!!!

    Übrigen: Für den Wirtschaftsminister augenscheinlich auch!

    Mit den besten Grüßen aus Thüringen.

    1. Hallo CDH.
      …Einer Demokratie vertraut man ebensowenig seine Altersvorsorge an, wie einer Diktatur“! Zitat Ende…
      Genau so ist es.
      Eher würde ich meine Hund meinen offenen Kühlschrank bewachen lassen.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

      1. Hallo Helmut!

        Habe keinen Hund aber, trifft den Nagel auf den Kopf!

        Im übrigen gab es mit dem mahnenden Zitat meine erste Silbermünze als Geschenk.
        Das war 1996 – einen „Mable Leaf“. Es gab und gibt für mich keine besseren Beraten als die Großeltern und Elter. Die haben schlimm Zeiten mitmachen müssen und wissen von was sie reden.
        Diesen Generationen zuhören und nachmachen – 75 % Sachwerte und 25 % Cash.

        Viele Grüße aus Thüringen.

  7. Hallo CDH
    Wir haben unser Erspartes ausschließlich in etwa 70% Gold und etwa 30% Silber stecken.
    In Immobilen nur in die selbst bewohnte Immobilie.
    Und, als fasst das ganze Arbeitsleben selbstständig, auch in die gesetzliche Rente, die in Spanien ja auch für Selbständige Pflicht ist.
    Alles was sonst aus Papier besteht, auf dem eine Währung abgedruckt ist, ist nichts für mich.
    Aktien sind natürlich sehr wichtig (besonders für die Wirtschaft) aber damit kenne ich mich nicht soweit aus, dass ich meine Altersversorgung darin investieren könnte, denn die Planung einer privaten Altersversorgung läuft ja auch über bis zu 50 Jahre.
    Außerdem vermeide ich steuerpflichtige Kapitalerträge, denn nur ein paar Euro mehr Einkommen, und wir müssen unsere Renten versteuern.
    Ich bin 1986 in einem bescheidenen Rahmen angefangen in Gold meine private Altersversorgung anzusparen, und massiv durch eine Einmalzahlung, als wir 2000 Deutschland verlassen haben und alles in Deutschland verkauft haben. Es wurde Zeit, denn meine liebe Frau und ich waren auch schon fast 50 Jahre alt.
    Es hat alles ganz gut geklappt, und wir können nun unter der Sonne Andalusiens ein ruhiges Rentnerleben führen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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