Anleihen

Goldpreis steigt, US-Rendite kollabiert, Risk Off läuft

Beispielbild für einen Stapel Gold-Barren

Gestern fragten wir noch, ob der Risk Off Trade nun gerade startet, weil die Aktien fallen, und in schöner Korrelation dazu der Goldpreis steigt. Über Nacht hat sich dieses Szenario fortgesetzt, und der Risk Off Trade läuft. Das bedeutet, dass Anleger in unsicheren Zeiten (Cornavirus ist ja nun wirklich ein Unsicherheitsfaktor) aus unsicheren Anlagen wie Aktien fliehen, und in die „Sicheren Häfen“ wie Gold gehen.

Goldpreis steigt, US-Rendite auf Rekordtief

Der Goldpreis erfuhr am Dienstag sein Erwecken aus dem Dornröschenschlaf durch die Zinssenkung der Federal Reserve um 50 Basispunkte. Gold stieg schlagartig um gut 40 Dollar. Bis gestern verharrte der Goldpreis um die Marke von 1.640 Dollar. Dann, als auch den Amerikanern bewusst wurde, dass das Coronavirus auch in den USA immer weiter um sich greift, fielen vor allem die US-Aktienmärkte weiter in den Keller, und der Goldpreis erlebte seinen Risk Off-Schub. Bis heute früh brachte er im Goldpreis einen weiteren Gewinn von 40 Dollar auf 1.680 Dollar in der Spitze! Aktuell notiert der Kurs bei 1.674 Dollar (kleine Gewinnmitnahmen?). Aber aktuell sieht alles danach aus, als gäbe es erst einmal weitere Stärke für Gold?

Während die Anleger aus Aktien fliehen, suchen sie auch nach immer mehr Sicherheit in US-Staatsanleihen. Es geht aber nicht um Rendite, sondern um Sicherheit! (hier der aktuelle Kommentar dazu von Markus Fugmann) Da der Kurs der Anleihen dank des Kaufdrucks immer weiter steigt, sinkt natürlich automatisch die Rendite. Sie ist für eine Laufzeit von zehn Jahren aktuell auf ein neues Allzeittief von 0,81 Prozent gesunken. Der Langfristchart zeigt den Verlauf der Rendite seit 1970. Selbst während der Finanzkrise 2008 lag das Tief bei 2,22 Prozent. Und jetzt bei 0,81 Prozent, unglaublich!

Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen

Aktienmärkte fallen weiter – US-Daten wichtig!

Dank der immer weiter fallenden Anleiherenditen werden die Zinsanlagen in Relation zum zinslosen Gold weniger attraktiv. Obwohl viele Anleger in die Anleihen fliehen, gibt es für andere Anlegergruppen damit umso mehr Gründe auch Gold zu kaufen. Dazu kommt wie gesagt noch der automatische Fluchtreflex aus Aktien, rüber ins Gold. Während der Goldpreis seit Dienstag gut 80 Punkte zulegen konnte, hat der Dow knapp 1.000 Punkte verloren. Geht es heute weiter? Erstens muss man schauen, wie sich die Infektionsausbreitung entwickelt. Das gilt natürlich eher übers Wochenende. Aber heute wird wichtig, wie die US-Arbeitsmarktdaten um 14:30 Uhr vermeldet werden. Sie können sämtliche Kurse heute nochmal deutlich bewegen.

Analystenkommentare

Milan Cutkovic von Axitrader hat vor wenigen Minuten in einem Kurzkommentar zu den Märkten auch seine Meinung zu Gold kundgetan. Vor allem Gold dürfte nach der Zinssenkung der Federal Reserve kurzfristig weiter steigen. Eine Rally in Richtung der 1.800 US-Dollar ist wahrscheinlich, so Cutkovic. Ipek Ozkardeskaya von Swissquote sagt aktuell, dass sich das Kapital in den sicheren Häfen stapelt, darunter Gold, Yen und Schweizer Franken. Gold bereite sich auf seine beste Woche seit 2016 vor. Das sich verstärkende positive Momentum könnte einen weiteren Anstieg im Goldpreis auf die 1.700 Dollar-Marke fördern. Aber Gold sei nicht virussicher. Es gebe eine große Anzahl von spekulativen Long-Positionen, und die letzte Woche habe gezeigt, dass die negative Korrelation zwischen Gold und Risikoanlagen plötzlich aufbrechen kann, wenn spekulative Long-Positionen die Zeit für die Realisierung von Gewinnen für gekommen halten.

Goldpreis vs Dow 30 seit dem 25. Februar
Im Chart sieht man den Goldpreis im Vergleich zum fallenden Dow 30 (auf CFD-Basis) seit dem 25. Februar.



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13 Kommentare

  1. Lustig ist, daß der Goldpreis erst parallel zum Absturz der Börse ebenfalls fiel, Ende Januar. (Weil wohl Börsianer ihr Goldgeld brauchten, um ihre Aktien, Options-, Longpostionen usw. zu retten, glattzustellen usw.)
    Aber jetzt geht er gegen den Trend nach oben, gespiegelt! Erst so, dann so. Das war bei den vorigen Krisen genauso.

  2. Wahnsinn was da aktuell im ZB Future (30 jährige) abgeht.

    1. @PK, größte Bewegung seit 1953 auch in der 10-jährigen! Dafür die Aktienmärkte noch ziemlich entspannt :)

      1. ich glaube da schlachtet es gerade einige Hedge Fonds, anders kann man diese Bewegungen gar nicht mehr erklären.
        Jedenfalls hab ich sowas auch nicht mal ansatzweise gesehen in meiner Zeit als Futuretrader.

        1. @Hesterbär

          Ja, ist ja toll das Grillfest, aber irgendwann muß man ja einsteigen, auch als Bär.

  3. Das 2. Grillfest für die Bären ist eröffnet. O’zapft is!

    1. Nächste Woche gibt es dann Bulle in Aspik! ;-)

  4. Erstaunlicherweise halten sich die Hih Yields noch gut. Der Börsengott muss ein Unernehmer sein.
    Oder kann man die Unternehmensanleihen nur retten, indem man die Staatsanleihen noch unattraktiver macht.Bei der letzen Korrektur fielen die Unernehmensanleihen massiv u.dies war dann auch ein Grund für die Zinswende.

  5. Es könnte schlimm kommen, Folker Hellmeyer hat gerade seine Prognose von 0,1 % Wirtschaftsabschwächung auf 0.15% revidiert , immerhin 50% mehr.
    Wahrscheinlich ist er alleine auf einer Segeltour u.hat den rauchen Gegenwind noch nicht bemerkt.
    Meines Wissens segelt er in der Optimistenklasse.

    1. Von 0,1 auf 0,15%. Wie witzig. Hellmeyer ist für mich ein Dummbabbler und so ganz und gar nicht hell.

  6. @Hesterbär, das mit den 0,15% war ein Spass von mir, weil er vor einigen Tagen die Schätzung von 0.1% bis 0,2% Abschwächung herausblapperte. ( hier auf FMW ) was ich anfängerhaft einstufte.Was er heute sagt ,weiss ich nicht, auf Investing com ist er wieder zu lesen.
    Das Melt-Up bei den US Bonds heute ist auch wie ein Schwarzer Schwan , hätten doch Viele dies bei den Aktien erwartet. Somit ist das von der ganzen Börsenwelt erzählte TINA – Märchen auch widerlegt.Aber die BBB- Bombe tickt noch immer.
    Mindestens in den letzten Monaten war das CRV für US- Bonds besser als jenes für US-Aktien.
    Gratulation an Hesterbär( Glücksbär) es tut gut zu hören ,dass wir als ewig verhöhnte Realisten einige warme Bullenhappen geniessen können, während einige DICKFISCHE von der Realität eingeholt werden.

    1. @Pessi-Mist
      Ja, das ist wahr! Wir Realisten mussten uns wirklich sehr lange in Geduld üben, bevor nun kommt, was kommen musste. Dabei musste uns sogar noch ein Corona-Virus zu Hilfe eilen. Und ja, die BBB-Bombe tickt lauter und lauter, aber in den USA herrscht scheinbar noch eitel Sonnenschein. Es könnte bald ganz schlimm kommen. Wer noch nicht erlebt hat wie schlimm, kann es sich kaum vorstellen.

      1. Bin jetzt neugierig geworden,
        was der Hesterbär wohl schon alles erlebt hat.

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