Extreme Volatilität am Edelmetallmarkt, dünne Liquidität und nervöse Investoren sorgen derzeit für historische Preisschwankungen bei Gold und Silber. Während der Silberpreis zweistellig einbricht und sich ebenso schnell erholt, zeigt sich der Goldpreis deutlich stabiler. Was hinter den Turbulenzen steckt, warum China eine Schlüsselrolle spielt und weshalb einige Banken Edelmetalle als Absicherung infrage stellen.
Gold und Silber mit extremer Volatilität
Der Silberpreis wurde am Freitag erneut von heftiger Volatilität erfasst. Innerhalb kürzester Zeit drehte der Markt von deutlichen Verlusten in kräftige Gewinne: Zwischenzeitlich stürzte Silber um fast zehn Prozent auf ein neues Verlaufstief ab, bevor eine dynamische Gegenbewegung einsetzte. Laut einem Bericht von Bloomberg war der Haupttreiber der extremen Ausschläge die geringe Liquidität in einem Markt, der weiterhin Schwierigkeiten hat, einen tragfähigen Boden auszubilden. Auch der Goldpreis geriet kurzzeitig unter Druck und fiel bis auf 4.655 US-Dollar, konnte sich von diesem Rücksetzer jedoch rasch erholen.
Im asiatischen Handel am Freitag stieg der Spotpreis für Silber zeitweise um bis zu 6,2 Prozent, nachdem er zuvor in Richtung 64 US-Dollar je Feinunze gefallen war. Damit folgte auf den jüngsten Einbruch ein ebenso abruptes Comeback. Bereits in der vorangegangenen Sitzung war Silber um rund 20 Prozent abgestürzt – ein Rückgang, der sämtliche Gewinne aus der spektakulären Rallye des Vormonats auslöschte. Auch der Goldpreis konnte nach einer anfänglichen Schwäche wieder zulegen.
Silber ist traditionell deutlich anfälliger für extreme Kursschwankungen als Gold. Der Grund liegt in der kleineren Marktgröße und der vergleichsweise geringen Liquidität. Doch die jüngsten Bewegungen stechen selbst in diesem Kontext heraus: Es handelt sich um die stärksten Ausschläge seit 1980 – sowohl in ihrer Größenordnung als auch in ihrer Geschwindigkeit. Spekulative Dynamiken und ein ausgedünnter außerbörslicher Handel haben diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Seit dem Allzeithoch am 29. Januar hat Silber mehr als ein Drittel seines Wertes verloren.

Spekulation trifft dünnen Markt
Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, erklärte in einer Analyse, dass Market Maker bei steigender Volatilität typischerweise ihre Spreads ausweiten und ihre Bilanzrisiken reduzieren. Dadurch sei die Liquidität ausgerechnet in dem Moment am geringsten, in dem sie am dringendsten benötigt werde. Solange keine gewisse Ordnung zurückkehre, bestehe die Gefahr, dass sich die Volatilität selbst weiter anheize.
Bis Ende Januar hatten Anleger große Positionen in Edelmetallen aufgebaut, vor allem über gehebelte börsengehandelte Produkte und Call-Optionen. Doch die Rallye endete abrupt: Am 30. Januar verzeichnete Silber den größten Tagesverlust seiner Geschichte, während der Goldpreis den stärksten Einbruch seit 2013 erlitt. Seither bleiben die Märkte extrem nervös und volatil.
In den vergangenen Tagen hat sich die Lage zusätzlich verschärft, da chinesische Käufer sich spürbar zurückgezogen haben. Silber findet seither kaum Unterstützung. Die Preise in China sind im Vergleich zu internationalen Referenzmärkten in einen Abschlag gerutscht, weil die heftigen Schwankungen potenzielle Käufer abschrecken. Gleichzeitig fiel das Open Interest an der Shanghai Futures Exchange auf den niedrigsten Stand seit über vier Jahren – ein klares Zeichen dafür, dass Positionen abgebaut werden.

Laut Zijie Wu, Analyst bei Jinrui Futures, werden Long-Positionen ausgestoppt, während Short-Investoren Gewinne realisieren. Zudem hielten viele Marktteilnehmer ihre Bestände bewusst niedrig, da in Kürze die einwöchige Pause zum chinesischen Neujahrsfest beginnt, das am 16. Februar startet.
Goldpreis stabiler als Silber
Der deutlich liquidere Goldmarkt hat die Turbulenzen besser verkraftet als Silber. Mehrere Banken und Vermögensverwalter bekräftigten in dieser Woche ihre langfristig positiven Einschätzungen für das gelbe Edelmetall. Ein Fondsmanager von Fidelity International, der vor dem Crash verkauft hatte, erklärte, er sei bereit, erneut einzusteigen. Auch der Leiter des Rohstoffportfoliomanagements bei Pacific Investment Management Co. geht davon aus, dass der übergeordnete Aufwärtstrend beim Goldpreis intakt bleibt.
Gleichzeitig wirft die extreme Volatilität bei Edelmetallen Fragen zu ihrer Rolle als Absicherung gegen Risiken auf. In einem Bruch mit der klassischen Wall-Street-Doktrin erklärten Strategen von JPMorgan Chase, dass Bitcoin langfristig attraktiver erscheinen könne als Gold.
Am Morgen in London stieg der Spotpreis für Silber um 3,1 Prozent auf 73,10 US-Dollar je Feinunze. Gold legte um 1,5 Prozent auf 4.852,27 US-Dollar zu. Platin und Palladium gaben nach. Der Bloomberg Dollarindex, ein Maß für die Stärke des US-Dollars, notiert kaum verändert, liegt auf Wochensicht jedoch weiterhin im Plus.
FMW/Bloomberg
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