Gold

Märkte preisen Entspannung ein Goldpreis über 4.800 Dollar: Iran-Waffenruhe treibt Rally

Gold steigt wegen Iran-Waffenruhe
Tabletts mit Goldbarren in der polnischen Münzanstalt. Foto: Bloomberg

Der Goldpreis reagiert auf die Einigung zwischen US-Präsident Donald Trump und Iran über eine Waffenruhe zur Beendigung des Kriegs. Kurz vor Ablauf eines Ultimatums haben sich die Parteien doch noch geeinigt und weitere Verhandlungen angekündigt. Trump sowie iranische Vertreter signalisierten Bedingungen für eine Deeskalation, darunter die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Gold kletterte über 4.800 Dollar. Die Entwicklung sorgt kurzfristig für Entspannung, bleibt jedoch fragil und marktentscheidend.

Goldpreis springt nach Waffenruhe

Gold legte zu, nachdem US-Präsident Donald Trump und Iran eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbarten, um Gespräche zur Beendigung des Kriegs abzuschließen, der die globalen Märkte wochenlang durcheinandergebracht hat.

Das Edelmetall stieg um bis zu 3,1 % auf über 4.850 US-Dollar je Unze und baute damit einen Anstieg von 1,2 % aus der vorherigen Sitzung aus. Wie Bloomberg berichtet, erklärte Trump in einem Social-Media-Beitrag, dass er weniger als zwei Stunden vor einer selbst gesetzten Frist zur Zerstörung der „gesamten Zivilisation“ Irans einer Aussetzung der Bombardierungen zugestimmt habe. Als zentrale Bedingung für die Pause nannte er die Wiederöffnung der Straße von Hormus. Iran erklärte, eine sichere Passage durch die Meerenge sei für zwei Wochen „möglich“.

Brent-Öl fiel zeitweise um 13 % auf 95 US-Dollar je Barrel, während auch der Dollar nachgab – beides Faktoren, die den in US-Dollar bewerteten Goldpreis stützen. Die Aktienmärkten in den USA legten um mehr als 2 % zu. Seit Beginn des Nahostkonflikts entwickelte sich der Goldpreis weitgehend im Gleichlauf mit Aktien, da seine klassische Rolle als sicherer Hafen durch Liquiditätsbedarf einiger Investoren geschwächt wurde.

„Der Anstieg von Gold über 4.800 US-Dollar spiegelt eher eine Neubewertung der Risiken wider als einen vollständigen Regimewechsel“, sagte Ahmad Assiri, Stratege bei Pepperstone Group Ltd. „Die Bewegung nach oben deutet darauf hin, dass die Märkte nun eine geringere Wahrscheinlichkeit für anhaltende Störungen einpreisen, während gleichzeitig noch ein signifikanter Abschlag gegenüber der Situation vor dem Iran-Konflikt besteht.“

Gold im Aufwind: Goldpreis über 4.800 Dollar nach Iran-Waffenruhe
Gold setzt Aufschwung aufgrund von Hoffnungen auf eine Waffenruhe fort

Inflation und Zinserwartungen im Fokus

Der inzwischen in der sechsten Woche befindliche Iran-Krieg hat zu einem Anstieg der Energiepreise geführt und die Inflationsrisiken erhöht. Dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Zentralbanken Zinssenkungen verschieben oder sogar weitere Zinserhöhungen in Betracht ziehen. Anleihehändler erwarten, dass die US-Notenbank die Kreditkosten bis Jahresende stabil hält – ein Gegenwind für das nicht verzinsliche Gold.

Seit Beginn des Kriegs Ende Februar ist der Goldpreis um fast 10 % gefallen. Eine moderate Erholung in den letzten Tagen wurde durch Hoffnungen auf eine Waffenruhe sowie durch Erwartungen gestützt, dass eine Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums den Effekt stabiler oder höherer Zinsen teilweise kompensieren könnte.

Am Dienstag, noch vor der Bekanntgabe der Waffenruhe, äußerten drei Vertreter der Federal Reserve Bedenken hinsichtlich Inflation und nachlassendem Wachstum. Vizechef Philip Jefferson beschrieb die Zinssätze als in einem Bereich, der weder stimulierend noch bremsend wirkt, während John Williams, Präsident der New Yorker Fed, erklärte, seine Einschätzung des zugrunde liegenden Preisdrucks in den USA habe sich kaum verändert.

„Kurzfristig bleibt Gold äußerst sensibel gegenüber politischen Entwicklungen“, sagte Assiri. „Die aktuelle Waffenruhe bietet ein Zeitfenster der Entspannung, ist jedoch an Bedingungen geknüpft und fragil. Jeder Hinweis auf ein Scheitern – insbesondere im Zusammenhang mit der Straße von Hormus – dürfte erneut Volatilität und Abwärtsrisiken auslösen.“

Der Spot-Goldpreis stieg um 2,1 % auf 4.807,01 US-Dollar je Unze (Stand: 7:07 Uhr in Frankfurt). Silber legte um 3,7 % auf 76,68 US-Dollar zu. Auch Platin und Palladium verzeichneten deutliche Kursgewinne. Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel um 0,8 %.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Der Preis für den Rohstoff Edelmetall Gold wird volatil bleiben, da einerseits die iranpolitische Ausgangslage fragil ist, möglicher Liquidationsbedarf von Anlegern Gold als sicherer Hafen ebenfalls fragil macht.

  2. Naja- jetzt ist wieder die Tür für die Spekulanten auf.
    Für die physischen Gold-Horter reicht es.
    Über 12 % Kapitalerträge bei Gold in den ersten Monaten des Jahres, liegen schon etwa 3 % höher als der Jahresschnitt seit 1971.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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